Der 46 Jahre „junge“ Koch und Hotelier Axel Duffner fährt seit 2016 beim Four Motors Team Care for Climate zusammen mit den Teamkollegen Thomas von Löwis, Daniel Schellhaas und dem Rapper Smudo auf einem Auto. Wie er zum Motorsport und dem Titel „Schnellster Koch Europas“ kam erzählt er bei LSR-Freun.de

LSR-Freun.de: Hallo Axel, danke das Du dir die Zeit nimmst unseren Lesern etwas über Dich zu erzählen. Du bist doch immerhin sehr beschäftigt mit deinem Hotel „Schöne Aussicht“ in Hornberg/Schwarzwald.
Axel: Hallo, gerne nehme ich mir die Zeit zwischen Waren-Lieferungen und Küchenvorbereitung für Euch.

Wie kamst Du zu dem Hobby Motorsport?
Das war so 1990 über die Clique. Ein Freund von mir fuhr damals Slalom-Rennen. Was ist Slalom, werdet ihr nun fragen: Das ist von A nach B zwischen einem Pylonenparcours schnellstmöglich durchzufahren ohne einen dieser Pylonen umzuwerfen. Und das ganze bei einem Trainingslauf und meist 2 Wertungsläufen. Das klang für den Anfang schon sehr interessant. Somit habe ich mir 1993 einen Golf 1 gekauft und damit die ersten Versuche gestartet. 1994 kam erstmal die Bundeswehr. 1995 merkte ich, daß der Golf nicht reicht und habe einen Kadett C gekauft und bin dann damit Slalom gefahren.

Slalom oder Kart sind ja meistens die Einstiegsliga. Wann hast Du mit der Rundstrecke begonnen?
Von 1995 bis 2000 bin ich viel Slalom und Bergrennen gefahren. Auch am „Großen Preis der Stadt Heidelberg“ habe ich teilgenommen. Dann 2003 bekam ich von einem Freund, Sven Fisch, einen Audi RS4 angeboten, mit welchem er beim 24h-Rennen damals teilnahm und verunfallte, während des Rennens aber wieder gerichtet konnte und letztendlich bis ins Ziel fuhr. So entschieden wir uns zusammen ich mich, das Auto zu kaufen und wenn möglich im kommenden Jahr bei dem 24h-Rennen am Nürburgring mit zu fahren. Somit kauften wir ich den Wagen und wir richteten ihn wieder her. 2004 bestritt ich dann das erste Slalom-Rennen mit dem Audi.

Und wann und wie ging es dann auf der Nordschleife los?
Das ist eine recht lustige Anekdote. Ich startete 2004 beim 6h-Rennen zum ersten Mal am Nürburgring in einem Astra F von Jochen Vollmer. Mein Kumpel, Sven Fisch, meinte: „Du schaffst das schon! Du kommst ja aus dem Wald und kennst das. Setz‘ Dich einfach ins Auto und fahre!“
Lange Rede kurzer Sinn: Ich habe mich ins Auto gesetzt und los; über Start/Ziel um mir meine erste Zeit abzuholen. Also fuhr ich so über den Grand-Prix Kurz und dachte mir: “Ja geil! Richtige Rennautos um mich herum.“ Nach der ersten Runde Kurzanbindung entschloss ich mich noch eine zweite Zeit zu fahren, da die Reifen noch nicht richtig warm waren. Das wiederholte ich noch zwei – drei Mal, wobei mir die Runden doch sehr kurz vorkamen dafür das es doch 24 km sein sollten. Da entdeckte ich, dass nach der NGK-Schikane einer vor mir nach Links abbog. Dabei dachte ich mir „Dem fahre ich einfach mal hinterher.“

Du hast die Nordschleife also nur durch Zufall entdeckt?
(lacht) Ja so war es ungefähr. Ich hatte vorher noch keinen Meter Bekanntschaft mit der Nordschleife gemacht. Weder im Privatwagen, noch per Video oder so. Die Runde war dann etwa sechzehn Minuten lang, was für eine allererste – und blinde – Runde in einem Astra F doch schon ganz gut war.
Das Rennen selbst konnten wir dann leider nicht fahren, da ein Teamkollege verunfallte. Somit habe ich den Audi nochmals im September 2004 beim Slalom eingesetzt und bin dann zu den letzten beiden VLN-Rennen endlich gestartet.

Natürlich hat mich das Virus erfasst und ich bin seitdem nicht mehr losgekommen und bin nun in diesem Jahr mein vierzehntes 24h-Rennen in Folge gefahren.

