Mit der 50. Auflage des legendären 24h Rennen in der Grünen Hölle ging die Ära der weißen Dodge Viper CC GT3 #13 zu Ende. Das White Angel Viper Team trat vom 26. bis 29. Mai 2022 beim ADAC TotalEnergies 24h Nürburgring an, um das Jubiläum mit über 230.000 Zuschauern zu feiern, wieder Spenden für Fly&Help zu sammeln und der Viper einen würdigen Abschied zu gestalten.

Nach der Pole-Position in der Klasse AT für alternative Treibstoffe lagen die Piloten zeitweise nahe an der Top 30 des international und mit Werkspiloten stark besetzten Teilnehmerfeldes aus über 130 Autos. Technische Probleme zwangen dann in den Morgenstunden am Sonntag das Team dazu die schwere Entscheidung zu treffen das Auto aus Sicherheitsgründen zurückzuziehen. Die ehrenamtliche Crew rund um Teamchef Bernd Albrecht aus Hirrlingen konnte 2022 für die Stiftung Fly&Help mit dem Projekt Gelder für fast drei Schulen sammeln.

Foto: BOTSCHAFT.digital / L. Rodrigues

Neben dem Teamchef Albrecht griffen der zweifache ADAC GT Masters Champion Sebastian Asch (Ammerbuch), Andreas Szcepansky (Waiblingen) sowie Kurt Ecke (Rot am See) ins Lenkrad des mit E20 Benzin befeuerten US-Boliden mit V10 Motor. Fahrzeugeigner Manfred Sattler stellt seit Jahren die Dodge Viper CC GT3 zur Verfügung und ist das Rückgrat des Projekts. Viperspezialist Michael Mintgen aus Mayen bringt sein gesamtes Technikwissen in das Projekt ein. Einige seiner Mitarbeiter und weitere Helfer kümmern sich um die Vorbereitung und Rennbetreuung des beim Publikum sehr beliebten Autos.

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Die ehrenamtliche Crew von über 40 Helferinnen und Helfern sorgte neben dem technischen Support auch für das leibliche Wohl, die Organisation und die große Tombola im Fahrerlager. Reiner Meutsch, der Gründer der Stiftung Fly&Help besuchte das Team am Renntag und war sichtlich beeindruckt vom Engagement und den hiermit erzielten Spenden.

Bernd Albrecht, Teamchef White Angel Viper: „Ich weiß noch nicht, wo ich anfangen soll. Es war alles so überwältigend und emotional. Nachdem wir beschlossen die White Angel Viper zum letzten Mal einzusetzen, da der Aufwand für ein GT3-Rennauto der ersten Generation in einfach zu hoch ist, fiel der Rückzug am Sonntagmorgen besonders schwer. Letztendlich war es meine Entscheidung aus Sicherheitsgründen das Auto aus dem Rennen zu nehmen.“

„Trotzdem war es ein fantastisches 24h Rennen mit dem Ergebnis, dass wir aktuell fast drei Schulen mit Fly&Help realisieren können. Mein tiefer Dank gilt der ganzen Mannschaft, die sich mit so viel Freude und Herzblut eingesetzt hat, damit wir unser gesetztes Ziel von zwei Schulen sogar noch toppen konnten. Eine großartige Leistung die wir so nie erwartet hätten. Danke an alle Unterstützer, Sponsoren und die Fans, die spendeten, ihr seid spitze! Im nächsten Jahr werden wir wiederkommen, mit einem ebenfalls exotischen und schnellen Auto, lasst Euch überraschen.“, unterstreicht Albrecht.

Die Kür beim Adenauer Raceing Day

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Nach zwei Jahren ohne Zuschauer aufgrund der Corona-Pandemie fand am Mittwoch vor dem Rennen endlich wieder der Adenauer Raceing Day statt. Im Eifelstädtchen am Nürburgring konnten tausende früh angereiste Fans auf Tuchfühlung mit den Teams gehen, Autogramme sammeln und Selfies bei Benzingesprächen machen. Bereits hier zeichnete sich der große Zuspruch der Fans für das Projekt ab und viele bedauerten, dass die Viper ihr letztes Rennen bestreiten wird. Die Bilanz des Teamchefs nach der Parade fiel entsprechend begeistert aus: „Bei der Nennung waren wir wie gewohnt das erste Team und führten auch in Adenau den Zug der Rennwagen an. Gänsehautstimmung bei allen, dank der vielen Fans rund um die Bühne und am Auto. Es tat nach zwei Jahren Abstinenz so gut wieder mittendrin zu sein und diese Begeisterung hautnah zu spüren.“

