Lars Kern hat 2017 in der Eifel abgeräumt, was man so abräumen kann. Rundenrekord im Porsche 911 GT2, Gesamtsieg in der VLN und 50. Gesamtsieg für Manthey-Racing.

Seine Erfahrungen im internationalen Motorsport und in den verschiedenen GT-Kassifikationen hat uns der gebürtige Wiernsheimer in einem Interview geschildert.

lars kern porsche team manthey racing vln9 2017
Foto: L. Rodrigues

LSR-Freun.de: Lars danke, dass Du Dir die Zeit für uns nimmst. Wie hast Du die Saison 2017 erlebt?

Die Saison begann wie 2016 endete: Auf dem Cayman von Manthey. Das war mein Eintritt in die VLN und zu Manthey. Mit der #170 haben wir viel erprobt und getestet, auch Teile für das nächste Auto. In die Entwicklung vom GT4 Clubsport war ich von Porsche aus involviert und sollte in der Folge die Entwicklung von Upgrades gemeinsam mit Christoph Breuer im Rahmen der VLN erproben. Christoph hat mir dann die VLN beigebracht. Die Strecke an sich kannte ich bereits aus 5 Jahren Industriepool mit Porsche. Hier kamen schon sehr viele Runden zusammen.

2017 dann benötigte Otto Klohs einen dritten Fahrer, da Robert Renauer verhindert war. Nicki Raeder und Otto einigten sich aufgrund meiner guten Leistungen mit dem Cayman darauf, dass ich die Chance auf der #12 bekomme. Der Einsatz lief sehr gut und so durfte ich weitere Rennen mit Otto bestreiten. Der zweite Platz bei VLN 6 war da sicher ein Highlight.

Nachdem ich mit dem GT2 RS den Rundenrekord holen konnte, sicherte mir Frank Walliser einen Einsatz im Werksauto zu. Auch die Raeder-Brüder und Olaf Manthey standen dahinter.

Was war Dein absolutes Highlight?

Es gibt momentan wohl kein populäreres und erfolgreicheres GT3-Auto am Ring. Der Druck war damit nicht unerheblich. Wir hatten aber einen guten Freitag und ich konnte viele Runden drehen bevor es in den Renntag ging. Was dann folgte war quasi das Sahnehäubchen einer tollen Saison. Rundenrekord für Strassenfahrzeuge, Sieg beim ersten Einsatz im Pro Fahrzeug. Mehr geht nicht, und das auf der besten Rennstrecke der Welt.

Momentan ist das Interesse an der ganzen Sache ziemlich groß. Doch auch vor diesem Erfolg gab es ein paar Menschen im Hintergrund die mir vor 6 Jahren diese Chance gegeben haben, meinen Weg gemeinsam mit Porsche zu gehen. Etwas besseres hätte wohl nicht passieren können.

Lars Kern Manthey Racing VLN9 Münsterlandpokal
Foto: D. Matschull

Die GT4 sind momentan in aller Munde. Was sind für Dich als Fahrer die gravierenden Unterschiede zwischen GT3 und GT4?

Die GT4 sind eine interessante, zukunftsträchtige Klasse. Es handelt sich aber um seriennahe Fahrzeuge, das merkt man als Fahrer sofort. Die Autos sind nicht vollumfänglich in Richtung Performance entwickelt. Sie müssen einen Spagat zwischen Kosten, Robustheit und Performance schaffen. Das ist nicht immer einfach.

Beim GT3 Auto ist die Ausrichtung viel mehr in Richtung Performance, das merkst Du als Fahrer bei der Aero, der Bremse und dem Fahrwerk. In meinen Augen benötigt man am Ring beides. Die GT4 werden bezüglich Faszination und Speed jedoch nie an die GT3 ran kommen.

Du warst einige Zeit im australischen Carrera Cup unterwegs. Wie unterscheidet sich die Motorsportszene dort von hier?

Die Szene dort ist unheimlich motorsportbegeistert. Die Rennen dort sind riesen Events und von Jung bis Alt sind einfach alle dabei. Das Rahmenprogramm ist voll mit Konzerten und Partys, dazu die generelle Lockerheit der Australier. Das ist wirklich beeindruckend und wir könnten uns hier noch vieles davon abschauen.

Speziell die Supercar Scene hat mich fasziniert. Sehr einfache Technik extrem professionell gehandhabt. Und die Fans sind entweder Ford oder Holden Fans, da entsteht eine Atmosphäre wie man es hierzulande nur im Fussballstadion erlebt. Das Racing ohne viel Aero ist super spannend und muss nicht durch Boxenstopps oder DRS beeinflusst werden. Das ist nachvollziehbar und für alle verständlich.

Wie sehen Deine Zukunftspläne aus? Wo dürfen die Fans in der kommenden Saison mit Dir rechnen? Wirst Du den GT’s treu bleiben? Die ganze Welt schwärmt ja gerade auch von der Formel E. Porsche wird in der kommenden Saison selbst Teil der Elektro-Formel.

Nicht wenige behaupten, die Zukunft der Automobilindustrie sei elektrisch. Ich weiß es nicht, kann aber sowohl der klassischen Verbrenner-, als auch elektrischen Energie etwas abgewinnen. Wir bei Porsche sind da breit aufgestellt und in allen Bereichen technologisch sehr weit vorne. Da ich keinerlei Formel Erfahrung habe, sehe ich meine Zukunft primär im GT-Sport. Was aber nicht heißt, das ich ein Formel E Porsche nicht auch gerne ausprobieren würde.

Mein persönliches Ziel für 2018 ist es, mich auf unserem GT3 Modell zu etablieren. Einerseits auf der Nordschleife, aber darüber hinaus auch in anderen Rennserien. So werde ich 2018 zum ersten Mal beim 24h Rennen in Dubai an den Start gehen. Gemeinsam mit Otto Klohs, Sven Müller und Mathieu Jaminet haben wir sicher ein gutes Line Up und ich freue mich sehr darauf hier mit Manthey Racing an den Start zu gehen.

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Michael Brückner ist seit Jahren begeisterter Motorsportfan und Fotograf. Außerdem sammelt er wissbegierig allerlei Informationen und arbeitet diese dann auf. Warum also nicht alles unter einen Hut bringen und der Welt zur Verfügung stellen. So entstand LSR-Freun.de. Neben der fotografischen und redaktionellen Arbeit kümmert sich Michael auch um die technischen Aspekte des Internetauftritts.
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