Am Samstag den 25. April 2020 lud die SimRaceCommunity zum virtuellen Testtag auf den Cirquit Paul Ricard ein. Hier bekamen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus aller Welt die Möglichkeit ihr Setup in rFactor2 für die kommenden Rennen weiter zu verbessern und konnten wichtige Testrunden drehen. Um sich einen ersten Eindruck über den Rennablauf zu verschaffen stand am Ende des Testtages ein 60 Minuten Rennen auf dem Programm.

Dieses Rennen wurde zwar noch nicht für die DWC gewertet, doch es ging heiß her auf der Strecke. Neben den Teams hatten auch die Moderatoren Roland Niemann und Lars Gutsche die Gelegenheit genutzt, um sich einzuspielen. Nicht gemeinsam in einer Sprecherkabine, sondern von zuhause aus per Live-Schaltung.

Als Sieger überfuhr Simracer Nick Westphal die Ziellinie. Das White Angel Viper Team wurde auf Platz acht als bestes „Realracer“ Team gewertet.

Nick Westphal gewinnt im BMW M6 GT3 des Teams MRS Simracing

Der erfahrene Simracer ging für Molitor Racing Systems an den Start. Der 18 Jahre junge Mann aus Parlow zu LSR-Freunde: „Das Rennen gestern lief eigentlich sehr gut. Du weißt ja am Anfang einer neuen Serie nie so ganz wo du stehst – da war der Testtag schon sehr hilfreich. Aber es war letztendlich auch „nur“ ein Testtag und nächste Woche sehen wir dann wirklich wo wir stehen. Es ist natürlich auch eine riesen Ehre für MRS fahren zu dürfen und gegen reale Rennfahrer anzutreten. Davon träumt ja eigentlich jeder Simracer: Sich einmal gegen reale Rennfahrer messen zu können und im besten Fall noch schneller zu sein.“

Im Blick auf die ersten Wertungsrennen sagt Westphal: „Nächste Woche in Brands Hatch ist dann das erste richtige Rennwochenende, bei dem es dann schon um Punkte geht. Ich bin sehr gespannt wie die Rennen laufen werden. Es gibt ja viele Faktoren, die das Rennen beeinflussen: Der Fahrerwechsel mit dem Teamkollegen wird entscheidend sein. Das Setup spielt natürlich auch eine wichtige Rolle, da muss man sich dann mit seinem Teamkollegen auf einen Kompromiss einigen, damit beide Fahrer zufrieden sind. Das Wetter kann sicherlich auch eine Rolle spielen, gestern hatten wir ja nur Sonnenschein, doch England ist ja für Regen bekannt. Die Strecke selbst bin ich erst ein oder zwei Mal gefahren und noch nie mit dem BMW M6 GT3. Daher bin ich gespannt wie das Rennen laufen wird. Die 60 minütigen Rennen sind ja eigentlich jeweils 2×30 Minuten in denen der Fahrer dann alles aus dem Auto und den Reifen holen muss bevor man an seinen Teampartner übergibt, der dann einen frischen Satz Reifen bekommt und die Restzeit bestreitet.“

Die Bilanz der Profis im Bällebad

Neben den professionellen Simracern befanden sich auch namhafte Pilotinnen und Piloten aus der realen Motorsportszene im Feld. Neben den Kreuzpointner Schwestern drehte auch die Mannschaft der virtuellen White Angel Viper ihre Runden und bestritt ein spannendes Rennen.

Das Team hatte Bernd Albrecht zusammen mit Bux Motorsport gegründet, um die Wartezeit bis zum realen 24h-Rennen am Nürburgring zu nutzen damit Spendengelder für Fly&Help gesammelt werden können. Neben Pierre Rupp, Max und Moritz Lippert und Bernd Albrecht wird die Mannschaft von Laurents Hörr ergänzt, dem LMP3 Champion in Le Mans und WEC Pilot. Die weiße Dodge Viper GT3 sah nach einer Stunde auf Rang 8 die Zielflagge und als die besten Piloten aus dem echten Motorsport zeigten sie ihr Können.

White Angel Viper Simracing 2020
Foto: White Angel Viper

Die Bilanz von Bernd Albrecht ist positiv. So berichtet der Hirrlinger: „Das freie Training war toll und wir hatten nach ein paar Runden auch guten Grip auf der Strecke. Alle Fahrer hatten die Gelegenheit für Testrunden genutzt. Am Ende des Trainings waren wir mit Platz 7 in der Zeittabelle auch sehr zufrieden.“ Aufgrund eines Problems mit dem Server musste das Team dann zum Qualifying den Server wechseln, was zur Folge hatte, dass die Simulation auch wieder eine „frisch asphaltierte Strecke“ lieferte und in den 30 Minuten zur Qualifikation auch nicht mehr genügend Grip für die Viper aufbaute.