Mit den Qualifikationssessions als erste Pflicht gab es positive Überraschungen

Am Donnerstagvormittag wurde es dann ernst, die ersten 90 Minuten Zeittraining standen auf dem Programm. Die von Michael Mintgen und seiner Crew top vorbereitete White Angel Viper drehte erste schnelle Runden und das Setup des Boliden wurde den fordernden Bedingungen der Nordschleife angepasst. Nachdem Sebastian Asch mit seiner Erfahrung Rückmeldungen gab, stiegen Kurt Ecke und Andreas Szcepansky ins Cockpit, um erste Kilometer im Auto durch die Grüne Hölle zu absolvieren. Trotz der Eigenheiten waren beide begeistert von dem exotischen Rennwagen. Das stimmte das Team zuversichtlich für das zweite Qualifying ab 19:30 Uhr über vier Stunden in die Nacht hinein.

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Auch dieses Zeittraining verlief ohne nennenswerte Probleme, erneut griffen alle vier Fahrer ins Lenkrad und erfüllten somit die Pflicht zur Qualifikation, die letzten Runden im dunklen absolvierte Albrecht selbst. Vom 45. Platz im Grid und der Pole in der Klasse aus sollte es am Samstag dann auf die Hatz gehen. Eine kurze dritte Trainingssession am Freitag gab dem Team nochmals Zeit für Feinabstimmungen.

Die große Überraschung gab es im Fahrerlager: Die am Mittwoch bereits aufgebaute Tombola, deren Einnahmen selbstverständlich zugunsten Fly&Help waren, fand unbeschreiblichen Anklang bei den Besuchern. Bereits am Donnerstagabend waren nahezu alle Lose verkauft und somit alle Preise vergeben. Dazu ermöglichte Ravenol das Aufstellen einer großen Spendentonne am Riesenrad, diese kurzfristige Geste begeisterte das Team natürlich umso mehr, das Resultat am Sonntag machte so manchen dann sprachlos.

Der große Tag des letzten Auftritts

Am Samstag traf Reiner Meutsch, der Gründer der Stiftung Fly&Help im Fahrerlager ein. Meutsch war 2021 schon vor Ort, aber was ihn mit Zuschauern in diesem Jahr erwartete machte den Weltumrunder sprachlos. Ununterbrochen war vor dem Teamzelt eine Menge an interessierten Besuchern, die noch Lose ergattern wollten. Die Spendenbereitschaft, auch ohne Sachpreise als Belohnung setzte sich ohne Unterlass fort. Unzählbare Besucher bedauerten das Ende der Viper-Ära, konnten aber die Gründe nachvollziehen.

Foto: BOTSCHAFT.digital / L. Rodrigues

Reiner Meutsch lobte das Engagement aller Helfenden und betonte, dass ein jeder nicht nur an den Tagen des 24h Rennens, sondern über das gesamte Jahr großartiges für die Kinder und deren Zukunft leistet. Er berichtete, dass Fly&Help inzwischen über 620 Schulen in 55 Ländern eingerichtet hat und diese nachhaltig unterstützt.

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Nach dem Mittagessen rückte dann das Rennen in den Vordergrund und die Viper rollte in die Startaufstellung. Aus der vierten Reihe der zweiten Startgruppe und dem ersten Platz in der Klasse durfte Sebastian Asch dann um 15:40 Uhr in die Einführungsrunde, auf der fast 26 km langen Kombination aus Grand-Prix-Strecke des Nürburgrings und der Nordschleife gehen. Pünktlich um 16 Uhr gab die Startampel dann das Rennen zwei Mal rund um die Uhr frei und ein Feld von etwa 130 Autos jagte durch die Eifelwälder. Ab den ersten Umläufen ging es rau im Feld zu, aber Asch mit seiner jahrelangen Erfahrung hielt sich aus allen Kämpfen heraus, da ein 24h Rennen nicht in der ersten Runde entschieden wird. Ohne nennenswerte Zwischenfälle stiegen die anderen Piloten abwechselnd ins Cockpit.

