Rennfahrerlegende und wohl einer der sympathischsten Menschen im Motorsport, Jörg Müller feierte vor zwei Tagen seinen 50. Geburtstag. Wir trafen ihn heute im Fahrerlager am Freitag vor der VLN. Nicht im Rennanzug, sondern in der Teamkleidung von Walkenhorst Motorsport. Da mussten wir doch einmal genauer nachfragen.

Jörg, alles Gute und die besten Wünsche nachträglich zu deinem runden Geburtstag. Das man sich hier am Nürburgring im Fahrerlager häufiger trifft ist nichts besonderes. Das Du dieses Wochenende aber keinen Rennanzug trägst schon. Erzähle uns, was machst Du bei Walkenhorst Motorsport?

Tja, vor etwa zwei Wochen telefonierte ich mit Niclas Koenigbauer, dem Teamchef von Walkenhorst Motorsport. Es ging um verschiedene Themen, jedoch eigentlich nicht um den Job. Im Gespräch kam dann heraus, das ihnen zur Zeit ein Renningenieur fehlt. Die Idee und Aufgabe fand ich recht interessant. Da ich seit Jahrzehnten das Umfeld und die Aufgaben eines Car-Engineers aus der Fahrerperspektive kenne und weiß worauf es ankommt, nahm ich die Herausforderung an. Fahrwerksabstimmungen, Reifentaktik und Boxenstopp Planung sind mir nicht fremd. Der erste Tag heute hat riesig Spass gemacht – war aber auch sehr anstrengend. Beim ersten Training lief es reibungslos, wir sind alle zufrieden.

Bist Du Ingenieur, hast Du das studiert?

Nein, ich bin gelernter Zweiradmechaniker und habe über all die Jahre im Motorsport immer selbst viel Hand angelegt, an meinem Formel 3 geschraubt und somit nicht ganz unwissend in der Materie. Auch die Logistik welche dahinter steckt habe ich bei so vielen Teams gesehen und mir so viel Wissen angeeignet. Wie in vielen Berufssparten kann man sich als Quereinsteiger ebenso nach oben arbeiten. Ich habe im Moment mehr zu kämpfen mit Excel-Tabellen, Formulare welche ausgefüllt werden müssen und Dateien auswerten. Das ist der Wahnsinn und eine riesen Aufgabe muss ich feststellen. Ein bisschen brummt mir jetzt am Abend der Kopf von der administrativen Arbeit.

Jörg Müller
Foto: L. Rodrigues

Welches Auto betreust Du bei Walkenhorst Motorsport?

Ich habe die Ehre den BMW M6 GT3 mit der Startnummer #36 unter anderem pilotiert vom Teameigner Henry Walkenhorst zu betreuen. Habe alle Meetings mit den Technikern und Fahrern geleitet, Briefings und Nachbesprechungen, Setups analysiert und noch viel mehr. Während das Auto auf der Strecke war habe ich den Spritverbrauch abgefragt, die Fahrer über mögliche Gelbphasen oder sonstige wichtige Dinge informiert. Man hat doch mehr zu tun und Verantwortung als man denkt. Zeit sich mal hinzusetzen hat man trotz acht Minuten Runden keine.

BMW M6 GT3 #36 Walkenhorst Motorsport VLN 2019
Foto: L. Rodrigues

Da stellt sich natürlich die Frage, wird das Deine Zukunft, oder juckt der Gasfuß doch noch zu sehr und Du steigst wieder selbst in ein Auto?

Ich hatte eine ganz tolle Vergangenheit, so viel gesehen, so viele Autos gefahren, viele Siege und Rückschläge überstanden, damit bin ich durch. Ich bin mir sicher, daß ich im kommenden Jahr wieder in einem guten Auto sitzen werde, da laufen aber noch Verhandlungen. Aufhören möchte ich sicherlich noch nicht, dafür bin ich doch noch zu geil auf das Fahren! Allerdings ist es doch auch wichtig sich nun nebenher schon einmal umzuschauen und neues Terrain zu erkunden um rechtzeitig Alternativen zu finden. Das ich die Gelegenheit habe das bei Walkenhorst Motorsport so auszuprobieren und die kommenden Rennen bis zum Saisonende das machen darf ist einfach supergeil. Für diese Chance bin ich dem Team auch sehr dankbar und ich bin mir sicher, daß ich in der Zeit unglaublich viel lernen kann. Und Spass macht es auch, somit bin ich da glücklich.

Wir danken Dir Jörg für den Einblick und das Du dir trotz Stress und Verantwortung an dem ersten Einsatztag die Zeit genommen hast. Dir und dem gesamten Team viel Erfolg beim 6. Lauf der VLN Langstreckenmeisterschaft.

Ich danke Euch für das Interesse. Henry Walkenhorst und seinem Team danke ich für die herzliche Aufnahme und die professionelle Einarbeitung und Hilfe, das Rennen kann kommen!

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Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
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