Wieviel Teamchefs können ein halbes Jahrhundert Erfahrung im Langstrecken-Rennsport auf dem Nürburgring nachweisen? Auf Anhieb fällt uns da nur einer ein: Johannes Scheid aus Kottenborn, er feierte 2019 sein fünfzigstes Jahr im Rennsport.

Legendäre Rennen bot er im „Eifelblitz“ BMW M3 GTR, gewann fünfmal den Langstreckenpokal, fuhr zweimal den Gesamtsieg beim 24h-Rennen ein und unzählbare Pokale wurden ihm überreicht. Mit 70 Jahren denkt Hannes jedoch noch immer nicht daran mit dem Motorsport aufzuhören, so steckt er bereits in den Planungen mit Scheid Motorsport die Nürburgring Langstrecken-Serie 2020 wieder zu bestreiten. Wir fragten nach, wie es um das Team steht.

Hallo Hannes, schön zu hören, dass du 2020 auch weiterhin ein fester Bestandteil der Langstrecke sein wirst. Ein Rennen ohne den blauen Eifelblitz wäre kaum vorstellbar, ist der BMW M240i mit der #666 bereit?

Hannes Scheid
Foto: L. Rodrigues

Hallo, ich freue mich über euer Interesse. Ja, das Auto ist bereit und fertig. Im Prinzip müssen nur noch Reifen drauf und Sprit rein – also wegen uns könnte es von der technischen Seite aus mit der Saison losgehen, wenn wir denn die passenden Fahrer schon hätten.

Mit Lars Peucker, Nico Otto und Florian Naumann wart ihr vergangenes Jahr sehr erfolgreich. Vizemeister in der CUP5, erster Platz der BMW Cup Juniorwertung und Rang zwei der VLN-Juniorenwertung. Ziemlich viel „Junioren“ für ein Team das ein halbes Jahrhundert Rennen bestreitet. Wie sieht dein Fahrerkader für die kommende Saison aus? Hält dich die Zusammenarbeit mit dem Nachwuchs selbst auch jung?

Wie eben angedeutet, noch sind wir auf der Suche nach Fahrerinnen und Fahrern. Die Besatzung vergangenes Jahr war super. Was die Jungs in dieser hart umkämpften Klasse da auf der Strecke zeigten, hat schon Spaß gemacht, auch wenn es manchmal extrem eng war und ich den Atem am Monitor anhalten musste.

Da wir als traditionelles Team auch den Anspruch haben ganz vorne mitzukämpfen, vergeben wir die Plätze nicht nur gegen Geld, es muss die Chemie und Motivation zum Sieg auch stimmen. Dann machen die Zusammenarbeit und der Wettbewerb auch richtig Freude und genau das ist es, was mich jung hält. Motorsport selbst hält sicherlich jung.

Für Nachwuchsfahrer wird es allerdings immer schwerer passende und zahlungswillige Sponsoren zu finden, wobei ich mich noch nicht verrückt mache, dass wir da keine Mannschaft zusammen bekommen. Bis zum Start ist es noch ein bisschen dahin.

Seit etwa 30 Jahren setzt du auf BMW. Warum diese Treue? Könntest du dir vorstellen nochmals eine andere Marke zu wählen?

"Eifelblitz" BMW M3 GTR Scheid Motorsport
Foto: M. Brückner

Meinen erste Veranstaltung hatte ich 1969 auf einem BMW, seitdem bin ich von den Autos überzeugt. Sicherlich gibt es weitere tolle Hersteller, jedoch ist die Zuverlässigkeit der BMWs doch sehr gut. Ebenso klappt die Zusammenarbeit mit BMW Motorsport. Nach so vielen Jahren sehe ich keinen Grund nochmals zu wechseln.

Eine häufig gestellte Frage, die vielleicht gerade über den Winter dich und deine Frau Heidi beschäftigt: Erwägt ihr zwischendurch auch irgendwann in den Ruhestand zu gehen?