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Etwa eine Stunde vor Mitternacht kam dann die Meldung über Funk, dass der Frontsplitter beschädigt sei, die Vorderachse keinen Grip mehr hat und eine Reparaturpause ansteht. Nach dem Tausch des Splitters ging die White Angel Viper dann wieder raus in die dunkle und äußerst kalte Nacht.

Die Probleme, dass das Auto an der Vorderachse eintaucht, traten dann immer mehr auf und nach maximal sechs Umläufen waren die Vorderreifen bereits am Ende und bis zum Morgengrauen der zweite Frontsplitter ebenfalls schon stark in Mitleidenschaft gezogen. Erneut holte das Team in den frühen Morgenstunden die Viper ins Teamzelt, um nach den Ursachen zu suchen. Um 6 Uhr entschied Teamchef Albrecht dann schweren Herzens das Rennen aus Sicherheitsgründen vorzeitig zu beenden.

Foto: BOTSCHAFT.digital / R. Winter

Sichtlich bewegt sagte er: „Wir wissen nicht, woran es liegt, dass die Vorderachse immer tiefer eintaucht und dadurch die Reifen so schwer belastet werden. Da wir keinen weiteren Splitter haben und mit dem beschädigten nicht an ein sicheres Weiterfahren zu denken ist, muss ich die schwere Entscheidung treffen, dass die White Angel Viper nicht mehr raus auf die Strecke geht.“ Er betont abschließend: „Es gab natürlich auch Überlegungen in der letzten halben Stunde nochmals zum Finale ins Rennen zurückzukehren. Aber ohne Grip und mit instabiler Vorderachse wären wir als langsames Auto nur ein Hindernis für die die noch um Siege kämpfen. Und ein möglicher Unfall, nur für eine Abschiedsrunde, wäre fatal gewesen. So endet die Zeit der Dodge Viper GT3 auf der Nordschleife leider ohne Zielankunft.“

Überwältigendes Spendenergebnis motiviert weiterzumachen

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Nachdem alle das vorzeitige Ende realisiert hatten und der Abbau im Fahrerlager begann, kehrte Sonntagvormittag die Freude in die Gesichter aller Helferinnen und Helfer zurück. Neben den schon realisierten zwei Schulen in Togo im Vorfeld des Jubiläumsrennens konnte dank der Tombola, den Spenden am Teamzelt und der großen Sammeldose am Ravenol-Riesenrad fast das gesamte Geld für die dritte Schule gesammelt werden. Die über HAPPY RACING angebotenen Helikopterflüge, deren Erlös ebenfalls vollständig in den Sammeltopf ging, komplettierten fast die nötige Summe für ein drittes Hilfsprojekt.

Da der Aufwand, die in die Jahre gekommene Dodge Viper CC GT3 wieder fürs das kommende Jahr fit zu machen, in keiner Relation mehr zum ehrenamtlichen Einsatz steht gab das Team bereits Anfang Mai im Rahmen des ADAC 24h Qualifiers den Abschied des weißen Boliden bekannt. Doch spätestens nach dem vergangenen Wochenende mit dem großartigen Spendenerfolg steht fest, dass das Team unter dem Namen „White Angel for Fly&Help“ 2023 wieder antritt.

Mit welchem Auto? Das plant das Team aktuell bereits und verrät bisher nur, dass es natürlich wieder ein exotisches Rennauto sein wird, das beim 51. ADAC TotalEnergies 24h Nürburgring vom 18. bis 21. Mai 2023 an den Start geht.

