Täuschen und tricksen – das warf Weiss‘ Kollege Jochen Krumbach bereits vor wenigen Tagen den GT3-Werksteams vor. In einem emotionalen Gespräch eröffnete uns Krumbach seine Sicht der Dinge auf die ersten zwei Langstreckenmeisterschaftsläufe. Georg Weiss platzt nun nach dem zweiten Lauf der Kragen. Bei LSR-Freunde macht sich der Verleger und Wochenspiegel-Ferrari-Pilot seiner Enttäuschung über die VLN und die Regeln des DMSB Luft.

Wochenspiegel Team Monschau Ferrari 488 GT3
Foto: L. Rodrigues

„Ich bringe seit Jahrzehnten meine Fahrzeuge und Fahrer, somit mein Geld an den Nürburgring und damit zur VLN. Jedes Jahr werden mir jedoch durch neue Regeln immer mehr Steine in den Weg gelegt und immer offensichtlicher nach den Wünschen der Hersteller und deren Teams verfahren.“ beginnt Weiss zu erzählen. „Egal ob neue Reifenmischungsvorschriften für bestimmte Fahrerklassen oder zeitraubende Pflichtbesuche bei Fahrerbesprechungen, in denen nichts Neues verkündet wird, sondern das für ein Permit erforderliche nur zum einhundertsten Male vorgelesen wird.“

Weiss behauptet von sich selbst kein gelegentlicher Paydriver in der VLN zu sein, sondern Stammgast. Wer das Wochenspiegel-Team verfolgt, weiß, dass – vormals im Manthey betreuten Porsche, nun die inzwischen zwei Ferrari 488 GT3 von rinaldi racing – das Wochenspiegel-Team gehört seit Jahren zum Standardinventar der VLN. Daher stört sich Weiss auch an den immergleichen Fahrersitzungen. „Ich muss nicht immer wieder an die Regeln erinnert werden! Meine Fahrer sind so professionell und nordschleifenerfahren, es würde genügen ihnen die kleinen Regeländerungen gegen Unterschrift zukommen zu lassen.“

Vom Täuschen und Tricksen

Zorn rufen in Weiss jedoch die Pre-24h-Rennen VLN-Läufe hervor „Das übliche Täuschen vor dem 24h-Rennen, um nicht durch die BoP gebremst zu werden und damit beim Jahreshöhepunkt mit eindeutigen Vorteilen zu fahren macht den ehrlichen Teilnehmern den Spass kaputt. Um Spass am Rennen fahren sollte es allen eigentlich gehen.“ Demnach erwägt Weiss in der kommenden Saison erst nach dem 24h-Rennen wieder an der VLN teil zu nehmen, denn „[…] ab da wird auch in der GT3 wieder richtig gegeneinander gefahren.“

Der Druckerei-Unternehmer aus Monschau setzt fort: „Ein echter Wettbewerb zwischen Markenvielfalt und Fahrertalenten ist einfach nicht mehr gegeben.“

Dieses „Täuschen der aktuell antretenden Hauptmarken“ war für den jahrelangen Porschepiloten einer der Gründe, zu Ferrari zu wechseln. „Als legendärer Hersteller und Legende im Motorsport wird seitens Ferrari kein Sandbagging oder Trickserei bei der Balance of Performance verordnet oder betrieben.“ Rinaldi als Team bereite das Auto immer auf 100% vor und auch die Fahrer müssten nicht zwischendurch „lupfen“ um die Bestzeiten nicht zu unterschreiten.

„Wer bei dem zurzeit gespielten Spiel nicht mit macht oder bezahlt wird einfach vergrault und nicht mehr wahrgenommen.“
„Teams der verschiedenen Hersteller müssen sich einkaufen um in Gremien überhaupt angehört zu werden, geschweige denn ein Mitsprache-/Stimmrecht zu haben.“

Zudem kritisiert Weiss das Vorgehen der Pflicht-Sponsoren. Mit irrwitzigen Vorgaben versuche man den Ton anzugeben und vergraule teameigene Geldgeber. Selbst das Streaming für Onboardvideos sei inzwischen durch die Seriengönner regularisch vorgeschrieben. Eigenes Equipment und eigene Lösungen würden hier nicht zugelassen.

