Was sich seit geraumer Zeit abzeichnete, wird nun Realität. Eine langjährige Tradition endet 2020. Nach gemeinsamen Jahren und unzähligen Erfolgen auf den Rennstrecken der Welt gehen BMW Motorsport und der Traditionsrennstall Schnitzer Motorsport getrennte Wege.

Bereits 2016 zeichnete sich das Auseinanderdriften der beiden Unternehmen ab, als BMW die Freilassinger Mannschaft aus der DTM abzog. Einen weiteren Tiefpunkt in der gemeinsamen Beziehung stellte der Abzug von Schnitzer Motorsport aus der Intercontinental GT Challenge dar, in der man gerade erst versuchte Fuß zu fassen.

Noch zu Beginn 2020 verkündete der bay. Fahrzeughersteller, dass Herbert Schnitzer jun. und sein Team mit der Entwicklung des BMW M4 GT3 vertraut würden und das Fahrzeug in den kommenden Jahren zur Auslieferungsreife führen sollten. Doch damit ist nun Schluss. Die Fertigstellung des M4 GT3 übernimmt das verbliebene Werksteam RMG.

Gegenüber LSR-Freun.de bestätigt Herbert Schnitzer, im Anschluss an die von BMW veröffentliche Pressemeldung:

„BMW ist aufgrund unterschiedlicher Entwicklungen gezwungen seine werksbasierten Motorsport-Strukturen umzubauen und anzupassen. Daher kann BMW nicht mit allen Teams wie gehabt weiter zusammenarbeiten. So endet 2020 – nach über 50 Jahren – unsere werksbasierte Zusammenarbeit mit BMW.“

„Doch natürlich verstehen wir diese Situation und respektieren dies. Wir sind stolz darauf, dass wir im Team Schnitzer über so viele Jahre gemeinsam mit BMW den internationalen Motorsport geprägt haben und blicken gerne auf all die großen Erfolge zurück, die wir zusammen in den verschiedenen Kategorien gefeiert haben. Wir danken BMW Motorsport für diese lange, einzigartige Partnerschaft.“

„Wir haben sehr viele Gespräche geführt, einen alternativen Partner in Form eines Sponsors oder Investors, zu finden. Allerdings gibt der Markt in diesen Covid-Zeiten nicht viel her. Mit zahlenden Fahrern und aus firmeneigenen Mitteln sind Renneinsätze aufgrund unserer professionellen Teamstruktur und unseres hochwertigen Standorts nicht kostendeckend umsetzbar.“

„Die Auszahlung der Firmenanteile 2020 an die Witwe v. Charly Lamm war für das Unternehmen eine enorme finanzielle Belastung. Die ab 2021 ungünstige Relation zwischen den zu erwartenden Einnahmen – gegenüber den laufenden Kosten – ist wirtschaftlich nicht vertretbar.“

„Aus diesen Gründen ist eine Firmenschließung unumgänglich. Nach über 50 Jahren Motorsport mit BMW-Fahrzeugen ist diese Situation für uns alle sehr schwer zu verarbeiten.“

Ein offizielles Statement der Schnitzer Motorsport GmbH ist für Ende des Jahres 2020 geplant.

1963 starteten die Brüder Josef und Herbert Schnitzer sen. mit einem verunfallten Fiat eine Laufbahn, die ihresgleichen sucht. Wenig später folgten die Brüder Charly und Dieter Lamm. Bereits 1966 wird Josef Schnitzer in einem von ihm getunten BMW 2000ti Deutscher Tourenwagenmeister. Unzählige weitere Titel und Trophäen sollten folgen. Anfang der 1980er bis in die 1990er Jahre waren die vier Brüder die Speerspitze von BMW bei den Tourenwageneinsätzen und dominierten die DTM. 1999 wird die Freilassinger Mannschaft im Dienst für BMW Motorsport das legendäre 24h-Rennen von Le Mans mit einem BMW V12 LMR und den Fahrern Joachim Winkelhock, Pier-Luigi Martini und Yannick Dalmas für sich entscheiden, ehe 2004 der nächste Streich folgt. Mit einem Doppelsieg beim 24h-Rennen am Nürburgring mit Dirk Müller, Jörg Müller, Hans-Joachim Stuck vor den Teamkollegen Pedro Lamy, Duncan Huisman, Boris Said quittiert Schnitzer Motorsport einmal mehr eine bis dahin tadellose Karriere. Auch das 2012er Comeback von BMW in der DTM konnte Schnitzer Motorsport auf Anhieb für sich entscheiden. 2018 gewann Augusto Farfus im Schnitzer-M6 GT3 den FIA GT World Cup in Macau.

Nachtrag vom 21. Dezember 2020

Die Rechtsanwälte der Familie Lamm baten die Medien um die Veröffentlichung dieser Klarstellung:

Weil in Zusammenhang mit einer möglichen Betriebsschließung der Schnitzer Motorsport GmbH Details in verschiedenen Medien nicht vollständig dargestellt wurden, bittet Familie Lamm als betroffene Partei in dieser Angelegenheit um eine Klarstellung: „Eine mögliche Betriebsschliessung der Schnitzer Motorsport GmbH hat mit der Person Karl Lamm und seinen Hinterbliebenen nichts zu tun. Karl Lamm hat seinen langfristig geplanten Rückzug aus der Schnitzer Motorsport GmbH durch Kündigung seiner Geschäftsanteile im Jahr 2017 mit Wirksamkeit zum 31.12.2018 eingeleitet. Der Abfindungsanspruch ging in Folge seines Todes am 24.01.2019 auf die Hinterbliebenen über. Familie Lamm ist über die letzten Entwicklungen der Schnitzer Motorsport GmbH traurig und hofft, dass das Rennteam auch in Zukunft fortbestehen wird. Darüber hinaus wird sich Familie Lamm in dieser Angelegenheit nicht weiter äußern.“

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Michael Brückner ist seit Jahren begeisterter Motorsportfan und Fotograf. Außerdem sammelt er wissbegierig allerlei Informationen und arbeitet diese dann auf. Warum also nicht alles unter einen Hut bringen und der Welt zur Verfügung stellen. So entstand LSR-Freun.de. Neben der fotografischen und redaktionellen Arbeit kümmert sich Michael auch um die technischen Aspekte des Internetauftritts.
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