Mit insgesamt zehn Fahrzeugen rückten die Zuffenhausener zum 70-jährigen Jubiläum an der Sarthe im französischen Le Mans in diesem Jahr an. Insgesamt drei der 911er RSR landeten am Sonntagnachmittag auf dem Podest.

Porsche 911 RSR, Porsche GT Team (92), Michael Christensen (DK), Kevin Estre (F) Laurens Vanthoor (B), Le Mans 2018
Foto: Porsche Motorsport

Der Kampf in der LMGTE Pro-Klasse wurde bereits nach rund fünfeinhalb Stunden durch eine Safety-Car-Phase entschieden, die dem siegreichen Porsche 911 RSR (#92, Christensen/Estre/Vanthoor) im legendären „Sau“-Design einen entscheidenden Vorteil brachte. Nach einem Boxenstopp des Porsche wurde die SC-Phase aufgrund von Trümmerteilen des #38er-Orecas ausgerufen, der Porsche reihte sich im nächsten SC-Zug ein, in dem auch die Gegner – die noch keinen Stopp absolviert hatte – waren. Die Konkurrenz stoppte wenig später und fiel in den nächsten Zug zurück. Nach Beendigung der SC-Phase hatte man so einen Vorsprung von rund 1:40-Minuten und verwaltete den Vorsprung bis zum Schluss souverän. Zweite in der Klasse werden Lietz/Bruni/Makowiecki im Schwesterfahrzeug (#91, + 1 Runde), welches zum 70-jährigen Porsche Jubiläum im Rothmans-Design foliert wurde. Für Porsche ist es der erste Le-Mans-Klassensieg seit 2013, als man ebenfalls einen Doppelsieg einfuhr.

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Auch ohne diesen Vorteil wäre der Sieger vermutlich aus dem Hause Porsche gekommen, da die vier Porsche 911 RSR von Manthey Racing und CORE Autosport mit Abstand das beste Paket während der gesamten Woche hatten. Einzig allein Ford konnte gefährlich werden und lieferte sich teils sehr sehenswerte Kämpfe mit den 911ern. Besonders beeindruckend war der minutenlange Fight zwischen dem zweitplatzierten #91er-Porsche von Lietz/Bruni/Makowiecki und dem drittenplatzierten #68er-Ford von Hand/Müller/Bourdais. Auch der vierte Platz ging an Ford (#67, Priaulx/Tincknell/Kanaan).

Der Ferrari 488 GTE mit der Startnummer #52, der nur in Le Mans eingesetzt wurde, kassierte zwei Zeitstrafen aufgrund einer Geschwindigkeitsüberschreitung während einer Slow Zone. Bei den beiden in der WEC eingesetzten Ferrari war es nicht besser: die #71 musste eine 3-Minuten-Strafe wegen eines Verstoßes beim Boxenstopp absitzen, bei der Startnummer #51 platzte ein Reifen. Zudem fehlte dem Fabrikat der nötige Speed im Rennen. Am Ende sprang nur ein sechster (#52, + 3 Runden), achter (#51, + 5 Runden) und zehnter Platz (#71, + 6 Runden) heraus – zu wenig für den GT-Weltmeister von 2017. Auf Seiten von Chevrolet kam nur die Corvette C7.R (#63) von Magnussen/Garcia/Rockenfeller fehlerfrei durch das Rennen (5. Platz, + 2 Runden), das Schwesterfahrzeug hatte mit einem Problem an der Vorderachse zu kämpfen und verlor sogar Teile des Unterbodens. Letztlich nahm man den US-Dampfhammer aufgrund von Sicherheitsbedenken aus dem Rennen. Zudem trug die schlechte Einstufung in der Balance of Performance (BoP) ihren Teil für das schlechte Abschneiden bei.

Schlichtweg unterlegen waren hingegen die brandneuen Aston Martin Vantage GTE. Ob das Fahrzeug noch nicht bereit ist oder nur die schlechte BoP-Einstufung Schuld war, müssen Analysen zeigen. Ein kleiner Lichtblick war da nur der fehlerfreie Auftritt von Sörensen/Thiim/Turner (#95), die mit fünf Runden Rückstand Neunter wurden und einige Meisterschaftspunkte aus Le Mans mitnahmen. Das Schwesterfahrzeug von Lynn/Martin/Adam hatte hingegen mehrmals mit technischen Gebrechen zu kämpfen und platzierte sich mit 17 Runden Rückstand auf den Gewinner auf dem 13. Platz.