„… mehr, als nur ein Taschengeld an die Rennstrecke zu bringen“

„Als Privatier in der SP9-Klasse anzutreten ist mehr, als nur ein Taschengeld an die Rennstrecke zu bringen. Aber genau diese Autos, wie die Wochespiegel-Ferrari oder ein Z4 GT3, wie der der PP-Group in der obersten Klasse der Langstreckenmeisterschaft sind doch auch die Sahnehäubchen und Hingucker im „Einheitsbrei“ der AMG und Porsche, die der Fan sehen will! Warum will man die denn rausregulieren?“

Große Kritik übt Weiss auch an der Kommunikation der Rennserie „Während zum tausendsten Male am Stream die gleichen Promis interviewt werden, um das immergleich Loblied auf die VLN zu singen, wird eine – auch durch WTM unterstützte – Aktion wie „Danke Marshals!“ nicht mal nebensätzlich erwähnt. Da werden zwei Fahrten an Fans verlost, ohne sagenhafte 97 Fahrten für Sportwarte mit auch nur einem Wort zu erwähnen.“ Weiß setzt fort: „Genau solche Aktionen waren bisher das, was die VLN-Familie überhaupt ausmachte und zusammenhielt! Jeder kennt jeden und ein Austausch findet auf allen Ebenen statt. Ein Zusammenhalt und Miteinander.“ – „Aber die Familie ist schon lange tot!“

In Rage spricht Weiss nun auch noch die Zuschauerzahlen an, die in den ersten beiden Läufen „sicher 50.000 Besucher an die Strecke geholt haben, aber immer weniger Teilnehmer außer den Herstellerteams.“
„Aber sind wir mal ehrlich: Nach der Winterpause und dem Wetter der vergangenen zwei Rennwochenenden – welchen Motorsportfan hält es denn da im heimischen Sessel?“

„Und so wird um die Gunst der immer mehr schwindenden Zuschauer geworben, während sich in Wirklichkeit die „Schönste und spannendste Rennserie der Welt“ im Hintergrund weiter zerlegt.“

„Nach dem 24h Rennen wird selbst bei Kaiserwetter wieder Platz auf den Parkplätzen sein und die Besucherzahlen wie die Teilnehmerzahlen einbrechen. Auch wenn das niemand wahrhaben will. Jeder kann sich doch bei der Durchsicht der Mediadaten der VLN selbst ein Bild davon machen!“

Ob und wie Weiss und seine Kollegen der VLN zukünftig beiwohnen wollen, lässt der Monschauer nach den Ereignissen der vergangenen Wochen derweil noch offen. Darüber will er aktuell lieber nicht nachdenken.

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Michael Brückner ist seit Jahren begeisterter Motorsportfan und Fotograf. Außerdem sammelt er wissbegierig allerlei Informationen und arbeitet diese dann auf. Warum also nicht alles unter einen Hut bringen und der Welt zur Verfügung stellen. So entstand LSR-Freun.de. Neben der fotografischen und redaktionellen Arbeit kümmert sich Michael auch um die technischen Aspekte des Internetauftritts.
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10 Kommentare zu “Redebedarf: Georg Weiss – „Die Familie ist schon lange tot!“

  1. Da hat Georg Weiss völlig recht – mir ist auch nicht ganz klar welchen Zweck die BoP haben soll (außer gewisse Teams zu vergraulen). Wenn die Fahrzeuge der Werke nicht wettbewerbsfähig schnell sein sollten (haha), dann haben die Hersteller eben die Hausaufgaben nicht gemacht. Ohne BoP könnte jeder so schnell fahren wie das Auto es zulässt und würde das dann sicher auch tun! Sollte es um das generelle Problem der Geschwindigkeit der GT3 gehen dann muss halt eine Lösung her die Fahrzeuge generell entsprechend einzubremsen – aber dann bitte auch für alle gleich. Aber das wird wohl in diesem Leben nix mehr werden 🙁

  2. Da hat Georg Weiss einfach nur Recht, die VLN murkst sich mit dem hyper-reglementieren und dem BoP Schwachsinn geradewegs nur ab. Wieso nicht eine Rückkehr zu der alten aber übersichtlicheren Gruppe 1-4 für Strassenfahrzeuge oder auch 5/6 für Exoten und Serienfahrzeuge à la GT4 aufgeteilt in Hubraumklasse mit EINER !!! FIA Reglementierung und nicht mit der Verwässerei durch SRO AOC und DSMB und wie all die Nationalen Verbände auch heissen. Alles unter der Chancengleichheit propagierte, zerstört nur die Vielfalt an möglichen Autos ….. wie schön und intessant wäre es doch für die Zuschauer und Sponsoren wieder verschiedene Ferraris Corvette’s, Mustangs, BMW’s, Mercedes und Vipers zu sehen. die von Tunern im Rahmen der Reglemente hochgekitzelt werden…… und der Beste soll gewinnen!!! …. Tuner wie Fahrer!!!

