Nach der Pressemitteilung der ADAC GT4 Germany am 11. Dezember über die Änderung in der Fahrerwertung nach einem Berufungsverfahren vor dem DMSB Sportgericht ist das betroffene Team Hofor Racing by Bonk Motorsport aufgebracht und enttäuscht. Als neue Champions wurden Jan Kasperlik und Nicolaj Møller Madsen gewertet, die nach dem Finallauf ausgerufenen Titelträger Gabriele Piana und Michael Schrey rutschten auf den zweiten Rang zurück.

Die Pressemitteilung nochmals im Wortlaut:

Symbolbild DMSB
Foto: L. Rodrigues

Die ADAC GT4 Germany hat nach einer Entscheidung des Berufungsgerichts des DMSB zwei neue Sieger in der Fahrerwertung. Gegenstand der vom Team Zakspeed eingelegten Berufung war eine Entscheidung der DMSB-Sportkommissare im Anschluss an den neunten Saisonlauf auf dem DEKRA Lausitzring. Der Berufung wurde stattgegeben und die in der Entscheidung Nr. 65 ausgesprochene Durchfahrtsstrafen-Ersatzstrafe von 30 Sekunden gegen die Startnummer #13 von Jan Marschalkowski (18/Inning)/Hendrik Still (33/Kempenich) zurückgenommen. Das Zakspeed-Duo wird damit wieder auf Rang zwei gewertet. Michael Schrey (37/Wallenhorst) und Gabriele Piana (34/ITA, beide Hofor Racing by Bonk Motorsport) werden auf Rang vier gewertet und verlieren drei Meisterschaftspunkte. Damit liegen Jan Kasperlik (41/Huglfing) und Nicolaj Møller Madsen (27/DAN, beide Team Allied-Racing) an der Spitze der Fahrerwertung und sind nachträglich die Champions der ADAC GT4 Germany. Schrey/Piana sind mit einem Punkt Rückstand Tabellenzweite. Das Team Allied Racing gewinnt so nach der Teamwertung auch die Fahrerwertung. Die Ergebnisse in der Junior-Wertung und Trophy-Wertung bleiben unverändert.

Für die beiden Piloten des Team Hofor Racing by Bonk Motorsport gab es gemäß Reglement für das zehnte Rennen am Folgetag eine 3-Sekunden Zusatzstandzeit beim Boxenstopp, da sie trotz eingelegtem Protest von Zakspeed auf Rang zwei gewertet waren. Das Sonntagsrennen auf dem Lausitzring beendete der BMW M4 GT4 #2 auf dem fünften Platz. Rechnerisch, ohne die 3-Sekunden „Strafe“ wären Schrey/Piana auf dem vierten Rang über die Ziellinie und hätten somit den Punkterückstand wieder ausgeglichen.

Martin Kroll und Michael Bonk Team Hofor Racing by Bonk Motorsport
Foto: Martin Kroll

Wie Teamchef Bonk gegenüber LSR-Freun.de erklärte, hat das Team Hofor Racing by Bonk Motorsport schon versucht Protest einzulegen. Der ADAC begründete die Ablehnung vorerst damit, dass das Team für eine Untersuchung bereits nach dem zehnten Rennen am 01. November 2020 auf dem DEKRA Lausitzring seinen Protest hätte erklären müssen. Entsprechend analysiert das Team das geltende Regelwerk nochmals intensiv auf weitere Optionen.

Martin Kroll von Hofor Racing erklärt: „Wir wurden bei Rennen zehn mit den drei Sekunden bestraft, obwohl nach Rennen neun schon der Protest von Zakspeed eingelegt wurde und somit das Ergebnis nur vorläufig war. Die Regelung mit den Zusatzstandzeiten muss dringend überdacht werden, denn wären wir diese drei Sekunden früher angekommen wäre das auf dem vierten Platz gewesen, welcher mehr Punkte gibt und damit blieben die Piloten auch Fahrer-Champions. In anderen Serien gibt es für die Podest Plätze dann Zusatzgewicht, das wäre auch im Falle der GT4 Germany eine gerechtere Regelung denn die Piloten müssten dies durch fahrerisches Können ausgleichen. Eine längere Standzeit von drei oder gar fünf Sekunden sind in dem engumkämpften Feld oft nicht wieder aufzuholen.“

ADAC GT4 Germany Vorläufiges Ergebnis Lauf 10 Lausitzring
Foto: ADAC GT4 Germany

Ebenso hätte dies einen Einfluss auf das Rennergebnis vom Mann-Filter Team HTP-Winward gehabt. Trefz und Apothelos beendeten auf Platz zwei das neunte Rennen und standen am Sonntag deswegen fünf Sekunden länger beim Pflichtstopp. Gewertet wurde der Mercedes-AMG GT4 #48 auf Platz neun, auch hier wäre eine Gutschrift von zwei Sekunden bzw. eine Zusatzstandzeit von nur drei Sekunden richtig gewesen und hätte das Duo ebenfalls weiter nach vorne gebracht.

