Wir glauben, dass kein Jahr vergeht, in dem man nicht mit den richtigen Erwartungen die Tasche packt, sich ins Auto setzt und Richtung Nürburgring fährt. Gerade wenn es um das 24h-Rennen am Nürburgring geht, fallen uns unzählige Dinge ein, die passieren könnten, die passiert sind oder die einfach nur eine böse Vorahnung sein könnten. Nur die harten Fakten – und das sind die Fahrerkonstellation, die Fahrzeugabstimmung, die tadellose Vorbereitung des Teams aus Mechanikern und Ingenieuren, sowie manchmal auch die Konkurrenz – sind bekannt. Ein Marathon kann ohne weiteres Zutun „schnell gelaufen“ werden, oder er wird zum Krimi. Das Geheimnis der 24 Stunden Nürburgring.

Es könnte so einfach sein, 24 Stunden nur Runde für Runde bei Höchstleistung und perfekten Bedingungen? Es scheint, dass es gerade am Nürburgring dieses Szenario nie gibt und genau das ist der Reiz, die Verlockung, die es zu einem der härtesten und begehrtesten Langstreckenrennen der Welt macht. Die Koffer sind nach dem GT-World-Challenge-Rennen in Paul Ricard noch nicht einmal ausgepackt, und schon ruft der Nürburgring.

Lionspeed GP N24h 2021
Foto: Lionspeed GP

Mittwochmorgen – ein schneller Orangensaft und ein Sandwich to go und ab geht’s ins Auto Richtung Eifel. Das Thermometer an der Autobahnausfahrt „Wehr, Nürburgring, Adenau“ zeigt 28°C und blauen Himmel. Auch wenn wir wissen, dass die Vorhersage für das Rennwochenende ganz anders aussieht, weckt das doch ein wenig Hoffnung bei den Fahrern und dem Team. Neben unserer Lionspeed GP #24 hat die CarCollection noch zwei weitere Audi R8 GT3 im Einsatz. Der Lionspeed GP #12 mit Johannes Stengel, Klaus Koch, Jean-Louis Hertenstein und Fidel Leib, sowie das Werksfahrzeug von Audi mit der Startnummer #2 und Nico Müller, Christopher Haase und Markus Winkelhock am Steuer. Die Boxen und Zelte stehen bereit, die Autos zeigen sich in ihrer ganzen Schönheit.

Einchecken im Hotel und ab geht’s zur Technischen Abnahme sowie zu ersten Briefings und dem Audi Fotoshooting. Selbst mit vier erfahrenen Fahrern beim 24h-Rennen scheint alles so neu zu sein. Das Covid-Reglement, das zum zweiten Mal in Folge gilt, lässt das normalerweise volle und aufregende Fahrerlager leer und ruhig erscheinen. Man spürt, wie die Spannung steigt, während jeder Fahrer seine eigene Art hat, sich mental auf das Rennen vorzubereiten.

Lionspeed GP Audi R8 LMS GT3 N24h 2021
Foto: L. Rodrigues

Donnerstag, 3. Juli 2021, 12:30 Uhr – Das erste Qualifying ist angesagt. – Das Lionspeed-Team nutzt das erste Qualifying, um das Set-up und die Fahrdynamik des blau-roten Löwen von Patric Niederhauser zu überprüfen. Nachdem Niederhauser, Dontje und Rocco im Qualifying 1 ihre ersten Runden drehen konnten, gab es die erste Vorahnung des Wochenendes, als Kolb zu seinem ersten Einsatz ins Auto stieg. Leider überfuhr Kolb Trümmerteile auf der Strecke und beschädigte dabei den rechten Hinterreifen, so dass er seinen Run nach der Hälfte der Runde abbrechen musste, um weitere Schäden am R8 zu verhindern. Nichtsdestotrotz verlief das Qualifying 2 ohne Zwischenfälle, was allen Fahrern die Möglichkeit gab, das Nachttraining gut zu nutzen und wertvolle Daten für die #24 zu sammeln.

Guten Morgen Freitag – die Spannung steigt in allen Bereichen, das Wetter ist noch trocken, die Vorbereitungen laufen wie am Schnürchen und die Fahrer und das Team sind fit und motiviert. Ein plötzlicher Wolkenbruch am Morgen zwang das 24H Classic Rennen zum Abbruch und zeigte damit eine erste Warnung, wie viel Respekt die Teams und Fahrer an diesem Wochenende brauchen werden. Das Qualifying 3 beginnt, es ist trocken und Niederhauser ist mit der #24 als erster auf der Strecke, bevor er das Auto für die letzten Minuten des Q3 an Dontje übergibt. Leider hatte unsere #12 einen Kontakt, der ihren Start im Top-Qualifying verhinderte.

