Anfang der Woche haben wir bei LSR-Freun.de den ersten Teil des Interviews mit dem Walkenhorst-Piloten Thomas D. Hetzer gebracht. Das Interview fand im Rahmen von VLN 7 bereits statt. Schon damals stand die Entscheidung des Bonners und seines Sponsors „Knuffi“ fest, das nach der Saison 2018 die Ära des Puplikumlieblings zu Ende geht.

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Walkenhorst Motorsport BMW M4 GT4 #74 "Knuffi" Qualifikationsrennen ADAC Zurich 24h 2018
Foto: M. Brückner

Nach dem heftigen Unfall des BMW M4 GT4 am Adenauer Forst vierzig Minuten vor Schluss des 8. Laufs waren die Spekulationen in den sozialen Netzwerken groß, ob „Knuffi“ zurück kommt. Das Team Walkenhorst Motorsport entschloss sich am vergangenen Mittwochabend, dass nach Prüfung aller Optionen ein Start dieses Jahr mit dem Auto nicht mehr möglich ist. Somit endet der Auftritt von „Knuffi“ und Thomas D. Hetzer nun schneller als erwartet. Wir fragten weiter nach:

LSR-Freun.de: Du hast uns schon vor einigen Wochen verraten, dass Du dich aus der VLN zurückziehen willst und somit auch „Knuffi“ geht. Wie kam es zu dem schwerwiegenden Schritt nach Jahren des Erfolges?
Thomas D. Hetzer: Die Entscheidung ist tatsächlich schon länger gereift und wohl überlegt. Mein Beruf fordert mich immer mehr. Ich habe Personalverantwortung und das nehme ich sehr ernst. Da hast Du mit Menschen zu tun, da stecken Familien dahinter. Ich merkte immer mehr, dass es mir schwer fällt Freitagmittags zum Ring zu kommen und umzuschalten. Ich kam oft noch im Anzug um 14 Uhr hier an um dann in den Rennanzug zu schlüpfen. Da fällt mir das umschalten im Kopf immer schwerer, denn die Gedanken und Probleme hängst Du nicht mit dem Businessanzug in der Garderobe ab, die beschäftigen dich weiter. Ein GT4 Auto fordert dich, ich fordere mich selbst, da musst Du jeweils 100% gedanklich bei der Sache sein. Ich fahre zwar immer zum Vergnügen, will aber natürlich immer meine beste Leistung abliefern. Ich fahre Rennen um zu siegen, nicht um mitzufahren und zu sagen: Ich bin Rennauto gefahren.

Also bin ich an einem Punkt, an dem mein Job darunter leiden könnte, was er bisher nicht tat. Er hat höchste Priorität für mich, denn davon lebe ich. Aber auch mein Sportgeist leidet darunter und ich verliere vielleicht wertvolle Sekunden auf der Strecke, da ich nur 99% bei der Sache bin und der Kopf nebenher doch noch andere Dinge verarbeitet.
Einen M4 GT4 zu fahren ist so anspruchsvoll, da darf man sich keine Unaufmerksamkeit erlauben, das gefährdet letztendlich mich und das Leben anderer Teilnehmer.

Das ist alles nachvollziehbar. Du sagtest es steht die Hochzeit Anfang November bei Euch an. Wie denkt deine angehende Ehefrau über dein Hobby und die Entscheidung für 2019?
Diese Überlegung für das Jahr 2019 besprachen wir bereits nach dem 24h-Rennen 2018. Bis heute unterstützt Sie meine Begeisterung für Rennfahren voll und ganz. Sie stand in allen Belangen bisher voll hinter mir. Sie selbst ist Berufsreiterin und lebt somit für und von dem Sport. Auch Sie ist oft auf Reisen, muss trainieren und kennt den finanziellen Aspekt, wenn man etwas mit Passion betreibt. Insofern sind wir eine Traumteam.

Eben in der Phase im Sommer kam auch „Mr. Knuffi“ auf mich zu um mit mir über geplante Veränderungen in der Firma zu sprechen. Gibt es denn einen perfekteren Zeitpunkt aufzuhören, wenn man mehr als das erträumte erreicht hat?

