Ein Vergleich zwischen Pagani und Scuderia Cameron Glickenhaus scheint ganz schön abgehoben. Zugegeben, wir treten hier in finanziellen Sphären, welche die allermeisten unserer Leserinnen und Leser nie betreten werden.

Doch auch ein Nischen-Produkt wie ein Hypercar findet seine Zielgruppe. Diese Klientel wird selten überlegen wieviel sie in ein ultrarares und superschnelles Auto investiert. Oder sollen es doch gleich zwei davon sein, plus Bonus?

Nahezu zeitgleich Mitte Februar 2020 präsentierten Pagani und die Scuderia Cameron Glickenhaus die aktuelle Speerspitze aus der jeweiligen Manufaktur. Beide Fahrzeuge unterscheiden sich nicht nur optisch stark. So ist auch die Intention hinter beiden Konzepten eine andere. Der Pagani Imola wird in einer Stückzahl von nur fünf Autos gefertigt, welche bereits laut Hersteller verkauft wurden. Der SCG 007 ist, so denn ausreichend Kundeninteresse vorhanden ist, nicht limitiert und wird auf Bestellung von der Scuderia Cameron Glickenhaus gefertigt. Aus der amerikanischen Manufaktur wird ebenso der SCG 004CS angeboten, doch dazu später.

Pagani Imola vs. SCG 007 – Die nackten Zahlen im Vergleich

Pagani Imola SCG 007
Motor Mercedes-Benz AMG 60° V12 / 5980 ccm 3L TwinTurbo V6-Motor entwickelt für
und mit der Marke Glickenhaus
Leistung 827 PS 840 PS
Drehmoment 1100 NM n.b.a.
Leergewicht 1246 kg 1100 kg
Aerodynamik Aktive Aerodynamik Le Mans Typische Aerodynamik (LMP)
Preis 5 Millionen Euro 2 Millionen Euro

Pagani Imola vs. SCG 007 – Der emotionale Faktor

Pagani Imola
Foto: Pagani

„Die Einbeziehung der Kunden war ein wesentlicher Bestandteil des Pagani-Imola-Projekts. Wir wollten verblüffen, und unsere Kunden haben sich, fasziniert von unseren Ideen und Lösungen, entschlossen, sich dem Team anzuschließen und sozusagen als Testfahrer zu fungieren. Ich werde nie den Tag vergessen, an dem wir eines der Autos an seinen Besitzer übergeben haben und wie er lächelte. Obwohl es das erste Mal war, dass er seinen Imola auf einer Rennstrecke fuhr, baute er Runde für Runde sein Selbstvertrauen auf und fuhr das Fahrzeug wie ein professioneller Rennfahrer. Als er aus dem Auto ausstieg, sagte er mir, dass er sich nie hätte vorstellen können, dass es so einfach zu fahren sein würde“, erklärt Horacio Pagani, Gründer und Chefdesigner von Pagani Automobili.

Diese Emotionen können wir uns nur ausmalen und verständlicher Weise reagiert jeder Motorsport Enthusiast sicherlich ähnlich – besonders wenn er 5 Millionen Euro hierfür hingeblättert hat.

Nun ist der Pagani Imola für keine Rennklasse der Welt homologiert oder spezifiziert. Es ist somit ein Hypercar welches bei Trackdays an den Grenzbereich gebracht wird und ansonsten als seltener Eycatcher vermutlich in Dubai oder eventuell noch auf der 5th Avenue in New York zu sehen sein wird.

