Noch am Tag der Bekanntgabe des Hygiene-Konzepts der VLN zur Durchführung der Nürburgring Langstrecken-Serie trafen sich die Spitze der VLN VV GmbH & Co. KG und die Interessenvereinigung Langstrecke Nürburgring e.V. – ILN zum Dialog über das Konzept.

Unter anderem waren Christian Stephani (Geschäftsführer der VLN VV GmbH & Co. KG), Ralph-Gerhard Schlüter (Generalbevollmächtigter VLN e.V. & Co. oHG), Michael Bork (Leiter des Bereich Sport) und die beiden Fahrervertreter bei der VLN Johannes Scheid und Michael Bonk für die VLN anwesend. Auch die ILN war mit dem Vorstand Martin Rosarius, Daniel Sorg, Matthias Unger und weiteren führenden Mitgliedern vertreten. Zweck des ersten Treffs beider Seiten war, das Hygienekonzept und die Durchführungsmöglichkeiten konkreter zu besprechen.

Unger und Sorg sind beide als Beisitzer im Vorstand des ILN e.V. und mit ihren Teams AVIA Sorg Rennsport und Adrenalin Motorsport von der aktuellen Situation wirtschaftlich sehr getroffen. Auf der Rennstrecke sind beide Teams in verschiedenen Klassen seit Jahren harte Konkurrenten, bis hin zum Kampf um den Gesamtmeister-Titel. In der ILN stehen beide Teamchefs zusammen, um Teilnehmern eine Stimme bei der VLN VV GmbH und dem DMSB zu geben.

In einer Pressemitteilung der VLN sowie des ILN e.V. wird ebenso von einem konstruktiven Dialog berichtet.

Unabhängig voneinander unterhielten wir uns mit Unger und Sorg, doch die Aussagen beider Teamchefs sind eindeutig und überwiegend identisch. So sagte Matthias Unger: „Das Treffen gestern in Nürburg war sehr offen, deutlich und konstruktiv. Ich habe es in der Form bei vorangegangenen Treffen so nie erlebt, da waren meist heiße Debatten welche auch zu Einigungen führten, doch das war gestern ganz anders und sehr gut. Es wäre toll, wenn es in Zukunft so konstruktiv und effektiv laufen kann. Das gesamte Engagement der Verantwortlichen, dass die Rennen weiterhin konsequent stattfinden sollen kann man nicht hoch genug wertschätzen.“

Daniel Sorg, Sorg Rennsport VLN 5 2018
Daniel Sorg | Foto: M. Brückner

Auch Daniel Sorg betonte: „Die Bemühungen der VLN selbst unter solchen Bedingungen die Saison zu starten und das Gespräch mit den Teams aktiv zu suchen muss ich loben. Der VLN ist durchaus bewusst, dass es vielen Teams um die Existenz geht und so mancher Rennstall im kommenden Jahr nicht mehr bestehen wird, sollte die Saison 2020 nicht aufgenommen werden.“

Beide Teamchefs berichten, dass sich die Veranstalter in Zusammenarbeit mit der ILN das Konzept auf mögliche Probleme betrachteten. So wurde das erarbeitete Konzept bereits in der Form überdacht, dass die Autos nicht erst tanken und dann über Box 32 ins Fahrerlager abbiegen für weitere Arbeiten, um dann durch Box 33 zurück zur Strecke zu gelangen. Sorg erklärt: „Es ist für die Teams, auch wegen den Mindeststandzeiten, deutlich kalkulierbarer, wenn das Auto erst den Service im Fahrerlager hatte und dann tankt. Im Anschluss daran kann eine restliche Standzeit dort abgewartet werden und sofort auf die Strecke.“

Unger konkretisiert dies so: „Das Auto kommt durch Box 1 dann in die große Pitlane im Fahrerlager, dort werden Reifen-/Fahrerwechsel und nötige Reparaturen erledigt. Dann fährt das Auto durch Box 2 in die Boxengasse zum Tanken. Somit ist ein Stau am Ende des Fahrerlagers vor Box 33 vermeidbar. Ein Problem, dass sich während des Tankens die frischen Reifen wieder abkühlen wird auftreten, dafür müsste noch eine Lösung gefunden werden, doch das sind Nebensächlichkeiten.“

Das Hygienekonzept sieht ebenfalls eine starke Beschränkung der Helferzahlen pro Auto vor. Bei dem Treffen standen Zahlen von fünf bis sieben Personen zur Debatte. Nur so kann die Anzahl der Leute, die sich auf dem Veranstaltungsgelände befinden stark reduziert werden. Die Zahl von sieben Personen für ein SP9 Auto beinhaltet auch die Ingenieure welche Werksteams oder werksunterstützte Teams sonst in der Box haben. Somit wird es für manches Team eine Herausforderung alle Arbeiten vor, während und nach dem Rennen zu stemmen.

