Zugegeben – ob und wie der BMW M8 GTE den Klassenrivalen im Sommer in Le Mans die Stirn bieten kann, ist aktuell noch ein Rätsel. Den besten Eindruck hinterließen die Münchner beim Premierenlauf in Daytona Anfang 2018 nicht. Beeindruckend ist der Motor des Boliden jedoch allemal. Wir stellen vor.

Jeder erfolgreiche Rennwagen braucht einen leistungsfähigen und zuverlässigen Antrieb, der ihn auf Top-Speed beschleunigt. Im Falle des neuen BMW M8 GTE, der 2018 in der FIA World Endurance Championship (WEC) und der IMSA WeatherTech SportsCar Championship antritt, ist dies der BMW P63/1. Die Geschichte dieses besonderen Kraftpakets begann im Februar 2016. Damals sah man den Start des M8 GTE sehr optimistisch. Nach Daytona 2018 wissen die Ingenieure: Einfach wird das nicht. Der M8 GTE landete aus eigener Kraft nur auf dem achten Platz. Technische Probleme zwangen die Piloten immer wieder in die Box und die Mechaniker dazu, Hand an dem Neuling anzulegen. Aus eigener Kraft konnte der M8 mit der Konkurrenz nicht mithalten. Bis zu eineinhalb Sekunden pro Runde fehlten am Ende.

Jens Marquardt versuchte tagsdarauf bei den Veranstaltern zu intervenieren. Man einigte sich auf eine „M8-genehmere“ Balance of Performance. Die Kollegen von Addicted 2 Motorsport haben das im Detail mal aufgeschlüsselt. Demnach war der M8 GTE in Daytona bereits vor dem BoP-Update eines der leichtesten Autos, mit der meisten Leistung, dem größten Tankvolumen und dem geringsten Windwiderstand. Doch das alleshalf nichts. Dabei haben sich die Ingenieure der BMW Motorsport Abteilung am Anton-Ditt-Bogen in München größte Mühe gegeben, einen bisher schon leistungsstarken Motor noch effizienter zu gestalten.

Mit dem Auftakt der Konzeptionsphase für das neue GTE-Aggregat starteten die Motoringenieure von BMW Motorsport ihr umfangreichstes Projekt seit der Entwicklung des Antriebs für die DTM-Rückkehr 2012. Über 500 Konstruktionszeichnungen zum Motor und noch einmal doppelt so viele zum Gesamtantrieb wurden in den folgenden Monaten erstellt. Das Ergebnis dieser Arbeit ist der effizienteste Motor, den BMW Motorsport jemals entwickelt hat. Je nach Anforderung der Sportbehörden leistet er zwischen 500 und weit über 600 PS.

Seinen ersten Funktionstest auf dem modernen BMW Motorsport Prüfstand in München (GER) bestand der P63/1 am 20. Januar 2017 mit Bravour. Dies war für die Ingenieure ein ebenso spezieller Moment wie der Roll-out des Fahrzeugs am 1. Juli 2017 sowie der erste Renneinsatz bei den 24 Stunden von Daytona (USA) am 27. Januar 2018.

Das Ziel in der Entwicklung war genauso klar formuliert wie ehrgeizig: den effizientesten Motor zu entwickeln, der je ein BMW Rennfahrzeug angetrieben hat. Um das zu erreichen, war zunächst die Bestimmung eines für die hohen Belastungen im Rennsport ideal geeigneten Basismotors von großer Bedeutung. In enger Zusammenarbeit mit den Entwicklern der BMW M GmbH fiel die Wahl auf den BMW S63T4, jenen V8-Motor mit BMW TwinPower Turbo Technologie, der zum ersten Mal im neuen BMW M5 (Verbrauch kombiniert: 10,5 l/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 241 g/km)* zum Einsatz kam.

Die Gussrohteile des Motorblocks und des Zylinderkopfs wurden wie im Reglement vorgesehen vom Serienaggregat ohne Modifikation übernommen. Beide Komponenten stammen aus der Leichtmetallgießerei im BMW Group Werk Landshut (GER). Dort werden technologisch komplexe Motorkomponenten aus Leichtmetallguss unter Einsatz innovativer und nachhaltiger Fertigungsmethoden hergestellt.

