Lance David Arnold ist neben seiner Rolle als Profi-Rennfahrer im Falken-Team auch einer der Hosts der TV-Sendung VOX Automobil. Nun hat der Duisburger noch eine dritte Aufgabe übernommen und leitet ab sofort das Prototypen-Projekt von Black Falcon. Mit LSR-Freun.de sprach der charismatische Petrolhead ausführlich über seine Ziele, seine Aufgaben und seine Karriere.

Hallo Lance, lass uns doch mal zunächst über deine neue Rolle bei Black Falcon sprechen. Du bist dort als Projektleiter für das LMP-Engagement verantwortlich. Wie kam es dazu?

Black Falcon LMP3 Ligier JS P320 Michelin Le Mans Cup 2021 Lance David Arnold
Foto: Black Falcon

Lance: Ich freue mich mega auf dieses Projekt! Wenn man sich mal im Rennsport umschaut, stellt man fest, dass da im Moment ein Umbruch im Gange ist hin zu den Prototypen. Immer mehr Teams, sei es Phoenix, Frikadelli oder Mühlner, springen auf diesen Zug auf. Das ist natürlich auch super spannend. Wenn man an Rennwagen denkt, hat doch jeder solch einen Prototypen im Kopf! Zudem ist das Thema auch preislich sehr interessant, denn die LMP3-Autos sind deutlich billiger als die GT3, aber trotzdem schneller. Und sportlich sind die Prototypen ohne Fahrhilfen usw auch eine andere Liga. Jetzt gilt es, im Hinblick auf das Jahr 2023, wo in Le Mans die neuen Fahrzeuge eingesetzt werden, sich in der Prototypen-Szene zu etablieren.

Siehst du deine Rolle denn da nur im administrativen Bereich oder auch als Fahrer?

Ich habe ja durch mein ehemaliges eigenes Team bereits die andere Seite der Boxenmauer kennengelernt und ich hatte sehr viel Spaß daran. Gerade die Zusammenarbeit mit jungen Fahrern oder Gentlemen liegt mir sehr, weil ich als Fahrer ja beide Seiten gut kenne und meine Erfahrungen da sehr gut einbringen kann. Deswegen habe ich auch große Lust, mich voll darauf einzulassen. Black Falcon gibt mir da viele Freiräume, ich kann zum Beispiel das Team zusammenstellen und mich um sämtliche Aspekte kümmern, um die bestmögliche Performance herauszuholen. Das wird mich schon voll beanspruchen und da freue ich mich sehr drauf. Das schließt natürlich nicht aus, dass ich auch mal wieder selbst so ein Lenkrad in die Hand nehme. Gerade weil sich in diesem Rennklassen oft ein Profi mit einem Amateur das Cockpit teilt, würde das auch Sinn machen. Das ist aber noch Zukunftsmusik, im Moment konzentriere ich mich voll auf die Rolle als Projektleiter. Gerade im Le Mans Cup muss man da auch voll fokussiert sein und darf sich nicht mit einer Doppelbelastung verzetteln. Aber es sind ja auch Starts in Amerika geplant. Vielleicht rutsche ich da noch mal in ein Auto.

Stichwort Zukunft: Le Mans war ja schon immer ein Traum von dir. Kommst du dem damit ein Stück näher?

Foto: Christopher Otto / C.O. Mediavision

Auf jeden Fall. Ich habe immer gesagt, am Ende will ich mal in Le Mans angetreten sein. Ob als Fahrer oder Teamchef, ist mir da eigentlich egal. Das hat jetzt die letzten 15 Jahre aus unterschiedlichen Gründen leider nicht geklappt. Ohne Budget und Herstellerunterstützung ist das als Fahrer auch extrem schwierig. Das Black Falcon Projekt gibt mir jetzt die Gelegenheit, mich intensiv mit diesem Thema zu beschäftigen und die Szene besser kennenzulernen.

Ein dir sehr gut bekanntes Betätigungsfeld ist ja die Nürburgring Nordschleife. In diesem Jahr bist du auf einem der Falken Porsche GT3 in der NLS und beim 24h-Rennen am Start.

Das ist natürlich eine tolle Geschichte. Ich fahre immer sehr gern auf der Nordschleife und bei Falken fühle ich mich extrem wohl. Ich kann mir gut vorstellen, hier längerfristig an der Entwicklung dieses tollen Teams mitzuwirken. Hier ist noch das Feedback der Fahrer gefragt und man hat die Chance, sich voll einzubringen. Das habe ich durchaus auch schon anders erlebt. Gerade in großen Teams, die mit ehemaligen DTM-Ingenieuren arbeiten, zählt die Meinung der Fahrer heute kaum noch etwas. Da entscheidet der Ingenieur anhand der Daten, was am Auto gemacht wird. Damit kann man kurzfristig auch mal Rennen gewinnen, aber es ist für die Fahrer erstens nicht erfüllend und zweitens ist es am Ende immer der Fahrer, der auf der Strecke mit dem Auto klarkommen muss. Erfahrungen sind da einfach unersetzlich. Bei Falken zählt jede Stimme und ich kann voll mitwirken. Es ist natürlich auch sehr befriedigend, wenn man als Fahrer ein Auto weiterentwickelt. Wenn man aussteigt und den Leuten sagt „Schau mal, da hinten links ist das und das“ und die finden genau dort das Problem, grinst du den halben Tag. Als Fahrer möchte man ein Team voranbringen und an einer Entwicklung beteiligt sein. Die Möglichkeit habe ich jetzt bei Falken. Bislang hatte ich nie die Chance, längerfristig die Teamentwicklung mitzubestimmen. In den letzten Jahren hatte ich zwar immer tolle Autos für das 24h-Rennen, das waren aber alles eher kurzfristige Projekte.