Unger beschreibt dies so: „Auch ich als Teamchef zähle ich für ein Auto mit als Helfer. Alle erlaubten Personen werden vorab registriert und die Tickets sind personengebunden. Nur so kann eine Kontrolle möglich sein. Bei unserem Team habe ich noch die Möglichkeit die Personen von Auto zu Auto zu schicken, aber wenn du mit nur einem Fahrzeug in einer kleineren Klasse kommst, dann müssen fünf Leute schon ordentlich zupacken damit alles erledigt ist.“

Daniel und Benjamin Sorg
Foto: L. Rodrigues

Ähnlich sieht es auch Daniel Sorg: „Mein Bruder und ich sind schon zwei Köpfe der begrenzten Anzahl. Auch wenn wir gerne mit anpacken haben wir unseren Fokus auf das Renngeschehen als Teamchefs. Wir haben durch den Start mehrerer Autos noch etwas Spielraum. Doch während des Rennens steht mindestens eine Person vorne an den Tanksäulen – zwei Hände, die hinten im Fahrerlager fehlen.“

Da beim Tankvorgang immer eine Person wachsam mit dem Feuerlöscher im Anschlag dabei ist, kommt die Frage auf wie das gehandhabt werden soll. Hier sagt Sorg: „Wenn wir pro Tanksäule zwei Leute vorne in der Boxengasse haben, dann wird es dünn hinten in der großen Pitlane. Hier wird aber bereits überlegt, bei den umliegenden Feuerwehren genügend freiwillige Helfer anzufragen, die die VLN dann zur Verfügung stellt. Auch hier werden sich sehr konstruktiv Gedanken gemacht seitens der VLN.“

David Griessner Adrenalin Motorsport Team CFN 2020 Nürburgring Langstrecken-Serie BMW M4 GT4 #1
Foto: L. Rodrigues

Matthias Unger hebt abschließend noch hervor: „Ich kann nur an alle Medien die Bitte senden, dass sie den Fans vernünftig klar machen, dass es Geisterrennen sein werden. Liebe Langstrecken-Fans, bleibt zuhause und schaut am Stream. Drückt eurem Team die Daumen im heimischen Garten aber kommt nicht zum Nürburgring. Hinter jedem Rennwagen, den ihr sehen wollt, steckt ein Team. Dieses Team wird bezahlt und ist selbst Kunde beim Lackierer, Karosseriebauer, Teilelieferanten oder Folierer. Deren Existenzen hängen also direkt mit dem Fortbestand der Serie und der Teams zusammen. Das sind zigtausende Arbeitsplätze Bundesweit – und da rechne ich noch keine Pensionen für die Helfer oder die Restaurants in denen wir Abendessen mit, geschweige denn alle die seitens der VLN und des Nürburgrings hiervon abhängig sind.“

Einen ähnlich deutlichen Aufruf spricht Daniel Sorg aus: „Natürlich ist die Nordschleife nur durch die Atmosphäre rund um die Strecke zu einem solchen Mythos geworden. Die Fans und die Stimmung in der Grünen Hölle machen es einzigartig bei jedem Rennen. Doch genau diese Fans sind nun gefragt, damit wir alle in Zukunft Motorsport betreiben können. Ein Jahr Stillstand kann sich die Sparte definitiv nicht leisten! Wir werden Rennsport bieten, den ihr am Livestream erleben könnt. Unsere Sponsoren werden gesehen – das ist für jedes Team wichtig. Da allen nicht nur durch den Stillstand, sondern auch durch fehlende Taxifahrten oder abgesprungene Sponsoren wichtige Einnahmen fehlen, helft ihr uns durch Fernbleiben. Auch wenn es schwerfällt! Ansonsten waren die großen Bemühungen der VLN umsonst, wenn die Regierung nach einem Rennen die rote Flagge zeigt für weitere Veranstaltungen.“

Es wird abschließend nochmals betont, dass alle Anregungen oder Zahlen nur eine Diskussionsgrundlage für weitere Planungen sind und keine Beschlüsse. Die VLN wird das Konzept rechtzeitig konkreter fest- und darlegen.

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Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
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