Wir kennen die beiden Porsche in der AT-Klasse der VLN Langstreckenmeisterschaft und die V5 Cayman. Unter dem Namen Team Care for Climate® startete W&S Motorsport zusammen mit Four Motors in der Langstrecke und beim 24h-Rennen am Nürburgring. In dieser Zusammenarbeit wird Nachhaltigkeit großgeschrieben und die Entwicklung und Erprobung alternativer Bauteile, Schmierstoffe und Treibstoffe zeichnen die Mannschaft über die sportlichen Leistungen hinaus aus.

Schellhaas ist Maschinenbau-Techniker und gründete zusammen mit Patrick Wagner vor 10 Jahren das W&S Motorsport Team mit Sitz im schwäbischen Ofterdingen. Neben Renneinsätzen bietet das Unternehmen Motorsportevents und Setup-Service an. Daniel blickt mit 32 Jahren auf eine erfolgreiche Rennfahrerkarriere im Amateurbereich zurück, darunter drei Klassensiege beim ADAC 24h-Rennen sowie zahlreiche Klassensiege in der VLN Langstreckenmeisterschaft und RCN Vizemeister 2011.

Nachdem heute erste vage Angaben bekannt wurden, sprachen wir mit Daniel über die Planungen zur anstehenden Saison. Weiterhin erfuhren wir mehr darüber wie das Team entstand, wie es zu der Kooperation mit Tom von Löwis kam und erfuhren und wie die gemeinsame Zukunft mit Four Motors aussieht.

Hallo Daniel, natürlich interessiert uns zu Beginn die Frage, wie hast du im Motorsport begonnen?

Meinen Einstieg in den Motorsport hatte ich – wie so viele – über meinen Vater. Er war seitdem ich mich erinnere selbst Fan, in der Rallye und später dann in der VLN Langstreckenmeisterschaft unterwegs. Mit etwa 15 Jahren fing ich selbst an im Kart-Sport.

Da das Kart fahren meine Familie jedoch rasch an die finanziellen Grenzen brachte und ich auch vom Gewicht und der Körpergröße nicht wettbewerbsfähig war, beendete ich dieses Kapitel wieder. In dieser Zeit war ich auch als Mechaniker in der VLN für das GTRAG-Team tätig und kannte somit die Langstreckenrennen in der Eifel. Mein Vater fuhr mit Michael Bäder schon VLN, hier schließt sich dann ein Kreis.

Wie kam der Kontakt zu Patrick Wagner und der Entschluss sich gemeinsam selbständig zu machen?

Irgendwann 2009, kurz vor Weihnachten, traf ich Patrick in einer Kneipe. Wir kannten uns schon lange Zeit vom Sehen. Im Gespräch über den Abend erzählte er, dass er ein Auto aufgebaut hat, mit welchem er Slalom fuhr und nun plant in die RCN Rundstreckenchallenge Nürburgring einzusteigen.

Die Idee klang gut und nachdem ich so überlegte, dass ein Einsatz in der RCN letztendlich weniger kostete als ein Kart Rennen waren wir uns im Nachgang schnell einig das zusammen zu planen. Die weitere Entwicklung im Jahr 2010 war dann auch zügig, ein paar Tests und erfolgreiche Einsätze in der RCN, nebenher wurde auch das W&S Motorsport Team gegründet. 2011 wurden wir bereits Vize-Meister in der Rundstreckenchallenge ebenso einen Rundenrekord. Damit begann es und setzte sich weiter fort. Mein erstes VLN Langstreckenmeisterschaft-Rennen bestritt ich 2013 im Biodiesel-Scirocco von Four Motors, die suchten einen Piloten für das 24h-Rennen.

W&S Motorsport D. Schellhaas und P. Wagner
Foto: Lukas Flach

Du teiltest dir die letzten Jahre das Cockpit im „Promi-Bio“ Porsche 911 GT3 von Four Motors mit Rennfahrer-Urgestein Tom von Löwis, Smudo und dem „schnellsten Koch Europas“ Axel Duffner. Nachdem du 2013 den ersten Kontakt hattest, wie kam die Kooperation von W&S Motorsport mit Four Motors dann zustande?

Bereits 2014 übernahmen wir mit W&S den Service und die komplette Abwicklung von Four Motors bei den VLN-Rennen. Als W&S Motorsport selbst sind wir vor drei Jahren dann mit dem Porsche Cayman in der V5 aufgeschlagen, Daniel Blickle und ich selbst noch am Steuer. Das Jahr darauf wurden wir von Niklas Steinhaus verstärkt, er fährt 2020 inzwischen das dritte Jahr bei uns.

Mit den Namen „Team Care for Climate®“ und „Four Motors Bioconcept Car“ kommen wir zum Thema Umweltschutz, Wahrung der Ressourcen und Nachhaltigkeit im Motorsport. Es polarisiert die Menschen. Wie ist deine Meinung zum Thema?