Das ist schon eine Menge. Wie kam es dann zur Kombination Four Motors – Axel Duffner?
Das Team kannte ich schon länger. Bei einem Abendessen in meinem Restaurant mit Daniel Schellhaas und einem seiner Kunden kamen wir im Gespräch darauf, da mit einzusteigen. Das war im Oktober 2015. Da kam gerade die „Caymansache“ auf. Im März 2016, bei einem Telefonat mit Thomas von Löwis, hatten wir dann beschlossen bei den Einstellfahrten mal gemeinsam zu testen um zu sehen, ob und wie wir die Zusammenarbeit in trockene Tücher bekommen. So kam es dann, dass ich zum 24h-Rennen 2016 mitgefahren bin. Da habe ich Smudo auch zum ersten Mal persönlich kennengelernt und gemerkt, dass er ein super Kerl ist. Leider beendeten wir das Rennen nicht, da Tom in der Nacht einen heftigen Einschlag im Bereich Hohe Acht hatte. Aber seitdem bin ich dabei und es geht immer nur „vorwärts“.

Das zeigte sich dann 2017 beim 24h-Rennen mit einer Platzierung unter den Top 50
Ja, wir wären damals sicher noch ein paar Plätze weiter vorne gewesen, wäre der „Ausritt“ von Smudo nicht gewesen. Die 16, 17 Minuten, die wir da durch die Reparatur verloren, waren in dem engen Feld nicht mehr aufzuholen. Aber auch das gehört zum Racing mit dazu und wir sind angekommen, was natürlich immer das oberste Ziel ist und für FourMotors ein sehr wichtiger Erfolg war.

Was dann mit einem beeindruckenden 27. Gesamtrang dieses Jahr fortgesetzt wurde.
Das war schon eine großartige Leistung des gesamten Teams. Zumal wir in dieser Saison mit drei Wagen unterwegs sind. Das ist alles schon sehr professionell. Auch die Zusammenarbeit mit Smudo im Team ist super. Sobald er im Teamzelt ist, ist er hochkonzentriert und wird von allen wie jedes andere Teammitglied gesehen. Da gibt es keinen Promi-Bonus. Das möchte er natürlich auch nicht. Das bereitet ihm und uns viel Freude. Er gehört halt einfach mit dazu.
Sicherlich ist es für das Team schon extrem hilfreich mit einem so bekannten Mann in der Mannschaft. Das Medieninteresse ist dann schon entsprechend hoch. Aber als Mensch ist er ein toller Teil der Rennfamilie.

FourMotors Porsche GT3-Cup
Foto: L. Rodrigues

Fährst Du außer der VLN und den 24h-Rennen auch noch in anderen Serien?
Ich habe mir im Januar dieses Jahr einen Traum erfüllt und mir meinen eigenen Porsche 997-Cup gekauft. Der wird nun im Juni fertig gemacht und damit werde ich an Trackdays am Nürburgring teilnehmen. Das ist mein Ausgleich, wenn keine VLN ist und es mich trotzdem im Gasfuß juckt. Für mehr lässt mir das Tagesgeschäft mit dem Hotel aber auch keine Zeit. Ich habe auch mit meinem Freund, Martin Schäfer, zusammen einen BMW E30 M3 aufgebaut, auch mit dem bin ich gerne zwischendurch unterwegs bei dem einen oder anderen Slalom.

Das klingt nach viel Spaß und Zeitaufwand als Selbständiger. Kam Dir schonmal in den Sinn den Rennanzug an den Nagel zu hängen?
Nein, überhaupt nicht. Ich muss zurzeit zwar kürzertreten, da meine Eltern sich nun in den Ruhestand begeben haben und meine Frau und ich dadurch noch mehr zu tun haben im Hotel. Aber gänzlich aufhören kam mir bisher nie in den Sinn. Zum einen ist der Motorsport einfach für mich ein passender Ausgleich zum Arbeitsleben und es ist ganz klar eines der schönsten Hobbies der Welt.

Was war für Dich der bewegendste Moment in der Rennsportkarriere?
Das war, nach Heirat und Geburt der Kinder mit Sicherheit der Moment als ich 2006 beim 24h-Rennen über die Ziellinie fuhr. Noch heute bekomme ich bei der Erinnerung Gänsehaut. Auch dieses Jahr dann, als ich den Restart bis zum Ende gefahren bin. Die letzten Runden noch zusammen mit Charlie im Cayman im Doppelpack bis ins Ziel. Alles jubelte und winkte. Das sind erhebende Momente. Da lasse ich dann auch meinen Freudentränen freien Lauf, denn es ist einfach nur geil!

