Die Freude bei den BMW-Fans war groß, als die BMW-Traditionsmannschaft Schnitzer Motorsport auf den Starterlisten der VLN-Läufe sieben, acht und neun auftauchte. Die Ernüchterung erfolgte dann im Rennverlauf.

Wenn Schnitzer Motorsport in der VLN Langstreckenmeisterschaft am Nürburgring aufschlägt, ist das ein innerliches Fest für den geneigten BMW-Motorsport-Fan. Die Erfolgsgeschichte rund um die Freilassinger Mannschaft ließt sich unendlich. Wie bereits 2018 so suchte das Team auch 2019 die Eifel für drei VLN-Läufe zum Ende der Saison auf. Wer jedoch auf erstklassige Ergebnisse des eh in der Kritik stehenden BMW M6 GT3 hoffte, wurde abermals enttäuscht. Denn die Mannschaft nahm zwar am regulären Rennverlauf teil, buchsierte den Münchner Boliden jedoch immer wieder aus der Wertung. Oliver Martini, Streckensprecher der VLN am Nürburgring sprach die Thematik bereits im Stream der verschiedenen Läufe an und stand auch uns für ein Statement zur Verfügung und macht seinem persönlichen Frust Luft: „BMW geht seit einigen Jahren einen anderen Weg als die großen Mitbewerber. Sie versprechen sich von einem reinen Testprogramm anscheinend mehr.“

Martini sieht auch eine Verbindung zum Abschneiden der Münchner Autobauer beim legendären 24h-Rennen: „Wenn ich mir aber anschaue, wer in den letzten Jahren das 24h Rennen, um welches es den 4 großen deutschen Herstellern ja nun mal geht, gewonnen hat, dann ist eine andere Vorgehensweise offensichtlich die erfolgversprechendere Variante. Phoenix, Manthey und Black Falcon nehmen an nahezu jedem VLN Rennen teil, und genau diese drei haben das 24h Rennen in den letzten Jahren geprägt.“

Der Streckensprecher setzt fort: „Denn wie es aussieht, helfen nicht nur die reinen Kilometer auf der Strecke, nein das Gesamtpaket eines Rennens (!) ist es, welches man verstehen muss. Wetterumschwünge, Überrundungsvorgänge, Code 60-Phasen, Zeitpunkt des Boxenstopps, etc. etc. Das alles macht ein Rennen auf der Nordschleife aus, nicht nur der reine Speed, der aus einem Test gezogen wird.“

Für die kommende Saison hat der Adenauer noch einen Tipp: „Ich hoffe doch sehr, dass man im Hause BMW mit Beginn der Saison 2020 anders vorgeht, auch um die VLN Rennen nicht nur als reine Testrennen zu missbrauchen. Jedes Rennen auf der Nordschleife ist was Besonderes, und ich bin überzeugt davon, dass ein Team wie Schnitzer und Fahrer wie Farfus oder Eng sich liebend gerne im echten Duell mit den Gegnern messen möchte, und zwar nicht nur beim 24h Rennen. Und die vielen BMW Fans würde es sicherlich genauso freuen!“

