Das letzte Saisonrennen bietet für das Team Autorama Motorsport by Wolf-Power Racing ein Finale, das an Spannung und Dramatik schwer zu überbieten ist. Beim 24h-Rennen auf dem „Circuit Of The Americas“ (Austin, Texas) holt sich die Schweizer Equipe nach dem Europa-Erfolg nun auch den interkontinentalen Teamtitel. Als weiteres Highlight kann sich Doppelstarter Yannick Mettler gemeinsam mit Jérôme Ogay zusätzlich den Fahrertitel in der Tourenwagen-Gesamtwertung sichern. Nach mehrmaligem Auf und Ab über knapp 22 Stunden reicht am Ende ein dritter Rang, um den Erfolg perfekt zu machen.

Spannende Ausgangslage

Der Team-Titel der Europäischen Meisterschaft ist seit Barcelona bereits im Kasten, doch in Amerika lockte noch der „Champion of the Continents“-Titel, der über die 24h-Rennen in Dubai, Portimão, Barcelona und Austin ausgetragen wird. Für die Fahrer und das Team von Autorama Motorsport ist der Kurs Neuland und stellt damit eine besondere Herausforderung dar. Zudem wird das 24h-Rennen in COTA nicht wie gewohnt an einem Stück, sondern in einem 11- und einem 13-Stunden-Lauf an zwei Tagen ausgetragen.

Auf Tuchfühlung mit der Formel 1

Eine Woche nach dem US-Grand-Prix bekommt somit auch der Luzerner Pilot die berüchtigten Bodenwellen zu spüren. Diese und die „Esses“ im ersten Abschnitt der Strecke sorgen dafür, dass der Wolfsburger Tourenwagen selten auf allen Vieren unterwegs ist.

Im Qualifying positioniert Mettler das Fahrzeug mit der Startnummer 112 (zusammen mit Ogay/Kletzer/Ferri/Vescovi) auf Platz 3 – direkt hinter den Kontrahenten von Topcar auf einem Cupra TCR. Das Schwesterauto #114 mit den Fahrern Mettler/Desserich/Ulrich/Tanner/Ogay geht von Startplatz 6 ins Rennen.

Das Rennen

Ohne Zwischenfälle geht es zunächst in den ersten Teil des Rennens. Nach dem Start-Stint auf der #112 bleibt dem Luzerner nicht viel Zeit zum Ausruhen. Kurz darauf folgt sein nächster Einsatz, diesmal in der #114, und danach folgt schon bald die erste Fahrt ins texanische Abendrot.

„Die ersten Stints auf beiden Fahrzeugen waren sehr abwechslungsreich“, erklärt der Schweizer Pilot. „Die 114 konnten wir bis auf Platz drei nach vorne bringen, somit haben wir für beide Autos eine gute Basis für die zweite Rennhälfte geschaffen. Auch wenn der Nachtteil hier etwas kürzer ausfällt, macht es dennoch enorm viel Spass, im Dunkeln zu fahren!“

Nach elf Stunden fällt zum ersten Mal die Zielflagge – und die Fahrzeuge werden allesamt auf der Start-Ziel-Gerade abgestellt und abgedeckt. Eine frostige Nacht erwartet die noch vor Hitze knisternden Boliden …

Beim Re-Start zum zweiten Teil des Rennens am frühen Sonntagmorgen wendet sich das Blatt jedoch schnell: Die #112 muss aus der Boxengasse starten, nachdem der Motor nicht mehr selbstständig gestartet werden kann. Anlasser defekt. Kaum angesetzt zur Aufholjagd folgt sogleich der nächste Rückschlag in der Schweizer Box: Startfahrer Kletzer kann das Auto plötzlich nicht mehr richtig verzögern und schlägt unsanft in die Reifenstapel ein. In der Box herrscht Stille. Das plötzliche Aus für das eben noch aussichtsreich positionierte Fahrzeug?!