Als schnellster des Teams ging Max Lippert dann auf Rang 23 ins Rennen und er sollte das Rennen alleine bestreiten, da sich ein Fahrerwechsel nicht lohnte. Doch direkt beim Start wurde die Viper in einen Unfall verwickelt, diesen schildert Albrecht zerknirscht: „Kurz nachdem die Ampel auf Grün ging wurden wir von hinten durch einen McLaren abgeschossen. Als Folge bekamen wir noch eine Stop-and-Go Strafe erhalten, da wir dem vor uns liegenden Auto durch den Schlag aufs Heck auch aufgefahren sind. Das dies eine Folge des ersten Unfalls war erkannte die Simulation leider nicht.“ Da es sich um ein Testrennen handelte war noch keine echte Rennleitung zur Überwachung dabei. Somit musste das Auto zuerst in die Box, um eine Reparatur durchzuführen. Da die Strafe ebenso anstand musste diese dann in der nächsten Runde noch abgesessen werden was die Viper bis zum letzten Platz im Feld zurückwarf.

Max Lippert kämpfte sich dann verbissen durch das Feld immer weiter nach vorne. Durch eine gute Ein Stopp Taktik bei der ausreichend getankt wurde, um bis zum Ende durch zu fahren wurde Lippert mit der Viper auf Platz acht gewertet. „Wäre der Crash am Start und die Strafe nicht gewesen hätten wir vermutlich auf dem fünften Platz das Rennen beendet. Es lief somit sehr gut für uns, die Mannschaft hatte auch sehr viel Spaß, besonders im Bälle Bad. Das gab uns auch die Möglichkeit, dass sich alle treffen konnten und trotzdem immer der nötige Mindestabstand gewahrt wurde. Über allem stand selbstverständlich unser Einsatz mit der Botschaft für Fly&Help präsent zu sein.“ sagte Albrecht abschließend.

Bälle Bad White Angel Viper
Foto: Bernd Albrecht

Ein besonderer Spaß war sicherlich, dass sich im Raum neben dem Simulator ein Bälle Bad befand, in dem sich die Fahrer abwechselnd „entspannen“ konnten und den Stream weiterverfolgten.

Zufriedener Veranstalter nach dem Testrennen

Nicht minder begeistert fiel das Fazit von Michael Welle aus. Welle ist der Leiter der SimRaceCommunity, er berichtet nach dem Rennen: „Organisatorisch war das Testrennen sicherlich noch eine große Herausforderung und wir stellten zwei-drei Probleme fest, die wir dann noch beheben konnten. Der Rennverlauf selbst war dann richtig gut. Viel Freude bereiteten die Kommentatoren, das hat schon Spaß gemacht wie gut Roland und Lars zurechtkamen, sich ergänzten und souverän und kompetent moderierten. Wir sind rundum zufrieden!“ Auch über die Rückmeldungen der Teilnehmer schildert er begeistert: „Das Feedback über die Simulation von rFactor2 war durchweg positiv. Das Reifenmodell mit dem Grip-Level der Strecke, sowie das Schadensmodell sei schon sehr nahe an der Realität.“

Den Blick zum offiziellen Start der SRC GT3 Digital World Challenge gerichtet sagt Welle: „Ich freue mich jetzt noch mehr auf das erste Rennen kommenden Samstag auf der Strecke von Brands Hatch. Im Laufe der Woche werden noch weitere Teams hinzukommen, somit erwartet uns ein schönes Starterfeld und ein spannendes Rennen zum Saisonauftakt.“

Lars Gutsche
Foto: L. Rodrigues

Wohnzimmer statt Sprecherkabine

Motorsport-Fans kennen das Gesicht und die Stimme besonders von der Nürburgring Langstrecken-Serie. Doch auch Simracing Events begleitete Lars Gutsche schon seit Jahren, hier war er jedoch meist vor Ort. Die besondere Situation durch das Corona Virus lässt gemeinsame Treffen nicht zu, noch weniger dürfen sich Kommentatoren zusammen in eine Sprecherkabine setzen.

Doch diese Umstände lassen Profis wie Niemann und Gutsche kalt, so sagte Lars: „Das war gestern schon wirklich gut. Natürlich ist es nicht ganz so leicht gemeinsam zu moderieren und wir sind uns gelegentlich ins Wort gefallen, da du deinen Partner ja nicht siehst. Mit Roland zusammen klappte das doch – wir haben ja jahrelange Erfahrung. Das Rennen selbst war schon voll spannender Positionskämpfe. Dem Sieger Nick Westphal kann ich zu der Leistung gratulieren. Die Aufholjagt der Viper war auch spektakulär. Mit Bernd stand ich während des Rennens per Chat im Kontakt. Für einen besonderen Lacheffekt sorgten dann die Fotos aus dem Bälle Bad, die Jungs sind immer wieder originell und lustig! Nächsten Samstag wird es dann ernst in der Championship, dann geht es um Punkte. Ich bin gespannt wer dann die Nase vorne hat, wenn die beiden 60 Minuten Rennen gelaufen sind.“

Die Termine der SRC GT3 Digital World Challenge im Überblick

25. April 2020 Testtag in Le Castellet
02. Mai 2020 Brands Hatch 2 Rennen je 60min
16. Mai 2020 Silverstone 3h-Rennen
30. Mai 2020 Paul Ricard 1000km Rennen
13. Juni 2020 Zandvoort 2 Rennen je 60min
27. Juni 2020 Misano 2 Rennen je 60min
11.-12. Juli 2020 24h von Spa Francorchamps

Alle Informationen zum Wettbewerb hier

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Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
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