Dieses Thema ist ein sehr wichtiger Aspekt. Schauen wir auf die aktuelle Entwicklung müssen wir uns noch viel mehr Gedanken im Motorsport machen. Gerade hier, wo Technologien entwickelt und getestet werden und dies unter sehr hohem Anspruch musst du innovativ sein. Du überlegst dir, wie geht es anders? Was können wir tun damit es weitergeht? Sei offen für Neues, sonst wird es sicherlich bald schwierig mit dem Motorsport wie bisher weiter zu machen.

Das mit Four Motors Teile entwickelt wurden, welche es in die Produktion eines GT4 Rennwagen schafften und ein jeder seinen Beitrag bei der Erprobung leistete, sei es am Steuer oder mit dem Schraubenschlüssel, das ist ein großer Schritt. Im Motorsport wird die Zukunft auf der Straße entwickelt, hoffentlich noch für eine lange Zeit. Allerdings wissen wir, dass sich vieles auch ändern muss, um unseren Kindern und Enkeln eine lebenswerte Welt zu hinterlassen.

Da gibt es sicherlich noch weitaus mehr Möglichkeiten nachhaltiger zu agieren als mit Bio-Sprit, Naturfaser-Teilen oder recycelten Schmierstoffen – was alles schon eine tolle Entwicklung ist. Bis du in dem Bereich komplett nachhaltig bist, musst du aber noch mehr ändern. Sei es die Art der Anreise des Teams, die Teamkleidung oder beim Catering mit den Produkten und dem Geschirr und so weiter… Hier spielt „das liebe Geld“ noch immer eine Rolle, am Willen fehlt es bei uns nicht. Man sollte hier das Gesamtpaket betrachten.

Blicken wir auf die Pläne des Teams für 2020 in der Nürburgring Langstrecken-Serie. Was wird die Fans Neues erwarten?

Es wird Neues geben. Neben der laufenden Umstrukturierung im Team weiten wir unsere Einsätze aus. Hierbei werde ich als Teammanager von W&S Motorsport fungieren und überhaupt nicht mehr ins Cockpit steigen. Bisher arbeiteten wir ja an zwei Plätzen – in der Box und am Tankplatz für alternative Treibstoffe etwas weiter vorne. W&S Motorsport wird mit eigener Bewerbung an den Start gehen und nicht wie bisher gemeinsam mit Four Motors als Team Care for Climate. So werden die Autos ein neues Design tragen. Die Renner werden echt schön, daher müsst ihr nun auch keine halb-folierten Autos veröffentlichen.

Die Betreuung und Zusammenarbeit mit Four Motors wird weitergehen und federführend wie bisher von meinem Geschäftspartner Patrick Wagner durchgeführt.

Da wir 2020 wieder als W&S Motorsport starten fokusiere ich meine Arbeit auf das Management der W&S Fahrzeuge. Hier ergibt sich durch meine neue Rolle im Team auch die Möglichkeit weitere Fahrzeuge zu betreuen. Auch da wir in der SP10 mit einem Porsche 718 Cayman GT4 ins Geschehen eingreifen möchten und da natürlich auch ein Wörtchen an der Spitze mitreden wollen. Daniel Blickle und Niklas Steinhaus werden das Fahrzeug steuern, einen weiteren Cockpitplatz vergeben wir noch an Interessierte. Dieses Auto wird die gesamte Saison fahren, wir hoffen bis zur Mitte der Saison Top 3 Ergebnisse einfahren zu können.

Weiterhin betreuen wir ein Kundenprojekt mit einem Porsche 981 GT4 welcher in der Cayman Trophy by Manthey-Racing fahren wird. Dieser wird zum Saisonbeginn in der „Permit B“-Version fahren, bis die Gentlemen-Fahrer ihr Permit A erreicht haben. Auch hier bieten wir noch Plätze für die Nürburgring Langstrecken-Serie und für das ADAC TOTAL 24h-Rennen an. Bei dem Projekt liegt die Begeisterung der Fahrer für den Nürburgring und das 24h-Rennen im Vordergrund, wir möchten hier eine Möglichkeit zur Teilnahme bieten.

Zusätzlich bringen wir wohl noch unseren Porsche Cayman für die V5 – hier schauen wir aktuell wie wir dies mit dem Budget und der Besetzung realisieren werden, da Niklas und Daniel ja aufsteigen. Der zweite V5-Cayman welcher seit 2019 sporadisch eingesetzt wird dient ebenso als Permit-Fahrzeug und geht beim ersten Lauf der RCN Rundstreckenchallenge ebenso an den Start. Hier werden wir drei oder vier bereits feststehende Fahrer aus Frankreich auch einige VLN-Rennen fahren lassen.

Du hast bereits erwähnt, dass W&S Motorsport weiterhin auch in der RCN Rundstreckenchallenge Nürburgring startet. In welchem Umfang?

Die ersten vier RCN-Läufe sind wir mit dem V5 dabei. Weitere Einsätze mit dem Auto stehen noch nicht fest.

BMW Z4 racing4betterplace
Foto: L. Rodrigues

In der vergangenen Saison fuhr euer BMW Z4 M unter dem Charity Motto „racing4betterplace“ mit Jerome Larbi und Stephan Köpple erfolgreich. Was ist aus diesem Projekt geworden?

