Das Total 6 Hours of Spa-Francorchamps WEC wird wohl als eines der verrücktesten Rennen in die Geschichte eingehen. Neben Regen haben die Wettergötter am vergangenen Samstag alles in die Waagschale geworfen, was sie zu bieten hatten. Graupel, Sonne, Schnee, Schneeregen – einem buntem Reigen der Jahreszeiten mussten sich die Piloten und Teams stellen. Mit roter Flagge endete das Rennen dann letztlich zehn Minuten vor Schluss.

Schneeschauer in Spa-Francorchamps
Foto M. Brückner

Zwar war das Wetter besser, als zunächst vorhergesagt. Immerhin war die Strecke die meiste Zeit trocken. Dennoch sorgten die streifenden Schneeschauer – insgesamt zählte man sechs – für viel Aufregung.

Bereits kurz nach dem Start war das Feld aus 35 Startern dem ersten Schauer ausgesetzt. Die Temperaturen sackten schlagartig Richtung Nullpunkt. Damit hatten nicht nur die Fans Ihre Nöte. Vor allem Teams und Piloten standen außergewöhnlichen Voraussetzungen gegenüber. Denn bei diesen Temperaturen helfen auch keine Regenreifen mehr. Es wurde so kalt, dass sie aus ihrem Arbeitsfenster fielen.

Bei Toyota schien man sich zu diesem Zeitpunkt ein wenig selbst im Weg zu stehen. Pannen beim Reifenwechsel und Strategiefehler sorgten dafür, dass man mit dem TS050 Hybrid #8 (Buemi/ Nakajima/ Alonso) sogar aus der Top-10 fiel. Buemi kämpfte sich schnell wieder auf Rang zwei vor. Sensorenausfälle im Bereich der Energierückgewinnung sorgten für längeren Stillstand der Startnummer sieben (Conway/ Kobayashi/ Lopez). „Sie waren das schnellste Fahrzeug auf der Strecke. Es tut mir leid für sie“, sagt Rob Leupen, Geschäftsführer der Toyota Motorsport GmbH (TMG). „Es war ein Problem mit dem Sensor der elektronischen Bremse im Bereich des Hybridantriebs.“

Mit einer Runde Vorsprung gewann der „Über“-LMP1 #8 vor den Privatiers in der Klasse. Wenn man den Leistungsunterschied und die mögliche Dominanz der Toyotas im Hinterkopf behält, wird erst klar, wie denkbar knapp dieser Erfolg wirklich ist. Durch den sechsten Platz für die 7er-Crew kletterte der Vorsprung in der Fahrerwertung auf 31 Punkte. Das ein solcher Sieg – auch für die überlegenen Toyota – nicht selbstverständlich ist, zeigt Alonsos Ausrutscher in der dritten Rennstunde in Pouhon.

Spannung boten die Zweikämpfe um Platz zwei. Rebellions Startnummer 3 (Laurent/ Berthon/ Menezes) und der SMP-Dallaras #11 (Petrow/ Aljoschin/ Vandoorne) boten sich hier einen Schlagabtausch vom Feinsten. Auch in der LMP2 Klasse wurde den Fans ein Schlagabtausch nach dem anderen geboten. Zwar führte der Alpine #36 (Lapierre/Negrao/ Thiriet) lange Zeit das zweite Feld der Prototypen an. Allerdings sorgten die Witterungsverhältnisse in der fünften Rennstunde dafür, dass dieser klar Vorsprung auf Null schrumpfte. Letztlich musste sich die Alpine-Mannschaft sogar mit Platz drei zufrieden geben. Pastor Maldonado schien mit diesen Voraussetzungen am Besten zurecht zu kommen. Somit schoss der Venezolaner im DragonSpeed-Oreca #31 (Gonzalez/ Maldonado/ Davidson) an die Spitze vor und konnte diese bis zum Schluss für sich behaupten.

Spektakulär ging es auch in den GTE-Klassen zu. Kein Weg führte an diesem Wochenende an Maxime Martin und Alex Lynn im Aston Martin Vantage #97 vorbei. Dem Belgier Martin schienen die Witterungsbedingungen nicht zu beeindrucken. Über weite Strecken führte der Siebenundneunziger Aston Martin das Feld an. Glücklicherweise – für den Rest des Feldes – verhinderten die Safetycar-Phasen ein allzu weites Davonfahren des britischen GTE-Boliden. In Bedrängnis kam Martin lediglich, als die BMW und Ferrari vor allem in der Schlussphase bei Regen bestens funktionierten. AF-Corse im Ferrari 488 GTE #51 (Pier Guidi/ Calado) belegte letztlich Platz 2. Pech hatten dagegen die MTEK-BMW mit den Safetycar-Phasen am Ende. Beide Münchener Boliden weit zurück, dass an einen Podiumsplatz nicht mehr zu denken war. Platz fünf und neun war das Ergebnis bei Abbruch des Rennens. Dank einer Zeitstrafe gegen den 911er Porsche #91 (Lietz/ Bruni) ging es für die beiden BMW noch einen Platz nach vorne. Für die Weissacher Mannschaft ändert das aber nichts in Bezug auf die Herstellerwertung. Vorzeitig konnte man hier den Deckel auf den Topf machen.

Keinen Stich sahen dagegen die beiden Ford von Ganassi Racing. Auch wenn das Tempo im Trockenen hoch war, im Nassen Teil des Rennens waren die Rennwagen gnadenlos unterlegen. Aber auch hier profitierte man von der Bestrafung des Porsche. Platz fünf sollte das Endergebnis für die #67 (Priaulx/Tincknell) sein.

Einen Schockmoment erlebten die Meisterschaftsführenden in der GTE-Am Klasse: Project 1. Während des letzten Restarts aus der Safetycar-Phase duellierte sich Perfetti mit einem Ferrari und landete letztlich im Reifenstapel. Auf Platz fünf überquerte die Mannschaft des Porsche 911 RSR #56 (Bergmeister/ Lindsey/ Perfetti) schlussendlich die Ziellinie. Das Podest sicherten sich Dempsey-Proton-Racing im Porsche #77 (Campbell/ Ried/ Pera) vor dem TF-Sport Aston Martin #90 (Yoluc/ Hankey/ Eastwood) und dem Ferrari #61 (Perez Companc/ Cressoni/ Griffin) von Clearwater Racing.

Während also der Großteil der Zeit trocken verlief, zeigten die Wettergötter zum Ende des Rennens wenig Einsehen. So sahen sich die Verantwortlichen zehn Minuten vor Schluss gezwungen, den siebten Lauf der Superseason 2018/19 der FIA WEC wegen erneutem Schneefall letztlich abzubrechen. Auf die Minute genau brach der vorhergesagte insgesamt letzte Schneesturm um 19:20 Uhr über die Ardennen-Rundbahn herein.

Weiter geht es für die WEC Langstrecken Weltmeisterschaft im Juli mit dem finalen 24h-Rennen von Le Mans.

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Michael Brückner ist seit Jahren begeisterter Motorsportfan und Fotograf. Außerdem sammelt er wissbegierig allerlei Informationen und arbeitet diese dann auf. Warum also nicht alles unter einen Hut bringen und der Welt zur Verfügung stellen. So entstand LSR-Freun.de. Neben der fotografischen und redaktionellen Arbeit kümmert sich Michael auch um die technischen Aspekte des Internetauftritts.
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