Das Wetter am Ring sorgte dafür, dass die Grüne Hölle ihrem Namen wieder einmal alle Ehre machen sollte. Noch bevor das Top-Qualifying grün war, sah sich die Rennleitung gezwungen, eine Unwetterwarnung herauszugeben – dunkle Wolken zogen über Nürburg und stellten die Ingenieure vor eine schwierige Zusatzaufgabe – wird der Regen vor oder nach der ersten fliegenden Runde eintreffen? Werden die rot-blauen 24 eine trockene Runde absolvieren können oder kommt der Regen schon vor der ersten Überquerung von Start und Ziel?

Das Format für das Top-Qualifying ist wie folgt: Das Team entscheidet sich für einen Fahrer, der eine Aufwärmrunde und dann zwei fliegende Runden bekommt – die beste Runde zählt. Mit Niederhauser im Auto und einem ausgewogenen Set-up haben wir unsererseits alles getan, was möglich war. Es folgt die Auslosung – Startplatz 18 für das Top-Qualifying. Nicht ideal angesichts des drohenden Sturms und Regens – damit steigen die Chancen, dass er in seiner zweiten Runde in den Regen kommt. In diesem Jahr ist alles anders, die Aufwärm- und Kontrollrunde“ wird zu einer Sprintrunde für alle Autos. Alle 21 Fahrer geben von Anfang an Vollgas, um dem einsetzenden Regen zu entkommen. Das gilt auch für Patric in der #24, ALL IN! Leider zeigen die Onboard-Kameras Regen auf der Döttinger Höhe und der GP-Strecke, das war’s, eine zweite Runde ist für uns nicht sinnvoll und sicher. P7 und nur 2 Sekunden hinter dem Qualifikationsplatz für das Top Q2. Das bedeutet, dass wir von P21 aus ins Rennen gehen – 24 Stunden sind eine lange Zeit.

RACEDAY

11:30 Uhr morgens geht es los mit 1h Warm-up. Nach dem Warm-up wurde die BOP (Balance of Performance) für mehrere Hersteller, darunter auch für den Audi, angepasst. +6PS und +10kg, da die Performance auf der Geraden bei allen Audis etwas schwächer war als beim Rest der GT3-Konkurrenz.

Um 14:15 Uhr beginnt die Startaufstellung, die Fans stärken sich mit ihrem traditionellen Rennessen (Currywurst mit Pommes) und das Rennen kann beginnen. Wir sind in der Grünen Hölle – wieder einmal stellt sich die Frage nach den richtigen Reifen – bei einem nassen zweiten Teil der Strecke entschied sich das Team, auf Nummer sicher zu gehen und wählte abtrocknende Regenreifen für eine feuchte Strecke.

Patric Niederhauser startet mit einem Doppelstint in die Schlacht der 24h am Nürburgring. Der Start ist berührungslos und Niederhauser biegt mit der GT3-Meute auf die Norschleife ein und bringt sich in Position, bereits nach 15 min Renndauer ist ein Porsche 991 Cup Car in Flammen zu sehen (keine Verletzten), spannender könnten die 24h also nicht beginnen.

Lionspeed GP Audi R8 LMS GT3 N24h 2021
Foto: L. Rodrigues

Das Radar zeigte Regen an, und es scheint, dass es kein Schauer sein wird. Der Regen kam zwar später als erwartet, aber als er kam, kam er mit brachialer Gewalt. BMWs, Lamborghinis, Porsches drehten sich und stürzten – und dann der Schock, Patric wurde auch noch erwischt. Ein massiver Regenschauer am Schwedenkreuz verursachte massives Aquaplaning und ließ den Schweizer von der Strecke schleudern. Ein harter Einschlag in die Leitplanke beschädigte die vordere rechte Ecke des R8 GT3 schwer. Trotz des Einschlags konnte Patric das Auto ohne großen Zeitverlust zurück an die Box bringen. Durch die Einschätzung des Schadens über Funk, Daten und die Live-Bilder konnte das CarCollection-Team alle notwendigen Teile für Patrics Ankunft vorbereiten.

