Die Verwunderung im November 2019 war groß, als bekannt wurde, dass für das Jahr 2020 nur noch Fotografen mit einer Akkreditierung über eine zentrale Stelle kommerzielle Fotos von den Touristenfahrten auf der Nordschleife anbieten durften. Die Beweggründe des Nürburgrings waren eindeutig, neben einer Kontrolle wer sich direkt an den Leitplanken bewegt, sollte auch eine gewisse Grundqualität der Bilder sowie ein fairer Wettbewerb gesichert werden.

Alexander Gerhard, Pressesprecher der Nürburgring 1927 GmbH & Co KG fasste es damals so zusammen: „Wir haben die Plattform Racetracker ausgewählt, da diese seit Jahren einen hohen Qualitätsstandard hat, mit dem sich der Nürburgring auch identifizieren kann. Wir sind uns sicher, dass der beschrittene Weg eine weitere Verbesserung in vielerlei Hinsicht darstellt. Im Endeffekt gab es in Bezug auf die Fotografen nur zwei Optionen. Entweder alle aus den Sicherheitsbereichen entfernen und somit den Fotografen und den Touristenfahrern, die ein Andenken haben möchten zu schaden, oder sich darüber Gedanken zu machen, wie man es gemeinsam als Community hinbekommt. Nun gibt es eine Schulung und ein ordentliches Akkreditierungsverfahren für die Fotografen, die für Racetracker.de arbeiten und durch beide Parteien – Nürburgring und Racetracker – zugelassen werden. Darüber hinaus haben wir die Möglichkeit ein Fehlverhalten einzelner Fotografen mit dem Entzug der Akkreditierung und der Entfernung von der Verkaufsplattform zu sanktionieren. Unser Ansatz gibt allen Handlungssicherheit und bewahrt die Mehrwerte.“

Symbolbild Touristenfahrten
Foto: Racetracker.de

Das die Touristenfahrten eine wichtige Einnahmequelle für den Betreiber sind ist kein Geheimnis und der Drang vieler Motorsport-Enthusiasten selbst einmal durch die „Grüne Hölle“ zu fahren nachvollziehbar, besonders bei Tagesgästen, welche eine weite Anreise aus dem Ausland hatten. Davon dann ein entsprechendes Erinnerungsfoto zu finden gehört dazu. Nun blicken wir auf das erste Jahr unter diesen Bedingungen zurück und haben nachgehakt.

…dann kam Corona

Als die Planungen für die Kooperation mit Racetracker.de abgeschlossen waren, jedoch noch keine Schulungen stattfanden machte sich Anfang 2020 das Corona Virus auf, die ganze Welt auf den Kopf zu stellen. Noch im ersten Quartal wurden alle Touristenfahrten-Termine auf Eis gelegt. Die Nürburgring 1927 GmbH & Co KG arbeitete ein Hygienekonzept aus, um schnellstmöglich kontaktfreie Touristenfahrten wieder zu ermöglichen. Hierbei war es von Beginn an wichtig, dass besonders die Zuschauer rund um die Nordschleife sich nicht versammeln, da es dort nicht möglich war die Abstandsregeln zu kontrollieren und die nötigen Hygienemaßnahmen zur Verfügung zu stellen. Publikumsplätze wie das beliebte Brünnchen oder am Adenauer Forst wurden gesperrt, lediglich das Fahrerlager mit den sanitären Einrichtungen stand den Touristenfahrern zur Verfügung. Spätestens diese veränderte Lage hätte zu großen Problemen mit Fotografen geführt, doch durch die Kooperation mit Racetracker gab es hier bereits ein durchdachtes Konzept.

Nürburgring Geschäftsführer Mirko Markfort
Foto Dirk Holst / Nürburgring

Nun fällt die Bilanz von Alexander Gerhard entsprechend positiv aus. Er sagte gegenüber LSR-Freun.de: „Das vergangene Jahr mit der Fotografen-Regelung verlief sehr gut. Grundsätzlich sind alle Beteiligten zufrieden und wir werden dieses Modell weiter fortführen. Die Dinge, die es eventuell zu verbessern gibt, werden wir nun rechtzeitig besprechen und vor der Saison in die Schulung für 2021 einbauen. Wir waren auch über die letzten Monate immer im Dialog mit der Community, die Rückmeldungen waren nahezu durchweg positiv. Die Entscheidung dafür, die früheren Strukturen mit der Grauzone zu verändern kam zum passenden Zeitpunkt. Es wäre unter den Corona-Regelungen noch schwerer zu vermitteln gewesen, warum sich ausgewählte Personen an der Strecke befinden dürfen und andere weggeschickt werden. Durch die Mediawesten konnte die Streckensicherung und Security schon auf die Ferne feststellen wer da Fotos macht.“

Großes Interesse an der Akkreditierung

Auch Tim Robertz von Racetracker gibt sich zufrieden. Er sagte: „Bei der ersten Schulung für die Interessenten im Februar waren etwa 90 Leute anwesend. Da kurz darauf der erste Lockdown kam konnten wir leider keine weiteren Schulungen machen. Das gab ein bisschen Unmut unter denjenigen die bei den ersten beiden Terminen keine Zeit hatten und somit keine Akkreditierung bekamen.“ Es war angedacht, zwei Schulung am Anfang des Jahres zu machen und je nach Interesse in der Hälfte der Saison noch einmal eine Schulung für „Nachzügler“ zu machen. Diese hat dann nicht stattgefunden. Es ist wieder geplant zwei Termine im Februar anzubieten. Jeweils an einem Samstag Morgen. Eine Nachschulung in der laufenden Saison ist diesmal nicht angedacht.

