Yannick Mettler aus Luzern (CH) über seinen Weg nach Le Mans bei Facebook:

Es ist ein legendärer Ort, an den man als Fahrer nicht so einfach hinkommt. Es gibt nur sehr wenig Möglichkeiten, hier überhaupt dabei zu sein. Dass ich dieses Jahr im Rahmenprogramm hier starten durfte, war für mich schon ein Highlight an sich.

Schon bei der Ankunft merkt man, dass der Event nochmals eine ganz andere Dimension hat, wie alles, was ich bisher erleben durfte. Ohne Ausweis und Unterschrift kein Ticket, ohne Scan-Kontrollen an jedem möglichen Durchgang kein Eintritt. Dann die Dimension der „Fan Village“, die Team-Hospitalities, etc… Unfassbar, was hier aufgebaut wird! Und wie weitläufig alles ist. Sehr eindrücklich.

Wenn man im ersten Training dann mit viel Respekt hin und wieder auf den Tacho schaut, versteht man schnell, wieso diese Strecke und dieser Ort süchtig machen… Es ist einfach eine pure Highspeed-Strecke! Vollgas über die öffentlichen Strassen von Le Mans, wo man bei der Anreise noch gemütlich im stockenden Verkehr und mit grossen Augen durchgerollt ist. Wahnsinn! Einfach nur geil.

Dann die ersten Nachttrainings der Teilnehmer des Hauptevents. Die LMP & GTE Fahrzeuge sind laut (richtig laut, wie sonst leider zu oft verboten), sauschnell und alles glüht beim vorbeifahren. Gänsehaut! Jetzt realisiert man, dass man mittendrin ist.

Dieser Event zieht einen in den Bann, der Hype ist real. Und das Fahren auf dieser Strecke sowieso. Es ist so besonders, weil man so viele Passagen aus dem TV kennt, schon aus der Kindheit. Und weil es anspruchsvoll ist. Auf den langen Geraden kommt man schnell aus dem Rhythmus, den Flow aufrecht zu halten ist eine echte Herausforderung. Für Fehler ist jedoch kein Platz, die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt bei über 200 km/h und die Auslaufzonen sind an den meisten Orten nicht grösser wie auf dem Nürburgring.

Die beiden Trainings verflogen im Nu, durch die über 50 Fahrzeuge gab‘s keine freie Runde, viele Gelbphasen und auch einen Abbruch. Noch sitzt die Strecke nicht, trotzdem müssen wir im Quali danach performen. Irgendwie.

Wir schlagen uns gut, beide bekommen eine Runde hin, mit der wir fürs Erste zufrieden sein können. P7 und P9 lauten die Startpositionen. Naja, zufrieden bin ich damit ja nicht wirklich, aber man sieht an den Routiniers, wie wichtig hier die Erfahrung ist. Und hey, die erste fliegende Runde in Le Mans war einfach mega! Das macht definitiv Lust auf mehr!

Also geht‘s ab in die beiden Rennen. Im ersten soll ich den Start fahren. Na dann Attacke! Mit dem durchmischten Feld aus LMP3‘s und GT3‘s geht‘s wild zu und her, ich finde einen guten Fluss und kämpfe mich durchs Feld. Einen nach dem Anderen schnappe ich mir, es läuft richtig gut. Kurz vor Rennmitte liegen wir bereits auf P4, doch es gibt eine Safety Car Phase… Mist! Genau zum falschen Zeitpunkt, kurz vor dem Fahrerwechsel.

Somit ist der ganze Vorsprung weg und mein Teamkollege wird einige deutlich erfahrenere Piloten im Nacken haben. In der Box herrscht Chaos, natürlich kommen fast alle 50 Autos direkt zum Fahrerwechsel. Dexter verteidigt sich anschliessend so gut wie‘s geht, ohne unnötiges Risiko, aber auch ohne was zu verschenken. Seine Rundenzeiten sind auch gut. Ich bin erleichtert und zufrieden, als er das Auto auf dem 9. Rang ins Ziel bringt. Super gemacht!

Nach dem Rennen werden wir sogar auf P7 befördert, da es noch zwei Strafen gab. Und Punkte gibt‘s für P4, da drei Gaststarter vor uns liegen. Also schon mal sehr positiv für uns. Mit meiner Rundenzeit bin ich allerdings noch nicht zufrieden. Die magische 4-Minuten-Marke konnte ich knapp nicht knacken, dafür waren zu viele Überholmanöver dabei… und in der einen Kurve gibt‘s sowieso noch Verbesserungspotenzial. Beim zweiten Rennen klappt’s bestimmt. Sofern es trocken bleibt (wenn nicht, werde ich mich noch lange darüber ärgern, das weiss ich jetzt schon😬)

Beim zweiten Rennen fährt Dexter den Start. Er hatte mir zuletzt gesagt, dass er beim Zuschauen viel nervöser sei, wie im Auto. Das gilt wohl nicht nur für ihn, sondern gleichermassen für alle Teamkollegen da draussen🙈 Trotz einer grösseren Karambolage vor ihm in der ersten Kurve kommt er gut durch. Es fliegen viele Teile und noch mehr Staub, erneut ein sehr turbulentes Rennen. Doch Dex behauptet seine Position souverän und pünktlich zur Rennmitte übergibt er das Auto auf P9, diesmal ohne Safety Car Phase.

Die letzten Runden dieses verrückten Wochenendes waren geprägt von viel Freude und Genugtuung, aber auch bereits ein wenig Wehmut. Die Rundenzeiten passten jetzt mit meinen Erwartungen überein, es gab tolle Fights und ich genoss jede Runde. Entsprechend wehmütig war ich auch, als es am Funk hiess: „Last lap Yannick, keep pushing“. Der sechstplatzierte Aston Martin war nun in Sichtweite und die Ansage war: Attacke, versuch‘ ihn noch einzuholen! Am Ende reichte es um 2 Sekunden nicht, aber es war trotzdem ein geiles Rennen. Und was für ein Erlebnis überhaupt!

Yannick Mettler Le Mans 2019 Mercedes AMG GT3
Foto: Y. Mettler/Facebook

Punkte gab es diesmal für P5, doch das war in dem Moment eigentlich Nebensache – zu gross war die Faszination rund um den Start des 24h Rennens kurz danach. Unreal, einfach unreal was hier abgeht. We did it! Wir sind Rennen in Le Mans gefahren. Und gleichzeitig gibt es noch diese unglaubliche Steigerungsmöglichkeit, vielleicht irgendwann mal Teil des Hauptevents, des 24h Rennens zu sein?! Wer weiss. Träumen werde ich auf jeden Fall davon. Und alles dafür geben, dass es nicht dabei bleibt…

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