Der Wegberger wird die 46. Ausgabe des Langstreckenklassikers in der Eifel – das ADAC-Zurich 24h-Rennen 2018 – zusammen mit Sebastian Asch (31), Edward Sandström (39) und Tristan Vautier (28) im Mercedes AMG GT3 von Landgraf Motorsport bestreiten. Wir haben Kenneth ein paar Fragen gestellt.

LSR-Freun.de: Du wirst das 2018er ADAC-Zurich 24h-Rennen mit Landgraf Motorsport bestreiten. Was sind Deine Ambitionen?

Kenneth Heyer: Das Einsatzteam, die Fahrerpaarung, Michelin – alles ist gut genug für ein Top-5-Ergebnis. Jedoch ist es die Nordschleife, 20 °C – oder eben -2 °C – und der Verkehr; alles kann passieren. Eine seriöse Prognose ist schlichtweg unmöglich, aber das Paket ist wirklich gut.
Bisher warst Du mit HTP-Motorsport, Mann Filter und ähnlichen klingenden Namen und bekannten Teams am Start? Wie kam es zu der Konstellation mit Landgraf Motorsport?
Da ich bei den fast 30 Endurance-Rennwochenenden im Jahr für viele Teams an den Start gehe ist es für mich nichts Neues. Landgraf Motorsport habe ich bereits im vergangenen Jahr kennen gelernt, dass Auto auf damaligen Stand war bei der VLN 7 gut für ein Top-5-Ergebnis. Jetzt wurde seitens Team und AMG alles unternommen um das Paket noch mal zu verbessern.
Die Fahrer sind top und mit Jörn Gander hat man jemanden für das Projekt gewonnen, der mit Haribo schon sehr erfolgreich war. Der Support von AMG auf der Nordschleife ist Top, Schmickler Performance ist ein Lokal-Player in der Eifel und Haribo war ja auch ein Team ohne jahrelange Tradition und direkt erfolgreich.
Man spürt eine große Passion beim Team und die Nordschleife soll bei ihrem Endurance Programm, jährlich, ein Highlight sein.
Mit Sebastian Asch (31), Edward Sandström (39) und Tristan Vautier (28) hast Du drei starke Kollegen an Bord. Welche Aufgaben übernimmst Du im Team?
Wir vier haben den Auftrag so schnell wie möglich ohne Kratzer das Rennen zu fahren und uns maximal bei allen relevanten Themen für Fahrer einzubringen. Ich finde unser Line Up sehr stark.
Edward und vor allem Basti kenn ich seit Jahren und mit Tristan haben wir ein Vollgastier an Board. Da ich schon etwas länger nach einer Konstellation gesucht habe, wo ich mich noch mehr außerhalb des Cockpits einbringen kann und Landgraf Motorsport mir das bietet ist das quasi ideal. So eine Art fahrender Projektleiter. Ich habe bei diesem Projekt sehr viel Herzblut investiert und bin stolz was wir bis dato stehen haben. Auch der Auftritt an den Strecken wird richtig gut aussehen und Klaus Landgraf weiß was er da macht.
Irgendwann nach der aktiven Karriere, dass dauert aber noch was, werde ich vielleicht ganz die Seiten wechseln. Wie beispielsweise ein Klaus Graf bei KÜS75.

Das Feld der SP9-Armada ist im Vergleich zum Vorjahr etwas reduzierter. Pessimisten sehen bereits das Ende der GT3-Fahrzeuge auf der Nordschleife eingeläutet. Kannst Du dem zustimmen?

Ich denke die Kosten laufen brutal aus dem Ruder. Jetzt wo ich noch mehr Einsicht in die Teamarbeit habe ist es schon verrückt was das alles kostet. Trotz der Kosten sind die GT3 Serien fast alle gesund und die Starterfelder sind top. Auch auf der Nordschleife können 20 Autos gewinnen. Das ist stark. Le Mans wird es entweder Toyota oder ein Außenseiter.
Es wird immer viel spekuliert im Sport, ich lebe ganz gerne im Jetzt. Fakt ist nämlich auch, dass seit 2007 die GT3 eine wahnsinnige Erfolgsgeschichte ist und seines Gleichen sucht.
Damals hat jeder gesagt, daneben ist kein Platz mehr und die TCR hat das Gegenteil bewiesen. Dann hieß es, jetzt sei aber kein Platz mehr und die GT4, die jahrelang gekämpft haben, explodiert auch noch parallel. Es scheint genug da zu sein.
Aus Fahrersicht ist es ganz einfach, ich fahre jetzt seit 10 Jahren auf der Nordschleife nur noch Autos die Top-5-fähig sind und wenn man einmal so einen GT3 da oben bewegt hat, will man das solange wie möglich tun.
Auch als Fan kann ich mir ein 24h-Rennen nur mit Tourenwagen á la TCR schwer vorstellen, aber wer weiß wie man das in 5 – 8 Jahren zu bewerten hat. Die Nordschleife lebt vom Mix. Ganz klar.
Nach den Verschiebungen in den vergangenen Monaten – die Formel E scheint im Aufwind, Hersteller versuchen Ihre Westen weiß zu waschen, die Fans der WEC sahen die LMP1-Klasse bereits gescheitert und der Veranstalter hatte im vergangenen halben Jahr große Mühen, dieses Format am Leben zu halten – wie siehst Du persönlich die Zukunft des Motorsports?
Autos mit Dach werden immer da sein. In welcher Form auch immer. Autos, die sich an den Straßen PKWs orientieren, bleiben bestehen. Jetzt könnte man stundenlang philosophieren. Natürlich muss es immer technisch etwas geben was vorne weg – quasi noch vor der Straßentechnik – gefahren wird.
Das war für mich immer die Formel 1. Die Formel E ist extrem professionell, aber mir hat es live – sagen wir mal vorsichtig – nicht ganz zugesagt. Ich bin aber als Fahrer und Fan auch Klassiker-Liebhaber. Da sind 24h-Spa, 24h-Nürburgring, 24h-le Mans, Formel 1 in Monaco oder Indy 500 eher mein Ding.
Die Rennerei muss aber doch genauso im Wandel sein dürfen, wie die normale PKW-Industrie auch. Wenn wir jetzt aber mal ehrlich sind jubeln wir am Ring oder in Le Mans schon relativ lange den selben Konzepten zu. GT und Tourenwagen in der Eifel und Prototypen und GT in le Mans, unter welcher Bezifferung auch immer.
Also ist die Situation doch eher positiv insgesamt. Man kann an Wochenenden mittlerweile genauso viel Motorsport, wie Fußball im Netz und TV schauen. Ich glaube die Masse ist auf Dauer ein Problem und Übersättigung ist nicht gut. Siehe Sportschau im Fußball. Mag sich alles rechnen, aber für mich als Endverbraucher ist es Mist – jeden Tag ein Spiel.

