Eines der jüngsten Teams am Nürburgring, ist das Team MKR-Engineering – unter anderem im 235i-Cup in der VLN unterwegs und erster Gesamtsieger der NES 500.

Das sehen wir als Grund, uns mal etwas intensiver mit Matthias Kräutlein zu unterhalten. Bereits seit 2011 bewegt sich Matthias durch die Welt des Motorsports. Während er in seinen freiberuflichen Anfängen Teams wie Farnbacher Racing und das Porsche Mobil1 SuperCup Team MOMO Megatron zu seinen Kunden zählen konnte, gründete der Entwicklungsingenieur 2013 zusammen mit seiner Frau Ute Wenghoefer sein eigenes Unternehmen MKR-Engineering. Seit 2015 werden auch endlich eigene Fahrzeuge in der BMW Challenge und RCN bewegt. Seit 2017 sind die Franken fester Bestandteil der VLN und NES500. Während sich Matthias um die Technik, die Fahrzeuge und Strategien kümmert, ist Ute für die Orga, das Marketing und Physiotherapie zuständig. Sozusagen, das Mädchen für alles.

MKR-Engineering VLN 2017 BMW 235i
Foto: D. Matschull
Matthias, erzähl doch mal: Wie verlief eure Saison 2017, auch für Dich als Teamchef?
„Die vergangene Saison war die umfangreichste und erfolgreichste in unserer jungen Teamgeschichte. Bereits weit vor Saisonbeginn stand für uns fest dass wir uns voll auf die Langstrecke konzentrieren werden. So starteten wir in der VLN, DMV-NES500 und der RCN.“

„Die anspruchsvollste Aufgabe für unsere Mannschaft war sicherlich die VLN. Wir hatten erst wenig Erfahrung mit dem BMW M235i Racing auf der Nordschleife, gingen mit neuen Fahrern an den Start und mussten uns an das neue Umfeld gewöhnen. Es gelang uns schnell in der neuen Serie Fuß zu fassen und gute Ergebnisse abzuliefern. Vor allem Tobias Müller demonstrierte eindrucksvoll dass man mit ihm rechnen kann. Leider hatten wir auch etwas Pech und Florian Naumann wurde beim vorletzten Lauf unverschuldet aus dem Rennen gerissen was uns einen Totalschaden und die Teilnahme am letzten Lauf der VLN gekostet hat. Auch er hatte auf unserem Auto respektable Rundenzeiten abgeliefert. Diese Saison hat uns gezeigt dass wir auch in der VLN vorne mitmischen können.“

„In der DMV-NES500 durften wir mit Andre Fleischmann an den Start gehen. Andre fährt bereits seit 2015 bei uns und ist mittlerweile fester Bestandteil unseres Teams. Mit seinen Fahrerkollegen Alexander Woller und Tobias Müller, die sich als Teamkollegen für Andre abwechselten, konnten wir die Meisterschaft in der Team- und Gesamtwertung einfahren. Es freut uns besonders dass wir den ersten Meistertitel der jungen Rennserien unser Eigen nennen dürfen.“

„In der RCN durften wir mit Mark Hellerich, Jannik Jakobs, Nils Koch und Sergej Blum zahlreiche Siege und Podestplatzierungen feiern. Besonders stolz hat uns gemacht dass alle diese Fahrer dieses Jahr ihren Einstand auf der Nordschleife gegeben haben und sofort vorne mit dabei waren.“

„Alles in allem haben wir in der vergangenen Saison viel gelernt und gezeigt dass wir als Team viel Potenzial haben. Wir sind uns sicher dass wir nächste Saison in allen Serien um die vorderen Plätze kämpfen können. Gerade unser Team an Mechanikern und Ingenieuren hat einen perfekten Job gemacht und immer alles gegeben.“

Welche Serie – RCN, VLN, DMV NES 500 – hält für euch als Team das meiste Potenzial bereit?
„Für uns ist momentan sicherlich die VLN die attraktivste Serie was Vermarktung und Medienreichweite angeht. Die DMV-NES500 bietet dazu eine interessante Alternative, steckt aber noch in den Kinderschuhen. In der VLN ist der Wettkampf – gerade in der Cup5-Klasse – sicherlich härter und für Fahrer und Teams fordernder. Dazu kommen die Entwicklungsmöglichkeiten innerhalb der VLN. In der DMV-NES500 war das Starterfeld in der Debutsaison 2017 teilweise noch etwas übersichtlicher. Wir sind uns sicher dass im kommenden Jahr viele Teams auf diese tolle neue Serie aufmerksam werden.“

„Gerade für junge Fahrer ist die NES500 interessant. Selbst unsere BMW M235iR sind bereits mit 16 Jahren zu fahren und man kommt im Starterfeld ohne GT3-Fahrzeuge aus, was einem auch in den kleineren Klassen Chancen im Gesamtklassement ermöglicht.

