Im ersten Teil des Interviews mit Sven Schnabl ging es um die Auswirkungen des Lockdowns für das Team und seine Ansicht ob die Langstrecken-Saison wieder starten wird. Im Gespräch mit LSR-Freun.de dreht sich der zweite Teil um die geplanten Einsätze von Schnabl, die langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit mit Falken-Tyres und welche Piloten nach dem Abschied vom BMW M6 GT3 und dem 2020 folgenden Porsche-Duo voraussichtlich hinterm Lenkrad sitzen werden – oder der Corona-Situation geschuldet auch nicht?

Falls ihr Teil eins verpasst habt findet ihr ihn hier

Wie im ersten Teil werden Fragezeichen eine große Rolle spielen.

Herr Schnabl, schauen wir nun auf die motorsportlichen Planungen des Teams. Welche Einsätze waren und sind im Kalender eingetragen?

Neben der Nürburgring Langstrecken-Serie und dem ADAC TOTAL 24h-Rennen Nürburgring 2020 für Falken sind wir verantwortlich für den technischen Support im Porsche Super Cup. Daher stehen bei uns die europäischen Formel 1 Termine noch an. Hier soll es ja dann in Spielberg los gehen. Auch hier mit Corona-Tests vorab und wahrscheinlich einer Einreise 14 Tage vorher mit Quarantäne. Dies erwartet uns ebenso für Silverstone – ist aber alles noch ungeklärt – also weiterhin mit Fragezeichen wie es realisierbar ist wo wir uns dann so lange aufhalten sollen. Hier ist es viel zu früh, um sich festzulegen. In die Niederlande und zurück geht es anscheinend schon einfacher. Ich habe gehört, dass in Hockenheim Holländische Teams bereits am Testen waren. Damit wäre zumindest Zandvoort für uns mit weniger Hürden verbunden.

Die Zusammenarbeit zwischen Falken-Tyres und Schnabl Engineering ist schon über Jahre erfolgreich. Wie kam es dazu und wann?

Falken Porsche 911 GT3 R #3 #4 Schnabl Engineering
Foto: L. Rodrigues

(lacht) Das ist eine witzige Geschichte, denn wir kamen zu Falken wie die Jungfrau zum Kind. Wir haben jahrelang Cups wie den Carrera Cup Deutschland, Super Cup oder Carrera Cup Asien betreut. Schon damals sagte ich, dass der Porsche Cup noch nicht das Ende der Fahnenstange ist. Es gibt auch andere interessante Serien.

Da lag es in der Zeit um 2010 herum auf der Hand, dass eine GT3-Geschichte in dieser boomenden Klasse sicherlich auch eine neue Herausforderung wert wäre. Mir war schon klar, dass Schnabl Engineering kein Formel 1 Team wird. Das wäre utopisch. Doch GT3 war möglich.

Diesen Gedanken haben wir dann auch publik gemacht. Zur selben Zeit – das erfuhr ich aber erst viel später – war in der Motorsport-Abteilung von Falken die Entscheidung gefallen, dass sie von einem japanischen Hersteller auf eine deutsche Premiummarke wechseln möchten. Die Projekte mit dem Nissan und Toyota liefen da bereits seit Jahren erfolgreich, doch wechselte Falken auf Porsche.

Hier sei dann bei Gesprächen in Weissach neben anderen Namen auch Schnabl Engineering gefallen, so wurden die auf uns aufmerksam. Die örtliche Nähe von Offenbach nach Butzbach stellte sich dann als weiterer Zufall heraus. Bei mir ging das Telefon und Falken trat auf mich zu. Kurz darauf waren erste Treffen, Stefanie Olbertz war von der ersten Minute an dabei. Das war Mitte 2010. Es folgten weitere Besprechungen und Verhandlungen. Ende des Jahres ging es zu den ersten Testfahrten mit dem Auto, welches noch ganz in weiß war, da dies bis dahin nicht offiziell bekanntgegeben war. Ab der VLN-Saison 2011 sind wir dann jedes Jahr bei fast jedem Lauf dabei gewesen. Mit wenigen Ausnahmen durch Terminüberschneidungen und bis 2019. 2020 sind wir noch kein Rennen gefahren (lacht).