  3. Also ich finde die BoP völligen Schwachsinn. Wer Schnell und Gut ist, wird Bestraft!! Was ist denn das ZIEL eines RENNENS? Da könnte man auch die Tempolimits auf der Nordschleife wieder einführen. Oder jede 5. Runde mittels Safety-Car das Feld zusammenstauchen. Ich WILL Rennen sehen, Mann/Frau gegen Mann/Frau. Und die Teams mit dem besten Auto und der besten Fahrerpaarung gewinnen. Einen Einheitsbrei, wo 20 Autos wie Perlen an der Schnur an einem vorbei ziehen und keiner mehr die Luft hat, einen anderen zu Überholen, braucht kein Mensch.
    Habe Fertig………

  4. Bei allem Gezanke um die BOP wird vergessen das der nächste krasse Unfall das Aus für die VLN auf der Nordschleife bedeuten könnte. So hat damals auch die Formel Eins geendet. Die Nordschleife kann nun mal nicht mit allem was die GT3 Fahrzeuge hergeben befahren werden. Insbesondere auch in Rücksicht auf die kleineren Fahrzeuge.
    Mir ist die BOP lieber, natürlich gerecht verteilt, als ein Ende der VLN oder ein generelles Verbot der GT 3 Renner auf der Nordschleife.

  5. Mir gefällt das Vorgehen der Veranstalter auch nicht. Es ist aber auch ein Teufelskreis, Die Hersteller mit ihren GT3 Fahrzeugen, prominenten Fahrern und Marketingmaschinen locken eine Summe X zusätzlicher Fans an die Strecke. Das Ego der Hersteller zwingt selbige zu einen Wettrüsten, weil sie ja eben auch gewinnen wollen. Die „kleinen“ Teams können nicht mithalten und verlieren die Lust am Wettwerb, ziehen sich früher oder später aus dem Wettbewerb zurück. Seit 2005 fahre ich jedes Jahr mehrmals zu den Rennen der VLN und leere Parkplätze sehe ich eher selten. Da müssen sich die Serienmacher wohl entscheiden: Liegt die Priorität bei den Fans oder dem Teilnehmerfeld? In Zeiten wo jeder zahlender Fan an der Strecke in der wirtschaftlichen Endabrechnung zählt sicher keine leichte Aufgabe.
    Die Hersteller könnten sich aber auch ein bisschen zurückhalten und nicht immer direkt weinen wenn andere schneller sind. Auf der Nordschleife gewinnt schliesslich nicht immer der schnellste sondern am Ende ist auch die Konstanz wichtig.

  6. Bei vielen Dingen hat er Recht, ich kann ihm da nur zustimmen, in einem aber nicht. Das aif den Fahrerbesprechungen immer wieder die gleichen Punkte angesprochen werden, ja werden müssen, liegt daran, das es immer noch genügend Fahrer gibt, die die speziellen Regeln der Nordschleife, trotz Permit, nicht zu kennen scheinen.
    Fragt doch mal die Sportwarte, die können aus jedem Rennen Dinge erzählen, das glaubt man kaum.

  7. Herr Weiss hat vollkommen Recht! Es ist wie in der Politik, alles muß reglementiert werden. Der Einzelne hat keinen Spielraum mehr.
    Die Herren vom DMSB, etc. Kochen mit den Werken und Verband Ihr eigenes Süppchen. Reglement und Technikvorschriften werden so gestaltet wie es Ihnen passt.
    Man muß sich nur anschauen wer in den verschiedenen Gremien sitzt.
    Ein kleines Beispiel nebenbei! Ohne die Leistung des letztjährigen Meisters schmälern zu wollen. Er wurde doch nur durch Tricksereien Meister. Diese Lücke im Reglement wird nicht geschlossen, sondern es bietet sich an dies auch zu nutzen. Bin Mal gespannt, ob der kommende Meister auch so hochgelobt wird.

  8. @Jörg Brinkmann
    Bei der BoP werden ja nur einzelne Fahrer Bestraft, nämlich die, die Fahren können und das Auto beherrschen. Wenn ich mehr Sicherheit möchte, dann setze ich in den einzelnen Klassen einfach eine Leistungsobergrenze. Und wenn die zu hoch wird, dann setzt man die etwas runter. Aber für alle gleich. Und dann können die Teams an den anderen Parametern herum probieren, wo man noch die ein oder andere Sekunde holen kann.
    @Bernd Plauschinat
    Ich kann auch nicht verstehen, was an einer Fahrerbesprechung so nervig sein kann? Solange es noch Fahrer gibt, die nach einem Unfall als erstes nur Telefonieren müssen, statt den Sportwarten ein Signal zu geben, wie es aussieht oder Aussteigen und einfach so ums Auto rumlaufen, als wären sie die einzigen auf der Strecke oder BEWUSST in Gelb / Doppelgelbzonen munter überholen.
    Und auch alle Sportwarte müssen vor jeder Veranstaltung zu einem Briefing. Jedes mal und es kommen danach auch immer wieder wieder die selben Fragen und Fehler.

  9. Würde man die BoP duch die FIA ermitteln, wäre das Theater wenig bis gar nicht vorhanden. Aber es geht um Geld wo fliesst und gewisse Personen einkassieren. An VLN 1& 2 vor 24h nur knappe 180 angemeldete Fahrzeuge, davon alleine fast 40 GT3, zeigt doch deutlich auf, dass viele Teams der VLN fernbleiben.

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