Wir alle können die Begriffe wie Coronavirus, COVID-19, Pandemie, Mindestabstand oder Hygieneregeln nicht mehr hören. Seit März 2020 sind diese Begriffe allgegenwärtig und bestimmen weltweit das Leben aller Menschen.

Die Konsequenzen des Lockdown für den Motorsport mitsamt den Teams, Herstellern aber auch für die Fans waren tiefgreifend, über Monate drehte sich kein Rad. Umso mehr sind die Bemühungen der Veranstalter wertzuschätzen, dass es so langsam wieder losgehen kann und am 27. Juni 2020 der erste Lauf der Nürburgring Langstrecken-Serie um 12:00 Uhr startet.

Die IMSA wird in Daytona 5000 Zuschauer mit Wohnsitz in Florida sogar im Infield zulassen. Die 24h-Series führte – wenn auch mit sehr kleinem Starterfeld – bereits vergangenes Wochenende die 24h Portimao durch, ganz ohne Zuschauer. Die VLN VV GmbH & Co. KG bemühte sich über Wochen ein Hygienekonzept auszuarbeiten welches von der Regierung des Bundeslandes Rheinland-Pfalz sowie von der Gesundheitsbehörde des Landkreis Ahrweiler genehmigt wurde.

Appell des Geschäftsführers Christian Stephani und seines Vor-Vorgängers Karl Mauer

Hand in Hand mit der Interessenvertretung Langstrecke Nürburgring – ILNe.V. wurde eine große Open-Air-Boxengasse im Fahrerlager ausgearbeitet die es ermöglichte, dass zumindest die Teams im Paddock ihre Arbeit so kontaktarm wie möglich zu verrichten. Die Teams sind sich vollauf bewusst, dass sie nur unter diesen Bedingungen antreten können – oder überhaupt nicht. Da so manche Existenz und so mancher Arbeitsplatz vom Saisonbeginn abhängt kommt es nun auf die Fans an. VLN VV Geschäftsführer Christian Stephani sagte bereits deutlich: „Die Fans fiebern dem Saisonstart genauso entgegen wie wir, die Teams und die Fahrer. Das ist verständlich. Dennoch möchten wir appellieren, sich noch etwas zu gedulden und die Rennen über unseren Livestream und andere Kanäle zu verfolgen.“

Karl Mauer im Gespräch
Foto: L. Rodrigues

Gegenüber LSR-Freun.de sagte der ehemalige Generalbevollmächtigte der VLN Karl Mauer: „Unter den Umständen dieses Jahr ein solches Konzept zu erarbeiten und die Genehmigung zu bekommen ist definitiv eine schwere Aufgabe die die VLN da zu stemmen hat. Es steht und fällt nun mit dem ersten Rennen ob das Konzept weitere Rennen ermöglicht. Sollten sich zu viele Menschen rund um die Nordschleife aufhalten oder es gar zu polizeilichen Maßnahmen kommen wäre die Saison schneller zu Ende als wir alle denken. Die Teams, aber auch der Veranstalter sind darauf angewiesen, dass sie – wenn auch unter den sehr speziellen Konditionen – dieses Jahr die Saison durchführen können. Daher ist auch meine Bitte klar und deutlich: Schaut die Rennen, solange kein Publikum kommen darf, zuhause am Stream an. Macht es euch gemütlich und drückt von da aus eurem Favoriten die Daumen. Umso schöner wird dann ein Wiedersehen am Nürburgring! Ich, der in der Eifel wohnt und mir eigentlich ein Leben ohne Nordschleife nicht vorstellen kann werde am 27. Juni ebenfalls zuhause bleiben um damit meinen Teil zum Gelingen des Konzepts beizutragen.“

Lars Gutsche wird noch deutlicher

VLN Streckensprecher Lars Gutsche und Olli Martini
Foto: M. Brückner

Seit Jahrzehnten ist Lars Gutsche Streckensprecher am Nürburgring und Moderator am Livestream. Er findet noch deutlichere Worte: „Wenn ich so lese was vermeintliche Fans der NLS und Möchtegerne Pandemie-Experten bei Facebook so von sich geben bekomme ich die Krise! Wie kannst du dich als „Fan“ bezeichnen und immer wieder ankündigen, dass du dir die Nordschleife nicht verbieten lässt? Wieso musst du trotz all den deutlichen Worten doch immer wieder deinem Ego Luft machen und darauf beharren, dass du dich ja rund um den Nürburgring als „Wanderer“ bewegen darfst? Geht’s noch? Glaubt mir, Olli, Patrick und ich werden euch bestens informieren und die Kollegen in der Regie werden tolle Bilder vom Rennen übertragen. Ihr werdet nach dem Rennen auch hübsche Fotos der Boliden zu sehen bekommen. Auch wir unterliegen den Regeln die wir einhalten müssen und werden anders als üblich arbeiten. Setzt euch auf die Couch, oder im Garten auf die Bierbank. Trommelt 2-3 Kumpels zusammen mit ner Kiste Bier, Grillt oder bestellt ne Pizza und schaut den Stream. Ich zähle auf euch und die VLN-Familie ist darauf angewiesen die Saison durchzuziehen.“

Safety first – Egoism last

Symbolbild Sportwarte Streckensicherung Rote Flagge Red Flag
Foto: L. Rodrigues

Die Sportwarte sind angewiesen, Personen die sich um die Strecke versammeln den Ordnern zu melden und selbst aktiv diese Leute weiterzuschicken. Doch deren Aufmerksamkeit wird damit sofort von der Rennstrecke abgelenkt. Daher behält sich die Rennleitung vor, entsprechend dem Sicherheits-Reglement eine Code 60 Zone einzurichten oder sogar mit der roten Flagge das Qualifying/Rennen zu neutralisieren sollte die Streckensicherung nicht ihre Arbeit wie vorgeschrieben durchführen können. Was dies für die Teams bedeuten würde mag sich keiner ausmalen. Liest man so manchen Kommentar in den Sozialen Medien haben scheinbar einige vermeintliche Fans noch nicht begriffen, dass es nicht darum geht die Fans zu vergraulen, diese sollen erst garnicht anreisen. Ein Jeder ist nach der langen Durststrecke heiß auf Langstreckenrennen in der Grünen Hölle – wir von der Redaktion auch! Doch ein jeder sollte auch seinen Egoismus zurück nehmen, um denen deren Existenz von Motorsportveranstaltungen abhängt, das Überleben zu sichern.

