Klimaschutz ist heutzutage – dank Fridays for Future – in aller Munde. Der Motorsport gilt als Ideenschmiede und Testlabor für zukünftige Fahrzeugteile und Antriebsmodelle. Wie kann der Motorsport auch in Zukunft bestehen? Das schauen wir uns genauer an.

So hat beispielsweise Four Motors – gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut – einen Verbundstoff aus Biofaser entwickelt, der nun auch in der Serienproduktion des Porsche Cayman GT4 zum Einsatz kommt. Die Formel 1 will auf biologische Betriebsmittel setzen, in Le Mans wird bereits ein Wasserstofffahrzeug getestet. Maßgeblich vom Wandel, den Entwicklungen und den Neuerungen betroffen, ist auch die Creventic 24h Series. Dies nahmen wir zum Anlass, Verantwortlichen der beliebten internationalen Langstreckenrennen-Serie, Fragen bzgl. der Zukunft der 24h-Series zu stellen.
Neben den Herstellern, sehen sich auch zunehmend Streckenbetreiber und Veranstalter in der Pflicht, dem Klimawandel entgegenzuwirken.

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Ole Dörlemann, Event Manager, seit 2014 bei Creventic, sprach mit uns über die Zukunft des Motorsports und wie sich die Creventic den neuen Aufgaben und dem Umschwung stellt.
Vielen Dank, Herr Dörlemann, dass Sie sich die Zeit nehmen und auf unsere Fragen eingehen möchten.

Der Motorsport befindet sich durch verschiedene Klimaschutzmaßnahmen im Wandel. Wo steht die Creventic aktuell?

In den letzten Jahren zeichnet sich ein Wandel ab, den wir auch spüren. Bis dato sind wir ausschließlich mit Fahrzeugen mit Verbrenner-Motoren gefahren, das wird sich kurzfristig wahrscheinlich auch nicht ändern, da wir Langstrecke fahren. Umweltschonendere Alternativen sind für den Langstrecken-Breitensport leider noch nicht verfügbar. Beobachtet man allerdings den derzeitigen Entwicklungstrend, ist es nur eine Frage der Zeit bis wir Autos sehen, die mit zukunftsfähigen Antriebsmethoden und bezahlbar für den Breitensport, 12- oder sogar 24 Stunden Rennen fahren werden. Im Jahr 2020 führen wir das sogenannte „Race-Couple“ ein, dass es möglich macht mehrere Autos mit Elektromotoren unter einer Nennung fahren zu lassen, die einander abwechseln. Wir hoffen, dass schon bald einige Hersteller diese Chance wahrnehmen.

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In welcher Rolle sieht sich die Rennserie?

Während sich die Motorsportwelt langsam verändert dürfen wir natürlich nicht stillstehen. Jetzt sind wir und andere Serienbetreiber am Zug, das Angebot im Motorsport zukunftsorientiert zu gestalten. Den Motorsport im Allgemeinen komplett zu verteufeln, ist sicher der falsche Weg, da im letzten Jahrhundert viele technologische Fortschritte aus den Erfahrungen im Motorsport entstanden sind, dennoch müssen wir als Veranstalter uns unserer Aufgabe bewusst sein, diesen schwierigen Weg des Wandels einzugehen und mitzugestalten.

Die 24h-Series reist mit dem gesamten Rennzirkus um die Welt. Einsätze in Dubai, Barcelona oder COTA gehören zum Streckenportfolio der Serie. Wie kompensiert man den CO²-Fußabdruck der Serie und der Teams?

In 2020 werden wir als erste internationale Langstreckenserie weltweit aktiv etwas tun, um unseren CO²-Ausstoß zu kompensieren. Wir haben in Zusammenarbeit mit der Organisation TREES FOR THE FUTURE (www.trees.org) die Initiative „One Lap – One Tree“ ins Leben gerufen. Im Zuge dessen werden wir als Creventic für jede bei unseren Rennen gefahrene Runde einen Baum in Zentralafrika pflanzen. Betrachtet man ausschließlich die 24 Stunden von Dubai im Januar, werden schon nach diesem Rennen ungefähr 30.000 Bäume gepflanzt. Wir erwarten, im gesamten Jahr 2020, zusammen mit TREES, mehr als 100.000 Bäume zu pflanzen. Berechnet man den Kompensierungswert dieser Aktion, wird mehr CO² kompensiert, als Benzin und Reifenverbrauch während unserer Rennen ausstoßen. Es sei hierbei erwähnt, dass Creventic diese Verantwortung selber trägt und die Kosten der Kompensierung nicht als Zuschlag aufs Nenngeld handhabt.

Sind hier zukünftig weitere Maßnahmen geplant?