Ganz unterschiedlich geht die Scuderia Cameron Glickenhaus mit dem Thema um. Der SCG 007 ist vom ersten Bleistiftstrich an als siegfähiges Rennauto entworfen worden, mit dem Ziel von Jim Glickenhaus am Circuit de la Sarthe beim prestigeträchtigsten Rennen der Welt anzutreten und – so es der Motorsportgott will – auch zu gewinnen. Sämtliche Erfahrung der Scuderia aus fast einem Jahrzehnt Langstreckenrennen floss in dieses Konzept ein. Selbstbewusst beschreibt Jim Glickenhaus seine Ambitionen: „Wenn es die 24 Stunden von Le Mans nicht bestreiten kann, ist es nicht so hyper!“

Pagani bedient sich beim Triebwerk aus der Motorenpalette bei Mercedes-AMG, welches durchaus für seine Leistung und Robustheit bekannt ist. Doch der mächtige Twin Turbo V12 benötigt eine Menge Platz. Glickenhaus setzt hier auf einen raumsparenden V6 Twin Turbo – welcher ein spektakuläres Heckdesign im Sinne eines echten Le Mans-Boliden zulässt und sowohl aerodynamisch als auch vom Gewicht deutlich effizienter sein soll. Das selbstentwickelte Triebwerk wird von den Ingenieuren darauf ausgelegt sein, mindestens 30 Stunden am Stück volle Leistung zu erbringen.

Pagani Imola vs. SCG 007 – Fazit

SCG 007 Hypercar
Foto: Scuderia Cameron Glickenhaus

Beide Fahrzeuge haben in ihrem Segment eine Daseinsberechtigung, ohne Zweifel. Auch ist ein Vergleich eher der von Äpfeln mit Birnen. Und doch kommt bei näherem Hinschauen die Frage auf, ob fünf Millionen für den Pagani Imola nötig sind, wenn bei der Scuderia Glickenhaus zu diesem Preis gleich zwei Hypercars bestellt werden können, welche sich mit wenigen Handgriffen nach einem 24h-Rennen in ein straßenzugelassenes Auto mit einzigartigem Design umwandeln lassen.

Nebenbei bietet der SCG 004CS aus dem Hause Glickenhaus für $ 598.000 US-Dollar, also etwa 550.000 Euro ein ebenso spektakuläres Fahrzeugkonzept welches kurz vor der Auslieferung steht. Nahezu täglich präsentiert Glickenhaus in Bildern und Videos die letzten Züge der Fertigung. Der SCG 004 wird als Straßenfahrzeug in Kleinserie gebaut, Glickenhaus bestätigt sogar, dass in den nächsten eineinhalb Jahren, die zur GT3-Homologation benötigten, 200 Stück fertiggestellt und verkauft werden sollen. Angetrieben von einem V8 mit 650 PS – welcher ebenfalls von der SCG entworfen und gebaut wurde – steht dem Fahrspaß und der Performance auf der Rennstrecke also nichts im Wege.

Auch dieses Auto kann vom Rennwagen noch an der Rennstrecke in ein straßenzugelassenes Fahrzeug umgebaut werden. Glickenhaus knüpft hier an frühere Traditionen an, dass man mit einem Auto zum Rennen fährt, dieses damit bestreitet und nach Zielüberquerung damit ebenso wieder abreisen kann.

SCG 004
Foto: Scuderia Cameron Glickenhaus

Die Straßenversion ist als Dreisitzer konzipiert, wobei der Fahrer vorne mittig sitzt und hinter ihm eine zweite Sitzreihe für Passagiere ist. Sicherlich nicht mit der Beinfreiheit eines Maybach, jedoch ein garantiert einmaliges Fahrgefühl der Fahrgäste.

Angenommen wir gewinnen 5 Millionen im Lotto, dann könnten wir entweder einen (nicht mehr bestellbaren) Pagani Imola kaufen. Oder mit zwei SCG 007 und zwei SCG 004 einen eindrucksvollen Fuhrpark hinstellen, mit dem man sicherlich wettbewerbsfähig im Rennen ist und auf der Straße ebenso einen Hingucker mit Unikat-Charakter bewegt. Glickenhaus wird bei der Bestellung von vier Wagen sicherlich einen Paketpreis bieten. Zwei Millionen sind noch preiswert – unter diesem Blickwinkel betrachtet sicherlich!

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