E-Sport: Uwe Alzen bezeichnete den virtuellen Motorsport als „Rennsport für Muschis“. Nissan Motorsport graduierte in der Vergangenheit Piloten aus der eigens organisierten „GT-Academy“ in den reellen Motorsport und Sorg Rennsport stellte zur VLN-Saison 2018 gar ein eigenes Team aus Simracing-Piloten zusammen. Wie ist denn Dein Standpunkt zum E-Sport?

Also erst mal ist Uwes Statement falsch aufgegriffen und nicht richtig dargestellt worden. Ich selber sehe sowohl Parallelen und gute Dinge, wie aber auch eben nicht zu vergleichende Sachen. Das reine Fahren hat mit der Realität nichts zu tun.
Denn ein Top-30 am Nürburgring mit all seinem Druck und Gefahren ist genauso wenig zu simulieren wie ein echter Crash und der Umgang mit gefährlichen Situation im echten Leben. Du hast im E-Sport deshalb so eine Art Komfortzone und die verändert für mich eben vieles im Gegensatz zum echten Racing.
Du kannst aber auch viele Dinge verbessern. Warst Du noch nie in Navarra und übst die Strecke vorher bei E-Sport bist Du doch definitiv besser vorbereitet. Diese Vorbereitung gibt es auf verschiedenen Ebenen. Es ist ein Wettbewerb mit Lenkrad und Pedalen und deshalb ist all das nützlich. Wenn man es eben mag.
Wenn Du der beste FIFA-Zocker der Erde bist, bist Du aber noch lange kein Bundesliga-Spieler im echten Leben. Die Frage ist ob ein Vergleich beider Seiten überhaupt gerechtfertigt ist. Ddenn es sind zwei verschiedene Sportarten für mich.

Was unsere Fans brennend interessiert: Wie sieht Deine Saison 2018 aus? Welche Rennen stehen auf Deinem Terminkalender? Werden wir Dich auch nach dem 24h-Rennen in der Eifel wiedersehen?
Also da ist wieder viel zu fahren und ich bin sehr happy.
24h-Rennen in Spa, in Barcelona, in Dubai, in Zolder, auf dem COTA, in Portimao und am Nürburgring, 12h-Rennen in Navarra, in Spa, in Imola, in Abu-Dhabi, fast die ganze DMV-GTC, 3 Läufe zur GT Open, 2 Läufe Michelin Le Mans Cup, 10h-Suzuka, 6h-Vallelunga, Belcar Series und VLN.
Also auch nach den 24h-Nürburgring werde ich auf der Nordschleife zum Einsatz kommen.

Unterstütze LSR-Freun.de

Dir hat der Beitrag gefallen? Wir freuen uns über Deinen Support.





In eigener Sache:

Du hast den Beitrag bis zum Schluss gelesen? Hat er Dir gefallen? Wenn Du die LSR-Freun.de unterstützen möchtest, kannst Du das mit einem Abonnement bei SteadyHQ tun.

Damit hilfst Du uns, auch in Zukunft erstklassige Berichte, Dokumentationen und Reportagen aus der Welt der Langstreckenrennen zu erarbeiten und zu erstellen.

Unterstütze uns auf Steady

Die LSR-Freun.de sagen Danke!

Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Michael Brückner ist seit Jahren begeisterter Motorsportfan und Fotograf. Außerdem sammelt er wissbegierig allerlei Informationen und arbeitet diese dann auf. Warum also nicht alles unter einen Hut bringen und der Welt zur Verfügung stellen. So entstand LSR-Freun.de. Neben der fotografischen und redaktionellen Arbeit kümmert sich Michael auch um die technischen Aspekte des Internetauftritts.
Kategorie: NewsTags:
Fehler melden Über LSR-Freun.de ethische Standards
Jetzt kommentieren

Noch keine Kommentare vorhanden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.