In der Tat wird das auch über die Saison sehr oft gefragt. Wir denken da sicherlich in einer ruhigen Minute mal darüber nach, jedoch ist ein Ende noch komplett offen. Der Motorsport hält uns Jung und wir haben den Spaß und die Leidenschaft schon so lange, was sollten wir denn auch anderes machen? Selbst wenn ich als Teamchef aufhören würde, so bliebe ich der Nürburgring Langstrecken-Serie treu. Als Fahrervertreter nehme ich ja auch noch weitere Aufgaben wahr.

Wie du eben sagtest, die Serie wurde für 2020 umbenannt, auch gibt es weitere Änderungen: neuer Name – Nürburgring Langstrecken-Serie, neue Regeln – Mindeststandzeit pro Rennen, neuer Geschäftsführer der VLN VV GmbH. Wie siehst du als Teamchef und Fahrervertreter diesen Weg?

Die Umbenennung ist natürlich für viele gewöhnungsbedürftig, so ist aber der Lauf der Zeit. Die VLN gibt es als Veranstalter ja weiterhin und viele werden diese Bezeichnung noch lange nutzen. Das neue Logo ist für mich allerdings leider nicht so schön und treffend geworden.

Dass Dietmar Busch nun im Ruhestand ist, hat er sich verdient. Mit Christian Stephani an der Spitze ist die Serie sicherlich sehr gut für die Zukunft aufgestellt. Ich hatte inzwischen einige Gelegenheiten mit ihm zu reden, er hat ein offenes Ohr für unsere Belange. Man spürt bei ihm, dass er die Leidenschaft zum Motorsport auch hat – das ist wohl sehr wichtig.

Die neuen Regelungen sind ja nicht in Stein gemeißelt. Wir haben diese zusammen mit der VLN VV GmbH und der ILN (Interessengemeinschaft Langstrecke Nürburgring) gemeinsam ausführlich besprochen. Die neue Pflichtstandzeit sehe ich als sehr gut und fair für den Wettbewerb, da es doch Unterschiede der Durchflussmenge an Sprit bei den Zapfsäulen gab. Bei den Prüfmessungen vor dem Rennen kamen da weniger Differenzen heraus als es sich dann im Rennbetrieb zeigte, wenn viele Autos zur selben Zeit tankten. Diese Unterschiede fallen nun weg.

Wie eine Unterschreitung dann bestraft wird werden wir sehen, da hat die VLN jedoch versprochen dies zu beobachten und kann nach jedem Rennen die Stellschrauben noch drehen. Im Sinne der Sicherheit ist ein Arbeiten beim Boxenstopp mit weniger Zeitdruck ebenfalls zuträglich.

Ebenso finde ich die Neuregelung mit der Fahrerbesprechung gut, wenn es etwas Wichtiges zu verkünden gibt, wird die Anwesenheitspflicht ja rechtzeitig bekannt gegeben, somit wird die Planung der Teams flexibler ohne Einbußen der Sicherheit. Bisher musstest du ja immer da sein, um dir meistens nichts Neues anzuhören.

Insgesamt sehe ich die Nürburgring Langstrecken-Serie auf einem guten Weg und das freut mich.

Herzlichen Dank Hannes für deine Zeit und Antworten. Wir wünschen dir, deiner Frau Heidi und dem gesamten Team Scheid Motorsport eine erfolgreiche Saison 2020 und hoffen, dass du die passende Cockpitbesatzung findest. Gerne überlassen wir dir das Schlusswort an die Leserinnen und Leser.

Ich freue mich immer wieder über euer Interesse an uns, danke. Hier schließt sich der Kreis mit dem Beginn des Gesprächs, wir sind bereit und freuen uns auf die vielen Fans rund um den Nürburgring. Wir sehen uns bei den Test- und Einstellfahrten am 14. März 2020.

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
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