Vergangene Woche gab es den ersten Shakedown in Vallelunga mit dem SCG 007 LMH. Nachdem die Ingenieure am ersten Tag das System und die Mechanik des Hypercars kalibrierten drehten Romain Dumas und Franck Mailleux am zweiten Testtag etwa 100 Runden und der Tenor aller war begeistert. Am 04. März ging es dann zum zweiten Test nach Monza, dieses Mal war der Schwerpunkt die Optimierung der Aerodynamik zusammen mit Sauber. Ebenso verkündete Glickenhaus die Anwesenheit beim traditionellen Festival of Speed in Goodwod dieses Jahr.

SCG 007 LMH
Foto: SCG

Der US-Amerikaner, Teamchef und Multimillionär Glickenhaus schrieb: „Die Tests in Monza laufen sehr gut. Wir fahren Coast-Downs, um reale Daten zu erhalten, die wir heute Abend mit unseren Computer-Aerodynamikdaten vergleichen werden, um unsere Mathematik zu bestätigen, damit wir abschließende Windkanal-Homologationstests mit unserem Full-Size-Auto durchführen können. Wir drehen Runde um Runde ohne Probleme. Die Bremsen sind gut, ebenso die Temperaturen. Wir werden genau dort fahren, wo der ACO die LMHs in Le Mans haben will, und das auf unbestimmte Zeit.“

SCG 007 LMH Test Aero
Foto: Screenshot Video SCG

Für die Aerodynamik-Test nutzt Sauber ein spezielles Spray, welches auf den entsprechenden Flächen aufgetragen wird. Dieses Spray hinterlässt sichtbare Spuren um den genauen Luftfluss nachzuvollziehen. Denn anders als im Windkanal können keine Rauchspuren bei dem sich bewegenden Auto aufgebracht werden um die aerodynamischen Effekte festzustellen.

Dumas mit begeistertem Feedback nach Vallelunga

Romain Dumas sagte bei den Testtagen in Vallelunga: „Das Hypercar ist im Grunde ein großer GT. Das zusätzliche Gewicht erfordert im Vergleich zu einem LMP1 eine Menge Entwicklung und Anpassung von allen und allem. Ich persönlich bin noch nie einen Prototypen gefahren, der mehr als 1000 Kilogramm wiegt. In Bezug auf die Technik bedeutet das auch, dass wir die Bremsen neu überdenken müssen. Michelin hat auch einen neuen speziellen Reifen für diese Kategorie entwickelt. Außerdem müssen sich die Autos mehr auf den mechanischen Grip verlassen, da wir im Vergleich zu einem LMP1 nicht mehr so viel Abtrieb haben.“

Romain Dumas SCG 007 LMH Test Vallelunga
Foto: SCG / Motul

Der erfahrene Testpilot führte weiter aus: „Dies ist der erste Test, daher ist es schwer, wirklich viel über das Auto zu wissen. Aber ich bin sehr überrascht über seine Zuverlässigkeit. Normalerweise ist man bei einem ersten Test oder Roll-out der Autos froh, wenn man vier oder fünf Runden an einem Tag schafft. Diesmal hat es zwei volle Tage lang konstant seine Runden gedreht. Um ehrlich zu sein, war das größte Ziel für diesen Test, sicherzustellen, dass das Auto in der Lage sein würde, eine Runde zu fahren. In diesem Moment testet Franck (Maillieux) bereits die Reifen. Das ist unglaublich, wenn man bedenkt, dass das Auto vor gestern noch nie eine Runde absolviert hatte.“

Jim Glickenhaus N24h 2020
Foto: Studio-Zero.eu

Nächstes Ziel der Scuderia Cameron Glickenhaus ist ein 30h Belastungstest in Spanien auf der Strecke in Aragon. Dieser ist für April terminiert. Zuvor reist Glickenhaus selbst nach Italien um beim zweiten Test in Vallelunga anwesend zu sein.