Allerdings sieht man das Verhalten bei BMW und auch in der VLN nicht so dramatisch. Schnitzer Motorsport stand uns für eine Aussage nicht zur Verfügung und verwies an BMW-Motorsport. Ingo Lehbrink – Pressesprecher BMW-Motorsport – hat uns die Situation aus Sicht von BMW erläutert: „Wir sind als BMW Motorsport commitet zur Nordschleife, zum 24-Stunden-Rennen, und auch der VLN wie kaum ein anderer Hersteller. Wie ernst wir die VLN sportlich nehmen, konnten die Fans Anfang des Jahres sehen. Aber die VLN ist für uns auch darüber hinaus seit Jahren gelegentlich auch zu Testzwecken wichtig. Ob nun für Reifentests, Teile, oder auch die Entwicklung neuer Fahrzeuge wie unserem neuen Einsteiger-Fahrzeug auf BMW M2 Basis, der ja am Wochenende auch zu sehen war. Diese Einsätze erlaubt uns die Rennserie. Wir glauben, dass das für die Fans, vielleicht sogar nicht nur die BMW Fans, teilweise auch spannend zu sehen ist. Denn wo hat man sonst die Gelegenheit, exklusiv solche Fahrzeuge in Aktion zu sehen. Um auf diesen speziellen, von Ihnen angesprochenen Einsatz in der SP9 einzugehen: da war das Schnitzer-Fahrzeug in der Tat für Testzwecke unterwegs. Und für uns ist in so einem Falle ganz klar, dass wir bei solchen Einsätzen unseren Kunden wie Walkenhorst, die das ganze Jahr über an der VLN teilnehmen, keine Top-Platzierungen wegnehmen wollen. Und die von Ihnen angesprochenen BMW Fans konnte Walkenhorst mit dem dritten Platz ja ein Top-Ergebnis erzielen und zeigen, was der BMW M6 GT3 leisten kann.“

Lehbrink weiß um den Stand des M6 GT3 im Motorsport bei den Fans und gibt einen Ausblick auf das kommende Jahr. Hier feiert man das fünfzigjährige Jubiläum des 24h-Rennens und auch den ersten Sieg der Münchner Autobauer bei Selbigem im Premierenjahr: „Wir freuen uns schon sehr auf die nächste Saison, in der wir wieder an den Start gehen wollen. Darauf bereiten wir uns entsprechend gewissenhaft und ernsthaft vor, um unsere Fans nicht so zu enttäuschen wie in diesem Jahr. Nächstes Jahr ist im Übrigen sicher nicht nur für uns ein ganz besonderes Jahr – in 2020 feiern wir nicht nur das fünfzigjährige Jubiläum des 24-Stunden-Rennens, sondern auch das fünfzigjährige Jubiläum des ersten BMW Sieges. Damals gewann bekanntlich Hans-Joachim Stuck in einem BMW 700. Und wir tun alles dafür, in 2020 den 20. BMW Gesamtsieg folgen zu lassen. Dazu gehören Einsätze wie diese einfach dazu. Da hoffen wir sehr auf das Verständnis der Fans.“

Auch für die Verantwortlichen der Langstreckenmeisterschaft ist das Gebaren von BMW durchaus nachvollziehbar – man begrüßt es sogar. Ralph-Gerald Schlüter – Generalbevollmächtigter VLN e.V. & Co. oHG – zu den Testfahrten: „Die VLN wird seit Jahren von Teams, Herstellern und deren Zulieferern für Testzwecke genutzt, weil sie die einzige Möglichkeit ist, unter Rennbedingungen auf der Nordschleife Entwicklung zu betreiben. Wir sehen darin keinen Nachteil, weil unsere Fans so spektakuläre Neuentwicklungen und namhafte Piloten zu sehen bekommen.“

Michael Bork – Leiter Bereich Sport VLN und Renndirektor bei den Rennen: „Teams wie Schnitzer oder auch Hersteller wie Mercedes-AMG arbeiten mit uns Hand in Hand und machen gegenüber der Rennleitung keinen Hehl daraus, dass es sich um einen Testeinsatz handelt. Sie wollen nicht in das reguläre Renngeschehen eingreifen, was wir sehr begrüßen. Es gab bei den Einsätzen keinerlei Auffälligkeiten.“

Den Fans bleibt nur, abzuwarten wie sich die nächste Saison darstellt. Testen ist wichtig und ermöglicht erst erfolgreiche Rennen.

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Michael Brückner
Michael Brückner ist seit Jahren begeisterter Motorsportfan und Fotograf. Außerdem sammelt er wissbegierig allerlei Informationen und arbeitet diese dann auf. Warum also nicht alles unter einen Hut bringen und der Welt zur Verfügung stellen. So entstand LSR-Freun.de. Neben der fotografischen und redaktionellen Arbeit kümmert sich Michael auch um die technischen Aspekte des Internetauftritts.
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