Hierzu sagte Kroll: „In der Theorie hätten dann bisher schon immer alle Teams, die auf dem Podest waren, eine Protesterklärung vorsorglich abgeben müssen solange es andere Proteste und Untersuchungsfälle gab, die das finale Ergebnis beeinflussen können, das ist unmöglich. Man merkt ja, dass hier viel Konjunktiv im Spiel ist. Rennen müssen auf der Strecke entschieden werden, dass dies nicht immer geht ist auch klar und manche Situationen benötigen auch Zeit für eine saubere Untersuchung und Befragung der Betroffenen. Aber eine solche Entscheidung am Grünen Tisch, die den Fahrertitel einer Serie im Nachgang verändert, ist gerade in unserem Fall nicht fair. Warum wurde dann mit dem Team schon in Oschersleben gefeiert und wir wurden geehrt, wenn irgendwo noch entscheidende Fälle offen sind?“

Martin Kroll Hofor Racing by Bonk Motorsport
Foto: Martin Kroll

Sowohl der Schweizer als auch Bonk betonten, dass sich der Ärger des Teams nicht gegen Zakspeed und deren Berufung richtet, das Team der Familie Zakowski bekam im Berufungsverfahren auch Recht. Ihm geht es um das gesamte Reglement und die Abläufe wann welche Strafe ausgesprochen wird und wann Protest eingelegt werden kann. Hätte Zakspeed noch während des Rennens eine Durchfahrts-Strafe von der Rennleitung erhalten wäre dagegen kein Protest möglich gewesen und das Resultat anders ausgefallen. Als Beispiel verwies Bonk auf den Vorfall mit dem Lamborghini von GRT Grasser Racing beim Rennen auf dem Sachsenring, hier gab es noch im Rennen eine Strafe und der Sieger des Rennens wurde schlussendlich auf dem zehnten Platz gewertet. Die Strafe gegen Zakspeed wurde jedoch erst nach dem Rennen von den Stewards ausgesprochen und eröffnete damit dem Team die Möglichkeit vor das DMSB Berufungsgericht zu ziehen.

Michael Schrey Gabriele Piana ADAC GT4 Germany 2020
Foto: Gruppe C Photography

Wie immer im Motorsport geht es hier nicht nur um die Ehre und schöne Pokale im Regal, sondern auch um ordentliche Summen an Preisgeldern für die Sieger. Ein Serientitel kann durch die Prämien bereits die kommende Saison eines Piloten sichern und auch für das Team gibt er deutlich leichtere Planungssicherheit durch zufriedene Sponsoren. So hatte Teamchef Michael Bonk bereits bekannt gegeben, dass das Team 2021 drei BMW M4 GT4 in der ADAC GT4 Germany an den Start bringen möchte.

Michael Bonk äußerte sich weiterhin gegenüber LSR-Freun.de: „Der ADAC muss sich die Frage gefallen lassen, was wir bei einem solchen Wirrwarr unseren Sponsoren und Partnern sagen sollen. Wir haben weder einen Fehler gemacht noch etwas zuschulden kommen lassen und unseren Fahrern wird der Titel sechs Wochen später wieder genommen. Wir müssen uns an das Regelwerk halten, das sollte für den ADAC dann auch gelten. Unser Team lässt aktuell nochmals intensiv prüfen welche Rechtsmittel wir noch in der Hand haben, um ein gerechtes und ehrliches Endergebnis zu erhalten. Wie Martin schon sagte dürfen Meisterschaften nicht von Gerichten entschieden werden. Da geht es nicht explizit um unseren Fall, sondern um Gerechtigkeit und Klarheit für alle Teams in allen Serien. Es kann nicht sein, dass wir vorsorglich nach jedem Rennen Protest einlegen, um eine Hintertüre zu öffnen. Auch da jeder vorsorgliche Protest wieder den Rattenschwanz von vorläufigen Ergebnissen nach sich ziehen würde, das wäre eine Endlosschleife.“

Hofor Racing by Bonk Motorsport BMW M4 GT4 ADAC GT4 Germany Nürburgring 2020
Foto: L. Rodrigues

Abschließend sagte Bonk: „Die Planung für 2021 müssen wir überdenken, sollte sich nicht dringend ein klareres Regelwerk und eine transparentere Anwendung durch den ADAC München abzeichnen. Wir möchten Rennen fahren und gewinnen und nicht über Paragrafen oder vor Gerichten entsprechende Entscheidungen im Nachhinein vorgelegt bekommen. Wie soll ich als Teamchef ein solches Regelwerk meinen Sponsoren erklären? Besonders in der aktuellen Wirtschaftssituation, in der die Marketingabteilungen jeden Cent zwei Mal umdrehen erschwert ein solches Durcheinander die Planung nochmals deutlich. Das kann nicht im Sinne aller Beteiligten sein. Die Veranstalter wünschen sich doch auch ein volles Feld in den kommenden Jahren!“

Michael Bonk und Martin Kroll sicherten LSR-Freun.de zu uns über den weiteren Stand der Dinge zeitnah zu informieren.

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Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
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