Für seine geschäftlichen Pläne wünsche ich ihm viel Erfolg. Ich bin „Knuffi“ unendlich dankbar, denn ohne ihn würde ich heute nicht hier in der Lounge sitzen und über mein Rennfahrerleben resümieren. Wir gingen nun viele Jahre einen gemeinsamen Weg, mit unglaublichen Erfolgen und bittersten Niederlagen und werden sicherlich Freunde fürs Leben bleiben.

Das klingt sehr nach einem endgültigen Abschied von Dir aus dem Rennsport. Mit „Knuffi“ gehst auch Du?
Nein, nicht ganz. Ich werde den Helm nicht komplett an den Nagel hängen, das ist sicher. Auch weil ich nach den beiden letzten Ausfällen beim 24h-Rennen nochmals die Zielflagge – möglichst als Erster – sehen möchte. Sehr gerne würde ich das Qualifikationsrennen und das 24h-Rennen am Nürburgring weiterhin bei Walkenhorst Motorsport in einem GT4 bestreiten, Henry bezeichnet mich und Peter Posavac als die dienstältesten Familienmitglieder. Henry und Niklas Königbauer wissen was sie an mir haben und ich an Ihnen. Ich bin vielleicht nicht der Rundenschnellste, aber immer einer der Konstantesten, der Zuverlässigkeit mitbringt und genügend Erfahrung nach fast 45 VLN Rennen und sechs 24h Rennen. Eine Eigenschaft die enorm wichtig bei Langstreckenrennen ist.

Thomas D. Hetzer
Foto: L. Rodrigues

Aber für weitere Entscheidungen ist es heute natürlich zu früh. Da spielen so viele Faktoren noch eine Rolle. Wir werden sicher eine Lösung finden, denn bis zum 24h-Rennen 2019 ist ja noch was Zeit. Ich aber komme wieder, wenn auch nicht mehr so häufig.

Thomas, wir drücken Dir fest die Daumen, dass auch dieser Wunsch noch in Erfüllung geht. An dieser Stelle überlassen wir Dir das letze Wort. Herzlichen Dank für die Zeit die Du dir genommen hast den Lesern einen tiefen Einblick in Deine Karriere und die Geschichte um „Knuffi“, ebenso für das tolle Bildmaterial.

Ja vielen Dank, ich bin nun nach diesem Interview ziemlich gerührt, da kamen doch viele Erinnerungen hoch. Ich habe gemerkt, dass „Knuffi“ eine große Fangemeinde gefunden hat und wir sehr viel Sympathie entgegengebracht bekamen. Leider können wir uns nicht von den Fans und der VLN beim letzten Rennen mit einem „echten“ Abschiedsrennen verabschieden. Dieser Umstand nach dem heftigen Unfall bei VLN8 tut mir sehr Leid, denn ich hätte gerne im „Knuffi“ Tschüss gesagt.

Letztendlich sind es unvergessliche Jahre unter dem Label „Knuffi“ und eine wunderbare Erfahrung.

BMW M4 GT4 Walkenhorst Motorsport Thomas D. Hetzer
Foto: L. Rodrigues

Das Team Walkenhorst hat in den vergangenen Tagen sämtliche Möglichkeiten ausgelotet um „Knuffi“ zum letzten Rennen zu schicken. Ein Wiederaufbau der Unfallkarosse war unmöglich, ein gebrauchter M4 GT4 war nicht zu finden und selbst die Möglichkeit einen neuen Renner in München zu holen wurde überlegt, war aber von den Kosten und dem hohen Arbeitsaufwand so kurzfristig nicht zu machen. Somit wurde vom Team in Absprache mit mir am Mittwoch gemeinsam beschlossen, daß das Ende nun leider so kommt. Für alle Mühen bis zum Schluss danke ich dem Team um Henry Walkenhorst und Niklas Königbauer. Ich wünsche mir, dass der „Knuffi“ bei den Fans in schöner Erinnerung bleibt, wir hatten viele tolle Jahre und das ist was am Ende zählt!

Herzlichen Dank an all die Menschen um mich herum die meinen Traum möglich machten: Sponsoren, Teamchefs, Mechaniker, Fahrerkollegen, Fans, Freunde, Familie und Medien.

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
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