Das man ein Rennen – egal ob Sprintrennen oder zwei Mal rund um die Uhr – nicht planen kann, ist bekannt. Doch auch bei erfahrenen Teams kann sich der Wettkampf auf der Strecke auch zu einem Thriller entwickeln.

Sorg Rennsport BMW M4 GT4
Foto: O. Selzer

Wie nahe Freud und Leid beieinander sind, zeigt die Gefühlsachterbahn der Sorg-Brüder. War man nach dem Training noch vollauf zufrieden, beschränkten sich die Informationen von Benjamin Sorg nach dem Qualifying, gegenüber LSR-Freun.de, am Donnerstag auf wenige Worte: „Quali lief sch***! Waren zwei Sekunden weg von der Pace. Setup ist fürs Rennen super, aber anscheinend fürs Quali ein Griff ins Klo gewesen.“

Der Sinziger BMW M4 GT4 #451 mit den Fahrern Olaf Meyer, Björn Simon, Fidel Leib und Stephan Epp ging in der Klasse somit von fast ganz hinten ins Rennen. Startfahrer Fidel Leib machte innerhalb 10 Minuten zwar gleich zwei Plätze gut, wurde aber nach etwa 30 Minuten gedreht und verlor dadurch wieder Positionen.

„Ein Krimi wie man ihn nicht hätte schreiben können.“, beschreibt Stephan Epp die vergangenen vierundzwanzig Stunden nach dem Rennen.

Daniel Sorg fasste das Rennen so zusammen: „Mannomann! Ich kann es immer noch nicht fassen, dass wir doch noch aufs Treppchen gefahren sind! […]“
„Nach den wirklich guten Trainingssitzungen, bis zum Qualifying, waren wir uns sicher, dass wir eine gute Pace haben. Nach dem bescheidenen Qualifying waren wir etwas ernüchtert, aber doch sicher, dass es im Rennen besser laufen müsste.“, setzt der Wuppertaler fort.
„Nur die Ausgangslage war halt Mist, wie sich direkt zu Beginn gezeigt hat, als Fidel Leib, nach ein paar guten Positionsgewinnen, von einem direkten Konkurrenten stumpf umgedreht wurde. Wie auch in den letzten Jahren, waren wir auf der taktischen Seite wirklich gut aufgestellt und kamen so bereits nach ca. 2-3 Stunden auf Podiumskurs nach vorne und konnte diese Position, welche zwischen Platz 2 und 4 pendelte dank tollen Rundenzeiten über alle Stints hinweg halten.“
Aber wo Licht ist, ist auch Schatten. Das musste auch Sorg Rennsport erfahren: „Leider gab es dann im Verlauf der Nacht und des Morgens 2-3 Zeitstrafen, die uns sukzessive Richtung Platz 4 abrutschen ließen.“

Daniel Sorg beschreibt die Schlussphase gegenüber LSR-Freun.de so: „Als dann in der Schlussphase der AMG mit Gabriele Piana technische Probleme im Bereich der Hinterachse bekam, wuchs bei uns die Hoffnung auf Platz 3 wieder, jedoch im selben Moment hatte Fidel Leib einen Ausrutscher, der mit der Front in der Leitplanke endete und uns vor neue Probleme stellte: Steigende Temperaturen, da alle Kühler nicht mehr vernünftig angeströmt wurden.

Somit mussten wir einmal mehr unsere Taktik umstellen, um doch noch eine Chance auf Platz 3 zurückzugewinnen. Was Schlussfahrer Olaf Meyer exzellent gelang, spritsparend schnell fahren und uns so einen „splash and dash“ ersparen, wohingegen die Century Mannschaft nochmal einen kompletten Boxenstopp mit Fahrerwechsel und Auftanken zu erledigen hatte.“
Und auf einmal wuchsen die Chancen auf den zweiten Platz in der Klasse: „Als dann der QSR AMG 3 Runden vor Schluss auf der Strecke stehen blieb, war sogar die Chance auf Platz 2 da. Also nochmal Attacke und hoffen, dass der im Gesamtklassement souverän führende Car Collection GT3 Audi uns nicht noch einmal überrunden würde.“

Stephan Epp, der sonst im AVIA-Clio auf der Nordschleife unterwegs ist, beschreibt seine Erfahrungen mit glänzenden Augen: „Aus Fahrersicht war es für mich eine neue Herausforderung. Ich bin ja sonst nur den Clio gewohnt. Jetzt hier im GT4 auf den zweiten Platz zu fahren, ist unglaublich.“

„Gewohnt professionell, war alles gut vorbereitet. Unsere Taktik, nicht auf das Qualifying und nur Top-Zeiten zu setzen, sondern konstant und fehlerfrei durch das Rennen zu kommen, erwies sich mehr als richtig.“ setzt Epp gegenüber LSR-Freun.de fort.

„Ich hätte sicher noch schneller fahren können, habe aber Ressourcen geschont, die bei anderen Teams zum Ausfall geführt haben. Die Rennen werden eben nicht vor der Zielflagge gewonnen und der Langstreckensport schreibt eigene Gesetze.“, freut sich der Wuppertaler.

Nach dem mehr als bescheidenen Qualifying kann die Wuppertaler Mannschaft ein mehr als sensationelles Ergebnis mit nach Hause nehmen. Der zweite Platz in der GT4-Klasseund Platz 23 im Gesamtklassement – wenige Sekunden vor dem Schluss eingefahren – waren für Sorg Rennsport ein beeindruckendes und versöhnliches Ende der Dubai 24h 2019 und wird noch lange in Erinnerung bleiben.

Für Sorg Rennsport geht es bereits im Januar mit Trackdays und Testfahrten weiter. Hier sind die Brüder zuerst in Spanien und im Februar dann in Portimao anzutreffen. „Da es in der GT4 Klasse der VLN ab diesem Jahr neue Variablen gibt, gilt es vor dem Saisonstart diese noch akribisch zu testen und das beste Paket herauszufahren.“, erklärt Benjamin Sorg. „In der Werkstatt läuft momentan alles mit Hochdruck dem Saisonstart entgegen. Umbauten, Verbesserungen oder auch „nur“ Revisionen sind momentan dort die nächsten Aufgaben.“

„Darüber hinaus bieten wir sowohl unseren BMW M4GT4 und als auch den Audi TCR für die Middle East Championship der 24H Series an, mit TCR Sprintrennen sowie 4, 6 und 10 Stunden Rennen in Dubai und Abu Dhabi an.“, berichtet sein Bruder Daniel Sorg.

Stephan Epp wird im März in Hockenheim bei einem Rollout anzutreffen sein und danach in seine gewohnte Umgebung, die Eifel zurückkehren. Gemeinsam mit AVIA-Racing wird er die VLN-Saison 2019 und das 24h Rennen am Nürburgring bestreiten.
„Ein großer Dank an alle Unterstützer sowie das Team von Sorg Rennsport.“, bedankt sich Epp abschließend bei allen Beteiligten.

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Michael Brückner ist seit Jahren begeisterter Motorsportfan und Fotograf. Außerdem sammelt er wissbegierig allerlei Informationen und arbeitet diese dann auf. Warum also nicht alles unter einen Hut bringen und der Welt zur Verfügung stellen. So entstand LSR-Freun.de. Neben der fotografischen und redaktionellen Arbeit kümmert sich Michael auch um die technischen Aspekte des Internetauftritts.
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