Das die Corona-Pandemie weltweit in allen Bereichen besondere Maßnahmen verlangt und diese sich auf den Alltag auswirken ist bekannt. Bedingt durch Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln stand der Motorsport über Monate still. Die VLN bemühte sich in den vergangenen Wochen unter Berücksichtigung der Handlungsempfehlungen für die Durchführung von Motorsportveranstaltungen des Deutschen Motor Sport Bundes (DMSB) sowie die zehn Leitplanken des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) und in Zusammenarbeit mit dem Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit des Universitätsklinikums Bonn um die Ausarbeitung eines machbaren Konzepts.

Dieses Konzept wurde nun von der Landesregierung Rheinland-Pfalz und der Gesundheitsbehörde des Landkreises Ahrweiler genehmigt, somit steht dem ersten Rennen der Nürburgring Langstrecken-Serie am 27. Juni 2020 offensichtlich nichts mehr im Weg. Doch die Reaktionen in den Sozialen Medien bei den Fans und Teams fallen sehr unterschiedlich aus. Besonders die Fans zeigen sich aufgebracht, dass auf den Tribünen, im Fahrerlager und ebenso rund um die Nordschleife keine Besucher zugelassen sind um die Gesamtpersonen-Zahl der Veranstaltung nicht zu groß werden zu lassen. Jim Glickenhaus gab bereits bekannt, dass die Scuderia Cameron Glickenhaus bei keinem „Geisterrennen“ teilnimmt da dem Team der Kontakt zu den Fans extrem wichtig ist. Nun ist der US-Amerikanische Multimillionär eine Ausnahme und weniger ein Maßstab für die Palette an Teams in der Langstreckenserie am Nürburgring.

mathilda racing Seat Cupra TCR VLN 2019
Foto: M. Brückner

Teams wie mathilda racing – die dreifachen Meister in der TCR-Klasse – meldeten im Handumdrehen ihr Erscheinen sogar mit zwei Autos zum ersten Rennen.

Noch vor der Genehmigung durch die Behörden kündigte Beat Schmitz an, dass sein Team Speedbeat Motorsport nicht starten wird und begründete dies so: „Wir sind ein kleines Team, das aus reinen Enthusiasten mit Liebe zum Rennsport besteht. Wenn wir unsere gewohnte enge Gemeinschaft vor, während und nach dem Rennen nicht haben werden, fehlt uns ein wichtiger Teil, um überhaupt zu starten. Auch sind wir ohne Teamzelt für das ausgearbeitete Konzept im Prinzip nicht ausgestattet – und investieren können wir aktuell nicht. Heute ist es noch zu früh, um da konkretes zu sagen. Doch so lange meine Mitarbeiter noch in Kurzarbeit sind verschwende ich keinen Gedanken daran mein pures Hobby zu planen. Letztendlich sind wir auch nicht relevant für einen VLN-Lauf.“

Beat Schmitz Speedbeat Motorsport
Foto: L. Rodrigues

Auf Facebook bestätigte das Team Speedbeat Motorsport am 10. Juni diese Ankündigung mit den Worten: „VLN 1 oder wie? Freunde, wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. Auch wir warten mehr oder weniger seit Oktober auf Auslauf- wie ihr alle auch. Wir werden am 27.06 nicht an den Start gehen. Die VLN bedeutet uns in aller erster Linie Spaß, nicht nur das Fahren steht im Mittelpunkt sonder auch das Drumherum. Die Regeln, die mit einem Start verbunden sind, gehen für uns damit nicht in Einklang. Inwiefern ein Start bei VLN 2 oder 3 infrage kommt können wir momentan nicht beantworten. Wir wünschen allen Teilnehmern dennoch viel Spaß und immer eine Handbreit Asphalt unterm Pneu.“

MRC Race World VLN 8 2019
Foto: M. Brückner

Ebenso wird MRC Race World nicht beim Saisonauftakt dabei sein. Zerknirscht meldete sich das Team mit folgenden Worten ab: „VLN 1 Mit uns so nicht ! Für uns bedeutet VLN gewachsenen Motorsport mit Gleichgesinnten. Schon Entscheidungen wie, Boxenstandzeiten und eine Reihe für uns unverständlicher und sinnfreier Änderungen des technischen Reglements, haben die Frage aufgeworfen, ob die VLN 2020 für uns noch diesen reinen Rennsport liefern kann ?! Für uns waren, der tolle Kampf in einer der größten Klassen des Feldes und das Miteinander im Fahrerlager der Grund anzutreten. Wenn neben dem sportlichen auch der menschliche Aspekt wegorganisiert wird (auch wenn wir zu dieser Zeit die Notwendigkeit verstehen Covid-19) bleiben wir zu Hause. Wir warten bis es wieder Sport gibt und überlassen die Nordschleife bis dahin dem Kommerz.“

Ganz anders hingegen äußert sich Ahrtal-Motorsport und begrüßt den Beginn der Langstrecken-Serie auf dem Nürburgring mit den Worten: „Das Team rund um Ahrtal-Motorsport wird an der ersten Veranstaltung der NLS teilnehmen. Warum? Der Veranstalter hat sich ins Zeug gelegt, damit diese Veranstaltung unter allen gesundheitlichen Aspekten stattfinden kann. Dies sollte unserer Meinung nach auch mit einer Teilnahme „belohnt“ werden. Wir wollen mit der Teilnahme aber auch einmal Danke sagen!

Ahrtal-Motorsport Einstellfahrten NLS 2020
Foto: L. Rodrigues

An unseren Sponsoren die auch lange den Atem angehalten haben und uns weiterhin unterstützen und natürlich auch an den Veranstalter der eine Lösung gefunden und entwickelt hat, damit wir unsere Leidenschaft ausüben können. Vielen Dank an alle die uns unterstützen. Lasst uns das beste daraus machen.“

Ob das Konzept nach dem 27. Juni 2020 Bestand haben wird und die Saison dann wie geplant – ohne Zuschauer – weitergeht steht und fällt wohl am Verhalten der Fans. Wenn Massen sich rund um die Nordschleife versammeln droht womöglich die Rücknahme der Genehmigung und alle Mühen waren vergebens.

Olli Martini geht in sich
Olli Martini geht in sich | Foto: M. Brückner

So richtete sich Streckensprecher Olli Martini deutlich an die Fans: „Eine ganz große Bitte an alle: gefährdet bitte nicht die Durchführung der weiteren Läufe, indem Ihr Euch irgendwo über Schleichwege an die Nordschleife stellt. Wenn die Kreisverwaltung bzw. die Landesregierung davon Wind bekommen, war es das mit weiteren Läufen! Natürlich ist es ohne Zuschauer an der Strecke alles andere als optimal, aber ich verspreche Euch, dass wir alles daran setzen werden, die Faszination der Nürburgring Langstreckenserie im Livestream so gut wie irgend möglich für alle Zuhausegebliebenen rüber zu bringen!“

Wer die Diskussionen der Fans in den Sozialen Medien verfolgt, stellt fest, dass sich einige uneinsichtig zeigen und teilweise schon zu Demonstrationen aufrufen. Dies wäre wohl der „Worst Case“ in der aktuellen Lage und würde für so manches Team das endgültige Aus bedeuten – mitsamt den Konsequenzen für die Angestellten.

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
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