Andreas Winterwerber, erfahrener VLN-Pilot bei dem Team Stock Rennsporttechnik, über die Pläne im kommenden Jahr wieder in der schönsten Langstreckenserie zu starten.

2015 fuhr der Eifelfrosch seinen letzten Einsatz in der VLN. Seit dem hat sich vieles getan. Und dann meldet Andreas Winterwerber überraschend den Einsatz in der kommenden Saison 2018. In der VLN. Nun ist der gebürtige Frankfurter auf der Suche nach entsprechenden Partnern und Sponsoren. Das war für uns Grund genug, da mal nachzufragen. Das Interview führte Lutz Rodrigues.

LSR-Freun.de: Andreas, die VLN Fans vermissen den Eifelfrosch. Warum war er weg? Und warum dürfen wir hoffen, dass er 2018 wiederkommt?
Andreas Winterwerber: Naja das Fernbleiben hatte mehrere Gründe. Das veränderte Umfeld und die aktuelle Situation in der VLN, mit der wir nicht immer wirklich glücklich waren, mal außen vor gelassen. Wir sind als Team ja eben auch nicht nur in der VLN unterwegs gewesen. Unsere Mannschaft ist auch in anderen Serien sowie im Rallybereich mit ihren Kundenteams sehr erfolgreich. Da werden jedes Jahr mehrere Titel geholt. Dieses Jahr werde ich hoffentlich auch dazu beitragen, ich bin momentan Tabellenführer in der Rundstrecken DM bei den Amateuren. Ich starte da gerade sehr erfolgreich auf einem Astra der ebenfalls von Stock Rennsport Technik aufgebaut wurde und betreut wird.

Was war noch ausschlaggebend für die VLN-Abstinenz?
Ein weiterer Grund für den hoffentlich nur zeitweisen Ausstieg war, dass es uns nie wirklich möglich schien einen kompartiblen Partner für mich und den Frosch zu finden. Und wenn ich einen hatte wie zum Beispiel Axel Peinemann oder Walter Nawotka, sind die entweder -leider Gottes, bei einem Autounfall verstorben, oder haben aus familiären Gründen aufgehört. Ralf Schütze war auch ein Klassetyp, aber von Anfang an nur für ein paar Läufe gesetzt um sich die VLN und vor Allem die Nordschleife mal anzuschauen.

Wie lange bist Du selbst schon beim Team Stock und mit dem Eifelfrosch unterwegs?
Ich bin jetzt seit 2011 in der VLN und beim Team Stock Rennsporttechnik, ein super Team. Wirklich sehr engagiert und eigentlich immer eine Lösung am Start wenn es irgendwo Probleme gibt. Da wird auch für das Auto so ziemlich alles selbst konstruiert und gefertigt. Das heißt immer kurze Wege und viel Mitspracherecht für die Fahrer. Durch seine langjährige Erfahrung ist Teamchef Dirk Stock ein kompetenter Ansprechpartner und hat immer ein offenes Ohr. Nach vielen Versuchen ohne den gewünschten Erfolg durch zugekaufte Teile wurden sogar ein komplette Vorderachse und fast das ganze sequentielle Getriebe selbst konstruiert und gefertigt. Techniker durch und durch halt eben. Ich bekam bei Dirk halt auch die Möglichkeit schon diverse Fahrzeuge zu fahren. Da waren doch schon wirklich geile Geräte dabei.

Welches Potential siehst Du in dem Astra? Wie stellst Du dir die nächste Saison mit dem Team vor?
Der Frosch ist ein wirklich wahnsinnig tolles Auto, aber ohne konstante Fahrerpaarung waren wir nie wirklich in der Lage das Potential des Fahrzeugs auszunutzen. Da weder Dirk noch ich von Lauf zu Lauf denken und mit ständig wechselnden Fahren unterwegs sein wollten, haben wir uns entschieden in 2015 das ich alleine fahre.

Das war für mich als Hobbyrennfahrer natürlich eine große Aufgabe, von der finanziellen Seite gar nicht zu reden. So ein 4 Stunden Rennen inklusive Qualifikation musste ich mir sehr gut einteilen, man kann nicht wirklich erst in der Quali und dann 4 Stunden lang 100% geben, ich bin in diesem Jahr ja auch immerhin schon 50 geworden. Man hat dann natürlich auch keine Referenz und kann sich nicht mal mit jemandem zusammensetzen und versuchen das „Erfahrene“ zu besprechen und eventuell umzusetzen. Das betrifft ja nicht nur die Abstimmung des Fahrzeugs sondern auch mal die gefahrene Linie oder wie schnell geht welche Stelle, welcher Gang und, und, und. Genau hierfür suchen wir einen Piloten um 2018 auch erfolgreich zu sein.

