Zweifacher VLN Meister, RCN Meister, VLN Vizemeister und ein Rekord mit den meisten Klassensiegen in Serie in der NLS sowie zahlreiche weitere Erfolge in anderen Serien kann der Frankfurter Rennfahrer Christopher Rink vorweisen. Der 33-jährige greift seit vielen Jahren bei Adrenalin Motorsport ins Lenkrad, überwiegend in den „V“-Klassen mit seriennahen Fahrzeugen. Für eben eine solche Klasse, genauer gesagt die VT2 mit Produktionswagen bis 2000ccm Hubraum und Turboaufladung, wird es ab 2022 eine Neuerung geben die nicht nur auf Zustimmung stößt. So sollen front- und heckangetriebene Fahrzeuge je eine eigene Klassenwertung bekommen und Rink ist nicht sehr begeistert von dieser Trennung.

Adrenalin Motorsport Team Alzner Automotive BMW 330i NLS4 2021
Foto: L. Rodrigues

Rink fuhr 2021 im BMW 325i in der V4 sowie im BMW 330i in der VT2 und agierte somit als Doppelstarter in der Serie und für sein Team. Er setzte im Kampf um die Meisterschaft auf die Punkte für das VT2 Fahrzeug. In der NLS muss bei einem Doppelstart vorab entschieden werden, welcher Wagen gewertet werden soll. Rink kennt die Fahrzeugklassen, wie kaum ein anderer und traf diese Entscheidung bewusst in Bezug auf die Zukunft. Seine Mission der Titelverteidigung in einem anderen Auto ging, trotz nahezu fehlerfreier Saison, nicht auf. Der BMW 330i mit der Startnummer #481, auf den Rink setzte, lag bis kurz vor Rennende beim neunten Lauf auf Meisterschaftskurs, fiel dann mit einem Reifenschaden nach einem Kontakt mit einem anderen Teilnehmer jedoch zurück und erzielte nicht mehr ausreichend Punkte für den Titel.

Adrenalin Motorsport Team Alzner Automotive BMW 325i NLS4 2021
Foto: L. Rodrigues

Seine Teamkollegen Leisen und Brink im BMW 325i mit der Startnummer #1 profitierten dann noch von einem Fehler des größten Konkurrenten im Titelkampf, dem Team W&S Motorsport in der Cup3, und sicherten sich schlussendlich den Titel und ein weiteres Jahr mit der #1 für das Team Adrenalin Motorsport. Selbstverständlich freute sich Rink auch mit seinen Teamkollegen auf diesem Fahrzeug, denn für Ihn und die Beteiligten war klar, dass auch seine Leistungen und seine fehlerfreien Fahrten in jedem Rennen auf diesem Fahrzeug zum Erfolg für die Jungs geführt hat.

Bei der Jahressiegerehrung der Nürburgring Langstrecken-Serie am Samstag, den 13. November wurden neben den Rückblicken und Ehrungen auch Neuerungen für die Saison 2022 konkretisiert. Neben näheren Informationen zum 12h-Rennen über zwei Tage und die Vergabe der Punkte nicht mehr nach dem bisherigen Schema wurde die Trennung der Klasse VT2 in eine separate Wertung für Frontgetriebene Wagen sowie eine für Heck- und Allradangetriebene Produktionswagen kommuniziert.

Foto: L: Rodrigues

Christian Stephani, Geschäftsführer der VLN VV GmbH & Co. KG, betonte bei der Ehrung, dass damit auch Teams, welche mit anderen Herstellern und Antriebskonzepten in der VT2 antreten – die augenscheinlich bisher kaum eine Chance gegen die dominanten BMW hatten – Podiumsbesuche verzeichnen können. „Das damit noch eine weitere Klasse geschaffen wird und es damit noch weniger übersichtlich für die meisten Fans wird, spielt in dem Fall wohl eher eine untergeordnete Rolle. Die V-Klassen sollen doch den Breitensport in der NLS widerspiegeln, wenn hier quasi wieder separiert wird ist die Hecktriebler-Klasse bis auf wenige Ausnahmen dann ein BMW 330i-Cup.“, kommentiert Rink die Ankündigung.

Teams wie mathilda racing mit dem VW Scirocco begrüßten rasch diese Aufteilung, Teamchef Michael Paatz gab zeitnah per Pressemitteilung bekannt: „Es ist ein gutes Zeichen, dass die Veranstalter auf die Bedürfnisse der Teilnehmer eingehen und gemeinsam daran gearbeitet wird, die Nürburgring Langstrecken-Serie für die Zukunft zu stärken!“

Dieser Aussage widerspricht Christopher Rink umfänglich. Im persönlichen Gespräch mit LSR-Freun.de begann der zweifache Meister mit den Worten: „Wir Fahrer werden scheinbar kaum gefragt oder in Entscheidungen einbezogen. Letztendlich haben wir fast nichts zu sagen, egal ob wir genügend Erfolge oder Erfahrungen haben und eigene gute Argumente bringen, wir werden vielleicht angehört aber bei Entscheidungen nicht wirklich beachtet. Daran ändern auch Institutionen wie die ILN leider nichts, auch wenn diese sich sehr um unsere Belange bemüht.“ Der Verein Interessengemeinschaft Langstrecke Nürburgring e.V. soll Serien wie die NLS und RCN bei Planungen beraten und Argumenten der Teams und Teilnehmer mehr Gewicht verleihen.

