Nicht der erhoffte Podiumsplatz, aber immerhin die ersten Punkte auf dem Konto. Für das österreichische Grasser Racing Team verlief das Auftakt-Wochenende der Blancpain-GT-Sprintserie im italienischen Misano zwar nicht ganz nach Wunsch, doch immerhin bekam man trotz einiger unglücklicher Zwischenfälle die Bestätigung, vom Speed her im Spitzenfeld mithalten zu können.

Äußerst turbulent wurde es bereits im Qualifikationsrennen: Gleich zu Beginn kam es im hinteren Feld zu einem Massencrash, dem auch das Grasser-Auto mit der Nummer 19 mit Norbert Siedler am Steuer unverschuldet zum Opfer fiel. „Der Junge hatte nicht den Hauch einer Chance, auch nur irgendwie auszuweichen“, musste Teamchef Gottfried Grasser ernüchtert feststellen. Siedler selbst war natürlich auch sehr enttäuscht, vor allem, weil die Schäden am Lamborghini Huracán doch so groß waren, dass ein Start am Sonntag im Hauptrennen nicht mehr in Frage kam. „Ich habe mir meinen Einstand beim Gottfried ein bisschen anders vorgestellt, aber leider gehört so etwas zum Rennsport dazu“, meinte der Österreicher. „Wir haben einige technische Probleme gehabt, so dass wir an diesem Wochenende nie richtig fahren konnten – deshalb auch der schlechte Startplatz! Dabei war der Test in Misano vorher wirklich vielversprechend, deshalb hatten wir uns eigentlich gedacht dass wir wirklich gut dabei sind!“ Jetzt müsse man aber nach vorne schauen „und bei den nächsten Rennen einen besseren Startplatz herausfahren damit wir nicht wieder in dem Getümmel sind, wo es eben schnell mal kracht.“

Für den Grasser-Lamborghini mit der Nummer 63 schien dagegen erst einmal alles nach Wunsch zu laufen: Mirko Bortolotti schaffte es, sich vom sechsten Startplatz gleich einmal auf Rang vier und dann nach der Roten Flagge und dem Neustart sogar auf Position zwei zu verbessern. Ein früher Stopp zum Fahrerwechsel gleich zu Beginn des Boxenstoppfensters brachte diesmal allerdings nicht den gewünschten Vorteil: Als sich alles wieder sortiert hatte, lag Christian Engelhart auf Rang vier, mit einem drängenden McLaren hinter sich. Dennoch schien Platz vier fast sicher, ehe in der letzten Runde ein Hinterbänkler im Weg stand und die beiden Top-Autos in einen Crash verwickelte: „Ich finde es schade, dass das passiert ist. Dass eine Fahrerin sich als Überrundete in so einem Meisterschaftskampf um Top Plätze einmischt, ist immer traurig“, ärgerte sich Grasser, nachdem Engelhart sich nach dem Zwischenfall gerade noch auf Platz acht ins Ziel retten konnte.

„Das Pech sollte für den Rest der Saison verbraucht sein“, fasste Norbert Siedler das Auftaktwochenende des Blancpain Sprint Cup trocken zusammen. Schon in den Trainings verlief für den 34-Jährigen und seinen Teamkollegen Ezequiel Perez Companc wenig nach Plan. „Im zweiten Training konnten wir kaum fahren, weil die Schaltung nicht funktioniert hat. Im Qualifying war dann zunächst das ABS defekt“, berichtete er.

Erst acht Minuten vor Schluss konnte Norbert Siedler in den Kampf um die Startpositionen eingreifen: „In meinen ersten beiden Runden hatte ich Verkehr, vor dem letzten und entscheidenden Versuch wurde die Session mit der roten Flagge abgebrochen“, ärgerte er sich. Am Ende blieb so nur der 27. Startplatz. Ein enttäuschendes Ergebnis für Siedler, der in den Vorjahren in Misano noch von der Pole-Position (2015) und der dritten Position (2016) ins Rennen gestartet war.

Im Hauptrennen sollte das Pech dann weitergehen: Christian Engelhart lag auf Platz sieben, als er von hinten umgedreht wurde: Mercedes-Pilot Fabian Schiller hatte sich bei einem Überholversuch gegen einen direkt hinter Engelhart liegenden BMW völlig verschätzt, kassierte für die Aktion dann zwar eine Durchfahrtsstrafe, aber das half der Grasser-Truppe auch nicht weiter: Engelhart fiel erst einmal auf Platz 13 zurück, „danach mussten wir eine gewaltige Aufholjagd starten.“ Mirko Bortolotti brachte das Auto dann zwar noch bis auf Platz neun nach vorne, „aber ohne den Zwischenfall wäre eine Top-Fünf-Platzierung drin gewesen“, war sich Engelhart sicher. „Es war kein einfaches Wochenende aber mit gutem Teamwork haben wir dennoch ein paar Meisterschaftspunkte gesammelt. Ein Sieg war zwar dieses Wochenende außer Reichweite, aber wir werden schon in Monza wieder alles dafür geben.“ Auch Bortolotti war überzeugt: „Wir haben sicherlich mehr als die zwei Punkte verdient, die wir am Ende geholt haben. Mit meiner persönlichen Leistung an diesem Wochenende bin ich aber sehr zufrieden. Wir müssen nur einfach so weitermachen, ich bin für die Saison optimistisch.“

Auch Gottfried Grasser versuchte, das Positive mitzunehmen: „Am Ende gab es wenigstens Punkte für uns, das zählt schon mal. Letztes Jahr waren wir hier auf dieser Strecke nicht mal unter den Top25, diesmal schon unter den Top 10, das ist schon ein Fortschritt. Die vielen Unfälle waren natürlich ärgerlich, besonders schade ist es für Ezequiel Companc, dass er bei seinem Saisonstart nicht einmal in das Auto gekommen ist. Loben muss ich das Team, fast jede Nacht wurde durchgearbeitet. Unbeschreiblich was diese Jungs leisten! Danke dafür – und ansonsten Kopf hoch und weiter! Die Saison ist lange, wir haben die ersten Punkte und ich freue mich auf Monza. Eine Strecke die uns gut liegt!“

Vor dem Blancpain-GT-Endurance-Auftakt in Monza am 22. und 23. April steht aber am kommenden Freitag und Samstag für das Grasser Racing Team noch ein Einsatz in der Heimat auf dem Programm: Auf dem Red Bull-Ring tritt man beim 12-Stunden-Rennen, einem Lauf zur Creventis Endurance Serie, mit zwei Autos an. In der Nummer 964 gehen in der A6-Pro-Kategorie Christian Engelhart und die Schweizer Brüder Rolf und Mark Ineichen an den Start, in der Nummer 963 in der A6-Am Milos Pavlovic, Christoph Lenz und Roberto Pampanini.

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Michael Brückner ist seit Jahren begeisterter Motorsportfan und Fotograf. Außerdem sammelt er wissbegierig allerlei Informationen und arbeitet diese dann auf. Warum also nicht alles unter einen Hut bringen und der Welt zur Verfügung stellen. So entstand LSR-Freun.de. Neben der fotografischen und redaktionellen Arbeit kümmert sich Michael auch um die technischen Aspekte des Internetauftritts.
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