Auch weil die Bedingungen teilweise fragwürdig waren. Der Abbruch war der richtige Weg, nach dem Restart war es immer noch „gefährlich wie die Sau!“.
Früher dachte ich mir, was meinen Die die damit, die 24h-Nürburgring wären das schönste Rennen der Welt. Nach meinem Debüt dann Ende 2004 habe ich dann natürlich hatte ich viel darüber gelesen und auch Videos geschaut. Aber erst, wenn Du selbst erlebst, wie die Stimmung ist – und fortwährend den Grillgeruch im Auto – merkt man erst, wie einzigartig diese Veranstaltung überhaupt ist und was es bedeutet ein Teil davon zu sein. Du fährst Richtung Hohe Acht hoch und denkst dir plötzlich „Heilligsblechle! Die hen a Schteak druffglegt…“ oder kommst gefühlt in eine fast undurchdringliche Nebelwand. Das ist dann der Grillrauch, welcher nach ein paar Metern wieder weg ist. Einfach einzigartig, jede Runde ist damit anders und man freut sich auf die Nächste. Es wird nie langweilig und man verfällt auch nicht in irgendeine Routine.

Dieses Jahr war beeindruckend, in der Nacht das Auto von Tom zu übernehmen und dann im Regen einen Doppelturn zu fahren. Extrem anstrengend, aber es war das beste Auto, das was ich bisher hatte. Denn wir haben unser Reifenproblem endlich in den Griff bekommen. Es war auch sensationell und ein Erlebnis, welches ich nie vergessen werde. Es war jede Runde etwas anderes gewesen. Mal wurde ich überholt, mal konnte ich mit viel Verkehr überholen, dann war man eine halbe Minute ganz alleine unterwegs. Das sind die Dinge, die mich antreiben den „Scheiss“ weiter zu machen.

Da kommen wir dann zum Thema Zukunft. Auch da ist Four Motors Vorreiter.
Dies ist auch ein Grund, warum ich mich bei Four Motors sehr wohl fühle. Das aktuelle Auto ist schon ein richtiges „Männerauto“, muss ich sagen. So ein GT3-Cup Porsche ist der Wahnsinn. Viel schneller – aber auch teurer – geht ja kaum noch. Aber so wie die Sache im Moment umgesetzt ist – mit dem reraffinierten Öl, den Hanf-Komponenten, dem Bio-Sprit und der Zusammenarbeit mit Porsche – ist das eine tolle und einmalige Angelegenheit und ich freue mich ein Teil davon zu sein. Wir müssen auf jeden Fall an unsere Ressourcen denken. Die ganzen Kohle-Verbundstoffe sind extrem belastend in der Herstellung und nicht recyclebar. Wenn wir damit mit dem Nachhaltigkeitskonzept neue Wege für die Zukunft gehen können – warum nicht? Wir leben im Schwarzwald von einer gesunden Natur. Dies sollten wir für unsere Kinder und spätere Generationen auf jeden Fall erhalten.

Herzlichen Dank Axel für das Interview. Es waren doch schöne und interessante Eindrücke. Wann werden die Fans den Bioconcept-Porsche wiedersehen?
Wir werden mit allen drei Autos wieder im August zum 6h-Rennen der VLN dabei sein. Ich kann es jetzt schon kaum erwarten. Danke Euch für das Interesse und das lockere Gespräch und vielen Dank an unsere Fans da draußen.

In eigener Sache:

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
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Ein Kommentar zu “Zum Zieleinlauf lies ich meinen Tränen freien Lauf – Axel Duffner im Gespräch

  1. Axel Duffener, ich möchte ja das Projekt von Four Motors nicht schlecht machen, aber meinst du nicht, das der Ausdruck „Wir müssen auf jeden Fall an unsere Ressourcen denken.“ mit der gesamten Materialschlacht bei den 24h im Gegensatz steht?

    Aber in einem muss ich dir zu 100% zustimmen. Dieses Flair, diese Atmosphäre bei den 24h ist einfach Überwältigend und einzigartig. Seit 2011 bin ich als Sportwart dabei und habe im selben Jahr meine 1. Nacht auf Posten 184 im Schwalbenschwanz erlebt. Der Sonnenaufgang, der Blick auf den erwachenden Campingplatz, die donnernden Boliden zu Füßen und im Rücken das feiernde Partyvolk, das vergisst man nicht. Das sind Momente, wo man „Pippi inne Augen“ bekommt. Liebe Grüße Thomas

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