Seit nunmehr über eine Woche tobt in den Vereinigten Staaten von Amerika die Bevölkerung. Überwiegend Menschen mit dunkler Hautfarbe, die indigenen Urbewohner des Kontinents, aber auch Zuwanderer aus Lateinamerika, und Asien stehen auf gegen Rassismus im Land, an ihrer Seite solidarisieren sich viele weiße Bürger. Auslöser war der Tod von George Floyd bei einer Festnahme. Internationale Journalisten-Teams werden an der Berichterstattung mit Gewalt gehindert, so berichtet Reporter ohne Grenzen.

Als prominentester Motorsportler bezog Lewis Hamilton deutlich Stellung zum Thema. Weitere Formel 1 Piloten schlossen sich mittlerweile an und sagen: Nein zu Rassismus! Mit dem Hashtag #BlackLivesMatter wird diese Botschaft verbreitet.

Wir sprachen mit Axcil Jefferies, geboren in Zimbabwe, aufgewachsen in Südafrika und mit Hauptwohnsitz in den Vereinigten Arabischen Emiraten und einer Wohnung in Deutschland. Ebenso gab der US-Multimillionär Jim Glickenhaus, der bereits in Woodstock protestierte, deutliche Worte ab und verurteilt Rassismus auf das Schärfste.

Glickenhaus gibt ein Statement per Pressemitteilung

Bereits am 01. Juni 2020. war in der offiziellen Pressemitteilung der Scuderia Cameron Glickenhaus zu lesen:

Pressemitteilung Glickenhaus
Foto: SCG-Press Newsletter

„Gedanken des Tages:
Black Lives Matter
Traurige und verrückte Zeiten in unserem Land. Ein Offizier, der zuvor 18 Mal wegen Fehlverhaltens aufgefallen war, kniet 9 Minuten lang auf dem Hals eines Mannes, was zu seinem Tod führte… Wir wissen es zu schätzen, dass Lewis Hamilton aus dem kollektiven Schweigen in der Motorsportwelt herausgerufen hat. Wir sind bei unseren Löhnen und Fahrzeugpreisen transparent, um sicherzustellen, dass es keine Diskriminierung in unserer Beschäftigung oder für unsere Kunden gibt. Wir setzen uns dafür ein, die Vielfalt und den Zugang für Frauen und farbige Menschen im Motorsport und auf allen Ebenen unseres Unternehmens zu verbessern. Wir haben Fortschritte gemacht und wir haben noch einen Weg vor uns.

Weiße Bostoner randalierten wegen der Steuern auf Tee. Vierhunderteinundzwanzig Jahre der Unterdrückung der Afroamerikaner und über 500 Jahre der Unterdrückung der amerikanischen Ureinwohner müssen ein Ende haben.“

Jim Glickenhaus
Foto: L. Rodrigues

Heute wird Glickenhaus noch deutlicher: „My Dad Integrated New Rochelle Schools. Our family financed the lawsuits that bankrupted The KKK and The White Aryan Nations. I was called a „Nigger Lover“ in elementary school by my friends parents. I marched with Dr. King. I listened to speeches by Malcolm. I was arrested by the National Guard and put into a soccer stadium. My ancestors were put into ovens. These are some of the things I will never forget.“ schrieb er bei Facebook.

„Mein Vater integrierte die Schulen von New Rochelle. Unsere Familie finanzierte die Prozesse, die den KKK (Ku-Kux-Klan) und die Weißen Arischen Nationen in den Bankrott trieben. Die Eltern meiner Freunde nannten mich in der Grundschule „Nigger-Liebhaber“. Ich marschierte mit Dr. King. Ich hörte mir Reden von Malcolm an. Ich wurde von der Nationalgarde verhaftet und in ein Fussballstadion gesteckt. Meine Vorfahren wurden in Öfen gesteckt. Dies sind einige der Dinge, die ich nie vergessen werde.“

Jefferies: „Mit Helm sind wir alle gleich: Motorsportler ohne Unterschiede in der Hautfarbe“

„Ich bin in Südafrika groß geworden, einem von Schwarzen dominierten Land. Aber der Motorsport war den Weißen vorbehalten. Bereits damals im Kart Sport waren wir die einzigen farbigen Menschen an der Strecke. Da habe ich schon viele Erfahrungen machen müssen. Ich blieb ruhig und schüchtern und versuchte darüber hinweg zu schauen. Das war wohl nötig, um das richtige Image zu behalten. Also steckte ich es weg.“, erklärt Axcil Jefferies. Nachdenklich fährt er fort: „Du versuchst still zu sein, um mit einer falschen Reaktion nicht die Zukunft zu verbauen oder Hindernisse vorgesetzt zu bekommen. Doch ich denke es ist nun an der Zeit darüber zu reden!“

