Das Coronavirus hat den Motorsport weiter fest im Griff. Die VLN, der Veranstalter der Nürburgring Langstrecken-Serie bemüht sich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln um ab dem 27. Juni 2020 einen nahezu reibungslosen Rennbetrieb sicher zu stellen.

Bereits gestern, kurz nach Bekanntgabe des Konzepts zur Durchführung der Nürburgring Langstrecken-Serie bekamen wir einige Stimmen von Teamchefs und Fahrern. Viele freuen sich, dass es hoffentlich möglich sein wird am 27. Juni 2020 das erste Rennen durchzuführen, es gab auch deutliche Aussagen, dass Teams nicht kommen werden.

Ein ursprünglich für den Dienstagabend anberaumter Termin der Interessengemeinschaft Langstrecke Nürburgring e.V. – ILN wurde kurzerhand um eine Woche verlegt und Vertreter der ILN trafen sich mit der VLN VV GmbH, um das präsentierte Konzept und mögliche Konsequenzen näher zu erläutern. Was hier besprochen wurde werden wir bei LSR-Freun.de zeitnah berichten. Doch heute gibt es zuerst weitere Stimmen von Teamchefs.

Alexander Böhm Black Falcon
Foto: L. Rodrigues

Mit seinem Team und dem Unternehmen Black Falcon traf der Lockdown Alexander Böhm ebenfalls schwer. Im Gespräch mit LSR-Freun.de sagt der Geschäftsführer: „Das die VLN so beharrlich versucht die Saison aufzunehmen finde ich bemerkenswert und wir sind dankbar für dieses Engagement. Mein Unternehmen hat diese besondere Situation seit Mitte März sehr hart getroffen, da bin ich ganz ehrlich.“ Böhm führt weiter aus: „Black Falcon hat in den vergangenen Jahren auf einem hohen Niveau gearbeitet, darin bestand unser Konzept, mit eigener VIP-Lounge und einem großen Fuhrpark an hochwertigen Rennfahrzeugen unseren Fahrern und Partnern möglichst viel zu bieten. Diese Kosten laufen trotz fehlender Einnahmen unvermindert weiter. Begann das Jahr 2020 noch sehr vielversprechend mit dem Sieg in Dubai, standen wir Mitte März plötzlich vor nie dagewesenen Herausforderungen.“

Alexander Böhm wird konkreter: „Da fast all unsere Dienstleistungen derzeit behördlich untersagt oder ausgesetzt sind, haben wir Umsatzeinbußen von mehr als 95%. Das hält kein Unternehmen auf Dauer aus, wir müssen derzeit sämtliche Reserven mobilisieren. Daher wiederhole ich gerne, dass wir sehr dankbar sind, dass sich die Veranstalter der NLS bemühen die Maschinerie wieder zu starten, auch wenn es für die VLN selbst sicher kein lukratives Jahr werden wird.“

Angesprochen auf die weiteren Pläne des Teams aus Meuspath sagt Böhm: „Ich denke, dass wir bei der NLS und auch beim 24h-Rennen mit weniger Fahrzeugen am Start sein werden als in 2019. Black Falcon hat viele internationale Kunden, die teilweise noch gar nicht aus- bzw. einreisen dürfen. Zum Teil haben auch die Unternehmen unserer Kunden finanziell eine Krise durchlebt, es bleibt abzuwarten wie sich das auf unsere Buchungssituation auswirkt. Die Krise könnte sich, meiner Ansicht nach, noch bis 2023 hinziehen, es ist schwer hier langfristig zu planen. Auch sind viele unserer Partner im Automotive-Bereich tätig, z.B. als Zulieferer von Fahrzeugherstellern. Deren Situation ist bekanntlich im Moment auch nicht gerade rosig. Es wird also nicht leicht in den nächsten Monaten, aber wir sind entschlossen, das Beste aus der Krise zu machen und im zweiten Halbjahr so viele Veranstaltungen wie möglich zu bestreiten. Somit sind wir froh, wenn wir bei der NLS Ende Juni zumindest unsere Autos wieder auf die Strecke bringen können, leider sind zunächst aber weder Team-Gäste noch Zuschauer erlaubt.“