Adrenalin Motorsport BMW 330i NLS2 2021
Foto: L. Rodrigues

Im Livestream sprach Rink schon seinen Unmut aus, er findet die Entscheidung nicht richtig, konnte dann jedoch, auch da die Sendezeit wohl drängte, nicht weiter seine Auffassung gegenüber Patrick Simon darlegen. Gerade im Hinblick auf den Kampf um den Gesamttitel wird es 2022 wichtig sein, dass immer ausreichend Teilnehmer, also mindestens sieben in der Klasse, bei allen Rennen antreten, um die volle Punktzahl für den Sieg mitzunehmen. Knackpunkt für Rink wird das 6h-Rennen sowie das neue Highlight über zwei Renntage, das 12h-Rennen sein: „Sollten bei den beiden „teureren“ Veranstaltungen nach dem 24h-Rennen zu wenig Mitstreiter in der Klasse sein, hat sich der Titelkampf schon fast von allein erledigt. Es ist auch klar, dass einige Teilnehmer, die nicht um Meisterschaften kämpfen, bei diesen Rennen nicht starten werden. Dort dann noch einen höheren Faktor der Punktevergabe einzubauen, ist zusätzlich unfair. Bei einem Defekt oder einem Ausfall bei einer dieser zwei Veranstaltungen, verlierst du extrem. Daher musst du für nächstes Jahr schon gut überlegen in welcher Klasse du antrittst, um nicht aufs falsche Pferd zu setzen. Das macht es den Teams und den Fahrern nicht unbedingt einfacher sich aufzustellen und Sponsoren zu finden. Geschweige denn für die Fans rund um die Serie wird es immer komplizierter.“

Bei der Trennung von Front- und Hecktrieblern sieht Rink weniger ein Problem in der Technik bzw. der Leistung, sondern eher im Talent der Person am Steuer. Mit dem richtigen Piloten im Cockpit sei ein frontgetriebener Scirocco, Golf oder Hyundai von den Rundenzeiten nahezu genauso schnell, wie die besten mit einem G20 BMW 330i, der vom Gewicht her auch noch im Nachteil sei. „Es kann also nicht am Konzept des Autos liegen, das Problem scheint hinterm Lenkrad zu sitzen.“, erklärt Rink. „Nahezu jeder Hersteller hat aktuell ein sportliches Modell mit 2-Liter Turbomotor im Portfolio. Aus dieser Vielfalt dann den richtigen Wagen herauszusuchen und ihn entsprechend vorzubereiten, gehört doch zur Challenge dazu. Die BMW waren hier offensichtlich eine sehr gute Option, oder die Teams, welche sich für andere Marken und Konzepte entschieden, haben ihre Hausaufgaben nicht ordentlich gemacht. Wir müssen uns vorher Gedanken machen, und nicht nachdem die Autos gekauft wurden. Uns wurden schon während der Saison mit Gewichtserhöhungen Steine in den Weg gelegt. Über diese Maßnahmen kann man noch streiten. Aber die Klassen aufteilen ist eine Frechheit.

Foto: Max Bermel / NringInfo

Rink ergänzt: „Wir haben vor zwei Jahren in genau diese Klasse investiert und uns den Kopf zerbrochen, welche Klasse über mehrere Jahre genügend Starter in allen Situationen stellen kann, um zu gewinnen, und mit welchem Fahrzeug es am meisten Sinn macht. Jetzt werden wir bestraft. Dabei liegt es meiner Meinung nach noch nicht einmal am Fahrzeug selbst. Reifen, Material und natürlich wir Fahrer gehören auch in diese Planung mit einkalkuliert. Wer im Rahmen des Reglements in die beste Auspuffanlage investiert oder pro Rennen entsprechend neue Reifensätze benutzt, erhöht auch seine Chancen vorne zu sein. Habe ich als Teamchef jedoch Fahrer, die es nicht umsetzen können, wird das Auto am Ende nicht so schnell sein wie die Klassenspitze. Die Fakten belegen sehr deutlich, dass auch ein Fronttriebler in der Saison 2021 Rundenzeiten zwischen 9.20 und 9.21 Min. fahren konnte und auf der Strecke überhaupt keinen Nachteil hatte.

