Der beliebte „Ronal“ Z4 GT3 der PP-Group, betreut von Walkenhorst-Motorsport, sorgte für viel Aufmerksamkeit. Angefangen bei dem neuen Design über die namhafte Fahrerbesetzung, bis zum Ausscheiden durch einen Unfall im Kesselchen nach etwa viereinhalb Rennstunden. Der sympatische Geschäftsmann aus Essen nahm sich Zeit für ein ausführliches Interview mit LSR-Freun.de

LSR-Freun.de: Hallo Peter. Wir freuen uns, dass Du dir die Zeit nimmst, mit uns über das 24h-Rennen 2018 und das Erlebte zu sprechen. Jörg Müller geht es nach dem Unfall gut. Das war die wichtigste Nachricht nach der Schreckensmeldung. Was die Fans aber brennend interessiert: Wie geht es dem „Zetti“?
Peter Posavac: „Er ist nicht auf der Intensivstation. Er ist auf der normalen Station bei Walkenhorst und wird gerade auseinandergenommen. Trotzdem muss die Karosse zu Schubert Motorsport auf die Richtbank. Dann werden wir sehen. Aber es geht. Es ist reparabel!“

Das sind doch erfreuliche Nachrichten. Somit werdet Ihr bei VLN 3 und den Rest der Saison auch wieder am Start sein?
„Ja, zu VLN 3 wollen wir auf jeden Fall wieder antreten. Die gesamte Saison wird wohl nicht gehen, da ich anderweitige Termine habe. Aber so drei bis fünf Mal werden wir sicherlich noch dabei sein.“

Das bringt uns natürlich zur nächsten brennenden Frage: Wird Jörg Müller weiter im Team dabei sein? Er selbst sprach ja von einem einmaligen Teamspirit und einer Freundschaft „…als ob wir morgens dasselbe Frühstücksei essen…“.
„Ja, es war echt phänomenal, muss ich sagen. Trotz aller Anstrengungen und dass wir verunfallt sind, sind wir mit dem Gefühl des Glücklichseins nach Hause gefahren. Es war echte Harmonie, wie ich sie selten erlebt habe.

Ich habe die Charaktere der Fahrer natürlich vorher auch getestet und danach ausgesucht. Aber das es am Ende so toll wird, hätte ich selbst nicht gedacht. Aber die eigentliche Antwort: Ja! Wir werden irgendwie, wenn es möglich ist, zusammen weitermachen.

Auch für Jörg war es etwas ganz anderes im Privatteam zu fahren, als für ein Werksteam anzutreten. Natürlich sind wir auch auf einem hohen professionellen Level, halten Meetings und haben Termine. Aber es ist dann doch deutlich entspannter für ihn, das habe ich selbst auch gemerkt. Wir sitzen halt am Abend auch mal bei einem Bier zusammen und haben Zeit zum Plaudern. Das ist als Werksfahrer so nicht möglich. Da bist Du als Fahrer wie eine Maschine und musst funktionieren. Bei uns steht der Spaß im Vordergrund. Das merkt man auch. So ein Teamspirit ist eine schöne Basis, auf die man aufbauen kann. So würden wir das sehr gerne beibehalten.“

So kam es auch bei den Fans an. Ebenso die Mischung der Fahrer selbst ist eine interessante und anscheinend homogene, trotz oder wegen der unterschiedlichen Charaktere. Der jüngste Mann im Team, Alex Lambertz, hofft auf weitere Einsätze im Zetti. Wie sieht es da aus?
„Ich werde Alex weiter gerne unterstützen, auch wenn ich es ihm natürlich nicht komplett schenken kann. Er hat seine eigenen Sponsoren, die ihn da hoffentlich weiter unterstützen. Alex hat sehr starkes Potential und ich hätte die Entwicklung im Rennen gerne weiter beobachtet im direkten Vergleich zu Jörg. Leider wurde mir da ein Strich durch die Rechnung gemacht. Ich möchte da jetzt nicht zu hoch greifen, aber Alex Lambertz ist da inzwischen so schnell wie mancher Werksfahrer. Das haben Rundenzeiten im Rennen von 8:32 Minuten deutlich gezeigt. Ich würde mich sehr freuen, ihn weiterhin an meiner Seite zu wissen.“

Der Ausfall war ein wirklicher Schock, aber am Ende doch nur materieller Schaden?
„Tja, es ist nur Material. Aber es ist auch mehr als das – es ist ein Traum zerplatzt! Aber darüber sind wir nun weg. Es kam keiner der Beteiligten zu Schaden. Somit ist es verschmerzbar.“