Mit dem Ende der Saison 2019 ging auch das Aus des BMW M6 GT3 mit einher. Das Auto war recht erfolgreich, jedoch war es ein „Tanzen auf zwei Hochzeiten“. Vereinfacht die Entscheidung 2020 mit zwei Porsche GT3 R zu starten den internen Ablauf?

Ganz klar: Ja, natürlich! Stellen sie sich vor sie müssen zwei Autos von zwei Herstellern auf diesem Level betreuen. Für mich war es an der Strecke so, als ob ich zwei Teams zu leiten hätte. Erschwerend im Prinzip noch, dass wir zwei Teams an Werks-Ingenieuren so nahe zusammen hatten. Die Vorbesprechungen, die andere Teams gemeinsam machen, es fanden bei uns immer zwei davon statt, es dauerte dann doppelt so lange.

Weiterhin mussten wir den Funk splitten. Nicht jeder Support-Ingenieur von BMW sollte mitbekommen was am Porsche läuft oder Probleme macht – und umgekehrt. Die Car-Chiefs mit ihrer Mannschaft haben dann nur den Funk für jeweils ihr Auto gehört, ich als Teamchef musste immer bei zwei Autos mithören und voll dabei sein. Da wechselst man ständig zwischen drei Funkknöpfen hin und her. Einmal Auto, einmal Team intern und einmal der Support. Schlussendlich ging es doch sehr gut, da wir uns hier vor der Saison darauf vorbereiteten und das klappte. Klar, wenn der Fahrer aus dem Porsche rauskommt und mir direkte Informationen zuruft und der BMW Ingenieur stand dabei da ich mit ihm im Gespräch war – sowas lässt sich nicht vermeiden. Doch ansonsten schafften wir diese Trennung.

Aufwändig waren selbstredend auch die Lagerhaltung und Logistik. Da kannst du nicht Radträgerteile vom Porsche und BMW in eine Kiste packen. Jedes Auto hatte seinen eigenen Transporter. Hier muss ich übrigens an dieser Stelle ein ganz großes Lob an meine Jungs vom Team aussprechen, die da mitgezogen haben.

Auch die Entwicklungsarbeiten und Tests von Komponenten wie Fahrwerk, Bremsen und so weiter, dass ging auch immer in zwei Richtungen, eben auch doppelter Arbeitsaufwand bei den Nachberichten und -analysen.

Somit kam dann von ihnen, also Schnabl Engineering, die Entscheidung für zwei Porsche?

Nein, wir haben das Bestreben zwei Autos eines Herstellers aus Deutschland einzusetzen nur gepusht und diesen Wunsch stets betont. Welcher Hersteller, war mir hier egal. Wir können alles, gleich ob es ein BMW, Audi, Porsche oder Mercedes ist, doch es sollten identische Wagen eines wenn möglich deutschen Herstellers sein.

Warum explizit ein Hersteller aus Deutschland?

Das war natürlich zum einen noch vor Corona, jedoch genau während des Brexits. Also an den Einsatz eines Bentleys oder Aston Martin wäre nicht zu denken gewesen – man weiß ja nicht wie es mit der Ersatzteilversorgung und dem Ingenieur-Support aussieht. Klar wäre ein „Falken Bentley Continental GT3“ ein charmantes Projekt, aber einfach nicht machbar. Auch der Gedanke an ein Ferrari 488 GT3 im Falken-Kleid klang reizvoll. Doch ganz ehrlich, wenn mir heute ein wichtiges Teil fehlt, dann kann ich sofort nach Weissach, Ingolstadt, Affalterbach oder München fahren und bekomme es. Italien ist eine Ecke weiter weg für solche Blitzaktionen und „mal eben“ ein Getriebe in England holen geht auch nicht. Daher mein ausdrücklicher und nachdrücklicher Wunsch eines deutschen Herstellers.

Für die Marke aus Weissach entschied sich Final dann Falken. Das lag nicht in meiner Hand. Es spielten hier auch die Aspekte mit hinein, dass der Porsche das aktuellste Modell ist. BMW bringt in etwa eineinhalb Jahren den M4 GT3, der M6 wäre spätestens dann ein Auslaufmodell. Auch der weitreichende Ausstieg von Audi aus dem Verbrenner-Antrieb, welcher sich abzeichnete, wurde berücksichtigt, ein R8 ist nicht mehr bestellbar. Da wurde viel gegeneinander abgewogen und wohl überlegt. Nun fahren wir zwei Porsche 911 GT3 R und ich bin sehr zufrieden mit der Entscheidung von Falken.