Symbolbild Touristenfahrten Sven Bauer
Foto: Racetracker.de / Sven Bauer

Robertz berichtete ebenfalls, dass die Zusammenarbeit zwischen den Fotografen, Racetracker und dem Nürburgring konstruktiv und lobenswert ablief. „Nur eine einzige Verwarnung mussten wir im gesamten Jahr gegenüber einem Fotograf aussprechen, der sich nicht an die Vereinbarungen hielt. Doch danach lief eigentlich alles wie gewünscht. Als die Saison begann, gab es auch noch ein paar Probleme von Fotografen sich mit dem System der Plattform zurecht zu finden, aber auch hier konnten wir schnell Abhilfe leisten.“ Der Bonner merkt jedoch auch an: „Es gab 16 Fotografen, die im letzten Jahr kein einziges Foto bei Racetracker einstellten. Diese Plätze hätten andere sicher gerne gehabt, hier werden wir für 2021 überdenken müssen wen wir in das begrenzte Kontingent aufnehmen werden.“

Für 2021 sind inzwischen fast 200 Anfragen für die Fotografengenehmigung bei Racetracker eingegangen. Nach Abstimmung mit dem Streckenbetreiber werden jedoch auch dieses Jahr wieder maximal 100 Zulassungen ausgegeben. Pressesprecher Alexander Gerhard: „Wir werden grundsätzlich bei maximal 100 Fotografen bleiben. Das ist auch die Zahl an Fotografen, die organisatorisch vertreten können – nicht nur für die Schulung sondern insbesondere auch für das Geschehen an der Strecke. Ebenso möchten wir die Qualität der Bilder hochhalten und setzen hier lieber auf Klasse statt Masse. Unter welchen Kriterien wir dann die Entscheidungen zusammen mit Racetracker treffen wird aktuell besprochen, ein sicher entscheidender Aspekt neben der handwerklichen Qualität wird auch die Zuverlässigkeit und Motivation der einzelnen sein.“

Auch Robertz bestätigt: „Es sind insgesamt etwa 190 Termine für Touristenfahrten an der Nordschleife und GP-Strecke im Kalender, bei 100 Fotografen im Pool können wir gewährleisten, dass auch immer genügend – aber nie zu viele – Fotografen vor Ort sind.“

Wer sich für eine Akkreditierung für 2021 bewerben möchte findet alle Informationen hier.

Erfreuliche Nachfrage beim Bildmaterial

Die Anzahl der gekauften Fotos sei im Vergleich zu den früheren Jahren, trotz der Pandemie auch sehr gut gewesen. „Wenn ich überlege, dass durch Reisebeschränkungen sicher deutlich weniger Besucher am Nürburgring waren, dürfen wir mit den Umsätzen sehr zufrieden sein und wenn der Schritt zurück zur Normalität irgendwann folgt ist da noch Luft nach oben“, sagte Robertz und ergänzt: „Überraschend war, dass im Dezember eine hohe Nachfrage an unseren Produkten wie den Kunstdrucken war. Vermutlich sahen viele darin eine gute Idee für ein Weihnachtsgeschenk. Das freute uns natürlich sehr.“

Ein Zugewinn auch bei der Sicherheit

Die Touristenfahrten werden häufig als eine große Sammlung von Unfällen wahrgenommen. Mancher Journalist und Youtuber verbringt Stunden damit sich daran abzuarbeiten. Alexander Gerhard schildert das Problem: „Es werden Vorfälle in Videos zusammengeschnitten und vermittelten ein deutlich verzerrtes Bild. Sicher gibt es immer wieder Unfälle und Probleme auf der Strecke, aber diese dann gebündelt in einem zehn Minuten Clip darzustellen wird der realen Situation nicht gerecht. Dagegen sind wir auch aktiv. Die nun akkreditieren Fotografen sind verpflichtet Bildmaterial von Unfällen nicht zu veröffentlichen. Im Endeffekt ist dies ein Teil der Partnerschaft.“.