Welchen Einstieg empfiehlst Du ambitionierten Motorsportlern, die sich im Langstreckenzirkus versuchen wollen?
„Generell kommt es immer darauf an wo man hin möchte. Für viele Fahrer ist eine Teilnahme am 24h-Rennen am Nürburgring die oberste Priorität. VLN und DMV-NES500 unterscheiden sich von den Kosten her nicht sehr stark. Der große Vorteil der DMV-NES500 sind die Voraussetzungen: Es reicht eine einfache Lizenz National-A um zu fahren. Der Weg in die VLN ist sehr viel langwieriger und damit auch mit massiven Mehrkosten verbunden.“

„Wir wurden in der VLN als neues Team sehr freundlich aufgenommen. Sei es von der Serienorganisation oder von den anderen Teams. Die VLN wird auf einem sehr professionellen Level ausgerichtet was es auch für neue Teams einfach macht, sich zurechtzufinden. Dass die Kosten im Motorsport immer höher werden ist kein Geheimnis. Für kleine Privatteams ist es sicherlich schwierig, solche Einsätze zu stemmen. Auch wir sehen beinahe täglich dass es viele Talente gibt die fahrerisch sicherlich Potential haben, es sich finanziell aber nicht leisten können im Tourenwagen zu fahren.
In der NES500 geht es noch sehr familiär zu und man kennt die meisten anderen Teams persönlich. Die Atmosphäre ist dort eine andere als in der VLN, da die Veranstaltungen an sich sehr viel übersichtlicher sind. Auch gehören wir mit dem BMW M235i Cup eher zur Spitzengruppe im Gesamtklassement wohingegen wir in der VLN noch jede Menge schnelle Fahrzeuge vor uns haben.“

Auch die RCN wird zunehmend professioneller. Verschiedene Teams drohten bereits sich abzuwenden, da die Kosten – und die Reifenregelung der kommenden Saison – die zunehmende Professionalisierung nur vorantreiben.

Das Reifenthema in der RCN ist sehr speziell. Hier beschwören einige den Weltuntergang herauf bevor sie überhaupt wissen was genau auf die zukommt. Wir haben Hankook als einen sehr guten Reifenlieferanten kennengelernt was Preis / Leistung angeht. Dass man speziell bei den Regenreifen noch etwas Arbeit vor sich hat ist denke ich in der Entwicklungsabteilung bei Hankook angekommen. Sicherlich ist es für Privatteams schwierig komplett auf eine andere Reifenmarke umzustellen. Ich denke aber, dass das Thema größer gemacht wird, als es wirklich ist.

Wo geht eure Reise hin? Werden wir MKR-Engineering zukünftig auch international sehen können?
„Vorerst werden wir unseren Stand in der VLN und der NES500 festigen sowie unsere Fahrzeuge für Trackdays an Kunden vermieten. Ein internationales Rennen ist mit den 24h in Dubai geplant wobei wir vorerst nicht planen in 2018 weitere internationale Einsätze zu fahren.“

Und nun noch die letzte Frage: Sehen wir euch bei den 24h am Nürburgring? Wenn ja, was bedeutet euch ein Start beim Jahreshighlight in der Eifel?
„Das 24h-Rennen am Nürburgring steht definitiv auf unserer Agenda für 2018. Wie viele Autos wir einsetzen, steht noch nicht fest aber wir haben einige Fahrer in Aussicht. Wichtig ist uns auch dort wieder eine konkurrenzfähige Fahrerpaarung an den Start zu bringen. Das Rennen ist natürlich das absolute Highlight der Rennsaison am Ring und wir freuen uns sehr auf diese Herausforderung.“

Zum Schluss noch ein Gruß von Matthias an die Fans vor den Lesegeräten: „Ich hoffe, dass die Fans in der kommenden Saison viel spannenden Motorsport mit uns erleben. Jeder ist bei uns in der Box und Hospitality immer gerne gesehen ;-)“

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Michael Brückner ist seit Jahren begeisterter Motorsportfan und Fotograf. Außerdem sammelt er wissbegierig allerlei Informationen und arbeitet diese dann auf. Warum also nicht alles unter einen Hut bringen und der Welt zur Verfügung stellen. So entstand LSR-Freun.de. Neben der fotografischen und redaktionellen Arbeit kümmert sich Michael auch um die technischen Aspekte des Internetauftritts.
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