Besser als erwartet lief hingegen das Debüt des BMW M8 GTE an der Sarthe. Zeitweise sogar auf Podiumskurs, machten zuvor noch nie aufgetretene Stoßdämpferprobleme an beiden Fahrzeugen den Traum von einem guten Ergebnis zunichte. Tomczyk/Catsburg/Eng im #81er-BMW wurden mit zwölf Runden Rückstand Zwölfter, das Schwesterfahrzeug von Farfus/da Costa/Sims (#82) verunfallte in den Porsche-Kurven und wurde später aus dem Rennen zurückgezogen.

Souveräner Sieg des Dempsey-Proton Teams

Porsche 911 RSR, Dempsey Proton Racing (77), Julien Andlauer (F), Matt Campbell (AUS), Christian Ried (D), Le Mans 2018
Foto: Porsche Motorsport

Die Zusammenfassung in der LMGTE Am-Klasse fällt kurz aus, denn die Sieger Campbell/Ried/Andlauer (#77) von Dempsey-Proton Racing führten das Rennen seit der dritten Stunde an und verwalteten die Führung bis zum Schluss. Mitfavoriten wie das Schwesterfahrzeug Cairoli/Al Qubaisi/Roda (#88) oder der in Spa-Francorchamps siegreiche Aston Martin von Dalla Lana/Lamy/Lauda beendeten ihr Rennen durch Ausflüge in den Reifenstapel. JMW Motorsport, Siegerteam aus dem Vorjahr, verlor durch einen Ausrutscher ins Kiesbett zwei Runden und beendete das Rennen mit drei Runden Rückstand auf dem fünften Platz. Flohr/Castellacci/Fisichella im Ferrari von Spirit of Race (#54, + 1:39.044) wurden Zweiter, Keating/Bleekemolen/Stolz im Ferrari von Keating Motorsports (#85, + 1 Runde) wurden Dritter. Für das Team aus den USA wäre sogar der Zweite Platz sicher gewesen, wenn Ben Keating den Wagen nicht ins Kiesbett gelenkt hätte.

Die deutschen Debütanten vom Team Project 1 waren lange Zeit auf Podiumskurs, technische Probleme machten aber einen Strich durch die Rechnung. Letztlich nur der siebte Platz – dennoch ein starker Auftritt, der das Team zuversichtlich auf das nächste Rennen blicken lässt.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei WEC-Aktuell.de.

Zwischenzeitlich ereilte die beiden Ford-GT von Chip-Ganassi Racing das Zeitstrafenschicksal. Wegen zu kurzer Gesamtfahrzeiten wurden die Fahrzeuge von Andy Priaulx, Harry Tincknell und Tony Kanaan (#67) und Scott Dixon, Ryan Briscoe sowie Richard Westbrook (#69) nachträglich nach hinten strafversetzt. Während Dixon, Brsicoe und Westbrook nur zwei Runden abgezogen bekamen und den 14. Rang in der Pro-Wertung behalten konnten, traf es das Schwesterteam richtig hart. Weil Briscoe nur auf 5:16 Stunden Gesamtfahrzeit kam, das Minimum aber sechs Stunden sind, bekam das Team die fehlen 44 Minuten in Runden aufgedrückt. Auf Basis der schnellsten Runde des Fahrzeugs errechneten die Regelwächter insgesamt elf Strafrunden. Somit müssen Priaulx, Tincknell und Kanaan ihren vierten Platz in der Klasse gegen Rang zwölf eintauschen. Auch in der Meisterschaftswertung wird diese Rückstufung spürbar sein.

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Michael Brückner ist seit Jahren begeisterter Motorsportfan und Fotograf. Außerdem sammelt er wissbegierig allerlei Informationen und arbeitet diese dann auf. Warum also nicht alles unter einen Hut bringen und der Welt zur Verfügung stellen. So entstand LSR-Freun.de. Neben der fotografischen und redaktionellen Arbeit kümmert sich Michael auch um die technischen Aspekte des Internetauftritts.
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