In unserer neuen Reihe „Frauenpower“ stellen wir euch die Frauen im Motorsport vor und lassen diese zu Wort kommen. Hier berichtet die Damenwelt, was ihr auf dem Herzen liegt. Den Anfang macht Sarah Ganser.

Foto: Sarah Ganser

Seit sieben Jahren ist Sarah nun mit einem eigenen Rennteam in verschiedenen Rennserien in Europa am Start. Seit ihrem sechsten Lebensjahr fährt Sarah alles, was vier Räder hat. Angfangen beim Kart, wechselte Sie mit 16 Jahren in den Autorennsport. Wir haben Sarah Ganser als quirlige und aktive Rennfahrerin und Teamchefin im Januar in Zandvoort beim Winter Endurance Cup kennengelernt. Sie erzählt hier ihre Geschichte und von der Kraft stark zu sein.

„Ich bin ganz schön stark!“

Mein Name ist Sarah Ganser und ich bin seit 13 Jahren im Motorsport aktiv. Mit meinen fast 23 Lebensjahren fahre ich seit sieben Jahren Autorennen und seit meinem 16 Lebensjahr selbstständig mit meinem eigenen Rennteam.

Viele die mich auf der Rennstrecke sehen und viele die mich kennen, sehen immer nur das flippige, den Flummi, den selbstbewussten und lauten Auftritt. Trotzdem muss ich jedoch mehr oder weniger meine Frau in dieser Männerwelt stehen, vor allem mit den Jungs und den Mädels in meinem Rennteam. Die Verantwortung für eine solche Truppe zu tragen – das ist manchmal ganz schön schwierig. Wer meinen Hintergrund kennt, kann nur selten glauben, wenn ich dann tatsächlich so impulsiv und stark auftrete. Und darüber möchte ich den Lesern erzählen.
Zurückblickend kann ich sagen: Ich bin ganz schön stark!

Ich hatte keine angenehme Vergangenheit. Ich bin, seitdem ich denken kann, anders als die anderen Mädchen. Ich interessiere mich seit frühester Zeit für feinfühligere Sachen, als Puppen. Ich habe schon immer mit Autos gespielt und bin dann irgendwann zum Kartfahren gekommen. Seit der sechsten Klasse wurde ich deswegen sehr oft und viel gemobbt. Fast schon jeden Tag zugerichtet und gedemütigt. Die Schulzeit war nicht einfach für mich. Es war nicht leicht durchzuhalten und diesen Spagat zu schaffen. Einerseits hast Du Kraft nicht mehr, weiter zu kommen. Andererseits musste ich sie aufbringen, um mein Leben irgendwie weiterzuführen.

Was mir wirklich Kraft gegeben hat, war der Gedanke an den Motorsport – dass ich in der Schule durch die Hölle gegangen bin und am Wochenende das Paradies auf Erden auf der Rennstrecke hatte. Egal wie das Rennen endete, ich habe die Zeit immer sehr genießen können. Meine Schule, meine Ausbildung und mein Fachabitur habe ich dank dem Motorsport geschafft, obwohl mir oft die Kraft fehlte.

Viele Leute die ich kenne, hätten in einer solchen Situation lange aufgegeben. Ich kenne auch viele, die tatsächlich aufgegeben haben. Ich habe es glücklicherweise geschafft, immer meine Frau zu stehen und durchzuhalten. Ich glaube nicht, dass ich die Kraft ohne den Motorsport aufbringen hätte können.
Ich möchte einfach mal loswerden und den Lesern mitteilen, dass es sich lohnt für seine Ziele zu kämpfen. Wer denkt er kann, der kann auch. Niemand sollte sich klein kriegen lassen, von Mitmenschen, die nichts in Ihrem Leben auf die Reihe gebracht haben.

Es waren unzählige Menschen in meinem Leben, die nicht an mich glaubten, als ich vom Kart- auf den Autorennsport umgestiegen bin. „Du wirst nicht mal ein Jahr durchhalten!“ musste ich mir allzu oft anhören. Und seit sieben Jahren halte ich das jetzt inzwischen durch! Klar, irgendwann wird es vorbei sein. Aber die Zeit, die ich habe, die werde ich genießen. Und schließlich lebt man nur einmal.

„Ich lasse mir von keinem mehr reinreden.“

Durchzuhalten und Stärke zu beweisen, kann Dir – ja Du, Leser – keiner nehmen. Jeder Mensch hat das Recht, auf dieser Welt zu sein und seine Träume zu verwirklichen. Das halte ich für besonders wichtig – diese Botschaft nach draußen zu tragen!
Das ist ein Thema, dass mir sehr ans Herz geht. Ich sehe jeden Tag so viele Menschen, die mir dann sagen „Ich hätte das gerne gemacht, aber ich konnte nicht…“.

Ich habe auch mit Null angefangen. Ich habe keinen finanziellen Background, der mir große Sprünge erlaubte. Ich habe Erfolge gebracht, dann kamen die Sponsoren fast von alleine. Ich hatte auch kein Vitamin B. Mein Papa ist nie Autorennen gefahren, ebenso keiner aus meiner Familie. Das habe ich mir alleine erarbeitet. Meine Eltern standen jedoch immer hinter mir und unterstützten mich, wo sie nur konnten. Ihnen habe ich so viel zu verdanken.

Ich sehe so viele Menschen, denen einfach der Mut fehlt. Klar ist das alles leichter gesagt, als getan. Wer etwas erreichen will, der muss neben Kraft und Fleiß eben auch Mut aufbringen. Den Mut zu sagen: „Das bin ich! Und ich kann was!“

Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Michael Brückner ist seit Jahren begeisterter Motorsportfan und Fotograf. Außerdem sammelt er wissbegierig allerlei Informationen und arbeitet diese dann auf. Warum also nicht alles unter einen Hut bringen und der Welt zur Verfügung stellen. So entstand LSR-Freun.de. Neben der fotografischen und redaktionellen Arbeit kümmert sich Michael auch um die technischen Aspekte des Internetauftritts.
Kategorie: PortraitTags:

Ein Kommentar zu “Frauenpower: Sarah Ganser – von der Kraft stark zu sein

  1. Sarah Gänserndorf hat es hervorragend formuliert ! Das ganze Leben ist ein Quiz aber mehr als 90prozent fällen durch und 5prozent schaffen es nur durch Vitamin B (Beziehungen)

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