„Heiligs Blechle!“, wie der Schwab‘ sagt! Porsche stellt den neuen 911er RSR für Le Mans vor.


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Neue Wettbewerber haben die GT-Klassen in den einzelnen Rennserien kräftig aufgemischt. Der Ford-GT zum Beispiel krempelte 2016 die GT-LM Klasse der WEC komplett um. „Der Rennsport stellt spezielle Anforderungen an ein Auto“, erklärt der Leiter GT-Werkssport, Marco Ujhasi. „Bei Langstreckenrennen wie in Le Mans stehen Speed und die Konstanz der Rundenzeit.“ Mit einem völlig neu entwickelten GT-Boliden startet der Stuttgarter Fahrzeughersteller in die Saison 2017.




Der neue 911 RSR nutzt die Freiheiten des GT-Regelements GT-Reglements für die 24 Stunden von Le Mans voll aus und setzt neben konsequentem Leichtbau auf die Anordnung des hochmodernen frei saugenden Sechszylinder-Boxermotors vor der Hinterachse. Das vier Liter große, äußerst leichte Aggregat, verfügt über Benzin-Direkteinspritzung sowie einen starren Ventiltrieb und zeichnet sich durch hervorragende Effizienz aus. Seine Rennstreckenpremiere feiert der neue 911 RSR im Januar 2017 beim 24-Stunden-Rennen in Daytona.

Von Grund auf neu gedacht

„Unter Beibehaltung des typischen 911 Designs ist dies die bisher größte Evolution in der Geschichte unseres GT-Top-Modells“, sagt Porsche Motorsportchef Dr. Frank-Steffen Walliser. Der neue 911 RSR ist eine komplette Neuentwicklung: Fahrwerk, Karosseriestruktur, Aerodynamikkonzept, Motor und Getriebe wurden von Grund auf neu konstruiert. Das neue Motorenkonzept hat es den Konstrukteuren ermöglicht, einen besonders großen Heckdiffusor zu verbauen. In Kombination mit einem an den LMP1-Rennwagen 919 Hybrid angelehnten, hängend angebundenen Heckflügel konnten das Abtriebsniveau sowie die aerodynamische Effizienz signifikant verbessert werden.

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Neuer Motor – kein Turbo – vor der Hinterachse

Um der erstarkten Konkurrenz im GT-Geschwader endlich wieder Paroli zu bieten, mussten sich die Renningeneure etwas einfallen lassen. So wanderte der Motor vor die Hinterachse und das Getriebe dahinter.
„Wir haben beim 911 RSR bewusst auf einen besonders modernen und leichten Saugmotor gesetzt, denn dieser gab unseren Ingenieuren bei der Entwicklung des Fahrzeugs große Freiheiten“, erklärt Walliser. „Außerdem sieht das LM-GTE-Reglement in seinen Grundsätzen die absolute Chancengleichheit verschiedener Antriebskonzepte vor, da die Drehmomentcharakteristika von Turbo- und Saugmotoren angeglichen werden.“ Der neue Saugmotor leistet je nach Restriktorgröße rund 375 kW (510 PS) und verteilt seine Kraft mittels eines per Schaltwippen betätigten sequenziellen Sechsganggetriebes mit Magnesiumgehäuse an die 31 Zentimeter breiten Hinterräder. Die Umstellung auf die neue Motorengeneration ist damit abgeschlossen. Nach 911 GT3 R und 911 GT3 Cup nutzt nun auch die Speerspitze der GT-Rennwagen von Porsche die gleiche hochmoderne Sechszylinder-Boxer-Motorenfamilie.
Porsche hat das Konzept des 911 in der Vergangenheit bereits einmal mit voller Konsequenz ausgereizt – 1996 mit dem 911 GT1. Mit großem sportlichen Erfolg: 1998 fuhr der 911 GT1 bei den 24 Stunden von Le Mans den 16. Gesamtsieg für Porsche ein. Damals kamen die schnellsten Fahrzeuge im Feld aus der GT1-Klasse.

Assistenten halten Einzug

Erstmals halten nun hochmoderne Assistenzsysteme in einen Porsche GT-Rennwagen Einzug: Der neue 911 RSR verfügt über ein radargestütztes Kollisionswarnsystem, das so genannte „Collision Avoid System“. So lassen sich auf einem Monitor im Cockpit selbst im Dunkeln die schnelleren LMP-Prototypen frühzeitig erkennen und Missverständnisse vermeiden. Auch ein neues Konzept des Sicherheitskäfigs sowie ein neuer, fest verschraubter Rennsitz erhöhen die Sicherheit für die Fahrer zusätzlich. Weil der Sitz fest mit dem Fahrzeug verbunden ist, lässt sich nun die Pedalbox verschieben und der Statur des Fahrers anpassen.




Auch die Servicefreundlichkeit des neuen 911 RSR wurde signifikant verbessert: Komplette Elemente der Kohlefaserhaut lassen sich dank ausgeklügelter Schnellverschlüsse in kürzester Zeit komplett tauschen. Zudem können Veränderungen an der Fahrwerkeinstellung deutlich schneller und einfacher durchgeführt werden. Darüber hinaus geht der 911 RSR bei der Optik der Beklebung neue Wege: Der GT-Rennwagen zeigt erstmals das neue Werks-Design, das die klare und dynamische Designsprache von Porsche Motorsport weiterentwickelt hat. Von einem erhöhten Standpunkt ist die angedeutete Silhouette des Porsche-Wappens erkennbar. Die Grundfarben bleiben Weiß, Rot und Schwarz.

Mehr als 35.000 Testkilometer

In der Saison 2017 wird der neue 911 RSR voraussichtlich 19 Werkseinsätze mit mehr als 140 Stunden Renndauer bestreiten. Mit jeweils zwei Werksautos wird Porsche in der FIA World Endurance Championship (WEC) inklusive der 24 Stunden von Le Mans sowie in der amerikanischen IMSA Weathertech Championship antreten. Seine Premiere feiert er gleich unter härtesten Bedingungen am 28. und 29. Januar beim IMSA-Saisonauftakt in Daytona. „Darauf sind wir bestens vorbereitet“, sagt Marco Ujhasi, Leiter GT-Werkssport. „Seit dem ersten Rollout in Weissach im März diesen Jahres haben wir mehr als 35.000 Testkilometer auf Rennstrecken in Europa und Nordamerika abgespult – mehr als bei der Entwicklung jedes anderen Porsche GT-Rennautos zuvor.“

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Michael Brückner ist seit Jahren begeisterter Motorsportfan und Fotograf. Außerdem sammelt er wissbegierig allerlei Informationen und arbeitet diese dann auf. Warum also nicht alles unter einen Hut bringen und der Welt zur Verfügung stellen. So entstand LSR-Freun.de. Neben der fotografischen und redaktionellen Arbeit kümmert sich Michael auch um die technischen Aspekte des Internetauftritts.
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2 Kommentare zu “Porsche zeigt den neuen 911er RSR für Le Mans

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