Am Dienstag den 19. Mai 2020 veröffentlichte die VLN VV GmbH & Co. KG ihr Konzept, um die Rennen der Nürburgring Langstrecken-Serie durchführbar zu machen. Das Konzept wurde zusammen mit dem Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit des Universitätsklinikums Bonn erarbeitet und liegt nun bei den zuständigen Behörden des Landes Rheinland-Pfalz und des Landkreis Ahrweiler. Diese Behörden entscheiden, ob es am 27. Juni 2020 das erste Rennen geben kann.

Neben einer obligatorischen Maskenpflicht aller anwesenden Personen, einer auf das Notwendigste beschränkten Team-Crew und dem Ausschluss von Publikum im Fahrerlager und rund um die Nordschleife, soll das Konzept einer großen Boxengasse im Fahrerlager eine Lösung sein.

Dieses Konzept beschreibt die VLN so: „Der aus sportlicher Sicht wichtigste Punkt des VLN-Konzepts sieht vor, die geschlossenen Boxen, in denen während eines regulären NLS-Rennens bis zu sechs Fahrzeuge untergebracht sind, ungenutzt zu lassen und stattdessen im 58.000 Quadratmeter großen Fahrerlager jedem Team einen separaten Bereich zuzuweisen, in denen Arbeiten an den Rennfahrzeugen vorgenommen werden können. Die Zufahrt erfolgt über die Boxengasse, wo weiterhin das Betanken der Rennboliden stattfindet. Danach führt der Fahrweg durch die vorletzte Box in die Open-Air-Boxengasse und durch die letzte Box nach dem Service wieder zurück auf die Rennstrecke. Eine vergleichbare Lösung hatte die VLN bereits im Jahr 2002 angewendet, als am Nürburgring das neue Boxengebäude errichtet wurde. Damals diente die Start-Ziel-Gerade als behelfsmäßige Boxengasse.“

LSR-Freun.de hat nun die Stimmen einiger Teamchefs und Fahrer zu diesem Modell gesammelt, wie zu erwarten gehen die Meinungen bei diesem Thema weit auseinander. Natürlich wollte so mancher befragte sich überhaupt nicht dazu äußern.

Jim Glickenhaus
Foto: L. Rodrigues

Der wohl größte Schock kam sehr schnell von der Scuderia Cameron Glickenhaus. Jim Glickenhaus, als konsequenter und enthusiastischer Teamchef bekannt, teilte uns bereits mit, dass er mit seinem Team unter diesen Umständen nicht zu den Rennen anreisen wird. Somit wäre die Premiere des SCG 004C bis auf Weiteres verschoben. Glickenhaus: „“Wir fahren für die Fans. Solange es für die Fans nicht sicher ist, uns beim Rennen zuzusehen, werden wir nicht fahren!“ Auf nochmalige Nachfrage ob er mit diesem Konzept fern bleibt folgte ein deutliches: „Ja!“

Auf Facebook schreibt er daraufhin: „Es scheint, dass die VLN/NLS Ende Juni versuchen wird, ein „Geisterrennen“ zu starten. Wir fahren Rennen für Fans. Wenn es für die Fans sicher ist, uns beim Rennen zuzuschauen, werden wir Rennen fahren. Wir hoffen, dass das N24 bis September in der Lage sein wird, ein sicheres Rennen in Anwesenheit der Fans zu fahren. Wir werden keine Geisterrennen fahren. Wir freuen uns auf den Tag, an dem die Fans kommen und uns beim Rennen zuschauen können und wenn das für den VLN/NLS-Doppelwochenende im Juli möglich ist, werden wir dabei sein.“

70th edition 24 Hours of Spa-Francorchamps. Niclas Königbauer (GER) Team manager Walkenhorst Motorsport
Foto: BMW Group PressClub Deutschland

Niclas Königbauer, Teamchef von Walkenhorst Motorsport: „Für die Teams der Nürburgring Langstrecken-Serie ist es sehr wichtig, dass die Saison endlich beginnt. Ich denke so manchem Unternehmen, welches ausschließlich mit Rennsport Geld verdient, steht das Wasser finanziell bis zum Hals. Die Pitlane im Fahrerlager wird sicher gewöhnungsbedürftig, ist aber eine gute Grundlage um die Rennen mit den erforderlichen Mindestabständen durchzuführen. Wir sind, soweit als möglich, schon bereit für das erste Rennen, aber mit welcher Teamgröße, Autos und welchen Fahrern hängt von Reisebestimmungen und den herrschenden Vorgaben zu dem Datum ab. Bis dahin habe ich aufgehört andauernd die Termine im Kalender anzupassen und warte bis es konkretes zu planen gibt – hoffentlich bald!“

Beat Schmitz, er gehört zu den Personen, die in vielerlei Hinsicht auf einen Saisonbeginn hoffen. Zum einen ist er mit dem Hotel am Tiergarten als Unternehmer und Arbeitgeber seit Wochen ohne Umsatz und dankbar, wenn der Motorsport am Ring wieder startet. Andererseits ist er mit seinem Team ein Teil des Teilnehmerfeldes der Nürburgring Langstrecken-Serie. Er schildert seinen Eindruck so: „Nachdem sich hier in der Eifel die vergangenen Wochen kein Rad drehte und ich meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kurzarbeit hatte, wünsche ich mir für die Region nichts sehnlicher als das es endlich los geht. Das die VLN alles daran setzt, um die Veranstaltungen möglich zu machen kommt uns allen zugute. Wir leben hier alle vom Nürburgring, nur wegen ihm kommen die Besucher in die Region.“