Da ist wirklich ein Traum bei vielen zerplatzt. Die Fans lieben das wunderschöne Auto mit dem herrlichen Klang des V8. Was macht für Dich persönlich den Z4 GT3 zu einem solchen Traumauto, dass Du so viel Geld und Herzblut investierst?
„Das ist recht einfach und schnell erklärt: Es war Liebe auf den ersten Blick, bzw. Ritt! Es war das erste Auto mit dem ich auf dem Nürburgring – in der VLN-Variante – unter neun Minuten gefahren bin. Das war für mich so eine Schallmauer, als ich in der VLN Anfänger war – so 2011 denke ich. Ich habe ja vorher 2010 die Klasse beim 24h-Rennen mit dem „kleinen Zetti“ schon gewonnen und der war bereits schnell.
Dann bin ich später in den Z4 GT3 gestiegen und es war ein wahnsinniges Gefühl, den V8 vor dir zu spüren. Es war ab dem ersten Moment nicht fassbar, wirklich Liebe. Das Erlebnis nach ein paar Gewöhnungsrunden dann „flat-out“ über die Schwedenkreuz-Kuppe zu gehen, einfach beeindruckend. Ich bin zu der Zeit auch den AMG SLS GT3 zur Probe gefahren, der war so langweilig dagegen; nicht zu vergleichen. Der Zetti hat eine so aggressive Maschine die du am Limit halten musst und das hörst du auch. Das Auto hat eine unglaubliche Aura. Bis heute freue ich mich auf jede Runde neu. Selbst nach einem eineinhalb Stunden Stint im Rennen kommt mir bei Start/Ziel das Strahlen in die Augen, nun eine weitere Runde in dem Boliden über die Nordschleife fliegen zu können.“

Das ist wohl nachvollziehbar. Die Wirkung des Autos auf die wachsende Fangemeinde ist groß. War dies ein Grund für Dich Ronal und Racing Lounge als Sponsorenpartner an die Seite zu holen? Es kam doch recht überraschend zustande. Lange blieb auch das eigentliche Saison-Design im PP-Group Stil unklar.
„Das war eher ein Zufallsprodukt mit der Zusammenarbeit von PP-Group, Ronal und Racing Lounge. Wir saßen bei einem Meeting zusammen und haben festgestellt, dass es Sinn mach, gemeinsame Ziele zu verfolgen. So haben wir ähnliche Interessen die Fans einzubinden und jeder für sich bereits eine breite Fangruppe. Es sollte weniger das Produkt selbst im Mittelpunkt stehen; Mehr das gemeinsame „Feeling“ mit der wachsenden Fanbase.
Da waren wir uns dann am Ende doch schnell einig, dass wir uns zum 24h-Rennen zusammenschließen. Die positiven Reaktionen im Nachhinein haben nun absolut bestätigt, dass dieser Schritt richtig war. Alleine unser Video zum Abschluß hat doch schon über 10.000 Zuschauer erreicht. Das ist doch was.

Wir werden uns nun zusammensetzen und analysieren: Wo wollten wir hin und was haben wir erreicht? Wir waren lange genug im Fernsehen zu sehen, waren in der Presse; Die Fanaufmerksamkeit hat auf jeden Fall gepasst. Selbst als „Gran-Turismo Sport“-Livery ist der Zetti für die Fans bereits fahrbar.
Es hat sich jetzt schon für alle Beteiligten gelohnt. Auch hier stand der Spaß absolut im Mittelpunkt. Wir hatten großartige Rahmenveranstaltungen, auch mit Pirelli.“

Was hat Dich dazu bewegt das Top-30 Qualifying doch selbst zu fahren? Es wäre warscheinlich eine deutlich schnellere Runde mit Jörg Müller als Pilot gewesen. Er hatte im Training ja auch schon mit einer 8:24er Runde und somit Platz 14 im Qualifying 1 gezeigt, was er mit dem Zetti leisten kann.
„Ja. Jörg wäre bei den Bedingungen der freien Strecke sicher in der Lage gewesen, eine 8:18er Zeit zu fahren. Aber wir waren realistisch. Wir wussten was wir können und was die anderen können und die „Blaue Lampe“ hatten wir auch bereits.
Selbst mit der Zeit wären wir am Ende auch nur 30. gewesen. Also haben wir uns zusammengesetzt, kurz beraten und gemeinsam entschieden, dass ich das fahre. Ich kenne das Auto am besten und habe es dann mit etwa identischen Runden von 8:37 Minuten um den Ring getragen. Ich bin genau so gefahren, dass ich mich komplett sicher fühlte und bin überhaupt nicht auf Risiko gegangen, auch wenn es sicherlich noch schneller gegangen wäre. Warum sollten wir das Auto auch wegschmeißen und uns somit das eigentliche Rennen zu versauen?
Das Ziel war es, das Auto heil zu lassen. Um den Druck aus den anderen Fahrern raus zu nehmen, habe ich gesagt, ich mache das. Denn ich habe keinen Druck. Ich habe mich halt ins Auto gesetzt und habe es schlicht und einfach genossen. Mir war es auch egal, was die Welt da draußen erwartet hat. Ich hatte die Gelegenheit auf zwei freie Runden Nordschleife.
Genau das Gleiche war auch beim Start, den ich gefahren bin. Ich mache das jetzt schon seit vielen Jahren. Ich weiß was ich da tue. Man hat dann ja gesehen, dass ich von Anfang an auch locker mitfahren konnte. Bei uns ging Sicherheit und das Ankommen vor.“

