Nach dem achten Lauf der NLS am vergangenen Samstag feierte W&S Motorsport den Sieg in der CUP3 und somit auch den vorzeitigen GT4-Trophy Titel. Ebenso lagen damit die Fahrer Daniel Blickle, Tim Scheerbarth und Max Kronberg in Führung in der Gesamtwertung und hätten damit die Chance die #1 von Adrenalin Motorsport für 2022 zu übernehmen.

Nach Öffnung des Parc-Fermé sprachen die Sportkommissare eine Strafe wegen eines „Überholvorgang unter Gelb“ gegen W&S Motorsport in Höhe von 35 Sekunden aus. Platz zwei beim vorletzten Rennen hat trotzdem die Trophy gesichert, doch in der Gesamtmeisterschaft lag das Trio nun mit 0,55 Zählern Rückstand auf dem zweiten Rang. Angestoßen hat die Untersuchung durch die Rennleitung die Meldung eines Piloten. Die Gerüchteküche in den Sozialen Medien brodelt seitdem und einige Verschwörungstheorien kursieren. Zuträglich für den Ruf der Serie und der im Dunstkreis genannten Teams ist das wahrlich nicht. Daher bemühten wir uns um weitere Informationen, welche wir aus erster Hand bekamen.

LSR-Freun.de sprach mit dem Fahrer des BMW in der VT2 Klasse, der beim Rennleiter vorstellig wurde über die Beweggründe dieser Meldung. Er sagte uns zu, Rede und Antwort zu stehen, wenn wir weder seinen Namen noch den Namen seines Teams nennen, da er befürchtet dann einem Shitstorm ausgesetzt zu sein der seinen Ruf als Motorsportler nachhaltig schädigen könnte, auch unter dem Aspekt, dass viele meinen in der Anonymität des Internets ihre Beleidigungen loswerden können. Die Zitate sind nur Auszüge aus einem langen Gespräch und wurden von ihm im Wortlaut freigegeben.

„Zuerst möchte ich deutlich betonen, dass ich für mich allein entschied bei der Rennleitung vorstellig zu werden, da es mich persönlich interessierte wer mich an dieser Stelle so überholte. Keiner hat mich dazu bewegt oder versucht mich zu motivieren in die Meisterschaft einzugreifen! Wenn ich diese Konsequenzen nur im Geringsten vorher geahnt hätte, dann hätte ich sicherlich anders gehandelt! Ich wollte wirklich nicht eine solche Welle auslösen. Mein Ursprungsgrund war ein gänzlich anderer.“

Seine Motivation erklärt er so: „Ich fuhr den Schlussstint und das Auto bis in den Parc-Fermé. Somit war ein Auslesen der Onboard erstmal nicht möglich da die Stromversorgung natürlich abgestellt war. Ich hatte den Überholenden gerade rechtzeitig noch gesehen, um nicht ins kleine Karussell abzubiegen, sondern die Lenkung wieder zu öffnen um eine Kollision zu vermeiden. Die gelbe Flagge auf Posten #182 war schon seit ein paar Runden zu sehen, es folgte Doppelt-Gelb und Code-60, daher sollte das der Fahrer des Gelb-Weiß-Grauen Porsche wissen und nicht überholen. Eine Startnummer erkannte ich im Eifer des Rennens nicht, wollte aber die Angelegenheit gerne noch vor Ort mit demjenigen besprechen, wie das unter Sportlern üblich ist – face to face. Wie gesagt, ich hatte selbst erst keine Onboard greifbar, also ging ich, um die Startnummer zu erfahren zur Rennleitung und fragte nach, ob die mir weiterhelfen können.“

„Dort schilderte ich den Vorfall und wurde gebeten eine Meldung auszufüllen. Dann wurde über GPS-Auge die Startnummer herausgefunden. Für mich wäre eigentlich der Fall damit abgeschlossen und ich hätte den Dialog spätestens bei NLS 9 gesucht, da der Samstagabend inzwischen weit vorangeschritten war. Doch die Sportkommissare wollten dann dazu unser Videomaterial sichten, nachdem das Auto freigegeben wurde. Somit besorgte ich es so schnell – aber auch unbedacht – wie ich konnte. Da mein Teamchef sich gerade auf den Heimweg gemacht hatte setzte ich ihn – das war mein Fehler – auch nicht darüber in Kenntnis, sondern brachte die Daten in die Race Control. Was dann folgte lag nicht in meiner Hand und erstmals begriff ich, dass ich da deutlich mehr als gewollt ausgelöst habe. Den Punktekampf an der obersten Spitze wollte ich nie beeinflussen, es tut mir auch für das Team sehr leid. Mir ging es darum den Fehler zu klären, mehr nicht!“

Abschließend betont der VT2-Pilot: „Mir ist nun sehr wichtig, dass diese Strafe und natürlich auch mein Name nicht mit angeblichen Intrigen oder Manipulationen zusammenhängt und solche Gerüchte nun aufhören. Was inzwischen an niveaulosen Beleidigungen und Unterstellungen im Netz zu lesen ist schockiert mich. Mit keinem der Titelteams hatte ich je näher zu tun und es würde mir als Mensch und Sportler nie einfallen in den Meisterschaftskampf anderer irgendwie einzugreifen. Rückblickend hätte ich mein Agieren vielleicht etwas besser überlegen sollen, da war mein persönlicher Drang das noch schnellstmöglich zu erledigen wohl ein schlechter Ratgeber – ich konnte aber auch die Konsequenzen nicht im Geringsten erahnen. Auch ich habe daraus definitiv meine Lektion gelernt und wünsche den beteiligten Titelkandidaten ein faires und erfolgreiches Finalrennen.“

Am Samstag, den 9. Oktober um 12:00 Uhr wird dieses Finale dann hoffentlich auf der Strecke ausgetragen. Mit dem Abwinken des letzten NLS-Laufs 2021 nach vier Stunden wird dann abgerechnet. Neben den Zielplatzierungen werden die Starterzahlen in den Klassen CUP3 und VT2 über die Punkte im Nachkommabereich wohl entscheiden wer dann 2022 die #1 auf dem Auto trägt.

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
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