Es klingt in der Tat reizvoll, wenn zwei Falken-Ferraris in der Nürburgring Langstrecken-Serie das Feld bereichern würden. Neben den Ersatzteilen, welche weiterreichenden Folgen hätte dies für ein Team das auch gleichzeitig Tests für einen weltweiten Reifenhersteller macht?

Falken Porsche 911 GT3 R #3 #4 Schnabl Engineering
Foto: L. Rodrigues

Dass diese Autos ein Hingucker sind – keine Frage. Ich bin jetzt mit den Reifengrößen des 488 nicht vertraut. Bisher war es so, dass die Hinterreifengröße vom Porsche identisch ist mit der Größe, welcher der BMW vorne und hinten fährt. Das war für Falken und uns schon einfacher. Für den Ferrari hätten vielleicht komplett neue Reifengrößen entwickelt werden müssen. Das macht auch Falken nicht mal so schnell über Nacht. Auch dieser Aspekt dürfte in die Entscheidung pro Porsche eingewirkt haben.

Sie klingen doch sehr angetan mit der Ausrichtung nun auf Porsche, richtig?

Mit Porsche arbeitet Schnabl Engineering seit den 2000er Jahren eng zusammen. Wir kennen das hervorragende Ersatzteil-Handling, das Porsche seit vielen Jahren praktiziert und wissen diese Professionalität zu schätzen. Dies geht bis in unsere Porsche-Cup-Zeit zurück. Schon da gab es ein Online-System, als andere Hersteller noch Tabellen aushändigten. Man sah sofort welche Teile wann verfügbar sind. Dieses System ist in der Zeit noch weitergewachsen. Klar, dass inzwischen alle Hersteller auf einem solchen Level arbeiten, jedoch keiner so lange wie Porsche. Das freut mich als Teamchef, der sich um sowas kümmert, denn es erleichtert meine Arbeit hinter den Kulissen sehr.

Ist der BMW M6 GT3 bereits verkauft?

Nein, das ist momentan recht verworren. Eigentlich hatten wir bereits einen Kunden aus Asien. Doch nach dem Weltweiten Ausbruch des Corona-Virus wurde es schwierig, denn ein solches Auto kauft keiner, ohne es vorher nicht zu besichtigen. Es hat auch niemand die Zeit, zwei Wochen in Quarantäne zu verbringen, dann nach Deutschland zu fliegen, einen Rennwagen besichtigen, um dann wieder nach dem Rückflug in der Heimat wiederrum 14 Tage in Quarantäne zu leben. Zumal kommt hinzu, dass der Käufer seinen Berater oder einen ganzen Stab davon mitbringt. Somit stagniert es aktuell, eigentlich käme jetzt – Stand 08. Mai, nur ein Käufer aus Deutschland in Frage. Selbst wenn die Einreisebestimmungen einher mit weiteren Lockerungen, wieder aufgehoben werden. Alle Menschen haben dann erstmal andere Sorgen und Aufgaben zu erledigen als ein Autokauf für hunderttausende Euro.

Das klingt wie die Entscheidung zum Bau eins Einfamilienhauses, diese treffen aktuell sicher auch deutlich weniger. Bei welchen Summen bewegen wir uns da?

Platz drei für den BMW M6 GT3 von Falken Motorsports
Foto: M. Brückner

Inseriert ist der BMW M6 GT3 als auch der Porsche 991 GT3 mit einer Verhandlungsbasis von 220.000.- Euro. Das Thema ist dann immer auch das Zubehörpaket. Sucht der Käufer nur das reine Auto als Ersatzteilträger für ein gleiches das er bereits hat? Oder ist es ein Interessent, der dazu so viele Teile wie möglich mitnehmen möchte, um den Wagen gelegentlich beim Trackday ein paar Stunden einzusetzen. Der ist froh, wenn er dann alles parat hat und ein frisch revidiertes Fahrzeug nutzen kann. Für ihn ist es ein Paket, an dem er über Jahre dann Freude hat.