Stimmen aus dem Team der White Angel Viper

Foto: BOTSCHAFT.digital / L. Rodrigues

Bernd Albrecht, Teamchef und Pilot der #13: „Der pausenlose Einsatz über das ganze Jahr hat sich mehr als gelohnt. Ich bin überwältigt von der Begeisterung und den Rückmeldungen vor Ort, im Livestream, in den Sozialen Medien oder per Messenger an uns. Ich bekomme jetzt noch Gänsehaut, wenn ich an die vielen großartigen Gespräche denke und sehe was für ein grandioses Ergebnis erzielt wurde. Sicher hätte ich gerne in der Viper die Zielflagge passiert, um den Abschied richtig zu feiern – egal auf welchem Platz. Wir fahren für den guten Zweck und nicht um Siege, daher war die Sicherheit der Teilnehmer, unserer Piloten für das Auto wichtiger als das Finale. Wir kommen wieder und ich kann mich nur tausendmal bei allen Unterstützern, Sponsoren und Gönnern bedanken. Dem gesamten Team vor und hinter den Kulissen spreche ich ein großes Lob und Dankeschön aus für den unermüdlichen Einsatz, immer mit bester Laune und voller Harmonie!“

Foto: BOTSCHAFT.digital / L. Rodrigues

Manfred Sattler, Eigner der White Angel Viper: „Auch wenn es traurig ist, dass das Auto vorzeitig ausgeschieden ist, sind wir doch froh, dass es heil geblieben ist. Das ist natürlich wichtig, da wir die Viper auch in Zukunft bei ausgewählten Veranstaltungen präsentieren möchten. Da findet sich sicherlich die passende Gelegenheit nochmals auf die Bahn zu gehen. Insgesamt sind wir mit der Veranstaltung sehr zufrieden, denn unser Ziel Fly&Help zu unterstützen ist voll und ganz erreicht und sogar übertroffen worden. Diese Mission ist erfüllt, nun blicken wir auf die nächste Saison mit neuen Plänen für Fly&Help und die Kinder dieser Welt.“

Michael Mintgen, Mintgen Motorsport: „Es war auch dieses Jahr ein Rennen mit Höhen und Tiefen. Aber wir hatten wieder eine super Mannschaft, die alles gegeben hat, damit das Auto sehr gut lief. Warum es die Probleme an der Vorderachse gab, müssen wir noch herausfinden. 2023 sind wir gemeinsam mit einem anderen Renner zurück und fahren dann über die Ziellinie, denn aufgeschoben ist nicht aufgehoben!“

Foto: BOTSCHAFT.digital / L. Rodrigues

Sebastian Asch, Pilot der #13: „Ich bin ja schon so einige turbulente 24h Rennen gefahren und dachte die lassen sich nicht mehr toppen, aber irgendwie kommt nochmals ein Level an Kuriositäten und Härte obendrauf. Natürlich hätten wir bei ihrem letzten Rennen die Viper gerne ins Ziel gebracht, das hätte das Team und Projekt auf jeden Fall verdient. Der gute Zweck ist einfach eine so schöne Geschichte und der Grund, warum ich hier so gerne mitgefahren bin. Ich bin mir sicher die Fans hätten die Viper auch entsprechend gefeiert, es sollte aber nicht so sein, schade. Bis wir das Auto abgestellt hatten lief es wie eine Eins: Getriebe, Motor, Boxenstopps, das ganze Teamwork und auch die Fahrerkollegen einfach tadellos.“

Kurt Ecke, Pilot der #13: „Es ist immer traurig vorzeitig abzustellen, wir waren trotz weniger Tests mit guten Rundenzeiten unterwegs und das Auto machte Spaß. Aber wenn es Probleme gibt und selbst wenn die Mechaniker so klasse gearbeitet hatten, war es sicherer, denn das Material ist doch schon so langsam alt und wir wollten keine böse Überraschung erleben. Eine tolle Truppe unter einer tollen Überschrift und sicherlich ein unvergessliches Erlebnis am Nürburgring!“

Andreas Sczepansky, Pilot der #13: „Das 24h Nürburgring ist immer ein mega Erlebnis, in diesem Jahr mit so vielen Zuschauern noch mehr, eine grandiose Kulisse! Mit der Viper in der Grünen Hölle war ein völlig neues Erlebnis für mich, es war eine großartige Atmosphäre und Zusammenarbeit im Team, hat riesig Spaß gemacht. Aber wie es bei einem solchen Exoten halt so ist, kann immer etwas nicht so laufen wie geplant und wir haben knapp zwar nur die Hälfte der Distanz gefahren, konnten aber beweisen, dass die Viper noch immer verdammt schnell ist und bei der Musik mitspielt. Ich nehme nur die besten Erinnerungen von diesem Rennen mit und bereue nichts! Herzlichen Dank an das gesamte Team!“

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
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