Das Auto wurde zum Ende der letzten Saison verkauft. Auch da stecken wir noch in der Planung und Budget Findung, um Jerome und Stephan in den V5 Cayman zum einen oder anderen RCN-Rennen starten zu lassen. Wir werden sehen, da die beiden auch gerne in die Nürburgring Langstrecken-Serie wechseln möchten. Somit wird es das Projekt racing4betterplace, welches von den beiden organisiert wurde, in dieser Form wohl nicht mehr geben, wobei ich diesen Charity Gedanken sehr schön finde und hoffe die Jungs machen dies in einer abgeänderten Form weiter. Das unterstützen wir dann auch gerne.

Wäre da vielleicht auch die VT2 Klasse, welche ja stark im Kommen ist, eine Option?

Okay, diese Klasse ist sicherlich für sehr viele interessant und wird 2020 viel Zuwachs haben. Auch ist der BMW 325i für die V4 heutzutage bereits wieder „Technik von gestern“. Allerdings möchten wir da kein Auto aufbauen, da konzentrieren wir uns lieber weiterhin auf das was wir können. Das sind halt überwiegend die Porsche 911er und Cayman welche mit keinem Modell in die VT2 passen würden. Mit unseren vier Cayman in verschiedenen Klassen und den Autos von Four Motors zur Betreuung sind wir aktuell gut aufgestellt.

Sollte natürlich ein Kunde ein solches Fahrzeug wünschen, können wir dies selbstverständlich aufbauen. Aus eigener Motivation allerdings vorerst nicht. Da ist nichts in Stein gemeißelt, wir werden das über die Saison sicherlich beobachten.

Nürburgring Langstrecken-Serie und RCN sind ja bereits einige Termine. Werdet ihr auch abseits des Nürburgrings Rennen bestreiten?

Mit dem SP10 Cayman GT4 überlegen wir auch eine Teilnahme am Porsche Sports Cup, hier führen wir aktuell noch Gespräche mit interessierten Fahrern. Für den Porsche Sports Cup Deutschland haben wir auch noch freie Betreuungsplätze verfügbar und hoffen diese zeitnah füllen zu können.

Es stehen auch einige Regeländerungen an. Wie siehst du die neuen Permit-Bedingungen und Pflichtstandzeiten beim Boxenstopp?

Die Änderungen beim Permit finde ich persönlich nicht gelungen. Wenn du zum Erlangen des Permits unter den ersten 33% der Klasse landen musst, ist dies für Einsteiger in einer V4 oder V5 Klasse oder dem CUP5 ohne fremde Hilfe erfahrener Piloten nicht zu schaffen. Wobei die „alten Hasen“ in diesen Klassen vorne um den Sieg kämpfen und eher ungern dann langsamere Neulinge im Auto haben.

Diese Neueinsteiger werden sich vermutlich Klassen suchen, in denen es leichter wird, ein solches Pflichtergebnis zu erreichen, also Klassen mit wenigen Startern. Das sehe ich kritisch. Es wäre meines Erachtens sinnvoller gewesen die Anzahl der vorgeschriebenen Rennrunden beispielsweise zu verdoppeln, oder mehr Läufe der VLN zum Permit A festzulegen.

Die Einführung einer Pflichtstandzeit wurde von unserer Seite bereits vor zwei Jahren mit angeregt. Besonders in den V-Klassen, in denen du ohne Zentralverschluss und mit Wagenhebern beim Tankvorgang noch Räder wechselst und beim Füllen des Tanks mit 65 Liter etwa eine Minute stehst. Dabei noch Fahrerwechsel während das Auto auf den Hebern herumwackelt, ich empfand das schon immer als ein Sicherheitsproblem.

Der Wettbewerb verlagert sich wieder auf die Strecke, oder?

Das Rennen wird durch die Mindeststandzeit auf jeden Fall noch taktischer. Meist wirst du trotzdem alle nötigen Boxenstopps besonders schnell machen um bei einem Wetterumschwung gegebenenfalls ohne Zusatzzeit zur Pflichtzeit reagieren zu können. Oder falls irgendwo eine sehr lange Code60 Zone ist die Taktik anpassen um Zeit „abzusitzen“ und trotzdem kaum Rückstand zu bekommen. Das werden taktische Spiele geben, die es zu beobachten gilt. Somit verlagert sich das Rennen nicht nur auf die Strecke, sondern kann auch über die Boxenstrategie letztendlich entschieden werden.

Da die Kommissare der VLN diese Regelung selbst aufmerksam beobachten werden, denke ich es gibt noch die eine oder andere Änderung über die Saison selbst. Wir werden es sehen, auch wie dann im Nachgang die Bestrafungen ausgesprochen werden, wenn die Zeit unterschritten wurde.

Daniel, vielen Dank für deinen umfangreichen Ausblick auf 2020 mit W&S Motorsport. Dir und dem Team wünschen wir viel Spaß, Erfolg und knitterfreie Rennen.

Ich habe zu danken und freue mich sehr auf die Nürburgring Langstrecken-Serie und das 24h-Rennen und hoffe, dass viele Fans dann um die Nordschleife unserer Mannschaft die Daumen drücken.

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Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
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