Selbst nach Corona werden die Preise für solche Fahrzeuge – es sind ja Investitionen – nicht nach oben schnellen. Jedoch unter Preis wird nicht verkauft. Das Auto steht ja in den Büchern und hat einen gewissen Gegenwert bis es abgeschrieben ist. Somit bin ich schon froh, dass wir Interessenten haben, was ich offen gesagt nicht erwartet hätte in der momentanen Lage.

Schwenken wir zurück zum anstehenden Motorsport. Die BMW-Piloten Klingmann, Imperatori und Dusseldorp stehen sicher nicht auf dem Einsatzplan. Wie sind die beiden Porsche besetzt, um für Falken-Motorsport zu starten?

Sven Schnabl
Foto: L. Rodrigues

Die Falken-Piloten Klaus Bachler, Martin Ragginger und Peter Dumbreck sind – so sie reisen können – gesetzt. Angedacht waren eigentlich fünf Werkspiloten, ich könnte bereits die Namen nennen, aber auch ich weiß erst dann sicher wer es sein wird, wenn wir alle konkreten Termine haben – (lacht) Schauen wir mal!

Hier gibt es nun auch wieder das Fragezeichen hinter vielen der Namen, wenn am 27. Juni das erste Rennen starten darf. Bestehen Einreiseverbote oder Ausreiseverbote? Dann hätten wir keinen Fahrer aus Deutschland in Nürburg verfügbar, neben den beiden Österreichern falls sie einreisen können. Folglich wäre es plötzlich eine Option mit nur einem Auto und zwei Mann anzutreten. Dieses Fragezeichen haben aber neben uns so viele Teams mit internationaler Besatzung. Noch sind es sechs Wochen bis dahin, vielleicht ändert sich noch etwas, falls es nicht noch eine zweite Welle gibt.

Wenn es denn losgeht, dann hören die Probleme sicher nicht sofort auf. Was kommt dann womöglich?

Ab dem Moment, an dem weltweit die Serien beginnen steht ein unglaublicher Kalender an. Da wollen dann die WEC, die Formel 1 oder ILMS und ALMS wieder fahren. Die SRO GT Challenge oder ADAC GT Masters und so viele andere Serien versuchen ihre Meisterschaften noch komplett auszutragen. Da gibt es mit der Nürburgring Langstrecken-Serie viele Überschneidungen, wenn innerhalb von 3-4 Monaten so viele Rennen laufen. Hier haben die Werksfahrer eben andere Prioritäten wie zum Beispiel die RSR-Einsätze. Wir haben auf dem Zettel zwar acht Fahrer, davon fünf von Porsche, wenn die Termine so kompakt sind auf 20 Wochen – das wird schwer alle dann auch zu bekommen. Besonders wenn bis in den November am Nürburgring gefahren werden soll.

Wir wollen sicherlich weiter Rennen fahren und Entwicklungsarbeit vorantreiben. Hierfür brauche ich den „Druck auf dem Kessel“. Wir machen kein Larifari – es kostet alles Geld. Daher sind wir auf die Werksfahrer angewiesen, den sie wissen zu beschreiben wie sich das Auto verhält und berichten routiniert. Sie berichten dann nicht nur an uns, sondern auch an das Werk in Weissach. Das kann auch mal kritisch über unser Team sein, auch hier ist nicht alles Gold was glänzt und ein Fehler kann passieren. Dann muss man halt entscheiden und den Fehler abstellen oder Strategien ändern. Solche Werkspiloten können dir viel helfen beim Fahrwerk-Setup, Bremsbalance und solche Sachen. Doch nun im Mai 2020 ist alles ja etwas anders als bisher, somit stellen mich die fünf Werksfahrer demnächst vor Probleme.

Herr Schnabl, wir danken ihnen für die Gastfreundschaft und das ausführliche offene Gespräch. Wir wünschen Ihrer gesamten Mannschaft, dass sie gesund bleiben und freuen uns darauf sie irgendwann an den Rennstrecken dieser Welt anzutreffen, dann mit weniger Fragezeichen und möglicherweise mit Ausrufezeichen.

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Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
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