Einen weiteren Punkt sieht der Frankfurter zum Beispiel im Wetter, ein Faktor, der nicht beeinflussbar ist. Hierzu erklärt er: „Bis auf Nebel mit feuchten Passagen hatten wir diese Saison nur Rennen im trockenen und da bietet der BMW eine sehr gute Performance. Bei einem reinen Regenrennen wäre ein frontgetriebenes Auto auf der Nordschleife definitiv im Vorteil und hätte entsprechend mehr gepunktet. Dann wären die Hecktriebler im Nachteil. Wäre dann eine Klasse unterteilt worden? Für mich macht somit eine Trennung und eine weitere Klasse am Ende keinen Sinn und es wird für die Zuschauer noch schwerer die Wettkämpfe zu beurteilen.“

Christopher Rink, Adrenalin Motorsport 43. DMV Münsterlandpokal VLN9 2018
Foto: L. Rodrigues

Der zweifache Langstrecken-Meister denkt, dass eine einheitliche VT2-Klasse bestehen bleiben sollte, stattdessen könne es kleinere Anpassungen geben. Vielleicht Erfolgsgewichte oder längere Standzeiten oder ein Reifenkontingent, um Kosten zu senken. Dann müssten so manche ihre Strategie ändern und so könnte sich das Blatt auch zugunsten der Fronttriebler wenden. „Diese Regularien gibt es in zahlreichen Serien und sind Möglichkeiten mehr Fairness und trotzdem mehr Wettbewerb zu bringen.“

Angesprochen auf seine persönliche Planung für 2022 lässt Rink noch alle Optionen offen. Wie bei der Jahressiegerehrung betont er gegenüber LSR-Freun.de nochmals, dass seine Wurzeln auf der Nordschleife und in der NLS sind. „Es gibt immer Dinge, die verlockend sind.“, sagte er mit einem Augenzwinkern. Er kann sich auch sehr gut vorstellen, eine weitere Saison in einem leistungsstärkeren Wagen und in anderen Serien und somit auf anderen Strecken zu bestreiten. Rink bestritt mit Hofor Racing by Bonk Motorsport in der Saison 2021 neben seinen Einsätzen in der NLS für Adrenalin Motorsport, mit dem BMW M4 GT4 die DTM Trophy und startete bei drei Veranstaltungen in der ADAC GT4 Germany, diese Serie verspricht auf jeden Fall packenden Rennsport auf höchstem Niveau.

Unterstütze LSR-Freun.de

Dir hat der Beitrag gefallen? Wir freuen uns über Deinen Support.





In eigener Sache:

Du hast den Beitrag bis zum Schluss gelesen? Hat er Dir gefallen? Wenn Du die LSR-Freun.de unterstützen möchtest, kannst Du das mit einem Abonnement bei SteadyHQ tun.

Damit hilfst Du uns, auch in Zukunft erstklassige Berichte, Dokumentationen und Reportagen aus der Welt der Langstreckenrennen zu erarbeiten und zu erstellen.

Unterstütze uns auf Steady

Die LSR-Freun.de sagen Danke!

Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
Kategorie: NewsTags:
Fehler melden Über LSR-Freun.de ethische Standards

Ein Kommentar zu “Christopher Rink – Seine Meinung zu den NLS-Änderungen für 2022

  1. Ich bin der Meinung, dass so manche Änderung der letzten Jahre dem Sport schaden. Für jeden, der sich über eine Änderung freut, gibt es zwei, die sich darüber ärgern.

    Das fängt mit der Aufsplittung aller möglichen Klassen an. Anstatt eine SP9 anzubieten, gibt es Pro, Pro-Am, Am, so dass – man verzeihe mir das etwas Abschätzige – jeder Hinz und Kunz mit einem Siegerpokal nach Hause fahren kann. Das sind dann natürlich sportlich höchstwertige Wettbewerbe – die Am z. B. regelmäßig mit 2 Fahrzeugen.
    Fehlen noch AM-90 für schwergewichtige Fahrer, AM-60+ für ältere Semester und AM-1,5‰ für Fahrer, die selbst schon vor dem Rennen getankt haben. Man munkelt, es soll einzelne Fahrer geben, die in allen drei Klassen antreten könnten …

    Das neue Punktesystem ist auch eine mittlere Katastrophe, speziell für den Amateursport. Größere Fahrzeugklassen sind damit dem Tode geweiht. Wenn Du in einer quantitativ gut besetzten Klasse unter 25 Fahrzeugen hervorragender 7. wirst und nicht mehr Punkte mitnimmst, als alle 18 Teilnehmer hinter Dir, was bringt Dir das dann? Da kannste dann auch mal mit Deinem VT2 in der SP3T an den Start gehen. Gut, da gibt es dann keinen realistischen sportlichen Wettbewerb für Dich, aber da dort in der Regel Autos ausfallen, gibt es am Ende trotzdem mehr Punkte. Vergleich Saison 2021: Acht herausragende Top7-Ergebnisse in der VT2: 9 Punkte. Achtmal einfach ins Ziel rollen mit Halbgas in der SP3T: 17 Punkte. Absolut durchdachten System, Herrschaften. Weiter so!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.