Jede Motorsportveranstaltung steht und fällt mit den Marshals an der Rennstrecke. Sie sind für die Sicherheit der Teilnehmer verantwortlich und das „verlängerte Auge“ der Race Control und des Rennleiters. Für das legendäre 24h Rennen auf dem Nürburgring ist die Besetzung der Posten immer eine noch größere Herausforderung für die Abschnittsleiter, da je Posten mindestens zwei Sportwarte stehen – und dies von Samstag bis Sonntag mehr als 24h am Stück. Allen Marshals der Streckensicherung kann nicht oft genug für ihren Einsatz bei Wind und Wetter danken, ebenso allen Ordnern und Helferinnen und Helfern, die hinter den Kulissen ihre Arbeit bei Wind und Wetter verrichten.

Im Jahr 2020 war es eine besondere Herausforderung für den ADAC Nordrhein als Veranstalter genügend freiwillige Helferinnen und Helfer für die vier Veranstaltungstage vom 24. bis 27. September zu finden. Der weltweiten Corona-Pandemie geschuldet wurde das Rennen vom traditionellen Himmelfahrts-Wochenende auf Ende September verlegt. Dies machte es einigen Sportwarten nicht einfach, da sie bereits eingereichten Urlaub nicht verlegen konnten oder zum bestehenden Termin anderwärtige Verpflichtungen hatten.

Der ADAC Nordrhein suchte daraufhin per Aufruf im Internet Einsteiger für den Dienst mit den Flaggen beim 24h-Rennen. Da eine Schulung und Lizenz des DMSB nötig ist, gab es für die etwa 200 Damen und Herren, die sich meldeten, einen „Schnellkurs“. Dieser beinhaltete jedoch alle nötigen Kenntnisse für die Rundstrecke und besonders für die speziellen Gegebenheiten und Regeln der Nordschleife. Flaggenkunde sowie das Verhalten bei bestimmten Situationen wurden vermittelt. Lediglich die Sparten Kart-Sport, Motorrad Rennen, Bergrennen oder Rallye – welche im speziellen Fall nicht nötig sind, fielen weg. Somit wurde alles relevante theoretische Wissen geschult, um für die Sicherheit der Fahrer beim 24h-Rennen zu sorgen.

Detlev Lamm
Foto: Nick Godfrey

Ein sicherlich besonders kritischer, aber auch interessanter Abschnitt 13 der Nordschleife ist der Bereich von der Klostertalkurve (Steilstrecke) Posten 139 bis zum Hauptposten 152 auf der Hohen Acht. Stellvertretender Abschnittsleiter in den Abschnitten 13 und 14 ist seit Jahren Detlev Lamm. Der 54-jährige aus Hürth hat, bis auf eine Ausnahme seit 1982 kein 24h Rennen in der Grünen Hölle ausgelassen. Zuerst als Fan, 1988 und 2000 als Schrauber in der Box und seit 2005 als Sportwart direkt an der Leitplanke.

Eine Besonderheit im Abschnitt 13 ist, dass er traditionell ein „englischer“ ist. Denn unter normalen Umständen sind hier bis zu 50 Gast-Marschals aus England, Belgien, Australien, den USA und sogar aus Singapur auf den Posten. Das ADAC TOTAL 24h Rennen ist eben nicht nur bei den Teams international besetzt. Aufgrund von COVID-19 und den Reisebeschränkungen sind es 2020 etwas anders.

Detlev Lamm erklärt dazu: „Üblicherweise sind von 12 Posten 10 mit je vier Englisch sprechenden Marschals besetzt, dazu noch eine Reserve und dem englischen Einsatzleiter, meist 45 insgesamt. In diesem Jahr sind es noch 32 Kolleginnen und Kollegen, die die Reise mit erheblicher Mühe von der Insel in die Eifel machten. Immerhin noch acht Posten. Sowie fünf Kollegen aus Belgien. Der Posten #145 ist traditionell von belgischen und deutschen Sportwarten besetzt.“

Die Anreisebedingungen beschreibt er so: „Ihr müsst euch vorstellen, dass sie aktuell nur über den Eurotunnel aufs Festland reisen können, da sie dort im Auto sitzen bleiben können. Auf der Fähre müssten sie aussteigen und hätten dort eventuell Kontakt mit Personen aus Risikogebieten. Danach müssen sie vom Autotransport-Zug nach dem Tunnel kontaktlos durch Frankreich und Belgien bis zur Deutschen Grenze fahren um nicht in Quarantäne bzw. zum Corona-Test zu müssen.“ Der stellvertretende Abschnittsleiter lobt: „Das ist schon eine große Belastung – auch finanziell, sich unter den herrschenden Bedingungen auf die Reise zu begeben, wir sind besonders dankbar für so viel Enthusiasmus für den Dienst beim 24h Rennen.“

Üblicherweise gibt es beim Flaggendienst auf den Posten kein Verständigungsproblem, denn es wird im Abschnitt 13 Englisch gesprochen. Um 2020 die Sicherheit im Rennen zu gewährleisten rotieren die Marshals der Abschnitte 13 und 14. Detlev Lamm erklärt dies so: „Um auch in diesem Jahr im Abschnitt 13 nur Englisch zu sprechen schauen wir, dass Sportwarte mit Sprachkenntnissen aus der 14 gegen unerfahrene „Neulinge“ die in 13 eingeteilt wurden getauscht werden. Hier müssen wir sicherstellen, dass die eben erst angelernten Kolleginnen und Kollegen immer einen erfahrenen Marshal mit Lizenz an ihrer Seite haben. Doch die Zusammenarbeit mit dem Leiter von Abschnitt 14, Peter Weise, klappt hervorragend, wir kennen uns und verstehen die Probleme. Letztendlich haben wir alle ja als wichtigste Aufgabe für Sicherheit zu sorgen.“

Lamm bemerkt abschließend: „Von den neu hinzugekommenen Marshals bin ich begeistert. Sie sind super motiviert und interessiert. Wir haben die Hoffnung, dass die „Schnellkurs-Sportwarte“ den Funken der Begeisterung für die Tätigkeit als Marshal abbekommen, ihre Lizenz zu machen um in Zukunft weiterhin allen möglichen Veranstaltungen zur Verfügung zu stehen. Jetzt freuen wir uns auf das Top-Qualifying und gehen am Samstag die große Herausforderung in der herbstlichen Eifel an. Jedenfalls können wir an die Race Control funken: Abschnitte 13 und 14 sind einsatzbereit!“

Solche Geschichten schreibt nur das 24h-Rennen auf der Nordschleife. Die Begeisterung für den Motorsport und der unermüdliche Einsatz im Ehrenamt über Grenzen hinweg zeichnet die Sportwarte aus und nur mit ihnen können alle ihren Traum der Teilnahme bei dem legendären Rennen verwirklichen. Daher geht 2020 ein besonderer Dank an die Marshals!

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
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