Immer seltener findet am Hockenheimring Motorsport statt. Zum aktuellen Zeitpunkt gibt es auch keine Aussicht auf den Gastauftritt der Königin des Motorsports – der Formel1. Doch der Hockenheimring rüstet sich für die Zukunft.

Als 2019 der letzte Formel1-Lauf auf dem badischen Rundkurs zu Ende ging, hatten die Verantwortlichen bereits längst die Weichen für die Zukunft gestellt. Am 01. September 2019 übernahmen mit Jochen Nerpel und Jorn Teske zwei Profis im Bereich Verwaltung und Marketing die Geschäftsführung der Hockenheimring GmbH und Der Autohersteller Porsche baute seit 2018 ein Porsche-Center direkt im Bereich der Tribüne A1 – A7.

Aussicht auf große Motorsportveranstaltungen gibt es nur noch wenig. Die Formel1 wird so schnell nicht wieder kommen, da es weder Verträge noch irgendwelche Bemühungen für eine Rückkehr auf den badischen Rundkurs gibt. „Die Tür für die Zukunft ist aber nicht zu. Es ist nur eine Frage der finanziellen Konditionen“, meint Thomas Reister, Chef der emodrom group. Jorn Teske, Geschäftsführer der Hockenheimring GmbH ergänzt: „Im Sinne der Fans würde ich mir das wünschen. Auch weil wir mit unserem Rennen im vergangenen Sommer unter die besten Rennen der letzten zehn Jahre gewählt wurden“.

Auch die ADAC GT-Masters gastiert nur noch einmal im Jahr in Hockenheim. Das Eröffnungsrennen ging in diesem Jahr erstmalig an die Motorsportarena in Oschersleben. Zwar werden die „Nitrolympx“ weiterhin für Fanandrang sorgen und auch das Jim-Clark-Revival bleibt in Hockenheim. „Dass der Motorsport ein stagnierendes Feld ist, ist allgemein bekannt. Aber trotzdem wird in Hockenheim sicher noch das ein oder andere Rennsportauto unterwegs sein“, meint dazu Teske. Man wolle die DNA der Rennstrecke nicht komplett aufgeben, berichten die Kollegen der Rhein-Neckar-Zeitung am heutigen Donnerstag.

Am gestrigen Mittwoch machte sich dann die Politik ein Bild von der Misere. Die baden-württembergische Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) kam auf Einladung der emodrom group zu einem Informationsbesuch in den Schwetzinger Hardt. Der Landtagsabgeordnete und Parteifreund der Ministerin, Karl Klein, hatte sich um das Treffen bemüht. Mindestens so lange wie eine Umstrukturierung des Hockenheimrings im Gespräch ist, fordert auch die Stadt Hockenheim finanzielle Unterstützung vom Land ein.

Zusagen gab es keine. Hockenheims Oberbürgermeister Marcus Zeitler brachte und bringt das Thema immer wieder in Gespräche mit dem Land ein. Doch Zeitlers Ziele sind andere. „Der Hockenheimring muss für die Zukunft zu einem modernen Wirtschaftsstandort ausgebaut werden. Hier können wir beweisen, dass Visionen und Innovationen zusammen passen, wenn wir alle an einem Strang ziehen“, erklärt der Oberbürgermeister. So wolle man weiterhin versuchen, privatwirtschaftliches Engagement generieren und weitere Unternehmen an der Rennstrecke und auf dem Gelände ansiedeln. ‚Mit der emodrom GmbH, die in den Mittelpunkt ihrer Tätigkeiten alternative Antriebe stellt, und dem Porsche Experience Center, sei das bereits gelungen‘ schreiben die Kollegen der RNZ.

„Der Hockenheimring ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für die Rhein-Neckar-Region, aber auch für unser Land“, so die Wirtschaftsministerin. „Allerdings begrüßen wir die Absicht, neue Wege zu gehen und hier ein technologieoffenes Mobilitätszentrum der Zukunft aufzubauen“. Und Karl Klein ergänzt: „Trotz der langen Tradition des Rings, ist eine Weiterentwicklung und Anpassung an die gesellschaftlichen Entwicklungen notwendig“.

Großen Veranstaltungen mit mehr als 100.000 Besuchern stehe man dennoch offen gegenüber. betont man vonseiten der Verantwortlichen. Gemeint sind damit jedoch eher Konzerte und Open-Air-Veranstaltungen. Ob dann Messen und Ausstellungen – wie das „E4-Testival“ der emodrom GmbH, einer Messe für E-Mobilität zum Selberfahren, die im Juni zum dritten Mal stattfindet – die fehlenden Motorsportveranstaltungen kompensieren kann, bleibt abzuwarten.

Über den Hockenheimring

Der Hockenheimring wurde 1932 erbaut. 1970 fand der erste Formel1-Lauf auf dem damals noch 12km umfassenden Kurs durch den Wald statt, als die Formel1-Fahrer-Gewerkschaft den Nürburgring als zu gefährlich einstufte. Bereits im März 1938 begannen die Bauarbeiten für die Verkürzung auf 7,725 km. Als im Jahre 1980 der Franzose Patrick Depailler bei Testfahrten mit einem Alfa Romeo tödlich verunglückte, begann man auch die zu schnell gewordene Ostkurve durch eine Schikane zu entschärfen. Durch die langen einsamen Vollgaspassagen verlangt der Kurs Höchstleistungen von Mensch und Maschine. 1966 wurde das Motodrom – das Aushängeschild des Hockenheimrings – eröffnet. 2002 dann erlebte der badische Rundkurs den massivsten Umbau. Von einer der ehemals schnellsten Rennstrecken der Welt, wandelte sich der neue Kurs mit der langgezogenen Parabolika-Kurve zu einem der langsamsten Rundkurse. Die Südtribüne bekam ihr charakteristisches Bild, ebenso die Mercedes-Benz-Tribüne.

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Michael Brückner ist seit Jahren begeisterter Motorsportfan und Fotograf. Außerdem sammelt er wissbegierig allerlei Informationen und arbeitet diese dann auf. Warum also nicht alles unter einen Hut bringen und der Welt zur Verfügung stellen. So entstand LSR-Freun.de. Neben der fotografischen und redaktionellen Arbeit kümmert sich Michael auch um die technischen Aspekte des Internetauftritts.
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