Zum Ende der Saison 2016 stellte Peter Posavac ein paar einzelne Taxifahrten für die Marshals zur Verfügung und trat damit eine Welle los, die so keiner erwartete. Abschnittsleiter Björn Schäfers berichtet von seinen Erlebnissen bei der Taxifahrt im Porsche 911 GT3 Cup von Four Motors.

Björn Schäfers
Foto: FourMotors – Foto Flach

Björn Schäfers: „Viele erinnern sich gewiss noch an die Aktion #DankeMarshals!, die im letzten Jahr ihren Höhepunkt durch eine Verlosung von Sachpreisen und Taxifahrten genommen hat. Als ich meinen Losabschnitt in der Hand hielt, stand ich vor einer schwierigen Entscheidung. Zum damaligen Zeitpunkt waren im Lostopf, ich glaube, 17 Taxifahrten. Bei der Anzahl an verteilten Losen erschien mir die Chance auf den Gewinn einer solchen Fahrt aber sehr gering. Trotzdem habe ich mich für die Verlosung der Taxifahrten entschieden. Das sich im Nachhinein das Engagement der Teams zu einer wahren Flut an Taxifahrten entwickelt, konnte ich zu diesem Zeitpunkt natürlich nicht erahnen. Ich traute meinen Augen nicht als ich gelesen habe, dass jeder/jede Teilnehmer/in an der Verlosung der Fahrten auch eine Fahrt gewinnt. Die Frage war jetzt nur noch: Welches Team und auf welchem Auto?

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Mit großer Spannung habe ich dann auf die Verlosung gewartet. Dann stand es endlich fest: Four Motors Bioconcept-Car.
Sofort hatte ich zwei Namen im Kopf: Tom und Smudo. Habe mich sofort auf die Homepage und die Facebook-Fanseiten begeben. Alle Informationen über dieses tolle Konzept, die Fahrer, das Team und W&S Motorsport saugte ich förmlich in mich auf. Nachhaltigkeit im Motorsport ist ein interessantes und sehr wichtiges Thema. Die Umsetzung durch recycelte Öle, E20 Sprit und Leichtbauteilen aus nachwachsenden Rohstoffen, ist Four Motors dabei sehr gut gelungen.

Jetzt musste nur noch ein passender Termin mit dem Team abgestimmt werden. Nach einem sehr freundlichen Schriftwechsel mit Karla und Janna wurde dann VLN5 als Termin vereinbart. Ihr glaubt nicht, wie die Anspannung und Aufregung in mir von Woche zu Woche anstieg.

Am Freitag (17.08.2018) war es dann endlich soweit. Am Vormittag begab ich mich auf den Weg zum Ring. Mit jedem Kilometer wurde mein Grinsen im Gesicht immer größer. Nachdem ich das Auto auf dem Parkplatz neben dem Fahrerlager abgestellt habe, bin ich auch erst mal gemütlich durch selbiges geschlendert. Bis zu meiner Fahrt hatte ich noch gute vier Stunden Zeit. Da ich sonst an der Strecke oder im Hauptposten kurz hinter dem Adenauer Forst stehe, habe ich die Zeit im Fahrerlager natürlich sehr genossen. Von dem ganzen Trubel bekommt man ja sonst nicht so viel mit. Um kurz vor 15 Uhr war es dann soweit und ich begab mich zum Team.

Da Bundesministerin Julia Klöckner an diesem Tag auch eine Runde mit Smudo drehen sollte, herrschte eine gewisse Anspannung beim Team. Aber der Empfang und die Vorbereitungen waren sehr freundlich und familiär.

Nach der Anmeldung ging es dann in die zweite Etage des Team LKW. Als ich die Leiter hoch bin, kam mir Smudo entgegen. Er erklärte mir dann noch schnell die Nutzung der angestauten Wärme in der zweiten Etage.

Anders gesagt: Es war verdammt schwül und sehr warm da oben. Janna kramte in der Kiste mit den Overalls und drückte mir den größten verfügbaren in die Hand. Als ich das Etikett im Anzug gesehen habe, musste ich erst mal schlucken. Vier Nummern kleiner als das, was ich sonst so trage. Aber wo ein Wille ist, ist bekanntlich auch ein Weg. Nachdem ich meinen Körper kunstvoll in den Overall gequetscht hatte, blieb noch ein Hindernis: Der Reißverschluss. Nach ein paar Minuten hatte ich jedoch den Kampf für mich entschieden.

Mein erster Gedanke: Bloß nicht hinsetzen und wenig atmen. Ich war auch fast der einzige, der nach der Anprobe den Overall die ganze Zeit zugelassen hat. Die Gefahr, einen erneuten Kampf mit dem Reißverschluss möglicherweise zu verlieren, war mir einfach zu groß. Jetzt noch schnell einen Helm geschnappt und ab in die Box Nr. 4. So langsam ergaben sich Zweifel an der Passform zwischen einem 911 GT3 Cup und meinem Körper. In meinem Overall sah ich aus wie eine Presswurst im Rennmantel.

Laut Plan war ich der letzte Beifahrer für diesen Tag. Kurz bevor es losgehen sollte, unterhielt ich mich noch mit einem Mechaniker über die beiden Möglichkeiten des Einsteigens. Ich habe mich natürlich prompt für die falsche entschieden und musste einen zweiten Anlauf nehmen. Für einen Kerl in meinem Format ist das schon eine sehr enge Angelegenheit. Die Gurte, welche vorher natürlich auf maximale Länge gestellt wurden, mussten auch nicht mehr festgezogen werden.

