Im Vorfeld der diesjährigen 70. Auflage von Total 24 Hours of Spa spricht der Gründer und CEO der SRO Motorsports Group, Stéphane Ratel, über die Bedeutung des belgischen Langstrecken-Klassikers für die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Organisation.

Dieses Jahr findet der 70. Lauf der TOTAL 24h SPA statt. Was genau macht dieses Event aus?
Stephane Ratel: „Vor allem ist es einer der großen Klassiker des Motorsports. Ein Teil von dem, was es so besonders macht ist, dass Spa immer eine ganz andere Art von Layout war, besonders mit der alten 14km-Strecke. Heute, mit immerhin 7km, ist es immer noch eine der kultigsten Strecken der Welt. Es wird von vielen als die schönste Rennstrecke in Europa betrachtet. Daher geht es zunächst um den Ort selbst.

Dann hast du die unvorhersehbaren Wetterbedingungen, die in Spa bereits legendär sind. Zudem ist in Spa seit vielen Jahren ein sehr leidenschaftliches Publikum anwesend. Außerdem müssen wir den Tourenwagen danken, die die 24 Stunden so einzigartig gemacht haben. Es gab immer Langstrecken-Sportwagenrennen, aber Spa war etwas Besonderes, weil es ein Langstrecken-Event für Tourenwagen war. Und natürlich ist es seitdem das erste reine GT-Langstreckenevent überhaupt.“

Wie wichtig sind die 24h von Spa für die SRO Motorsports Group?
„Es war der Grundstein für alles, was wir gemacht haben. Zuerst mit der Blancpain Endurance Serie und seit einiger Zeit mit der Intercontinental GT Challenge. Es ist das größte Rennen für die GT3-Kategorie und für unsere Serie. Das war so, als wir anfingen solche Veranstaltungen auszurichten und ist auch heute noch so.

Unser Engagement war ein zweistufiger Prozess. Zuerst haben wir nur die FIA ​​GT Championship mitgebracht, in Zusammenarbeit mit dem verstorbenen Jean-François Chaumont, dem langjährigen Promoter und Organisator. Im Jahr 2011 haben wir dann die Verantwortung für die Organisation im Rahmen der Blancpain Endurance Series übernommen.

Spa ist die einzige Veranstaltung, für die wir ein eigenes Büro in Lüttich haben. Das zeigt, wie wichtig es für uns ist. Das gesamte SRO-Team wird beim Rennen an der Organisation arbeiten und ich vertraue ihnen voll und ganz, während unser Team von der Pirelli World Challenge auch in diesem Jahr zu uns kommen wird.

Es ist also extrem wichtig, denn jede erfolgreiche Meisterschaft auf der ganzen Welt braucht ihr Vorzeigeevent. Für uns ist das das TOTAL 24h Spa.“

Wie hat sich die Veranstaltung seit der Premiere mit der SRO Motorsports Group im Jahr 2001 verändert?
„In einer Welt, in der viele Motorsportserien auf- und wieder untergegangen sind, ist kontinuierlich Spa gewachsen. Es ist tatsächlich schneller gewachsen, als wir das dachten. Vor ungefähr 20 Jahren wurde die Veranstaltung an einen Sponsor verkauft, der Fans kostenlos einladen durfte. Für viele Jahre waren es die Proximus 24 Stunden von Spa und jeder, der einen Proximus-Handy-Vertrag hatte, konnte eingeladen werden. Wenn man bedenkt, dass dies die Hälfte von Belgien einen solchen Vertrag hatte, wäre fast ein kostenloses Event daraus geworden! Dies bedeutete, dass es zwar eine riesige Menschenmenge gab, aber kaum jemand zahlte.

Nach und nach wurden immer weniger Freikarten verteilt, so dass die Anzahl der Zuschauer nicht nur deutlich anstieg, sondern auch die Zahl der zahlenden Zuschauer exponentiell anstieg. Im Hinblick auf die Förderung glaube ich, dass Spa eine der am schnellsten wachsenden Motorsportveranstaltungen in Europa ist und bleibt.“

In diesem Jahr wird es dreizehn verschiedene Marken im Starterfeld geben. Was bedeutet das für Sie und die SRO?
„Es wird dreizehn Marken und zwölf Werksengagements geben, was sowohl historisch als auch auf dem heutigen Motorsportmarkt so ziemlich einzigartig ist. Ich glaube wirklich, dass es das beste Rennen der Welt ist, in Bezug auf die Anzahl und Vielfalt der Autos, die Anzahl der Werksfahrer und Hersteller, die Unberechenbarkeit und die Ausgewogenheit der Balance of Performance. Ich würde gerne ein vernünftiges Argument sehen, das besagt, dass es auf der Welt ein besseres Rennen gibt.