Im nächsten Schritt wollen wir unseren Teilnehmern ermöglichen, noch einmal dasselbe drauf zu legen und einen weiteren Baum pro selbst gefahrene Runde pflanzen zu lassen. Natürlich haben wir auch ein offenes Ohr für alle weiteren Möglichkeiten, die umweltschonende Technologien uns bieten.

Wo sehen Sie hier im gesamten Motorsport Handlungsbedarf?

Wir sind Vorreiter im Langstrecken-Motorsport mit unserer „One Lap – One Tree“- Initiative. Mehr Veranstalter sollten unserem Beispiel folgen, damit der Motorsport auch weiterhin die Chance hat, Teil unserer Gesellschaft zu bleiben und uns mit dem zu erfreuen, dass wir alle mögen. Motorsport ist Entertainment, Spaß, laut und schmierig und hat die Verantwortung, der Umwelt etwas zurückzugeben. Wir sind uns dieser Verantwortung sehr bewusst und hoffen, dass viele folgen werden.

Welche Möglichkeiten bietet sie den Teams und Teilnehmern, zum Klimaschutz beizutragen?

Wie bereits erwähnt werden wir es unseren Teilnehmern ermöglichen, Ihre eigenen Runden in gepflanzte Bäume umzuwandeln. Kombiniert mit unserem Einsatz und dem des Teams selbst würde dieses Auto somit so gut wie klimaneutral Rennen bestreiten, da der komplette Emissionsausstoß kompensiert wäre.

Elektromobilität – VW hat den Abschied vom Verbrennungsmotor erklärt. Welche Auswirkungen hat das auf die 24h-Series?

Der Ausstieg von VW vom Verbrennungsmotor hat sicherlich eine Signalwirkung in die Richtung anderer Hersteller. In den kommenden Jahren erwarten wir, dass mehr Hersteller sich Schritt für Schritt in die Richtung der Elektro- und Wasserstoffmotoren bewegen. Die Herausforderung ist hier für den Langstreckensport grösser als für Sprintrennen, da der Entwicklungsschritt noch nicht vollzogen ist, ein Auto mit alternativem Antrieb über eine lange Renndistanz zu bringen. Allerdings ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch diese Herausforderung gemeistert ist. Unsere Tür steht offen, eine Plattform für diese Fahrzeuge zu bieten.

Welche Möglichkeiten hat die Rennserie, hier Entwicklungsraum zu schaffen?

Wir haben die Tür mit unserem bereits erwähnten „Race Couple“ bereits geöffnet. Wir wollen gerne Teil der Entwicklung sein und stehen offen für Testeinsätze während unserer Rennen sowie komplette Renneinsätzen von Kundenteams.

Alternative Klassen – sind weitere Antriebskonzepte ohne größere Probleme möglich?

Andere Antriebskonzepte als der Verbrennungsmotor werden sich relativ schnell im Sprintbereich etablieren. Die Formel E als Vorreiter des Elektrischen Motorsports hat bereits gezeigt, dass dies möglich ist. Auch TCR arbeitet seit einigen Jahren an einer ETCR-Serie. Allerdings wird es noch einige Jahre dauern, bis sich alternative Antriebskonzepte auch im Langstreckensport durchsetzen können – hier sind die Hersteller gefragt, die Entwicklung auch auf das Durchhaltevermögen der neuen Generation von Rennautos auszuweiten.

Wo sieht die 24h-Series ihre Zukunft? Wo sieht sich die Serie in 5 bzw. in 10 Jahren?

Auch in der Zukunft werden wir an unserem Konzept festhalten: Attraktive Rennen auf anspruchsvollen Rennstrecken für den Breitensport. Dabei wollen wir immer eine Plattform für alle bieten – sowohl Verbrenner als auch alternative Antriebskonzepte. Wir glauben, dass dieser Wandel Hand in Hand passieren kann, ohne den Verbrennern den Kampf an zu sagen.

Die Creventic startet am 10. Januar 2020 mit der inzwischen 14. Ausgabe des 24h-Series 24h von Dubai in die neuerliche Saison. Mehr Informationen zum Rennen und zur Serie werden wir in den kommenden Tagen veröffentlichen. Auf der Webseite des Rennserie steht die vorläufige Starterliste und der vorläufige Zeitplan ausgeschrieben.

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Michael Brückner ist seit Jahren begeisterter Motorsportfan und Fotograf. Außerdem sammelt er wissbegierig allerlei Informationen und arbeitet diese dann auf. Warum also nicht alles unter einen Hut bringen und der Welt zur Verfügung stellen. So entstand LSR-Freun.de. Neben der fotografischen und redaktionellen Arbeit kümmert sich Michael auch um die technischen Aspekte des Internetauftritts.
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