Unterdessen gab der ACO ebenfalls am Donnerstag bekannt, dass das 24h Le Mans von Juni in den August verlegt wird, in der Hoffnung dann auch wieder Zuschauer begrüßen zu dürfen. Auch die IMSA reagierte bereits und passte wiederum die Termine des Petit Le Mans und des Rennens in VIR an. Glickenhaus zu LSR-Freun.de: „Wir denken, dass es sehr viel Sinn macht. Wir erwarten, dass die Covid-Situation viel besser sein wird und dass mehr Fans kommen können.“

Hypercar SCG 007 LMH und die Straßenversion des SCG 004C in Goodwood 2021

Die Scuderia Cameron Glickenhaus wird ihr Debüt mit dem SCG007 Hypercar, das in Spa und beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans antreten wird, beim Goodwood Festival of Speed presented by Mastercard im Jahr 2021 geben. Der 007 ist erst das zweite Auto, das nach dem neuen Le-Mans-Hypercar-Reglement an den Start geht, nach dem die Königsklasse der Langstrecken-Weltmeisterschaft ab 2021 fahren wird.

Scuderia Cameron Glickenhaus SCG 004C NLS 2020
Foto: L. Rodrigues

Neben dem 007 wird im Michelin Supercar Paddock auch der straßentaugliche SCG 004S zu sehen sein. Der Kohlefaser-Supersportwagen hat einen 650 PS (478 kW) starken V8-Motor und ist vom 004C-Rennwagen abgeleitet. Ausgestattet mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe wird der 460.000 Dollar teure Supersportwagen sein Debüt im Fahrerlager und auf dem Hügel geben.

Der neue 007 gab sein Testdebüt Ende Februar auf der italienischen Rennstrecke von Vallelunga. Die Tests werden diese Woche in Monza fortgesetzt, wobei die Fahrer Pipo Derani und Ryan Briscoe zusammen mit dem Goodwood Hill-Rekordhalter Romain Dumas auf dem Fahrersitz Platz nehmen.

SCG 007 Hypercar Motor by Pipo Moteurs
Foto: SCG

Der 007 wird von einem 3,5-Liter-V8-Motor angetrieben, der von der französischen Firma Pipo Moteurs entwickelt wurde. Die relativ unbekannte Firma Pipo hat schon viele Motoren für den Rallyesport gebaut, zuletzt für Peugeot und Ford. Das LMH-Reglement schreibt eine maximale Leistung von 680 PS (500 kW) vor. Der SCG 007 wird ausschließlich mit Benzin betrieben, im Gegensatz zu seinem Konkurrenten – dem Toyota GR010 – der mit Benzin und Hybrid-Elektroantrieb fährt.

Bis 2023 werden Peugeot und Ferrari in der Hypercar-Klasse mitfahren. Möglicherweise wird die Klasse auch durch Fahrzeuge aus der kommenden LMDh-Kategorie der IMSA-Meisterschaft verstärkt. Bereits bestätigt für die neue Klasse sind Porsche, Audi und Acura.

SCG 007 LMH Test Vallelunga 2021
Foto: SCG / Motul

Sollte es Glickenhaus gelingen, das 24-Stunden-Rennen von Le Mans 2021 zu gewinnen, wäre es das erste amerikanische Auto, dem dies seit über 50 Jahren gelingt; Fords letzter Sieg mit dem GT40 1969. Im Januar bestätigte Glickenhaus, dass der 007 von einer siebenköpfigen Fahrerbesetzung aus dem zweifachen Le-Mans-Sieger Romain Dumas, den Sportwagen-Stammfahrern Pipo Derani, Richard Westbook, Oliver Pla, Gustavo Menezes und Franck Mailleux sowie dem ehemaligen IndyCar-Rennfahrer Ryan Briscoe pilotiert werden wird.

Quellen: motul.com und goodwood.com

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
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