Eigentlich hätte am Wochenende bereits der dritte Lauf zur Nürburgring Langstrecken Serie (ehemals VLN) stattfinden sollen. Die Gründe, warum diese Veranstaltung, wie auch die beiden Rennen zuvor und deutschlandweit tausende andere Events, nicht stattfinden konnte, dürfte hinlänglich bekannt sein.

Einige findige Rennbegeisterte unter der Leitung des Mayeners Marc Hennerici, haben aus dieser „Not“ eine Tugend gemacht und die digitale Variante der Langstreckenserie (DNLS) auf Basis der PC-Rennsimulation „iRacing“ ins Leben gerufen. Zwei Rennen wurden in den letzten Wochen bereits absolviert, am Wochenende stand dann das dritte an. Mit dabei auch dieses Mal: Das Team Ultimate Nett Racing aus Mayen, allen voran Teamchef und Nordschleifen-Veteran Jürgen Nett. Während der eigentliche Rennbolide des Teams, der Peugeot 308 TCR momentan ein Dasein als Deko-Objekt des bald wieder geöffneten Showrooms in der Koblenzer Straße fristet, hat er genau dort Gesellschaft von einem „Actoracer“ bekommen. Hierbei handelt es sich um einen High-Tech-Fahrsimulator, der dank ausgeklügelter Mechanik jede einzelne Bodenwelle der „Grünen Hölle“ an den Piloten weitergibt. James C. Stone, der mit Christian Buchberger das „Ultimate Racing Center Mayen“ leiten wird (siehe Info), sagt hierzu: „Es handelt sich hierbei nicht mehr um ein ‚Spielzeug‘, der Actoracer wird vielmehr von professionellen Rennfahrern zur Vorbereitung auf reale Rennen verwendet.“

Dass zwischen virtuellem Racing und dem realen Motorsport ein Unterschied besteht, muss selbst ein erfahrener Haudegen wie Jürgen Nett erfahren. Während er die VLN-Langstreckenserie 1987 gewinnen konnte und in der ewigen Bestenliste der Klassensiege ganz weit vorne rangiert, bezahlt der 53-jährige auf dem digitalen „Ring“ laut eigener Aussage Lehrgeld, wobei er den Abstand auf seine Teamkollegen bereits signifikant verkürzen konnte. „Dennoch fehlen mir auf die beiden Anderen noch ca. acht Sekunden“, so Nett. „Die beiden Anderen“, das sind Paul Diederich, der schon lange als e-Sportler auf den Rennstrecken der virtuellen Welt unterwegs ist, und Bradley Philpot, der in den letzten drei Jahren im Dienste des Team Eurorepar Nett Motorsport stand und zusammen mit Jürgen und Achim Nett zwei Meistertitel in der VLN einfahren konnte. Der Vorteil in der virtuellen Welt des Rennsports: Philpot ging das Rennen in seinem Wohnzimmer in Bedford (Großbritannien) an. Jürgen Nett und Paul Diederich teilten sich unter Berücksichtigung der momentan geltenden Hygiene-Bestimmungen den Simulator im Autohaus. Jürgen Nett: „Das ist schon kurios anzusehen: Während Bradley fährt, bewegt sich unser Simulator wie von Geisterhand. Kommuniziert haben wir über den so genannten ‚Team-Speak‘, wir konnten einander also wenigstens hören“. Die angesprochene Geisterhand bewegte den Audi RS3 LMS TCR, mit dem das Team an den Start geht, dabei sehr gut und so sprang im Qualifying Platz vier heraus. Dieser Erfolg kam nicht von ungefähr: Nach durchwachsenen Ergebnissen in den Rennen eins und zwei, hatte Philpot die letzten vier Tage und wohl auch Nächte mit der Abstimmung des Boliden verbracht.

Ein wenig brachte sich der Brite dann selbst um den verdienten Lohn. In der Hektik (zwischen Qualifying und Rennen gibt es nur 30 Minuten Pause), wählte er das falsche seiner vielen erarbeiteten Setups aus. Mit einem Auto, das auf eine schnelle Runde ausgelegt war und nicht auf ein Langstreckenrennen, musste Philpot Federn lassen und wurde auf Position acht durchgereicht, konnte aber dann wieder Boden gut machen und das Fahrzeug nach einer Stunde an sechster Stelle liegend an Paul Diederich übergeben. Philpot: „Es war wunderbar, wieder am Nürburgring zu sein – wenn auch nur virtuell. Und obwohl wir einander nicht sehen konnten, war es dennoch toll, Zeit mit meinen Freunden aus Deutschland zu verbringen. Die Organisatoren der DLNS leisten fantastische Arbeit und ich kann das nächste Mal kaum abwarten.“

Aufgrund einer anderen Boxenstrategie der Gegnerschaft, die sich später als illegal herausstellen sollte, landete Diederich am Ende seines Stints auf Platz neun. Jürgen Nett übernahm für die letzte der drei Stunden Renndistanz, berührte zweimal die Leitplanken und überquerte die Ziellinie als Zehnter der TCR-Klasse. Am grünen Tisch rücke Ultimate Nett Racing dann jedoch noch fünf Plätze vor. Nett: „Viele Teams haben aufgrund ihrer Boxenstrategie die maximal erlaubten 120 Minuten, die jeder Fahrer am Steuer sitzen darf, überschritten. Wir hatten zwar einen Boxenstopp mehr eingelegt, uns dadurch aber Regelkonform verhalten. Bedanken möchte ich mich vor allem bei Jimmy Stone, der uns den Actoracer zur Verfügung stellt und Eurorepar Car Service, die uns auch in der virtuellen Rennwelt tatkräftig unterstützen.“

Übrigens: Paul Diederich verließ nach seinem Einsatz umgehend das Autohaus Nett und fuhr nach Hause. Von dort aus nahm er an einem 12-Stunden-Rennen im japanischen Suzuka teil – virtuell versteht sich. Dies sind die Geschichten, die der besonders in Zeiten der Corona-Pandemie boomende e-Sport schreibt.

Quelle: Pressemitteilung Ultimate Nett Racing – Andreas Krein

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