In seinen 26 Lebensjahren begegnete Jefferies häufig Rassismus, vermutlich auch von Neidern da er als Ausnahmetalent den Lamborghini Supertrofeo Middle East 2018 gewann und auch in den Jahren davor als schneller „Löwe aus Afrika“ seinen guten Ruf hatte. Ebendiese gute Reputation wollte er nicht aufs Spiel setzen, doch wie er gegenüber LSR-Freun.de betonte: „Ich muss es jetzt offen sagen, wir sollten alle darüber reden und uns deutlich gegen Rassismus und Unterdrückung wegen der Herkunft, Hautfarbe, Religion oder sexuellen Orientierung zu positionieren. Daher gebe ich dieses Statement. Mit Helm sind wir alle gleich im Wettkampf auf der Rennstrecke, warum sind wir nicht auch gleich im Alltag?“

Axcil Jefferies
Foto: Archiv A. Jefferies

„BlackLivesMatter
I feel hurt that i should be talking about the issue of racism in 2020. But as a sportsman of colour and especially one of very few racing drivers i feel its my duty to do so. Like Fifa have done in football to kick out racism, we need a similar campaign in Motorsport. There are so many good people in Motorsport and I have been very fortunate to work with good people and brands in the industry that have supported my career (they know who they are) and i am greatful for the opportunities they have provided me.
I have been racing for 20 years now and although I dont discuss it normally, I will mention it now as the topic is a global issue and there is a movement to make a change and difference. Indeed i experienced racism in the sport, especially during my karting days as a kid. However my family and I always worked hard to educate and show those who did not understand, that racism was not the way forward. I am proud to say I believe we made a positive impact and changed the views about minorities where ever we have competed and hopefully I can continue to do so. I have made so many friends at the Nurburgring and in Germany and I can honestly say I have been made to feel wellcome by all involved in the VLN Championship. I look forward to being a part of the Nurburgring Nordschleife family for a long time and hopefully we can all make a positive impact.
Look forward to seeing everyone in a few weeks at the 1st round.“

„BlackLivesMatter
Ich fühle mich verletzt, dass ich über die Frage des Rassismus im Jahr 2020 sprechen soll. Aber als farbiger Sportler und vor allem als einer der ganz wenigen Rennfahrer fühle ich mich dazu verpflichtet. Wie es die Fifa im Fußball getan hat, um den Rassismus zu vertreiben, brauchen wir eine ähnliche Kampagne im Motorsport. Es gibt so viele gute Leute im Motorsport und ich hatte das große Glück, mit guten Leuten und Marken in der Branche zusammenzuarbeiten, die meine Karriere unterstützt haben (sie wissen, wer sie sind), und ich bin sehr dankbar für die Möglichkeiten, die sie mir geboten haben.

Ich fahre nun seit 20 Jahren Rennen, und obwohl ich es normalerweise nicht bespreche, werde ich es jetzt erwähnen, da das Thema ein globales Thema ist und es eine Bewegung gibt, die eine Veränderung und einen Unterschied bewirken will. Ich habe in der Tat Rassismus im Sport erlebt, besonders während meiner Kart-Zeit als Kind. Meine Familie und ich haben jedoch immer hart gearbeitet, um diejenigen, die das nicht verstanden haben, aufzuklären und ihnen zu zeigen, dass Rassismus nicht der Weg nach vorn ist.

Axcil Jefferies und Familie Rodrigues
Foto: M. Brückner

Ich bin stolz darauf, sagen zu können, dass wir einen positiven Einfluss ausgeübt und die Ansichten über Minderheiten verändert haben, wo immer wir an Wettkämpfen teilgenommen haben und ich hoffe, dass ich dies auch weiterhin tun kann. Ich habe auf dem Nürburgring und in Deutschland so viele Freunde gefunden und ich kann ehrlich sagen, dass ich mich von allem bei den VLN-Langstreckenmeisterschaft Beteiligten willkommen gefühlt habe. Ich freue mich darauf, für lange Zeit ein Teil der Nürburgring Nordschleife-Familie zu sein und hoffe, dass wir alle einen positiven Einfluss ausüben können.

Ich freue mich darauf, alle in einigen Wochen beim ersten Rennen zu sehen!“

Das Onlinemagazin LSR-Freun.de unterstützt „Reporter ohne Grenzen“ seit geraumer Zeit und wir stehen für Pressefreiheit, Gleichheit aller Menschen und tolerantes Zusammenleben. Wir danken James Glickenhaus und Axcil Jefferies für die offenen Worte, denen wir uns anschließen: #BlackLivesMatter

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Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
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