Nach dem zweiten Wettbewerbsrennen auf der virtuellen Strecke in Zandvoort zeigt sich ein RaceRoom Ausnahmetalent in der „Profi Wertung“ (Lizenz A) den man für die SimRacing Szene weiterhin im Auge behalten wird. Der junge Jack Keithley (26) aus Ipswich/GB konnte beide Rennen dominieren und gewinnen. In der „Rookie“ Wertung (Lizenz B, C und D) fand sich ein VLN Fahrer unter den Teilnehmern. Niklas Steinhaus, ansonsten Porsche Cayman-Pilot in der Seriennahen V5-Klasse im Team Care for Climate/FourMotors rund um Tom von Löwis und Smudo konnte mit einem 13. Platz abschließen.

Niklas Steinhaus SimRace
Foto: N. Steinhaus

Wer sich die Rennen anschaut wird immer mehr feststellen, dass sich diese – zumindest am Bildschirm – von der Spannung, Moderation und Action kaum noch vom realen Motorsport unterscheiden. Da wird auf der Strecke mit dem selben Material gefahren, Tür an Tür Kämpfe und virtueller Lackaustausch wie bei Cuprennen oder zu den „goldenen DTM-Zeiten“ inklusive. Der interessanteste Aspekt ist jedoch, das sich „Jedermann“ mit Übung und Talent qualifizieren kann, ohne vorher teure Rennfahrerschulungen zu besuchen, Nenngelder zu zahlen und Lizenzen zu erwerben. Auch die Ausrüstung selbst ist günstiger als ein FIA-Helm, Rennanzug und HANS-System.

Unter diesen Bedingungen und mit einem reichhaltigen Paket an Siegpreisen traten am vergangenen Freitag die SimRacer zum zweiten von vier Wertungsrennen an, um sich dieses Mal auf dem digitalen Asphalt in Zandvoort zu messen. Die gesamte Übertragung kann bei LSR-Freun.de TV nochmal angesehen werden, Rennergebnisse und das Ranking gibt es bei den Kollegen von RaceRoom.

Die Moderatoren Manuel Wendel und Sebastian Gerhart kommentierten souverän und kompetent, die Spannung kam an. „Das zweite Rennen war qualitativ deutlich besser als das in Hockenheim, auch wenn ein paar Aktionen auf der Strecke nicht hätten sein müssen. Die Rookiewertung wird sicherlich auch noch sehr interessant werden, der Wettbewerb hat mich auf jeden Fall inzwischen gefesselt und ich bin gespannt wer zum Finale dann an den Nürburgring kommt. Toll fand ich auch, daß sich die Fahrer auch teamintern nichts schenkten.“ so Wendel. „Es war weniger aggressiv als beim ersten Rennen, auch wenn es Unfälle oder Schubser gab, das sieht man bei jedem Rennen mit einem so starken Fahrerfeld. Das kommende Rennen am 22. Februar 2019 auf der legendären Strecke in Spa Francorchamps wird die Messlatte an Spannung sicher nochmals höher legen.“ fügt Gerhart hinzu.

Jack Keithley: … sehe RaceRoom genau zwischen realistischem Fahren und einem Unterhaltungsspiel

Jack Keithley
Foto: Jack Keithley

Der zweifache Sieger in der A-Lizenz Wertung, Jack Keithley/Team Oscaro eSports by SDL führt das mit über 220 Teilnehmern starke Feld an. Unter den eingefleischten SimRacing Fans ist er nicht unbekannt, ein guter Grund ihn näher zu betrachten. Um mehr zu erfahren haben wir ihn exklusiv interviewt.

Hallo Jack, zuerst gratulieren wir zu den beiden Siegen. Erzähle uns bitte etwas über Dich.
„Hi, ich bin 26 Jahre alt und komme aus Ipswich – einer Stadt im Osten Englands in der Grafschaft Suffolk. Dort arbeite ich unter der Woche – meist in der Nacht – in einem Gemischtwaren Geschäft. Hobbies habe ich, neben SimRacing, recht wenige. Ich bin gerne auch an der Xbox mit meinen Freunden am Spielen oder liebe es zusammen mit meinem Vater Motorsport im Fernsehen anzusehen.“

