Am vergangenen Samstag trafen sich der Veranstalter mit einem Sprecher der Teams und Fahrer der V-Klassen und sprachen über die Änderungen in der Ausschreibung der 2018er Saison. Hintergrund des Treffens: Die Änderungen treffen auf massive Kritik.

Rückblick:

Eigentlich könnte alles so einfach sein. Das Reglement der Produktionswagen bleibt, wie es seit mehreren Jahren der Fall ist, bestehen und Änderungen werden mit den beteiligten Teams besprochen. Doch so einfach ist es nicht: Die VLN wäre einer der seltenen Veranstaltungen, die bei Reglementanpassungen die Teams mit einbeziehen. Und 95% der Teams von den Änderungen betroffen sind und massive Kosten auf sich zukommen sahen, wollte man dem Veranstalter mit einer Umfrage entgegenkommen und zeigen, dass die Änderungen auf massive Kritik stießen.
Hintergründe für die veröffentlichten Änderungen sind unter anderen die Rückkehr zur Seriennähe und damit die Senkung der Kosten und die bessere Kontrolle über die Bau- und Anbauteile an den Serienwagen.

Zum fünften Lauf gab es bezüglich der Anbauteile Protest eines V-Klasse-Teams gegenüber einem anderen Teams. Der Protest sorgte für die Disqualifikation des Zweiteren zu diesem Lauf. Nachdem die VLN zum sechsten Lauf bereits ein Bulletin zur Hand hatte, um weitere Disqualifikationen vorzubeugen und die angekreideten Punkte sauber zu formulieren, deutete sich bereits inmitten der abgelaufenen Saison an, dass man das Reglement überarbeiten wolle. Hierzu wurden die Teams vom Veranstalter angehalten, Änderungswünsche zu kommunizieren. Nun war es jedoch so, dass 95% der Teams keine Anregungen vorzuweisen hatten und somit auch keine weitere Kommunikation – per Fahrersprecher – zwischen Veranstalter und Teams stattfand.
Am 08. Januar veröffentlichte der Veranstalter – für die Verhältnisse und den Umfang sehr spät – das vorläufige Reglement.
Am vergangenen Samstag lud die VLN also einen Mittelsmann zu den Teams nach Köln ein und versuchte zu erläutern, welche Gründe der radikale Umbau des Reglements habe. Soweit so gut. Es sah immerhin so aus, als wolle man sich der Kritik der Teams stellen und Während die VLN also sechs Streiter ins Rennen schickte, durfte die Team-/Fahrerseite nur in Form einer Person erläutern, welche der Punkte für Kritik sorgten.

Teams lehnen die Änderung ab

Dem Treffen vorangegangen ist eine Umfrage unter den Teams, welche Zustimmung oder Ablehnung der Reglementüberarbeitung erfassen sollte. Das Ergebnis ist ernüchternd und eindeutig zugleich. Von den 66 befragten Teams – die immerhin 103 Fahrzeuge in den Produktionswagenklassen stellen, also mehr als die Hälfte des Feldes – stimmten annähernd 100% gegen die Änderungen. Interessant dabei: Es gab keine Enthaltung. Die Fronten waren sozusagen klar definiert.

Das bereits angesprochene Meeting am vergangenen Samstag nahm der Veranstalter nun also zum Anlass, die Teams über die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit der Änderungen zu unterrichten. Kurz zusammengefasst: Man wolle den Ursprung des Breitensportes wieder mehr in den Vordergrund rücken. Entsprechend sollen die Fahrzeuge der V-Klassen seriennaher aufgebaut werden. Der Ursprung dieses Reglements basierte zu den Anfangszeiten auf dem Reglement der Gruppe-G und habe sich in der Zwischenzeit immer weiter davon entfernt. Einzelgenehmigungen haben in der Vergangenheit zudem für einen gewissen Wildwuchs in der techn. Auslegung gesorgt. Dem wolle man nun entschieden entgegentreten. Im weiteren Verlauf des Gespräches wurden die bereits öffentlich viel diskutierten Punkte bis ins Detail besprochen. Buchsen, Achsteile und Fahrwerk – Stück für Stück erläuterten die Herren ihren Standpunkt. Soweit, so verständlich. Warum das Reglement nun jedem Fahrzeug der V-Klassen den Einbau einer Sperre erlaubt, entzieht sich dabei der Logik der Teams. Als Grund gibt die VLN an, man wolle den alten Fahrzeugen – gegenüber jüngeren Jahrgängen, die zuweilen teils mit elektronischer unterwegs sind – diesen Nachteil nehmen. Der Tenor der Teams hat hier eine einfache Lösung: Wenn wirklich eine fehlende Sperre über den Erfolg im Rennen entscheidet, habe man vielleicht auf das falsche Pferd gesetzt. Aufgrund der Freigabe einer solchen Differenzialsperre sehen sich die Teams nun jedoch gezwungen, aufzurüsten und Mehrkosten von nicht weniger als 2.500 € in Kauf zu nehmen. Denn wenn einer damit anfängt, müssen alle anderen nachziehen, um nicht konkurrenzlos abgehängt zu werden.

Was man der Veranstaltergemeinschaft dennoch anrechnen muss: Man will an der Kommunikation arbeiten und solche Fehler, wie in der Vergangenheit vermeiden. Hierzu überlegt man bereits, Fahrersprecher zu installieren. Zwar sind Scheid und Bonk als solche zwar deklariert worden, keiner weiß aber so recht, wie. Hier denkt man über eine demokratische Wahl nach, bei der der Sprecher unter allen Fahrern und Teams gewählt wird. Dieser wird dann mit techn. versierten Unterstützern Themen der Teams und Fahrer im Rahmen der ILN Sitzungen vortragen können, aber auch bei Treffen der VLN-Verantwortlichen beisitzen und Anregungen oder Unstimmigkeiten zentral anmerken zu können.

Schritt für Schritt

Der Widerstand der VLN-Teams stieß also nicht auf komplett taube Ohren. Vielmehr ist die Veranstaltergemeinschaft zukünftig bereit, mit Teams und Fahrern Neuerungen und Änderungen gemeinsam abzustimmen. Die aktuellen Änderungen werden jedoch zum dritten Lauf der VLN bindend eingeführt. Die Zeit spielt hier ganz eindeutig gegen die Teams. Denn wer bis zum Schluss wartet und das 24h-Rennen sowie die parallel verlaufenden RCN-Läufe nach altem Reglement fahren will, hat in der Woche vor dem dritten Lauf, alle Hände voll zu tun, die Fahrzeuge umzurüsten. Und das kann auch mal bedeuten, dass sieben oder mehr Fahrzeuge umgerüstet werden müssen.

Doch das Thema ist für die Teams noch lange nicht vom Tisch. Rolf Derscheid knirscht derweil mit den Zähnen: „Motorsport ist nur Hobby, und jetzt muß ich erst Kohle verdienen damit ich mir mein Hobby leisten kann!“ Auch andere Teams sind von dieser Entscheidung alles andere als entzückt.

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Michael Brückner ist seit Jahren begeisterter Motorsportfan und Fotograf. Außerdem sammelt er wissbegierig allerlei Informationen und arbeitet diese dann auf. Warum also nicht alles unter einen Hut bringen und der Welt zur Verfügung stellen. So entstand LSR-Freun.de. Neben der fotografischen und redaktionellen Arbeit kümmert sich Michael auch um die technischen Aspekte des Internetauftritts.
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