Wir von LSR-Freun.de haben beschlossen, dass wir uns als Redaktion auch nicht um eine der 25 Fotografen/Medienvertreter-Akkreditierungen bewerben werden sondern uns auch als Vorbild sehen und unsere Arbeit von zuhause verrichten werden. Mit den Teams stehen wir in sehr engem Kontakt auch während des Rennens. Da die Medienvertreter nicht ins Fahrerlager dürfen, werden wir uns so immer zeitnah wichtige Informationen holen können, um den Leserinnen und Lesern dann zu berichten. Die Sicherheit geht vor!

Michael Brückner, Gründer und Inhaber von LSR-Freun.de: „Dieses Jahr stellt so ziemlich alles in den Schatten, was unsere Generation bisher erlebt hat. Die Motorengeräusche aus der Konserve helfen nicht darüber hinweg, wie sehr die Eifelluft und die vielen – inzwischen liebgewonnenen Freunde – Menschen und Idole hinterm Lenkrad fehlen. Dennoch ist es, auch wenn es inzwischen große Lockerungen im Gegensatz zu vor sechs Wochen gibt, nach wie vor notwendig Sicherheitsanweisungen und -bestimmungen zu befolgen.

Man kann von den Verantwortlichen und unserer Regierung halten, was man will – aber den Job möchte momentan wohl niemand freiwillig machen. Nicht umsonst appellieren Veranstalter, Teams, Piloten, Gastronomen und alle vom Motorsport abhängigen an euch, an uns, zuhause zu bleiben. Das Virus ist kein Spass! Denn nichts wäre trauriger und schädlicher, als dass sich in der Eifel kein Rad mehr dreht, nur weil einige Unbelehrbare unbedingt an die Rennstrecke wollen.

Wenn man die Diskussionen unter diversen Beiträgen in den sozialen Netzwerken in den vergangenen Wochen beobachtet, muss es einem Menschen mit einigermaßen vernünftigen Sachverstand die Haare im Nacken aufstellen. Daher appelliere ich hier noch einmal an alle Fans und Freunde des Motorsports: Bleibt zuhause! Wir, die LSR-Freun.de, wollen mit gutem Beispiel voran gehen und werden unsere Arbeit in den kommenden Wochen, wie bisher auch, von zuhause aus machen. So gut, wie es die Situation eben zulässt.“

Lutz Rodrigues, Leitung der Redaktion: „Klar, nach einer langen Winterpause dann auch noch Monate ohne Rennen wegen des Coronavirus zu überstehen ist für jeden Motorsportfan schwer. Doch auch wenn ich Sehnsucht nach dem Benzingeruch an der Nordschleife habe und die ganzen Freunde und Kontakte im Fahrerlager sehr vermisse, bleibe ich zuhause. Unter den momentanen Gegebenheiten müssen wir uns alle noch einschränken, vernünftig sein und dem Aufruf der VLN folgen. Seid sicher, es wird wieder möglich sein mit Grill und Bier tollen Rennsport an der Strecke zu sehen oder im Grid einen Smalltalk mit eurem Lieblingspiloten zu halten – mit Selfie. Helft den beteiligten Teams, Firmen, Gastronomen und dem Veranstalter, dass die Saison trotz Corona-Pandemie durchgeführt wird. Ich bleibe zuhause!“

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Ein Kommentar zu “In eigener Sache: Bitte bleibt zuhause und kommt nicht zur NLS!

  1. Beim 49. 24 – h – Rennen Nürburgring 2021
    z.B. am Sonntag, 6.6.2021, ab ca 1 Stunde vor Rennende, Onboardbilder aus dem Estre-Porsche bzw. Streckenkamerabilder z.B. Hatzenbach / Brünnchen ( hier stehen wesentlich mehr Fz. und Personen an der Strecke als noch am Samstag. Auch die „Frittenbude“ hatte dort geöffnet !!) / Pflanzgarten ( hier direkt hinter dem RTW , z.T.mit Regenschirmen,an der Strecke zu sehen !!. Ich habe diese Szenen aufgenommen). Das ist seitens der immer Besserwissenden ein Affront gegen die Fans, die geduldig die Veranstaltung zuhause gesehen haben.
    Hätten wir das gewußt, daß das Verhalten einiger Unbelehrbarer keine Konsequenzen hatte ( wie von Olli Martini großartig verkündet, daß sogar alle Spazierwege rund um den Ring gesperrt wären und diese Ausreden bei Kontrollen nicht gelten würden !!), dann wären wir auch zum Ring gekommen !! Wir hoffen, daß ein solch unfaires Verhalten demnächst Konsequenzen hat ( so bitter diese auch sein mögen (Code 60 oder Abbruch !!)). Aber die Nürburgring GmbH und die NLS kann sich ja wohl so nicht auf der Nase rumtanzen lassen, die machen sich bei allen ja unglaubwürdig !!

    Mit motorsportlichem Gruß

    Hajo Sauer

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