Außer Spesen nichts gewesen? Vielleicht noch ein paar Erfahrungen. Viel mehr nimmt die Mannschaft des Stock Rennsporttechnik-Rennteam am vergangenen Wochenende nicht mit nach Hause. Das Comeback des Eifelfroschs verlief anders als gewünscht.

Nach drei Jahren Abwesenheit von der Langstrecke sollte der giftgrüne Astra GTC zum 6h-Qualifikationsrennen eigentlich wieder die SP3 Klasse aufmischen. Für das Team war es aber ein kurzer und komplizierter Auftritt der am Sonntagmorgen noch vor dem Start zu Ende war.

Dirk Stock: „Das Wochenende begann schon schwierig. Nachdem wir diverse Hürden mit viel Rennerei gemeistert hatten, kam schon der nächste Schock. Hankook hatte schlichtweg vergessen, die von uns bestellten Reifen mitzubringen. Auch das führte wieder zu Verzögerungen und nach einigen Stunden bekamen wir zumindest mal vier Reifen, um beim freien Training auf dem GP-Kurs ein paar Runden fahren zu können.“

Andreas Winterwerber, der als Stammpilot das Auto am besten kennt, stellte schnell fest: „Der Frosch sieht aus wie früher, riecht wie früher und fährt wie früher, somit eigentlich gute Voraussetzungen für das Comeback.“ Auch der PSA-Vorstand Carlos Tavares hatte sich spontan entschlossen, den Opel Astra GTC unter die Lupe zu nehmen und stellte nach ein paar Runden auf der GP-Strecke kurz und zufrieden fest: „Das Auto ist absolut perfekt, da gibt es nichts mehr zu verbessern, großartig!“

Mit diesem Lob als Motivation ging es dann endlich ins freie Training auf der gesamten 24h-Streckenvariante inklusive Nordschleife. Volker Strycek fuhr eine Installationsrunde. Nach kleinen Umstellungen am Fahrwerk und der Spur wagte sich Andreas Winterwerber dann auf zwei Installationsrunden, um mit der Erkenntnis in die Box zu kommen: „Da draußen ist so vieles anders als früher, da braucht es einige Runden bis ich das alles gesichtet und umgesetzt habe.“

Um Carlos Tavares auch die Chance zu geben, das Auto auf der Nordschleife zu testen, ging er nochmals ans Steuer. Allerdings war die Ausfahrt knapp 30sek zu spät und er konnte nicht mehr auf die Nordschleife abbiegen, er kam somit wieder in die Box. Das Qualifying sollte eigentlich Volker Strycek als erster fahren, jedoch war der noch mit der Siegerehrung der RCN verhindert. So ging Carlos Tavares auf die Strecke, hatte aber Probleme mit der Reifentemperatur und Pickup da er öfters von der sauberen Ideallinie gehen musste.

Eifelfrosch Stock Rennsport Astra GTC
Foto: M. Brückner

Die nächsten schnellen Runden sollte Andreas vorlegen, musste aber leider mit einem Fehler der Gaspedal-Elektronik das Auto am Schwalbenschwanz abstellen. Geschlagene 1,5 Stunden benötigten wir um den Frosch zurück zur Box zu verbringen. Dort wurde in Windeseile der defekte Stellmotor getauscht und ein Systemreset gemacht.
Nach nur 7 Minuten war das Auto wieder bereit. Durch diese Verzögerung konnte Volker seine Pflichtrunden nicht mehr fahren, auch da es inzwischen dunkel in der Eifel war. Der Frosch war von der Beleuchtung nicht auf Nachtfahrt vorbereitet, so blieb dem Team nur die Wahl am Sonntag Morgen für das Q2 aufzustehen.

Volker Strycek ging bei regennasser Fahrbahn früh auf seinen ersten Run. Auch wenn das Auto „weltklasse eingestellt war“ genügte ein kurzer Moment des Aquaplaning im Hatzenbach und Volker rutschte über die feuchte Wiese den Planken zu einem doppelten Einschlag entgegen. Das Auto kam aus eigener Kraft in die Box und wurde sofort zur Schadensbilanz untersucht.

Andreas Winterwerber: „Der Schaden war eigentlich nicht zu groß, als dass wir ihn nicht bis zum Rennen provisorisch beheben konnten. Dirk Stock und die anderen Fahrer überließen mir als Stammfahrer die entgültige Entscheidung über das weitere Vorgehen. Nach ein paar Minuten an der frischen Luft und vielen Gedanken fällte ich die Entscheidung für das Team: Wir packen ein! Die Verantwortung, daß bei einer schnellen Instandsetzung nacher in den sechs Rennstunden trotzdem etwas kaputt geht wollte ich mir nicht aufladen. Keiner sollte sein Leben riskieren, wenn bei 240km/h am Schwedenkreuz doch ein Querlenker oder ähnliches bricht.“

Der Rödelheimer Autohausbesitzer weiter: „Alles in allem war es ein verrücktes Wochenende, bei dem ich mich mehr mit Bürokratie und fremdbestimmten Problemen verausgabte, als mit Rennen fahren. Das begeisterte Feedback von Tavares war natürlich nach dem Lob von Volker Strycek ein weiterer Motivationsschub.
Wir werden unser Bestes geben, um diese Saison in der VLN nun erfolgreich zu sein. Auch gibt es schon vielversprechende Ideen für 2019, wo wir wieder zum 24h-Rennen antreten möchten. Das Team und die Fahrer waren wie immer klasse. Danke! Auch sollte unser neuer Sponsor „eco cosmetics“ dankend für die Unterstützung erwähnt werden. Ebenso das hervorragende Catering, geführt von Christian Lehmann von der Simal Alm/Saalbach.“

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
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