Wie lange machst Du SimRacing schon und auf welchen Plattformen? Konntest Du schon Wettbewerbe gewinnen?
„Ich betreibe SimRacing seit 2005, begonnen habe ich mit der Betaversion von rFactor dann mit der Vollversion von rFactor Nascar 2003. Weiterhin spielte ich iRacing, GT Legends, Race 07, GTR Evolution, GameStockCar, Assetto Corsa und rFactor 2. Ja, Wettbewerbe konnte ich auch schon einige gewinnen. Zuletzt die RaceRoom Mercedes eRace Meisterschaft 2017 und 2018, verbunden mit 10 Rennsiegen.“

Welche Hardware verwendest Du zum fahren?
„Über Jahre nutzte ich das normale Logitec G 25/27/29. Ich habe mir jedoch inzwischen das bessere Fanatec V3 mit CSL-Lenkrad geholt. “

Wie wurdest Du auf den aktuell laufenden AVIA racing Wettbewerb aufmerksam?
„Durch Mike Pitman – Inhaber des bekannten ACR Zakspeed Teams – Ende vergangenen Jahres, als ich Ihn besuchte.“

Wie oft bzw. wie lange trainierst Du vor einem Rennen? Du hast ein interessantes Video deiner Qualifying-Runde für Spa Francorchamps erstellt, bei der dein Fahrstil sehr routiniert und entspannt erscheint.
„Sehr viel, wenn ich nicht arbeite, esse oder schlafe verbringen ich die meiste Freizeit am Simulator. Unter der Woche ist es nicht so viel, vielleicht 4-5 Stunden. Jedoch ab Freitag und über das Wochenende sind es oft fünf oder mehr Stunden pro Nacht in denen ich am Fahren bin. Oft nehme ich auch an mehreren Rennen in einer Sitzung teil. Ich schätze mal es sind hunderte Runden Übung pro Strecke und Rennen.“

Du bist jetzt zur Halbzeit an der Spitze der Tabelle, überrascht dich das oder waren das auch deine Erwartungen an dich selbst?
Ich bin überrascht, denn ich gehe niemals mit dem Anspruch zu siegen in ein Rennen. Dass ich nun zwei von zwei Rennen gewinnen konnte freut mich natürlich sehr. Nun möchte ich daraus vier von vier Rennen machen. Wir werden das am Ende sehen. Es ist jedoch ohne Zweifel ein sehr schwerer Wettbewerb mit einigen erfahrenen „RaceRoom Veteranen“ wie Davide Toccaceli, Julien Kunze, Andre Santos, mein Teampartner Bence Banki, Tim Jarschel oder Michael Rachl.

Dann sind da noch die erfahrenen Gegner von anderen Sim-Plattformen die zum dem Wettbewerb bei RaceRoom wechselten und beeindruckende Leistung zeigen, wie Giorgio Mangano, Marc Gassner, David Tonizza und einige mehr. Ich sehe RaceRoom genau zwischen realistischem Fahren und einem Unterhaltungsspiel. Es ist sehr nutzerfreundlich, einfach auswählen und starten, darum ist der aktuelle Wettbewerb an der Spitze auch so eng umkämpft und interessant.

Hast Du dich schon darauf vorbereitet im April zum Finalrennen am Nürburgring zu kommen, sind die Taschen schon gepackt?
Oh ja! Ich werde im Falle einer Einladung und weiteren Gewinnen auf jeden Fall in das RaceRoom Cafe am Nürburgring kommen. Ich freue mich darauf die Menschen kennen zu lernen gegen die ich am Monitor schon viele Rennen fuhr. Natürlich möchte ich auch das letzte Rennen dort gewinnen. Das wird jedoch wirklich sehr schwer.

Warst Du schon einmal am legendären Nürburgring oder an anderen Rennstrecken?
Ja war ich. Im vergangenen Jahr, bei der SimRacing Expo, konnte ich vor Ort einige neue Lenkrad-Pedal-Kombinationen testen. Im RaceRoom Cafe war ich selbstverständlich auch um die Leute dort kennen zu lernen. Das war großartig. In Hockenheim war ich bereits zwei Mal. 2017 und 2018 jeweils zur DTM und zum Finale des Mercedes eRacing Wettbewerbes. Das waren beeindruckende Erlebnisse, welche ich nie vergessen werde und mir die Augen für den Sport öffneten.