In weniger als 35 Minuten konnte das Team die stark beschädigte #24 reparieren und wieder auf die Strecke schicken. Auch wenn 24 Stunden lang sind, zählt jede Minute. Von P115 ist es ein langer und harter Weg zurück nach vorne, vor allem, als der Wetterbericht Regen und Sturm vorhersagt. Dennoch gelingt es Niederhauser gegen 18:35 Uhr, das Auto an Patrick Kolb auf P92 zu übergeben. Kolb ist hoch motiviert, er steigt in die #24 und schiebt sich in nur 30 Minuten um 18 Positionen auf P74 vor. Weitere 30 Minuten später liegt der Lionspeed GP Audi auf P64, eine unglaubliche Leistung des jungen GT3-Piloten Kolb, der sich durch den Verkehr kämpft und ein Auto nach dem anderen hinter sich lässt. Nicht zu verlieren ist die Devise – was uns passiert ist, kann jedem passieren, besonders in der Grünen Hölle. Um 20:05 Uhr nimmt Lorenzo Rocco den Kampf mit dem Feld auf, auch Rocco klettert schnell die Positionen hoch und kämpft sich bis auf P51 vor. Der Kampfgeist des Löwen und seines Teams ist nicht zu bremsen. Nach nur 5 Stunden und 10 Minuten des 24-Stunden-Rennens muss Rocco zurück an die Box, da auf der gesamten Strecke die rote Flagge geschwenkt wird. Die Wetterbedingungen haben sich so stark verschlechtert, dass ein Rennabbruch wegen dichten Nebels nicht zu vermeiden ist. Nach einigen Überlegungen wird entschieden, dass die Autos für die Nacht stehen bleiben und ein Neustart ist für ca. 7:00 Uhr geplant.

Die Nacht – ein besonderer Teil des 24h-Rennens. Ein harter Schlag für viele Teams und Fahrer, diese Fahrzeit zu „verlieren“. Ein 24h-Rennen zu pausieren ist der letzte Ausweg, aber wieder einmal unvermeidlich, für die Fahrer und Fans bedeutet es „gute Nacht“.

Lionspeed GP Audi R8 LMS GT3 N24h 2021
Foto: L. Rodrigues

Punkt 06.00 Uhr. -wird die Information auf 7.00 Uhr verschoben, wann das Rennen wieder gestartet werden kann. Das Wetter hat sich noch nicht gebessert, und viele Abschnitte sind mit dichtem Nebel bedeckt. Der ganze Zyklus wiederholt sich um 7:00 Uhr, dass um 8:00 Uhr die nächste Info folgen soll und um 8:00 Uhr ein Update um 9:00 Uhr… Schließlich wird die Boxenampel um 9:20 auf Grün geschaltet, mit dem voraussichtlichen Start des Rennens um 9:40. 9:20 springt die Boxenampel auf Grün, die Fahrzeuge rollen aus und werden auf die In-Restart-Position gebracht. Mehr Zeit vergeht, während sich das Wetter wieder verschlechtert… Milan Dontje und die #24 sind startklar. Langsam aber sicher entwickelt sich das 24h Rennen zu einem 4 Stunden Sprintrennen. Jetzt ist die Ansage für die Formationsrunde auf 11:40 Uhr angesetzt und um 12:00 Uhr wird das Rennen wieder gestartet. Aufgrund der Verzögerungen muss die Mindestfahrzeit aller Fahrer von 15 Runden auf 2 Runden angepasst werden. Für das Team #24 bleibt nur noch Milan übrig, um seine Runden zu fahren. Um 11:40 Uhr sind die Ampeln endlich grün. Nach insgesamt 34 Runden liegt die #24 auf P54. Nach dem Doppelstint von Milan Dontje um ca. 14:20 Uhr der letzte Fahrerwechsel.

Lionspeed GP Audi R8 LMS GT3 N24h 2021
Foto: L. Rodrigues

Patrick Kolb macht sich bereit. P36 und das Ziel ist, weiter nach vorne zu kommen, wenn wir nur etwas mehr Zeit hätten… in nur einer Stunde konnte Kolb weitere 12 Positionen in der Gesamtwertung gutmachen und überquerte die Ziellinie des #24 Lionspeed R8 auf P24. 91 Positionen gewann das Lionspeed GP Team im kürzesten 24-Stunden-Rennen der Geschichte.

Quelle: Pressemitteilung Lionspeed GP

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