Vor einigen Jahren fragte mich jemand: ‚Du hast mehr als 60 Autos am Start, wovon träumst du sonst noch?‘ Ich antwortete damals, dass ich träume, dass wir Unterstützung der Werke von Ferrari und Porsche hätten. Heute hat sich dieser Traum bereits erfüllt. Wir nannten sie „die Viererbande“ – Porsche, Ferrari, Aston Martin und Corvette – die Hersteller, die sich nur für Le Mans interessierten. Sie hatten GT3-Autos, aber nur aus kommerziellen Gründen und ohne direkte Beteiligung.

Das hat sich jetzt geändert, als Ferrari einige ihrer Werksfahrer in ein Auto gesetzt hat, Porsche hat zwei offizielle Autos durch Timo Bernhard und Manthey Racing, während Aston Martin R-Motorsport ebenfalls seine Werksfahrer fahren lässt. So sind heute drei der vier Hersteller bei uns, während der vierte noch kein eigenes serienmäßig gebautes GT3-Auto hat. Wenn mich heute jemand fragen würde, von was ich sonst so träume: … nun, ich könnte träumen, dass wir live auf der BBC, RAI, France Television, ABC und so weiter zu sehen wären. Aber vom sportlichen Standpunkt aus gibt es nichts mehr, was wir noch träumen und erreichen könnten.“

Gibt es etwas, dass sie verbessern möchten?
„Nichts ist jemals perfekt. Ich würde sagen, dass Spa das beste 12-Stunden-Rennen der Welt ist, weil es von 16 bis 4 Uhr einfach das Größte ist. Die einzige kleine Schwäche kommt danach. Spa ist immer noch nur eine belgische Veranstaltung und auch extrem wichtig für die lokale Bevölkerung. Du hast eine Menge Leute, die am Abend die Party besuchen kommen und dann wieder nach Hause gehen. Camping vor Ort ist im Moment sehr begrenzt. Was wir brauchen: mehr übernachtende Fans, um den Sonntag noch geschäftiger zu machen.

Das ist eine kleine Schwäche, aber vielleicht ist es das Ergebnis vieler Zuschauer, die vor Ort leben und Belgien ein kleineres Land ist. Die Leute können nach Hause fahren, auch wenn manche vielleicht nicht nach der Party fahren sollten!“

Gibt es für Sie einen Lieblingsmoment während des 24h-Rennens?
„Es gibt eine ganze Reihe toller Momente während der ganzen Woche. Ehrlich gesagt, sollte ich früher her kommen, aber es ist fast schon eine Tradition, dass ich es am Mittwoch pünktlich zur Parade erst schaffe. Wenn ich Spa erreiche, ist das ein großartiger Moment. Ich habe auch meine kleinen Gewohnheiten. Ich werde immer in Spa ein Bier trinken, weil man im Zentrum von Spa Stadt Bier braucht! Und dann ist die Parade ein großartiger Moment. Ich kann Ihnen sagen, dass in den frühen 2000ern nur ein paar Leute im Zentrum von Spa waren und sonst war keiner da. Jahr für Jahr wächst und wächst es und inzwischen erstrecken sich die Menschen über Hunderte von Metern, auch außerhalb von Spa. Das ist ein direkter Maßstab für den Erfolg der Veranstaltung.

Natürlich ist das Starterfeld auch etwas Besonderes, wenn es jetzt vielleicht auch etwas zu voll ist! Die Fahrerbesprechung ist auch magisch, mit so vielen anwesenden Fahrern. Die Party am Abend ist auch fantastisch und jedes Jahr gehe ich in die Menge, um das Ambiente zu fühlen. Wirklich, es gibt viele großartige Momente.“

Um abzuschließen: Können sie das TOTAL 24h Spa in einem Satz beschreiben?
„Es ist einfach das Beste der Welt.“

Dieses Interview erschien zuerst auf den Seiten der Blancpain GT Series und kann hier im Original nachgelesen werden.

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Michael Brückner ist seit Jahren begeisterter Motorsportfan und Fotograf. Außerdem sammelt er wissbegierig allerlei Informationen und arbeitet diese dann auf. Warum also nicht alles unter einen Hut bringen und der Welt zur Verfügung stellen. So entstand LSR-Freun.de. Neben der fotografischen und redaktionellen Arbeit kümmert sich Michael auch um die technischen Aspekte des Internetauftritts.
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