Zum Glück nicht. Nachdem der VW Golf TCR aus dem Reifenstapel gezogen wird, kann der Fahrer den lädierten Renner selbstständig zurück an die Box fahren. Es kommt wieder Hoffnung auf. Durch eine schnelle Reparatur der Wolf-Power-Crew geht es bald wieder auf die Rennstrecke. Der Rückstand zur Cupra-Konkurrenz wächst dennoch auf besorgniserregende Ausmasse, und der Intercontinental-Titel scheint den Schweizern aus den Fingern zu entrinnen.

Des Einen Pech ist des Anderen Glück

Das Schwesterfahrzeug mit der #114 kann sich nun lange Zeit auf Platz drei behaupten. Jedoch schlägt auch hier der Defektteufel zu und zwingt das Fahrzeug mit einem Motorenproblem an die Box. Ein Einspritz-Ventil ist defekt, der Motor läuft nur noch auf drei Zylindern. Die Reparatur dauert diesmal über eine Stunde, womit die Podiumschancen für die #114 zunichte sind.

Hingegen arbeitet sich die Crew auf der #112 sukzessive nach vorne. In kleinen Schritten rundet sich die Mannschaft zurück, Mettler und seine Teamkollegen dürfen nun volles Risiko gehen. Der Luzerner folgt dieser Ansage mit Vergnügen, es folgen die schnellsten Rundenzeiten im TCR-Feld und spektakuläre Livestream-Aufnahmen. Doch man weiss auch, dass es aus eigener Kraft nicht mehr reichen wird. Sechs Runden liegen noch zwischen der #112 und dem Topcar Fahrzeug.

Zwei Stunden vor Schluss wendet sich das Blatt schliesslich doch noch zu Gunsten des Autorama-Teams: der Topcar-Cupra schleppt sich ebenfalls mit einem Motorproblem zurück in die Box. Da auch hier die Reparatur mindestens eine Stunde in Anspruch nehmen würde, entscheidet sich die Konkurrenz dazu, das Auto vorzeitig abzustellen. Dies bringt die #112 wieder ins Rennen um den Fahrertitel – und schlussendlich landet die Mannschaft mit Platz drei sogar noch auf dem Treppchen.

„Was für ein Finale!“, so Mettler nach dem Rennen. „Damit hatte heute Morgen bestimmt niemand mehr gerechnet. Auch, wenn die Chance enorm klein war, haben wir alles gegeben und nicht eine Sekunde ans Aufgeben gedacht. Umso mehr freut es mich für das gesamte Team, dass es nun geklappt hat!“

Team Autorama Motorsport by Wolf-Power Racing CoTA 2019
Foto: O. Selzer

Das Podium bedeutet sogleich, dass alle Titel, für welche die Mannschaft über das Jahr hinweg antrat, an Autorama und dessen Fahrer gehen:

• 24h Series Intercontinental Touring Car Team Champion
• 24h Series Intercontinental Touring Car Driver Champion
(Yannick Mettler und Jérôme Ogay)
• 24h Series European Touring Car Team Champion

Würdiger Abschluss einer langen Saison

Nun geht es für Mettler erst einmal in die wohlverdiente Winterpause – und an die entsprechenden Vorbereitungen auf die kommende Saison. Doch bereits in weniger als zwei Monaten werden die Bremsscheiben wieder glühen. Man darf gespannt sein, ob es bei den 24 Stunden von Dubai 2020 erneut in dieser Konstellation zur Titelverteidigung an den Start geht.

„Das war die längste und intensivste Saison, die ich bisher erleben durfte. Gleichzeitig war es nebst letztem Jahr auch die erfolgreichste. Wenn ich auf die letzten zwei Jahre zurückschaue, ist es schon unglaublich, was alles an Erfolgen zusammengekommen ist. Ich möchte mich dafür bei allen Sponsoren, Unterstützer, Teamchefs und Teammitglieder bedanken, die das möglich gemacht haben. Ohne euer Vertrauen in mich wäre das nicht möglich gewesen.“

Quelle: Pressemitteilung Yannick Mettler

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