Das Auto ist schnell unterwegs, ohne Frage, ist da noch eine Steigerung möglich?
Wie haben Beide niemals aneinander oder am Auto gezweifelt, waren aber sehr sicher das man mit dem Fahrzeug deutlich schneller fahren kann. Gezeigt hat das dann der Einsatz von Volker Strycek. Der ist völlig unbefangen eingestiegen und hatte nach 3-4 Runden direkt richtig Spaß mit dem Auto und hat dann auch klar gezeigt dass es schneller geht und der Frosch dann auch zu den schnellsten SP3 Autos gehört. Das bestätigte uns, dass unsere Arbeit gut und richtig war. Außer drei Klicks an der Hinterachse und einem Verstellen der Bremsbalance nach Volkers Geschmack, wurde nichts geändert. Auch ich habe in den letzten Rennen doch recht viel Zeit gefunden. Da ist noch Luft nach oben.

Der große Erfolg in der Klasse blieb ja leider aus, Rückschläge gehören zum Motorsport dazu, was hinderte Euch an weiteren Punkten in der SP3 damals?
Oftmals hatten wir auch in Führung gelegen und sind entweder völlig unsinnig „abgeräumt“ worden, oder wegen einer Reparatur der nagelneuen Lichtmaschine. Wir sind schon wegen eines Fehlers in einem nagelneuen Poti des elektrischen Gaspedals 5-10 Minuten in der Box gestanden. Das wirft einen leider zurück. Trotzdem sind wir 2015 immer wenn wir gestartet sind angekommen.

Bei mir kamen am Ende der Saison ein paar persönliche Baustellen auf, um die ich mich erst mal kümmern musste. Damit war die Saison 2015 auch für den Frosch fast zu Ende, nur den letzten Lauf fuhr das Auto noch mal mit Volker und stand da auch beim Start in Reihe 1 bei 20 Startern.

Wann kam dann der Gedanke wieder zurück zur schönsten Langstreckenserie zu kommen?
In 2016 konnte ich mich wieder sportlich betätigen und hatte somit auch wieder einen freien Kopf für den Motorsport. Seitdem suchen wir auch wieder nach einem zuverlässigen Partner der mit uns zusammen in der VLN und eventuell dem 24h Rennen starten will. Da die SP3 ja nun wieder eine wirklich interessante Klasse ist hoffe ich natürlich darauf, dass sich jemand findet der dieses wirklich tolle Auto mit mir zurück auf die Nordschleife bringen will.

Das Angebot an zahlungsfähigen Fahrern, erfahren oder unerfahren, ist doch da. Der Eifelfrosch als schöner „exotischer Farbtupfer“ im Feld findet wirklich keinen weiteren Piloten?
Oftmals habe ich da einen ganz merkwürdigen Eindruck was den Fahrermarkt betrifft, da wird sehr viel Geld für Fahrerplätze auf einem – am Ende recht „langweiligen“ – Auto aufgerufen und realisiert. Ich denke das wir gemeinsam mit einem passenden Partner und unsere Sponsoren doch ein recht vernünftiges Gesamtpaket bieten können.

Wie verbrachte der Astra die Zeit seit Ende 2015?
Damit ein geiles Auto wie der Frosch nicht einrostet hat Dirk Stock das Auto siegreich bei einigen Sprintrennen bewegt. Ich für meinen Teil habe motorsportlich, wie vorher schon erwähnt, mal was anderes gemacht und das hat mir richtig gut getan. Da habe ich noch mal, auch durch die Erfolge bedingt, so richtig Lust bekommen in der VLN noch mal anzugreifen.

Wer nicht gleich in der SP3 starten möchte, für den gibt es sogar weitere Fahrzeuge zur Wahl. Welche?
Auch Einsteigern können wir einiges bieten, da wir ja auch noch 2 top dastehende Astras für die Klassen V3 und H2 am Start haben. Da besteht natürlich dann auch die Möglichkeit nach dem Einstieg und dem notwendigen Sammeln von Runden und somit Erfahrung in den Frosch umzusteigen. Mit uns kann man über fast Alles reden.

Andreas danke, dass Du dir die Zeit genommen hast und wir wünschen euch viel Erfolg, bei der SUche nach dem passenden Partner. Wir bei LSR-Freun.de wünschen uns, den Eifelfrosch im Frühjahr dann in seiner natürlichen Umgebung wieder zu sehen, um dann selbstverständlich weiter über Euch berichten zu können.

Solche kleinen hochmotivierten Teams sind noch immer die Würze und ein wichtiger Bestandteil der VLN.

Wer jetzt noch mehr über das Team Stock Rennsporttechnik erfahren möchte, folge dem Link auf die eigene Webseite.

Technische Daten des Opel Astra GTC:

Baujahr: 2011
Motor: 2.0L R4 16V mit 195kW/7900 U/min und 260 Nm/6000 U/min
Getriebe: Sequenzielles 6-Gang Getriebe,
Bremsanlage: 300mm 4-Kolben Bremsanlage vorne, 285mm 2-Kolben Bremsanlage hinten

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
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