Nachdem in der vergangenen Woche bereits die Leistung der privaten LMP1-Fahrzeuge gegenüber dem Werksteam von Toyota eingebremst wurde, müssen die Nicht-Hybriden mit weiteren Einschränkungen leben. Dass das für wenig Verständnis sorgt, ist kein Geheimnis.

Macht sich die WEC selbst kaputt oder ist das ein Weg, mehr Hersteller zurück in die Prototypenklasse der Langstreckenmeisterschaft zu holen? Verständnis für die Anpassungen haben nur die wenigsten Teams.

Im Rahmen der erneuten Anpassung der Balance of Performance müssen die Privatiers der LMP1 nun eine Begrenzung der Stintlänge in Kauf nehmen. Während Toyota weiterhin 19 Runden am Stück in Spa drehen dürfen, müssen die Verfolger bereits nach 17 Runden einen Zwischenstopp einlegen. Nachdem man den Privatteams im Laufe der Woche bereits die Leistung reduzierte legen die Verantwortlichen nun weitere Fußfesseln an.

Demnach wurde den Nichthybriden im Vorfeld bereits 14% weniger Energie und 6,9 kg weniger Kraftstoff zugestanden, als noch zum Prologue in Le Castellet. LMP1-Nicht-Hybride, die zum Vorsaisontext mit 54 kg Treibstoff pro Stint gefahren sind, dürfen nun nur noch 47,1 kg zutanken, die Toyotas bleiben bei 35,1 kg. Unverändert blieb das Mindestgewicht, welches bei den Toyotas bei 878 kg liegt und bei den Verfolgern bei 833 kg.

Nach den ersten beiden Trainingsläufen am Donnerstag haben die Kommissare erneut die Köpfe zusammengesteckt und den Nicht-Hybriden die Stintlänge gekürzt.

Bereits vorab gaben die Verantwortlichen bekannt, dass man Toyota eine Runde Vorsprung in Le Mans geben wolle. Auf dem 7 km langen Ardennenrundkurs in Spa-Francorchamps – der nur ungefähr halb so lang ist, wie die Strecke an der Sarthe – macht das einen Unterschied von zwei Runden aus.

Die Stint-Limits werden voraussichtlich bei 11 Runden (Toyota) und 10 Runden (Nicht-Hybride) in Le Mans liegen, was eine Reduzierung um drei Runden der Toyotas in früheren Rennen bedeutet. Dass das nur für wenig Begeisterung sorgt, zeigt die Reaktion von Elton Julian, Teameigner von Dragonspeed Racing und Bart Hayden (Rebellion Racing).

Wenig Verständnis bei den Privatteams

Hayden dazu gegenüber Sportscar365:“Unser Fokus lag mehr darauf, hier gut vorbereitet zu sein, die Autos auf der Strecke fahren zu lassen, als sich zu viele Sorgen darüber zu machen, wo wir landen. […] Ich denke die Realität ist, dass wir nicht wirklich wissen – basierend auf dem, was wir bei Prolog gesehen haben – wo Toyota steht.

Es verstehe sich von selbst, dass die LMP1-Autos trotz der jüngsten Energieeinsparungen an diesem Wochenende mehr als 17 Runden oder etwa 35-minütige Stints absolvieren könnten, wenn sie erlaubt wären.

Julian sieht das nicht so entspannt, wie Hayden, und bezeichnet die Entscheidung als „dumm“ :““Wir haben das gesamte Programm auf 40 Minuten ausgelegt. […] Dann kommen sie mit dieser Regel [ein paar Tage] vor dem ersten Rennen um die Ecke.“ Gegenüber den LMP2-Fahrzeugen müssten die Teams nun sogar einen zusätzlichen Stopp einlegen, um den Piloten die vorgeschriebene Mindestfahrzeit von 40 Minuten zu ermöglichen. „Nach 17 Runden wird Henrik reinkommen, einen Drive-in machen, zwei Runden drehen und dann einen Fahrerwechsel durchführen und einen Boxenstopp einlegen“, sagte er.

Henrik ist der einzige Gentleman-Pilot im Feld der LMP1-Teams. Die 40-Minuten Regelung wäre ideal gewesen für die Mannschaft, um seine Fahrzeitanforderungen mit einem einzigen Stint zu erfüllen. Eine Anfrage von Julian bezüglich der Sonderbehandlung von Henrik Hedman, ließen drei andere Teams ins Leere laufen.

„Wir geben ein Vermögen für Motoren aus, die einen Durchflussmengenbegrenzer verwenden. Wir geben das Dreifache des Geldes aus, als beim P2-Motor, um sparsamer zu fahren und damit Kraftstoff zu sparen. Das ist ziemlich dumm.“

Julian schimpft weiter:“Viele Teams versuchen, Toyota herauszufordern. Wir nicht. Uns ist es egal, ob sie in unserer Klasse sind. Wir fahren unser eigenes Rennen.“
Auch an die FIA schickte Julian noch einen Gruß: „Schickt mir das Reglement, wenn ihr fertig seid. Wir werden dann Rennen fahren, um was auch immer.“

Das Rennen startet am morgigen Samstag um 13.30 Uhr Ortszeit. Sport1 stellt auf der Webseite einen eigenen kostenlosen Livestream zur Verfügung. Im Free-TV wird das Rennen ab 18:15 Uhr bei Eurosport zu sehen sein. Hier zeigt man zunächst einige Highlight, bis man zur letzten Stunde in die Liveübertragung einsteigt. Auf dem Eurosport Player wird das Rennen in vollständiger Länger übertragen. Sport 1+ zeigt das Rennen ebenfalls in voller Länge, die Übertragung startet um 13:00 Uhr und endet um 20:00 Uhr.

Auch in der offiziellen WEC-App kann man sich das Rennen live anschauen. Hierzu bietet die App noch das Livetiming an.

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Michael Brückner ist seit Jahren begeisterter Motorsportfan und Fotograf. Außerdem sammelt er wissbegierig allerlei Informationen und arbeitet diese dann auf. Warum also nicht alles unter einen Hut bringen und der Welt zur Verfügung stellen. So entstand LSR-Freun.de. Neben der fotografischen und redaktionellen Arbeit kümmert sich Michael auch um die technischen Aspekte des Internetauftritts.
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