Tolle Autos für das 24h-Rennen ist ja noch durchaus untertrieben. Du warst bereits auf dem Haribo-Porsche und -AMG, der MANN-FILTER Mamba, dem Frikadelli-Porsche und auch dem Bentley unterwegs. Jetzt kommt der Falken-Porsche. Offensichtlich zieht es dich immer zu den Kult-Autos?

Ja, das kann man schon sagen. Man schaut als Profi natürlich immer, wo die besten Jobs sind. Und solche beliebten Teams sind stets etwas ganz Besonderes. Das spürst du überall, ob es in der Einführungsrunde oder in der Startaufstellung ist. Und ich glaube, das passt ganz gut zu mir. Ich möchte nicht nur der Fahrer sein, der sich reinsetzt und fährt, sondern das ganze Drumherum liegt mir und macht mir viel Spaß. Dazu gehört auch ein gutes Team, das Vollgas gibt und zusammenhält. Ich glaube, mit der Falken-Mannschaft, in der ich viele Mitglieder schon gut kenne, fühle ich mich sehr gut aufgehoben.

Was war denn aus fahrerischer Sicht dein ganz persönliches Highlight in deiner Laufbahn?

Foto: Christopher Otto / C.O. Mediavision

Ich durfte ja den Porsche 919 LMP1 in Aragon zu Testfahrten bewegen. Und wenn du als Fahrer das mal gemacht hast, ist alles andere bloß noch Kindergarten. In einem LMP1-Prototypen steckt so unfassbar viel Technik drin, die das Auto so brutal schnell macht. Da sitzt man drin und denkt sich: „Ok, da macht einfach alles komplett Sinn.“ Dass ich die Möglichkeit hatte, dieses Auto zu fahren, hat mir einerseits gezeigt, dass ich in meiner Karriere viel richtig gemacht habe, wofür ich sehr dankbar bin. Andererseits hat es mir auch gezeigt, dass ich noch nicht fertig bin. Das Feuer brennt noch lichterloh und so ein großes Rennen in einem Prototypen muss irgendwie noch möglich sein, denn das ist einfach der Endgegner in Sachen Rennfahren.

Einen klassischen Formel-1-Boliden durftest du auch schon testen, oder?

Ja, den 1996er Benetton von Gerhard Berger in Monza. Das ist natürlich eine ganz andere Welt. Da werden in den schnellen Kurven die Lenkkräfte so hoch, dass man das Steuer kaum noch halten kann. In Monza ist man zudem viermal weit über 300 km/h schnell. Das ist nichts für Weicheier, da muss man als Fahrer schon top fit sein.

Was steht denn sonst noch an in diesem Jahr?

Bei der Rennerei konzentriere ich mich voll auf die beiden Projekte mit Black Falcon und Falken. Daneben mache ich wie gewohnt bei VOX mit der Moderation von Automobil weiter. Mit den drei Sachen bin ich schon ganz gut ausgelastet. Trotzdem würde ich gern noch eine andere Rennserie fahren, vielleicht Porsche Carrera Cup oder Super Cup. Auch wenn alle sagen, mach das nicht, da bekommst du von den Spezialisten nur den Hintern voll. Aber genau deswegen hätte ich Bock darauf, mich so einer Sache zu stellen. Ich liebe Herausforderungen. Aber dafür müsste das Gesamtpaket passen.

Lance, vielen Dank für deine Zeit und die tiefen Einblicke. Wir wünschen dir viel Erfolg in deiner neuen Rolle und natürlich auch als Fahrer!

Danke vielmals und viele Grüße an die LSR-Freunde Leser! Hoffentlich sehen wir uns möglichst bald mal wieder an der Strecke!

 

 

 

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Christopher Otto
Seit vielen Jahren ist Christopher Otto als Fotograf und Journalist im Rennsport unterwegs und hat dabei nicht nur für unzählige Medien, sondern auch für viele Teams und Fahrer gearbeitet. Ob Tourenwagen, Formelsport oder GT3-Boliden - Motorsport ist seine Welt. Mit seinem umfangreichen Netzwerk, mitreißenden Fotos und fundiertem Wissen liefert er Beiträge, die nicht an der Oberfläche kratzen, sondern in die Tiefe gehen.
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