Symbolbild Touristenfahrten Regen Sven Bauer
Foto: Racetracker.de / Sven Bauer

Durch die zugelassenen Fotografen wurden oft Unfälle oder Betriebsmittelverlust direkt an die Streckensicherung gemeldet und dadurch entstand ein Zugewinn an Sicherheit für alle. Robertz dazu: „In der Schulung wurde auch vermittelt, dass wir es Fotografen freistellen, eine gelbe Flagge mitführen, um gegebenenfalls auch Signal zu geben, falls etwas passiert ist. Viele machen das seit Jahren schon so. Die Meldung an die Streckensicherung erfolgte dadurch auch schneller. Letztendlich möchten wir ja alle, dass die Touristenfahrten Spaß machen und keiner zu Schaden kommt, hier tragen unsere Fotografen dann auch mit bei. Doch auch für uns gilt es, immer zuerst auf die eigene Sicherheit zu achten und sich nicht selbst unnötig in Gefahr zu begeben.“

Auch bei den Fotografen überwiegt die Zufriedenheit

Symbolbild Porsche Touristenfahrten
Foto: Racetracker.de / Eric Metzner

Eric Metzner ist für den Nürburgring Bildershop und bei Rennveranstaltungen für Redaktionen und Teams schon länger tätig. Er war ebenfalls für Racetracker bei den Touristenfahrten mit der Kamera unterwegs. Sein Fazit nach dem ersten Jahr fällt zufrieden aus: „Ich war früher schon ein paarmal da. Man hatte nicht mehr die verrückten die in einer Auslaufzone mit der Kamera liegen. Die ersten Fahrten waren sehr komisch, auch an der Planke unten fehlen einem die sonst gewohnten Zuschauer, die für eine gute Stimmung sorgen. Viele haben sich nachher an die Regeln gehalten.“ Metzner schildert weiter: Was ein wenig schade war, dass in der Anfangsphase die Fotografen ihre Autos irgendwo abstellen mussten. Da hätte es eine andere Regelung geben können. Aber so eine Pandemie muss natürlich erstmal bewältigt werden. Alles in allem war mein erstes Jahr trotz allem ein gutes, auch die Zusammenarbeit mit Racetracker verlief reibungslos.“

Einer der Umsatzstärksten Fotografen bei Racetracker ist Martin Stollenwerk. Auch er gibt eine zufriedene Gesamtbilanz: „Als Anfang 2020 feststand, dass das Fotografieren bei den Touristenfahrten von nun an offiziell reglementiert ist waren das tolle Neuigkeiten, jedoch wusste zu diesem Zeitpunkt noch niemand, dass diese „Debütsaison“ in so gut wie allen Gesichtspunkten sehr besonders werden sollte. Aufgrund des Ausbruches der Covid19-Pandemie fingen auch die Touristenfahren in der Saison 2020 etwas später als geplant an, was beispielsweise auch einen Komplettausfall der Ostertage am Ring bedeutete.“

„Im Nachhinein bin ich sehr froh darüber, dass der Nürburgring selber schon früh in der Saison ein Konzept entworfen hat, welches die kontaktlosen Touristenfahrten auch dann ermöglicht, wenn alle andere Veranstaltungen leider ausfallen mussten.“, so Stollenwerk weiter. „Dies ermöglichte uns Fotografen auch in diesen Zeiten unter Einhaltung der Hygieneregeln das Fotografieren an der Strecke, was nun mit offizieller Akkreditierung sehr viel stressfreier geworden ist, weil auch das Personal der Streckensicherung sofort sieht, ob jemand am Streckenrand stehen darf oder nicht.“

Symbolbild Nordschleife Touristenfahrten
Foto: Racetracker.de

„Die Zusammenarbeit mit der Streckensicherung war sehr gut, es ist ein tolles Geben und Nehmen – das Personal, sei es positioniert am Streckenrand oder als mobiles Einsatzteam in den Streckensicherungsfahrzeugen, kennt man oftmals schon persönlich und man hilft sich gegenseitig. Die Nummer des Büros der Streckensicherung an der Zufahrt ist immer griffbereit und so kam es auch schon mehrmals am Tag dazu, dass man liegengebliebene Fahrzeug oder Ähnliches kurzfristig melden kann.“

Der Fotograf aus der Nordeifel schließt ab: „Für die neue Saison 2021 wünsche ich mir, dass der Betrieb am Ring und mit Racetracker weiterhin so reibungslos läuft, wie bisher und dass es die globale Situation bald wieder zulässt, auch ausländische Touristen einfacher und sicher zum Ring reisen zu lassen.“

„Es entstand eine Win-Win-Win Situation“

Die Gesamtbilanz von Alexander Gerhard lautet für das Jahr 2020: „Für den Nürburgring war es ein Zugewinn mit den Fotografen von Racetracker zusammenzuarbeiten. Für Racetracker gab es die Sicherheit nun legal die Fotos zu erstellen und zu vertreiben. Die Touristenfahrer konnten auf einer Plattform deutlich leichter Bilder von sich von gewissen Tagen einfacher finden und erwerben. Wir haben damit für alle drei Parteien eine Win-Win-Win Situation geschaffen, die wir dieses Jahr fortsetzen werden.“

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Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
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2 Kommentare zu “So war das erste Jahr für die offiziellen Fotografen der Touristenfahrten am Nürburgring

  1. Wie sollen denn neu bei Racezracker angemeldete Fotografen Bilder hochladen, wenn sie noch keine Schulung und Zulassung zum Ring haben?

    1. Wenn Sie noch keine Schulung hatten können die Fotografen noch keine genehmigten Fotos verkaufen, es sind 2021 ja noch keine Touristenfahrten gewesen. Ansonsten mit Racetracker.de in Kontakt treten, da wird Ihnen sicher geholfen.

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