Jack, vielen Dank für das Gespräch. Wir wünschen Dir viel Erfolg bei den kommenden Rennen.

Niklas Steinhaus: „… SimRacing ist ein super Konzentrationstraining

Niklas Steinhaus
Foto: L. Rodrigues

Während Jack Keithley als Ziel hat vom Simulator vielleicht in einen richtigen Rennwagen zu steigen, nehmen erfahrene Rennfahrer in den Wintersaison an dem Wettbewerb teil um ihr Können weiter zu verbessern. So fanden wir im Rookie-Rennen Niklas Steinhaus wieder, welcher seit Jahren die Nordschleife im Rahmen der VLN Langstreckenmeisterschaft und des 24h-Rennens im seriennahen Porsche Cayman fährt. Im Gegensatz zu Jack, der sein Lenkrad noch am Schreibtisch befestigt, hat sich Niklas einen schickes SimRig gebaut.

Niklas zu LSR-Freun.de über seine Teilnahme am Wettbewerb:
„Im Grunde nutze ich das SimRacing in der rennfreien Zeit um meine Konzentration weiter zu trainieren und mental nicht abzubauen. Zudem bereitet es mir natürlich viel Spaß in meinem selbstgebauten SimRig zu fahren. Da ich die Zeiten auf dem Leaderboard kannte war ich ehrlich gesagt überrascht, als ich die Einladung von RaceRoom zum Rennen bekam. Eine ehrliche Chance auf die vorderen Plätze hatte ich mir eigentlich nicht ausgerechnet, ich wollte nur nicht Letzter werden. Im Training und Qualifying fand ich mich im Mittelfeld wieder, somit war das Ziel nicht Letzter zu werden schon mal erreicht.

Zum Rennbeginn war ich etwas zögerlich, ich wollte ja nicht der Trottel sein der in der ersten Kurve schon eine Massenkollision verursacht. Diese Kollisionen gab es dann in der ersten Runde gleich zwei Mal bei anderen Mitspielern, somit war das ganze Feld gut durchgemischt und ich fand mich auf Platz 12 wieder. Im Rennen hatte ich schöne Zweikämpfe und schnupperte schon an Platz 10. Da sich allerdings zwei der „Unfallopfer“ aus der ersten Runde von hinten mächtig durchs Feld schoben und Zeiten fuhren die ich nicht schaffte landete ich auf Platz 13. bei der Zielankunft. Damit kann ich nach meiner ersten Teilnahme an einer eRacing Competition zufrieden sein.

Niklas Steinhaus SimRig
Foto: Niklas Steinhaus

Im Nachgang habe ich mir dann den Livestream angeschaut und war begeistert von der Qualität welche Avia racing, RaceRoom und beide Kommentatoren geboten haben, es war von einem echten Rennen kaum zu unterscheiden. Ich werde, wenn es meine Zeit erlaubt, auf jeden Fall dabei bleiben. Wie gesagt, für mich ist SimRacing ein super Konzentrationstraining und kann nur hilfreich für den realen Motorsport sein.“

Weiter geht der AVIA racing Wettbewerb am 22. Februar 2019 um 20 Uhr mit dem dritten Rennen auf der Strecke in Spa Francorchamps. Auch jetzt kann sich jeder anmelden und in den Wettbewerb einsteigen, die Qualifikation ist für Rennen #3 bis zum 15. Februar noch möglich. Den ersten Drei jeder Gruppe winken tolle Preise, das Finale wird im RaceRoom Cafe am Nürburgring ausgetragen.

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
Kategorie: Magazin, NewsTags:

Ein Kommentar zu “Der AVIA eRacing Wettbewerb in voller Fahrt – Überraschungen beim zweiten Rennen

  1. Ist es nicht auch genau das? Die zwei SimRacer fahren mit völlig unterschiedlichem Budget und Hardware gemeinsam um Plätze und Siege. Es brauch nicht viel, um durchaus wettbewerbsfähig zu sein. Und ich finde es schön, dass auf diesen Aspekt eingegagen wird.
    Auf den Messen und in den ensprechenden Kanälen wird natürlich gerne super tolle Hardware für entsprechendes Geld gezeigt. Und es kann einem auch einiges geben, wenn es perfekt passt. Aber letztendlich ist das nicht entscheidend, sondern man selbst bestimmt es.

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