Jetzt ging es dann endlich los. Auf der Fahrt Richtung Boxenausfahrt habe ich dann nochmal alle Körperteile sortiert. Nachdem wir den Marshals an der Ausfahrt unsere Armbänder gezeigt haben, ging es dann auf die GP Strecke.

Unvorstellbare Kurvengeschwindigkeiten und Bremspunkte

Das was jetzt kam, habe ich weder erwartet, noch für möglich gehalten. Der Sprint aus der Box raus ähnelte einem Katapult. Einem sehr lauten Katapult. Als wir uns dem Castrol-S näherten und alles in mir sagte: „BREMS!“, schaltete Daniel Schellhaas noch einen Gang hoch und blieb voll auf dem Gas. Selbst, nachdem ich schon längst mit meinen Füßen auf dem Bodenblech nach einem Bremspedal suchte und die Anfänge meines Lebens langsam an meinem inneren Auge vorbeizogen, verging noch eine gefühlte Ewigkeit, bis dann doch mal gebremst wurde.

Mein ganzer Körper hatte den extrem starken Drang, den Porsche durch die Frontscheibe zu verlassen. Zum Glück gibt es aber Gurte, die das zu verhindern wissen. In die wurde ich jetzt auch so stark reingepresst, dass ich ohne größere Probleme den Reißverschluss vom Overall auf und wieder zu machen könnte. Fasziniert von dieser extremen Verzögerung sah ich nun aber schon das Kiesbett vor Posten 4a sehr schnell näherkommen. Und ehrlich gesagt hätte ich nicht gedacht, dass wir diese Kurve packen.

Die eben noch für unmöglich gehaltene Verzögerung wird wurde nun durch eine unvorstellbare Kurvengeschwindigkeit abgelöst. Bis zum Anfang der Fuchsröhre kamen diese Gefühle auch immer wieder hoch. Bei fast jeder Kurve bremste mein Fuß mindestens 50 – 100 Meter vor Daniel.

Bei jedem Einlenken, vor allem in schnelle Kurven, denkt man an einen bevorstehenden Abflug. Nach der Fuchsröhre habe ich die Fahrt aber einfach nur noch genossen. Etwas nervös wurde ich dann aber im Bereich Kesselchen und Klostertal. Als wir auf einen etwas langsameren Teilnehmer aufgeschlossen sind, konnte ich mich – trotz der hohen Geschwindigkeit – vom ordnungsgemäßen Zustand seiner Schnellverschlüsse am Heck überzeugen. Geschätzter Abstand von 20 cm bei Geschwindigkeiten von über 200 km/h. Leider geil!

Durch das Vertrauen in Auto und Daniel konnte ich die restliche Fahrt dann aber auch mal die Sicht auf die Streckenposten testen. Die Posten, welche mit Marshals besetzt waren, fliegen regelrecht an uns vorbei. Ich habe wirklich großen Respekt vor den Fahrern, dass sie bei diesen Geschwindigkeiten so gut wie jedes Flaggensignal erkennen. Auch die enorme körperliche Belastung habe ich bei Weitem unterschätzt. Ich fahre selber auch gerne mal etwas zügiger; wo es eben erlaubt ist. Mein Auto ist jetzt auch nicht unbedingt untermotorisiert. Aber diese enormen Kräfte, in Verbindung mit der beeindruckenden Fahrphysik, sind für Außenstehende nur schwer in Worte zu fassen. Für mich war die Fahrt nach einer Runde vorbei. Und ich kann mir gar nicht vorstellen, wie ein Fahrer das einen kompletten Stint durchhalten kann.

Obwohl die Runde viel zu schnell vorbei war, war ich schon etwas erleichtert als wir die sichere Boxengasse erreichten. Das war das geilste Erlebnis, was ich bis jetzt erlebt habe. Ein ganz großes Dankeschön geht an das komplette Team von Four Motors und W&S Motorsport. Ihr seid echt eine sehr tolle und engagierte Truppe.

Ich möchte mich aber auch bei allen anderen Teams bedanken, die durch Sachpreise und Taxifahrten diese Aktion so erfolgreich gemacht haben. Und natürlich geht mein Dank an Lutz Rodrigues, LSR-Freun.de, Peter Posavac und alle die an der Organisation und Durchführung beteiligten Personen.“

Thomas von Löwis
Foto: L. Rodrigues

Teamchef Thomas von Löwis über die Fahrt: „Wir hatten auch eine Sportwartin zur Mitfahrt an Bord. Diese freiwilligen Helfer, die Sportwarte, rund um die Strecke sind wohl die wichtigsten Menschen für uns und haben volle Wertschätzung und Respekt verdient! Ohne sie gäbe es keine Rennen. Wer bei knallender Sonne wie am vergangenen Samstag von früh um 6 Uhr bis spät um 19 Uhr seine Freizeit für Veranstalter und Rennteams an der Strecke verbringt, verdient unseren herzlichsten Dank. Der ganze Rennzirkus und auch unsere Tests wären ohne das ehrenamtliche Engagement zu Streckensicherung, Rettungsdienst, Feuerwehr und so weiter, gar nicht möglich.

Bedingt durch den Medienrummel hatten wir vielleicht etwas wenig Zeit für Plaudereien und Erfahrungsaustausch, ich freue mich, wenn die Taxifahrt Spaß gemacht hat.

Leider habe ich am Samstag im Rennen dann Bekanntschaft mit den Leitplanken gemacht und auf der Strecke weitere Sportwarte kennengelernt. Auch da, nach dem Unfall, war die unmittelbare Sicherung und Betreuung der zwei Herren in Orange super, darum möchte ich auch an dieser Stelle nochmals deutlich #DankeMarshals! sagen.“

In eigener Sache:

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
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