Am Steuer des im Zeittraining zu NLS2 am Stefan-Bellof-S verunfallten BMW saß Georg Kiefer. Nach dem Überschlag und dem daraus resultiertem Totalschaden war für ihn die Saison vorbei, bevor sie überhaupt richtig begonnen hatte.

Unfall Octane126 #26 und BMW 325i #728 NLS2 2021
Foto: L. Rodrigues

Kiefer war dann über die Saison bei seinem Bruder Thomas als Support mit vor Ort, der bei Four Motors mit Smudo zusammen im Cup Neunelfer fährt. Ins Renngeschehen selbst griff er jedoch nicht mehr ein, das geplante Budget war, ohne eine einzige Rennrunde 2021, aufgebraucht.

Foto: L. Rodrigues

Georg Kiefer versprach jedoch den Sportwarten sie bei ihrem Dienst zu besuchen, um sich einen Eindruck aus deren Perspektive vom Renngeschehen zu machen. Natürlich wurde auch über den Unfall gesprochen. Einige der Marshalls hatten an diesem Tag Dienst, leiteten die Notfallkette mit ein und sicherten die Stelle auf Höhe Posten #178a mit ab.

Foto: L. Rodrigues

Zum Zeittraining des neunten Laufs heute kam er zur Visite auf Posten #177 – der Hauptposten des Abschnitts 15 und 16 am Stefan-Bellof-S – und zeigte sich sichtlich beeindruckt. Der Besuch war selbstverständlich angekündigt und mit dem Leiter der Streckensicherung besprochen. Um die Sportwarte dann während des Qualifyings nicht unnötig abzulenken, schaute Kiefer schon am frühen Samstagmorgen vorbei. Nachdem die ersten Teilnehmer auf der Strecke waren, griff er kurz selbst zur blauen Flagge und gab mit Unterstützung der erfahrenen Marshalls auch entsprechende Signale.

Nachdem Kiefer sich bei allen bedankt und verabschiedet hatte, zog er sich in den deutlich sichereren Zuschauerbereich zurück und ließ die Eindrücke auf sich wirken: „Großen Respekt und Dank für den mutigen Einsatz der Damen und Herren hier auf den Posten rund um die Nordschleife. Ich weiß zwar, dass wir in den Rennwagen schnell unterwegs sind, ich habe schon hunderte Runden auf dem Nürburgring gedreht. Aber wenn du dann auf dem Posten, direkt hinter der Planke und dem Zaun stehst, realisierst du aus nächster Nähe, was für Geschwindigkeiten hier gefahren werden und wie viel Energie eigentlich in den Fahrzeugen steckt. Hier musst du als Sportwart blitzschnell Entscheidungen treffen, sowie die Nerven und den Überblick bewahren. Dann im richtigen Moment zu reagieren, ist eine großartige Leistung, die du nicht genug würdigen kannst.“

Foto: L. Rodrigues

Nachdenklich geht sein Blick auf die Stelle der Strecke, an der sich sein BMW überschlagen hatte und er dann mit dem Rettungswagen abtransportiert wurde. „Wir sitzen in Autos mit Sicherheitskäfig, Gurtsystem, feuerfestem Overall sowie Helm und HANS und trotzdem können immer wieder fatale Unfälle passieren. Dass ich letztendlich mit ein paar starken Prellungen und dem Schrecken davongekommen bin, habe ich auch der schnellen Reaktion des Personals im Abschnitt 15 und 16 zu verdanken, das den Verkehr rechtzeitig mit Flaggensignalen eingebremst hatte, damit keine Folgeunfälle passieren. Die Stelle wird mit über 200km/h durchfahren und ich kam damals mit der Fahrerseite in Richtung Verkehr zum Stehen.“

Kiefer schließt ab: „Jetzt freue ich mich aber wie alle Zuschauer unheimlich auf das Saisonfinale und werde die anstehende Winterpause weiter zum Kraft tanken nutzen, um in der nächsten Saison wieder selbst ins Geschehen eingreifen zu können. Danke, dass ich heute diese Möglichkeit hatte!“

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
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