Um diese Gussrohteile herum erfuhr der Motor des BMW M8 GTE, der aus knapp 2.300 Komponenten – davon 985 verschiedenen – besteht, eine umfangreiche Überarbeitung. 181 Teile stammen aus Serienprojekten, über 700 wurden extra für den P63/1 neu entwickelt oder aus anderen Rennmotoren von BMW Motorsport in dieses Projekt überführt. Den Hubraum reduzierten die BMW Motorsport Ingenieure entsprechend des Reglements für die GTE-Klasse von 4,4 auf 4 Liter.

Im Zuge der Neuauslegung des Kurbeltriebes wurde auch eine flache Kurbelwelle umgesetzt, die den Vorteil einer regelmäßigen Zündfolge mit sich bringt und dem Motor einen noch sportlicheren Klang verleiht. Zudem wurde die Brennraumgeometrie inklusive Ein- und Auslasskanälen so modifiziert, dass der P63/1 optimal für die Anforderungen im Renneinsatz ausgelegt ist. Zur weiteren Effizienzsteigerung tragen umfangreiche Anpassungen am Ansaug- und Abgassystem sowie die vollständige Neuauslegung der Turbolader bei.

Konkret führt dies unter anderem dazu, dass der Kraftstoff bei einer maximalen Temperatur von über 2.100 Grad Celsius zum optimalen Zeitpunkt sehr schnell und vollständig verbrennt. Der P63/1 erreicht somit Wirkungsgrade von deutlich über 40 Prozent. Das macht ihn so effizient wie keinen anderen BMW Rennmotor im Sport- und Tourenwagenbereich vor ihm. Diese Effizienz verschafft den Teams im Renneinsatz deutlich mehr Flexibilität bei der Strategie.

Neben der Effizienz ist beim P63/1 auch die Fahrbarkeit hervorzuheben. Sie hilft den Piloten dabei, auf der Strecke das Optimum aus dem BMW M8 GTE herauszuholen. Durch einen komplett neuen Ansatz in der Motorsteuerung konnten ein absolut verzögerungsfreies Ansprechverhalten und eine lineare Leistungsentfaltung des Motors erzielt werden.

Technische Daten des P63/1-Bollwerks im BMW M8 GTE

Typ V8-Motor mit BMW TwinPower Turbo Technologie
Leistung 500 bis über 600 PS (je nach Anforderung der Sportbehörde)
Hubraum 3.981 ccm
Zylinderanzahl 8
V-Winkel 90°
Bohrung 89 mm
Hub 80 mm
Zylinderabstand 98 mm
Drehzahl ca. 7.000 U/min

* Die Verbrauchswerte wurden auf Basis des EU-Testzyklus ermittelt, abhängig vom Reifenformat.
Die angegebenen Verbrauchs- und CO2-Angaben wurden nach dem vorgeschriebenen Messverfahren VO (EU) 2007/715 in der jeweils zur Genehmigung des Fahrzeugs gültigen Fassung ermittelt. Die Angaben beziehen sich auf ein Fahrzeug in Basisausstattung in Deutschland, die Spannen berücksichtigen Unterschiede in der gewählten Rad- und Reifengröße.
Die CO2-Effizienzangaben ergeben sich aus der Richtlinie 1999/94/EG und der Pkw-EnVKV und verwenden die Verbrauchs- und CO2-Werte des NEFZ zur Einstufung.
Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen neuer Personenkraft-wagen können dem „Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch, die CO2-Emissionen und den Stromverbrauch neuer Personenkraft-wagen“ entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei https://www.dat.de/angebote/verlagsprodukte/leitfaden-kraftstoffverbrauch.html unentgeltlich erhältlich ist

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Michael Brückner ist seit Jahren begeisterter Motorsportfan und Fotograf. Außerdem sammelt er wissbegierig allerlei Informationen und arbeitet diese dann auf. Warum also nicht alles unter einen Hut bringen und der Welt zur Verfügung stellen. So entstand LSR-Freun.de. Neben der fotografischen und redaktionellen Arbeit kümmert sich Michael auch um die technischen Aspekte des Internetauftritts.
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Ein Kommentar zu “Bis zu 600 PS, V8-Biturbo Motor und 4 Liter Hubraum – Der M5 Motor befeuert den Le Mans M8 GTE

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