Mit Nachdruck betont Böhm abschließend: „Maßgeblich für das Stattfinden weiterer Rennen wird das Verhalten der NLS-Fans am 26. und 27. Juni sein. Sollten sich, trotz der Appelle an die Vernunft, doch zu viele Fans um die Nordschleife versammeln, dann sieht es mit weiteren Rennen eventuell schlecht aus. Untersagt die Regierung als Konsequenz die weiteren Veranstaltungen, dann stehen sowohl die Teams als auch viele Unternehmen der Region vor einem großen Problem. Natürlich würden alle gerne schnell zur Normalität zurückkehren, aber im Moment müssen wir uns mit den Einschränkungen arrangieren, um unseren Sport überhaupt betreiben zu können. Darum bitte ich die Fans -wenn auch schweren Herzens- die NLS vorerst am Live-Stream zu verfolgen und die Aktiven damit bestmöglich zu unterstützen.“

Ein weiterer Gesprächspartner von LSR-Freun.de war Kevin Wolters. Teamchef des Rennstalls Keeevin Sports and Racing. Plante das Team aus Ruppichteroth zum Saisonbeginn noch mit drei Kundenfahrzeugen, sowie dem Teameigenen Renault Megane RS die Nürburgring Langstrecken-Serie zu bestreiten. Auch beim ADAC TOTAL 24h Rennen wollte Wolters einen Golf mit Kultstatus einsetzen und zwei Kundenfahrzeuge betreuen, hier sieht die Lage nun ebenfalls etwas anders aus.

Keeevin Sports and Racing Renault Megane
Foto: M. Brückner

Seine Meinung zum möglichen Start der NLS Ende Juni drückt er deutlich aus: „Auch wenn es wohl nur ein Auto sein wird, aber wir sind auf jeden Fall dabei, wenn die Veranstaltung genehmigt wird. Schon Tage nach dem Lockdown hatte ich erste Absagen von Fahrern die zum Teil sogar ihren Job verloren haben, das schockiert mich, auch weil es in unserem Fall nicht nur Kunden, sondern vielmehr Freunde sind. Den Ansatz mit der Boxengasse durch das Fahrerlager finde ich sehr gut. Auch freut mich das Engagement der VLN an der Serie festzuhalten, statt das Handtuch zu werfen, was vermutlich unterm Strich günstiger wäre.“

Im Hinblick auf das 24h-Rennen sagt der Teamchef: „Unsere Teilnahme fällt wohl flach, zwei der Piloten haben schon abgesagt. Aber wer kann aktuell wirklich sagen ob das Highlight überhaupt stattfindet. Vermutlich wird der ADAC Nordrhein mit einer Entscheidung ein kritisches Auge auf das erste VLN Rennen werfen und wie sich hier die Teilnehmer aber vor allem die Fans an die Regeln gehalten haben. Allerdings ist ein 24h-Geisterrennen auch kein aufregender Gedanke, es gibt nichts Schöneres, als auf die Fans im Brünnchen zuzufahren – jede Runde einen ganzen Tag lang. Aber besser ein Geisterrennen als eine komplette Absage des 24h Rennen.“

Teamchef von W&S Motorsport Daniel Schellhaas stand uns ebenfalls für eine Aussage zur Verfügung. Sein Team aus Ofterdingen steht seit März bereit um mit vier Fahrzeugen, allen voran ein neuer Porsche Cayman 718 GT4 für die SP10, die Nürburgring Langstrecken-Serie zu bestreiten.

Schellhaas freut sich ebenfalls, dass die VLN nun alles daran setzt mit der Saison zu beginnen: „Mit einem solchen Konzept hatte ich insgeheim gerechnet, auch da wir in den letzten Wochen schon in Hockenheim unter besonderen Bedingungen bei Trackdays zum Testen waren. Dort ging es unter Auflagen ja auch. Die Bemühungen der VLN das Konzept auszuarbeiten finde ich klasse! Auch dass die Digitale Nürburgring Langstecken-Serie ins Leben gerufen wurde war ein guter Zug. Da ist die VLN spürbar bemüht sich aktiv zu kümmern. Sicherlich wird es Teams geben, die die Lösung inakzeptabel finden aus welchen Gründen auch immer. Letztendlich müssen wir es uns vor Ort dann anschauen wie es funktionieren wird. Platz ist im Fahrerlager ausreichend vorhanden.“

Daniel Schellhaas und Patrick Wagner
Foto: Lukas Flach

Angesprochen auf die Auswirkungen für sein Team sagt er: „Klar fehlen uns auch die Teamgäste und persönlichen Besuche der Sponsoren vor Ort, aus diesem Grund wird so manches Team nicht antreten und das Starterfeld spürbar kleiner sein. Wir werden uns mit den Umständen arrangieren müssen und können das auch. Ich hoffe sehr, dass das Konzept genehmigt wird und es für uns los gehen kann.“

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Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
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