Wobei der Traum vom Ankommen dann jäh platzte…
„Ja, das waren unglückliche Umstände, was dem Jörg dann passierte. Er blieb nur eine Millisekunde an einem anderen Auto hängen. Aber an so einer Hochgeschwindigkeitspassage gleich mit fatalen Folgen. Wobei das Rennen bis dahin an und für sich recht ruhig war. Es waren auffallend wenig langsamere Autos da. Für das 24h-Rennen ist das eigentlich sehr schade aber das spielte den großen Teams mit schnellen Autos neben dem Wetter auch in die Karten. Auch für unser Team wäre es eine interessante Geschichte geworden: Mit Rudi Adams – der bekanntlich bei jedem Wetter am Ring unterwegs ist – hätten wir einen Regenspezialisten gehabt. Auch Jörg – als Profi – hätte den Regen unter Kontrolle gehabt. Da bemühe ich die Floskel „Hätte, hätte, Fahrradkette…!“. Jetzt schauen wir nach vorne!“

Wir kommen auf unser gemeinsames Langzeitthema „Taxifahrten mit dem Z4 GT3 Renntaxi“ zurück. Da steht eine besondere Kombination aus Zetti, Patrick Simon und Olli Martini an. Wie kam es dazu?
„Wir saßen abends im Lindner-Hotel bei einem Bier, da kam der Patrick dazu. Im Verlauf des Abends begann er zu sinieren, dass er „zu alt wird, für die Scheiße.“ und die GT3 doch verdammt schnell sind und der Renault so schwer zu fahren gewesen wäre. Daraufhin habe ich ihm gesagt, er müsse mal den Z4 GT3 fahren, damit er weiß was ein schwieriges Auto ist. „Komm fahr‘ ihn doch mal!“ Grinsend meinte er: „Gut, dann nehme ich noch den Olli mit!“ – Deal perfekt. Daraufhin hat er direkt an Olli eine Sprachnachricht geschickt. So ist das entstanden.“

Spontan wie immer bei Dir. Das wird sicherlich eine interessante Aktion.
„Auf jeden Fall. Dann kann sich Olli auch ein Bild machen, wie das so ist. Er hatte sich auch sehr für unsere Aktion #DankeMarshals engagiert. Dabei geht es ja auch darum, den Eindruck aus der Fahrersicht zu vermitteln. Ich freue mich da schon darauf. Mal sehen, wann wir das machen können.“

Das waren viele Informationen Peter, herzlichen Dank. Wir bedanken uns bei Dir für das Interview und für die Unterstützung der LSR-Freun.de. Dein abschließendes Fazit zum 24h-Rennen 2018?
„Sehr schade war es, dass doch einige kleinere Autos fehlten, da hatten wir deutlich vollere 24h-Rennen in der Vergangenheit. Der Rennabbruch war nötig und hätte meiner Meinung nach schon früher sein sollen. Ich kenne das Gefühl von 2016 noch zu gut. Da saß ich knapp zweieinhalb Stunden im Auto fest im Hagelschauer und dachte mir: Wieso tust du das überhaupt? So ähnlich war es auch mit dem Nebel.

Ich erinnere mich, da war ich mit etwa 120-140km/h auf der Döttinger Höhe unterwegs und ein AMG SLS GT3 kam mit gefühlten 230km/h bei 10 Metern Sichtweite an mir vorbei. Lebensgefährlich und unverantwortlich. Das hat dann auch nichts mehr mit dem „rostigen Nagel“ zu tun.
Daher sehe ich den Abbruch als berechtigt an. Für die Fans um die Stecke tut es mir dann bei so einem Unwetter noch am meisten leid, Nass bis auf die Knochen. Es gibt sicher Angenehmeres. Man hat auch gemerkt, dass am Sonntagmorgen schon sehr viele in der Nacht kapitulierten und vorab nach Hause geflüchtet sind. Die Parkplätze wurden deutlich leerer.

Mein persönliches Fazit: Es war auf jeden Fall eines der schönsten und emotionalsten 24h-Rennen, obwohl wir nicht angekommen sind. Es hat sehr sehr viel Spaß gemacht mit den Partnern, die wir hatten. Vor allem der Zuspruch der Fans ist wirklich das was uns am meisten antreibt. Wenn ich in den sozialen Medien die Kommentare lese, die unzähligen Fotos sehe, die wir bekommen. Einfach Klasse! Daher kann ich nur sagen: Ich werde alles daransetzen, dass das auch weiterhin so passiert!

Danke Euch Fans und auch danke an LSR-Freun.de für die Unterstützung.

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Michael Brückner ist seit Jahren begeisterter Motorsportfan und Fotograf. Außerdem sammelt er wissbegierig allerlei Informationen und arbeitet diese dann auf. Warum also nicht alles unter einen Hut bringen und der Welt zur Verfügung stellen. So entstand LSR-Freun.de. Neben der fotografischen und redaktionellen Arbeit kümmert sich Michael auch um die technischen Aspekte des Internetauftritts.
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