Beat Schmitz
Foto: L. Rodrigues

Angesprochen auf seine Sicht als Teamchef von Speedbeat Motorsport sagt Schmitz: „Wir sind ein kleines Team, das aus reinen Enthusiasten mit Liebe zum Rennsport besteht. Wenn wir unsere gewohnte enge Gemeinschaft vor, während und nach dem Rennen nicht haben werden, fehlt uns ein wichtiger Teil, um überhaupt zu starten. Auch sind wir ohne Teamzelt für das ausgearbeitete Konzept im Prinzip nicht ausgestattet – und investieren können wir aktuell nicht. Heute ist es noch zu früh, um da konkretes zu sagen. Doch so lange meine Mitarbeiter noch in Kurzarbeit sind verschwende ich keinen Gedanken daran mein pures Hobby zu planen. Letztendlich sind wir auch nicht relevant für einen VLN-Lauf.“ Abschließend appelliert Beat mit Nachdruck an die Fans: „So sehr wir als Hotel und Restaurant auf Besucher angewiesen sind, Leute bleibt zuhause! Wenn ihr wollt, dass es 2020 Motorsport am Ring gibt hängt es maßgeblich vom Verhalten der Menschen rund um die Nordschleife ab, ob das Konzept nach dem ersten Rennen Bestand hat. Schnappt euch eine Kiste kaltes Kölsch, werft den Grill im Garten an und genießt das Rennen am Livestream. Damit helft ihr dem Nürburgring, der Region und den Teams mehr zu überleben, als eine Anreise mit Ärger und Konsequenzen! Danke!“

Unisono einig ist sich das Team des AVIA Clio und aufkleben.de Clio. Hier wird das Konzept begrüßt. Teamchef Stephan Epp kurz und knapp: „Das Konzept ist top. Wie soll es sonst anders laufen? Gar nicht ist keine Option – es hängen viele Existenzen an der Durchführung der Veranstaltungen.“

Fahrerkollege und Eigentümer des AVIA Clio Gerrit Holthaus fügt hinzu: „Super, dass die VLN ein solches Konzept entwickelt hat und alles Menschenmögliche tut, um die Rennen durchführen zu können. Natürlich wird es, wie immer, auch negative Meinungen dazu geben. Aber da spiegeln sich dann persönliche und vor allem egoistische Meinungen wider. Stephan hat schon recht – gar nicht fahren ist keine Option. Ob es funktionieren wird weiß ja auch noch keiner. Aber grundsätzlich finde ich es als Teilnehmer gut, dass alles dafür getan wird das wir fahren können. Wie es war, werden wir dann nach dem 26. Juni besprechen.“

AVIA Clio RS Gerrit Holthaus, Michael Bohrer, Stephan Epp
Foto: L. Rodrigues

Der dritte Clio-Pilot und ehemalige Peugeot Werksfahrer Michael Bohrer schließt sich an: „Ich denke das Stephan und Gerrit schon alles gesagt haben. Ich nehme es wie es kommt. Es zerbrechen sich schon genügend Leute den Kopf darüber. Für uns kleine Teams mit ehrenamtlichen Helfern, ist die Pause kein so großes Problem und die Sicherheit geht vor. Aber wieder Rennen zu fahren wäre für die mittelständischen Teams überlebenswichtig. Ich selbst weiß auch nicht wie die Rennen dann laufen aber im Motorsport ist man es gewohnt schnellstmöglich das beste aus der Situation zu machen.“

Axel Friedhoff vom Team Aimpoint Racing: „Ich finde es bemerkenswert wie die Veranstalter sich bemühen! Jedoch habe ich auch hinsichtlich der Praktikabilität eines Freiluftfahrerlagers sowie den Einschränkungen für die Teams meine Bedenken. Ich glaube nicht, dass wir dieses Jahr an den Start gehen.“

David Griessner
Foto: M. Brückner

David Griessner, amtierender VLN Gesamtmeister: „Das Konzept beinhaltet natürlich starke Einschränkungen und Änderungen des gewohnten Ablaufs, was vielleicht zu einem gewissen Grad den Spaß nimmt. Doch dies gilt ja für alle Teams und Fahrer. Aber es ist besser als überhaupt nicht zu fahren. Wenn es die einzige Möglichkeit ist, dass Rennen möglich sind, werden wir uns an das Konzept gewöhnen müssen. Ob diese Maßnahmen nötig waren oder genügen obliegt nicht meiner Einschätzung, die Verantwortlichen werden sich intensiv damit auseinandergesetzt haben.“

Foto: L. Rodrigues

Hannes Scheid, Teamchef Scheid Motorsport und VLN Fahrervertreter: „Ich begrüße das Konzept sehr und hoffe, dass es von den Behörden so genehmigt wird. Das Wichtigste ist, dass wir endlich wieder Rennen am Nürburgring haben. Wenn diese mit den Maßnahmen möglich sind: Um so besser! Ich wünsche mir von den Fans, dass sie akzeptieren fern zu bleiben, dann könnte das Konzept aufgehen.“

Dies waren die ersten Stimmen am heutigen Tag. Weitere Teamchefs und Fahrer haben uns zugesagt zeitnah Stellung zu beziehen, doch bevor sie sich an die Presse wenden möchten sie die Situation im Team besprechen.

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Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
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